Tag-Archiv für 'zürich'

Warum die Juden – moderner Antisemitismus

Veranstaltung mit Jutta Ditfurth am Donnerstag, 11. Mai, 19:30 Uhr, im Volkshaus, Stauffacherstrasse 60, Zürich

AntisemitInnen verstehen einander auf einem Abstraktionsgrad, der 2.000 Jahre gereift ist. Über „den Juden“ müssen AntisemitInnen nur noch raunen, sie müssen jüdische Menschen nicht einmal mehr erwähnen, die judenhassende Botschaft wird von ihren AnhängerInnen dennoch begriffen. Alle alten antijüdischen Stereotype haben sich erhalten – bei Nazis und RechtspopulistInnen ohnehin, bei sich als Demokraten verstehenden BürgerInnen, aber auch in bestimmten Fraktionen der Linken.

Heute sickern im Schatten der grossen rassistischen Welle alle Spielarten des Judenhasses in neue soziale Milieus. Sie schleppen alle alten Formen des Antisemitismus mit sich und die existieren heute alle gleichzeitig: vom christlichen Antijudaismus über den rassistischen und den strukturellen, den schuldabwehrenden bis zum neueren antizionistischen Antisemitismus. Auch die alten Hass-Bilder haben die Jahrhunderte überlebt, manchmal in neuem Gewand: Jüdinnen und Juden als Christusmörder, als fädenziehende Weltherrscher, als Brunnenvergifter und Kindsmörder, als wurzel- und heimatlose Intellektuelle und revolutionäre KosmopolitInnen.

- Warum die Juden? Christlicher Antijudaismus als Quelle.
- Luther war die Pest.
- Märchen & Mythos: Romantischer Antisemitismus.
- Kant, Marr und die anderen: Als die Juden zur „Rasse“ gemacht wurden.
- Mörderische Spielarten des modernen Antisemitismus.
- Die Wiederkehr des Völkischen.
- Molotowcocktails gegen eine Synagoge als „Israelkritik“: Antisemitismus in gebildeten Kreisen.
- Vom Niedergang des radikalen Humanismus: Antisemitismus in linken Strömungen.
- Alternativer Antisemitismus a la KenFM: „Israel strebt in Palästina die Endlösung an.“
- „BDS-Kampagne“: christliche Wurzeln, internationale linke Unterstützung. Erklärtes Ziel: die Vernichtung Israels.
- Perspektiven?

* Boycott, divestments, sanctions. Gemeint ist der umfassende Boykott Israels.

Laugh up! Stand up! Rassismuskritisches Humorfestival 2016

Auf zur zweiten Runde vom rassismuskritischen Humorfestival, am 27. – 29. Oktober 2016 in der Shedhalle Zürich!

Wer das letztjährige rassismuskritische Humor-Festival in der Zürcher Shedhalle verpasst hat, erhält im Oktober 2016 eine zweite Chance.

Kaum jemand hätte sich den Riesenerfolg des letzten Jahres träumen lassen. Zweifelnde Fragen darüber ob und wenn ja wie Humor und ernsthafter Antirassismus zusammengehen, wurden schon beim ersten Mal ausgeräumt – die Antwort lautet: es kommt schlicht darauf an, auf die feinsten Nuancen und Tempi in der politisch-künstlerischen Kommunikation.

Ein Augen- und Ohrenschmaus für diejenigen, die sich auch in ihrem Alltag nicht scheuen, rassistischen Statements entgegenzutreten, egal ob sie zwischen den Zeilen, als „Witz“ oder als agressives Ressentiment daherkommen.

Was wird diesmal geboten?

Infos und Tickets unter:



Aus der Ankündigung:

Hinter dem Humorfestival steht die Idee, gemeinsamen gegen rassistische Praktiken anzulachen und herauszufinden, wie wir die Spielregeln unseres Alltags ändern können. Mit dabei sind nicht nur Humortalente wie der Welt schönster Integrationsalbtraum Jilet Ayse, der todesmutige Michel Abdollahi, der für seine Nazidorf-Doku den Deutschen Fernsehpreis gewann, oder der topoptimierte Effizienz-Slammer Fitim Litfiu, sondern auch Expert_innen aus Medien und Forschung, die sich mit Humor, Rassismus, Islamophobie und Antisemitismus in der Gegenwart beschäftigen.

Programm

Donnerstag, 27.10.2016

19:30 Uhr
Jilet Ayse : „Ghettolektuell“ – Stand-up Comedy (Idil Baydar, Berlin)
Shedhalle Zürich

Freitag, 28.10.2016

20:00 Uhr
Laugh against the machine 2016 – Slam Poetry
Michel Abdollahi (Hamburg) präsentiert Gabriel Vetter, Fatima Moumouni, Fitim Lutfiu, Amina Abulkadir, Etrit Hasler, Robin Bhattacharya und Renato Kaiser
Aktionshalle, Rote Fabrik, Zürich

Samstag, 29.10.2016

17:00 Uhr
Mit Hate Poetry gegen Burkaverbot und ISIS? Lachkämpfe mit dem Islam. Im Gespräch mit der Islamwissenschaftlerin Riem Spielhaus und weiteren Gästen
Shedhalle Zürich

19:00 Uhr
Michel Abdollahi: „Reise in eine Nazidorf oder wie weit reicht Humor?“
Werkschau mit Gespräch
Shedhalle Zürich

20:15 Uhr
Ugur Gükin (Zürich): «Multimediale Stand Up For Your Right Comedy»
Shedhalle Zürich

22:00 Uhr
Gustavo Nanez (Zürich): «Mustafa»
Mana Bugallo (Argentinien), Spoken Words & Song
Ntando Cele (Bern): «Being an (antiracist?) Activist for Dummies» – Performance

Clubraum, Rote Fabrik, Zürich

Vgl.: Laugh up. Stand Up. Linksrhein, 13.11.2015

Anarchie! Fakten und Fiktionen

Noch bis zum 4.9.2016 wird im Zürcher Strauhof die Ausstellung „Anarchie! Fakten und Fiktionen“ gezeigt. Sie ist ein Versuch, kursorisch die verschiedensten Zugänge zum Anarchismus auf zwei Etagen eines kleinen Museums zu versammeln.

Wer beim Besuch dieser Ausstellung eine systematische Einführung oder einen gründlichen Überblick über die zahlreichen Facetten des Anarchismus erwartet, wird vielleicht enttäuscht werden. So ein Vorhaben wäre auch von vornherein zum Untergang verdammt. Wer allerdings unvoreingenommen und offen in das Museum eintritt, wird mehrfach positiv überrascht sein über eine gar nicht museale Aufbereitung dieses Themas.

Wie es sich im Anarchismus gehört, wird gleich zu Beginn das Publikum zur Mitarbeit aufgefordert: In einer Wandzeitung sollen die BesucherInnen ihnen bekannte anarchistische Bands oder Interpreten sammeln. Darüber hinaus können eigene Beiträge zum Anarchismus an MuseumsmitarbeiterInnen übergeben werden, die es der Ausstellung hinzufügen. Dies funktioniert auch Online.

Das Herz der Ausstellung ist ein hell gestalteter Leseraum mit Sitzplätzen auf Holzgerüsten. An den vier Wänden befinden sich Kladden voller anarchistischer Texte, sortiert in Rubriken wie Politik, Theorie, Frauen, Schweiz, etc. Jedem dieser Texte ist ein Intro der AusstellungsmacherInnen vorangestellt, das den Text zusammenfasst und kontextualisiert. Wer möchte, kann sich jeden beliebigen Text kostenlos auf dem bereitstehenden Kopierer vervielfältigen, lochen, heften und mit nach Hause nehmen. Genial!

Oft sind diese Intros mit dem Namen Florian Eitel gezeichnet. Der Historiker Florian Eitel, der an der Universität Fribourg (CH) u.a. zum Anarchismus forscht, hat eine Dissertation mit dem Titel: „Vive la Commune libre universelle !“ : Anarchismus und Globalisierung im Tal von Saint-Imier in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts.“ geschrieben, eine Arbeit, die sich auf die starken anarchistischen Strömungen in der traditionsreichen Uhrenindustrie im Schweizer Jura bezieht.

Dieses Thema taucht auch an anderen Stellen in der Ausstellung auf, etwa wenn der experimentelle Dokumentarfilm «Uhrenarbeiter mit Werk« von Cyril Schäublin gezeigt wird. In dem Film wurden Interviews mit ehemaligen ArbeiterInnen der Uhrenindustrie nach ihrem Niedergang mit Zitaten des Anarcho-Kommunisten Piotr Kropotkin hinterlegt, der sich insbesondere aufgrund seiner Erfahrungen im Schweizer Jura zum Anarchismus bekannte.

«Ein Hirn haben heisst Anarchist sein», schreibt der Zürcher Arzt Fritz Brupbacher im Jahr 1912. Wo steht die Anarchie heute — welche Spuren hat das Streben nach einem herrschaftsfreien Leben in der Literatur und im Alltag hinterlassen? In Zusammenarbeit mit Autoren, Wissenschaftlerinnen, Künstlerinnen, Aktivisten, Schülern, Freidenkerinnen und Querulanten zeigt die Ausstellung im Strauhof Beiträge zu gelebter Anarchie, literarischen Utopien und historischen Fakten. strauhof.ch

Die Ausstellung ist noch bis zum 4.9.2016 jeweils Mi/Fr 12–18 Uhr | Do 12–24 Uhr | Sa/So 11–17 Uhr geöffnet. Der Eintritt kostet normalerweise 10 CHF bzw. ermässigt 6 CHF. An den Donnerstags-Öffnungszeiten wird ab 18 Uhr kein Eintritt mehr verlangt.

Am 17. Juli wird um 14 Uhr für zusätzliche 6 CHF eine Führung durch die Ausstellung angeboten.

Am 3.9. beteiligt sich der Strauhof an der Langen Nacht der Zürcher Museen mit dem Thema Anarchisten-Prozesse, mit Performances und einer anarchistischen Playlist, zu der man wiederum Eigenes beitragen kann.

Links

Radio LoRa: 1. Mai in Zureich

Radio LoRa sendet dieses Jahr zwei Tage lang live! vom Kaserneareal. Am Lora-Stand gibt es dieses Jahr ausserdem eine Hörstation mit Sendungen aus dem LoRa-Archiv.

Radio LoRa beteiligt sich am Polit-Programm vom 1. Mai mit einer von uns organisierten Veranstaltung. Diese findet am Samstag um 16 Uhr im Walcheturm statt. Es geht um die Selbstorganisation von Migrant_innen und Geflüchteten und wird moderiert von der interkulturellen Redaktion von Radio LoRa.

Was über 97,5 Megahertz an diesen zwei Tagen zu hören ist findet ihr im Tagesprogramm von Samstag und Sonntag.

Webradio: Live!

Quelle: http://www.lora.ch/

Refugee Convoy – Schienenersatzverkehr für Flüchtlinge

Vortrag von Katerina Anastasiou und KurtO Wendt am Samstag, 23. April 2016 um 18 Uhr in der Shedhalle Zürich.

Als der Bahnverkehr zwischen Ungarn und Österreich zum Erliegen kam (bzw. gestoppt wurde), die Menschen nicht mehr weiter konnten und die Behörden nicht mehr weiter wussten, gab das nach einer ungarischen Widerstandskämpferin aus dem 2. Weltkrieg benannte Wiener Kollektiv ein praktisches Signal: Direkte Fluchthilfe.

Über 200 Fahrerinnen und Fahrer machten sich spontan auf den Weg an die österreichisch/ungarische Grenze und bildeten einen „Schienenersatzverkehr“: einerseits praktische Hilfe, andererseits ein Durchkreuzen der Migrationspolitik Europas. Über 400 Flüchtlinge konnten die Alpenrepublik sicher erreichen. Die Überschreitung der ungarisch-österreichischen Grenze wurde so zu einem Symbol für ein transnationales Verständnis Europas.

Katerina Anastasiou ist Aktivistin und Koordinatorin bei Change4all. Change4all befasst sich mit dem Monitoring und Mapping transnationaler Bewegungen.

KurtO Wendt (Kollektiv Erzsébet Szabó / Refugee Convoy – Schienenersatzverkehr für Flüchtlinge). Das Kollektiv ist Trägerin des Lisa Fittko Preises für Fluchthilfe in der Kategorie „Fluchthilfe konkret“.

Quelle: shedhalle.ch

FRAUEN*DEMO zum Internationalen Frauenkampftag

Raus auf die Strasse zum Internationalen Frauenkampftag am Samstag, 12. März, 13.30 Uhr auf dem Hechtplatz in Zürich

Aus dem Aufruf:

Feminismus & Frauenkampf heisst auch:

  • Kriegsprofiteure angreifen
  • Mit Geflüchteten gemeinsam kämpfen
  • Selbstverwaltung & Selbstverteidigung aufbauen

Feminismus & Frauenkampf heisst auch:

  • Patriarchat & Kapital angreifen
  • gegen prekäre Jobs streiken
  • Eine herrschaftsfreie Gesellschaft aufbauen

Seit Jahrzehnten wird die 8. März-Demonstration ohne offizielle Bewilligung und unter solidarischem Fernbleiben der Männer durchgeführt. Sie ist ein wichtiger Anlass und wird von einem vielfältigen, linken, revolutionären und feministischen Frauenbündnis organisiert. Das Bündnis deckt viele Spektren der ausserparlamentarischen Linken und der linken Frauenzusammenhänge ab.

In diesem Raum, den wir uns einmal im Jahr für ein paar Stunden erobern, äussern wir uns laut und deutlich über die politischen und sozialen Kämpfe, die hier und weltweit von Frauen geführt werden.
Wir drücken unsere Solidarität aus und thematisieren Aktuelles und Historisches. Denn von all den schönen Dingen wie Gleichberechtigung und Lohngleichheit, von gerechter Arbeitsteilung und Aufenthaltsrechten für alle Frauen sind wir sehr weit entfernt. Deshalb kämpfen wir am internationalen Frauenkampftag – und an jedem anderen Tag – gegen die Gewalt an Frauen, für eine Kollektivierung der Hausarbeit, gegen Sexismus, gegen die Illegalisierung von Migrantinnen, für mehr Lohn und mehr Freizeit und vieles mehr…

Kurz: Wir kämpfen für ein gleichberechtigtes und selbstbestimmtes Leben in einer Gesellschaft ohne Ausbeutung und Unterdrückung.

8. März Frauenbündnis Zürich
frauenbuendnis@immerda.ch
www.frauenbuendnis-zueri.ch

Falttblat 2016

Feminismus heisst auch: Kriegsprofiteure angreifen / mit Geflüchteten gemeinsam kämpfen / Selbstverwaltung & Selbstverteidigung aufbauen.

Organisiert vom 8. März Frauenbündnis Zürich.

Mehr Infos http://frauenbuendnis-zueri.ch/

Hinweis: Am gleichen Tag findet ab 22 Uhr eine Frauen*Lesben*Trans*Inter*Party im Blauen Haus statt. Das Blaue Haus befindet sich in der Rautistrasse 22, Zürich.

Das 8. März Programm auf Radio LoRa!

Vielstimmig, mehrsprachig, von Frauen mit und ohne Fluchterfahrung, über Frauenkämpfe, zur Situation von geflüchteten Frauen in der Schweiz, gegen Rassismus und Kriegspolitik, für die feministische Revolution. Am 8. März gibt es ein Tag lang Sondersendungen zum Internationalen Frauenkampftag.

Alle Sendungen mit Details zum Programm findet ihr auf der http://lora.ch/

Das LoRa ist an diesem Tag offen für Frauen. Es gibt Essen und Getränke – kommt vorbei zum gemeinsamen Radiohören, oder um spontan einen Beitrag über den Äther zu senden. Bring deinen feministischen Musikwunsch mit für die Jukebox am Abend!

SPECIALS

  • 19.30 Uhr: Über das Haar (live). Ein Stück von Michèle Breu für fragende Gedanken und suchende Träume.
  • 22 Uhr: Jukebox Alarm: feministisch Feiern mit deiner Musik auf 97.5 Megahertz.

Bring Musik mit (von Frauen*!) (auf CD, Platten,MP3-Player, Memory-Stick…) und spiel sie selber im Studio ab. Oder ruf an mit einem Musikwunsch

Zum Vorbeikommen: Militärstrasse 85a

Zum Anrufen: 044 5672 24 00

Beate und Serge Klarsfeld kommen zum „Tag des jüdischen Buches 2016“ nach Zürich

Beate und Serge Klarsfeld sprechen am 13. März 2016 im Rahmen des „Tags des Jüdischen Buchs“ in Zürich, über ihre Autobiografie »Erinnerungen – Mémoires«. Sie erzählen im Gespräch in deutscher und französischer Sprache über ihr Leben und über ihre Mission.

Ort: Helferei, Kirchgasse 12, Zürich
Zeit: 20 Uhr
Veranstalter: Verein für jüdische Kultur und Wissenschaft.
Moderation: Geza Schneider (Leiterin des Literaturhauses Zürich)

Nazi! Nazi! Mit diesem Ruf stürmt Beate Klarsfeld am 7. November 1968 auf dem Bundes­parteitag der CDU den Vorstandstisch und ohrfeigt den Bundeskanzler Kurt Georg Kiesinger. Kiesinger war 1933 in die NSDAP eingetreten und hatte während des Zweiten Weltkriegs in der Rundfunkpolitischen Abteilung des Auswärtigen Amtes gearbeitet. Die Ohrfeige ist der Startschuss für die Lebensaufgabe von Beate Klarsfeld und ihrem Mann Serge: als passionierte Nazijäger verfolgen die Klarsfelds die Schreibtischtäter und die Schlächter des Holocaust – in Deutschland, wo sie straffrei leben, im Nahen Osten und in Südamerika, wohin viele geflohen sind. Sie entreißen ihre Opfer dem Vergessen, veröffentlichen ihre Bilder und Namen. Die Erinnerungen des Paares sind Zeugnis ihres lebenslangen Kampfes für die Rechte der Opfer und zugleich bewegendes Dokument einer großen Liebe.

Augrund des zu erwartenden hohen Andrangs ist die Abendveranstaltung mit Beate und Serge Klarsfeld kostenpflichtig. Eintritt: Fr. 20.-

Das übrige Programm ab 11 Uhr kostet keinen Eintritt.

Das Programm

11:00 Uhr
Lesung und Gespräch:
Felix Stössinger: „Interniert – In Schweizer Flüchtlingslagern“

Der österreichisch-jüdische Journalist Felix Stössinger rettete sich 1942 im letzten Moment vor dem Zugriff der Gestapo vom besetzten Frankreich aus über die Schweizer Grenze und war dann zwei Jahre lang in verschiedenen Flüchtlingslagern interniert. Sein präzis beobachtetes literarisches Tagebuch, das er in dieser Zeit führte, gibt nicht nur einen äusserst lebendigen und in vielen Punkten überraschenden Einblick in die Organisation und die Alltagsprobleme dieser Lager, sondern beschreibt auch – für uns Nachgeborene manchmal schmerzhaft – das nicht immer vorbildliche Verhalten der Schweizer Bewacher. So hiess den auch der Titel der ersten Publikation „Zwischen Tell und Gessler“. Dem Christoph Merian Verlag in Basel gebührt Dank dafür, diese lange nicht zugänglichen Texte in einer sehr schönen Ausgabe wieder neu publiziert zu haben. Der Mitherausgeber Peter-Jakob Kelting gibt Einblicke in die Entstehungsgeschichte und die Wiederentdeckung dieses Manuskripts. Die Ausschnitte aus Felix Stössingers Tagebuch liest Isabelle Menke vom Schauspielhaus Zürich.
Moderation: Charles Lewinsky

14:00 Uhr
Lesung Emanuel Bergmann:
„Der Trick“

1934, in Prag, bestaunt Rabbinerssohn Mosche Goldenhirsch im Zirkus die Zauberkunststücke des legendären ›Halbmondmanns‹ – es ist um ihn geschehen. Er rennt von zu Hause weg und schließt sich dem Zirkus an, der nach Deutschland weiterzieht. 2007, in Los Angeles, klettert der zehnjährige Max Cohn aus dem Fenster seines Zimmers, um den Großen Zabbatini zu finden, einen alten, abgehalfterten Zauberer. Der Junge ist überzeugt: Nur Magie kann seine Eltern, die vor der Scheidung stehen, wieder zusammenbringen. In Los Angeles treffen sie aufeinander: ein kleiner Junge, der an alles, und ein alter Mann, der an nichts mehr glaubt. Ein Zaubertrick hat sie zusammengebracht. Eine Geschichte, die Zeiten und Kontinente umspannt, ein Roman über die Zerbrechlichkeit des Lebens und den Willen, sich verzaubern zu lassen.

Emanuel Bergmann, geboren 1972 in Saarbrücken, ging nach dem Abitur nach Los Angeles, um dort Film und Journalismus zu studieren. Er war viele Jahre lang für verschiedene Filmstudios, Produktionsfirmen und Verlage in den USA und Deutschland tätig. Er übersetzt Bücher und schreibt Zeitungsartikel. Und jetzt auch Romane.
Moderation: Michael Guggenheimer

15:30 Uhr
Dr.Sylvia Asmus, Frankfurt/M.:

„Vom Suchen und Finden, Bewahren und Vermitteln – Das Deutsche Exilarchiv 1933-1945 der Deutschen Nationalbibliothek“

Habent sua fata libelli. Aber es haben nicht nur Bücher ihre Schicksale, auch die Umkehrung des alten lateinischen Sprichworts hat ihre Berechtigung: Schicksale haben ihre Bücher. Wohl nirgends wird das so deutlich wie in den Publikationen der Dichter und Denker, die von den nationalsozialistischen Herrenmenschen aus dem Land der Dichter und Denker vertrieben wurden. Sylvia Asmus ist die Leiterin des Deutschen Exilarchivs 1933-1945, einer Sondersammlung der Deutschen National­bibliothek, mit der Aufgabe, sowohl die Veröffent­lichungen als auch die Unterlagen des deutsch­sprachigen Exils während der Zeit der NS-Diktatur zu sammeln. Dazu gehören alle zwischen 1933 und 1950 von deutschsprachigen Emigranten im Ausland veröffentlichten Bücher und Broschüren aus den Bereichen Literatur, Politik, Wissenschaft und jüdische Emigration, außerdem die von ihnen herausgegebenen Zeit­schriften, zu den Unterlagen persönliche Nachlässe deutschsprachiger Emigranten aller Fachgebiete und Berufsgruppen, Archive von Exilorganisationen und Einzelautografen.
Moderation: Prof. Andreas Kilcher

17:00 Uhr
Lesung Sacha Batthyany:
„Und was hat das mit mir zu tun?“

Jahrzehnte nach der Schoah sind es nicht nur die Nachkommen der Opfer, die unter den schrecklichen Geschehnissen jener Jahre leiden – auch die „Erben“ der Täter tun sich schwer, die Taten ihrer Vorfahren für sich zu verarbeiten. Wenige Wochen vor Kriegsende gab Gräfin Thyssen-Batthyány im österreichischen Rechnitz ein rauschendes Fest. Gegen Mitternacht verliessen die Gäste das Schloss und erschossen 180 Juden, die am Bahnhof auf den Weitertransport warteten. Wie genau es zu diesem Massaker kam. ist bis heute unklar.

Sacha Batthyany, Washington-Korrespondent des TagesAnzeigers ist der Grossneffe jener Gräfin. Die Frage des Schriftstellers: „Und was hat das mit dir zu tun?“ war für ihn der Anlass zu einer Spurensuche, die ihn ins alte Ungarn führte, ins Österreich der Nachkriegszeit, in die Schweiz der Gegenwart, in die Lager des Gulag nach Sibirien, auf die Couch eines Psycho­analytikers und bis ins Wohnzimmer einer Auschwitz-Überlebenden in Buenos Aires. Er entdeckte dabei ein Geheimnis, das seinen Blick auf seine Familie und sich selbst veränderte.

Moderation: Michael Guggenheimer

20.00 Uhr
Beate und Serge Klarsfeld
“Erinnerungen – Mémoires”

Die ganze Welt in Zürich – Das 3. Zürcher Hafenforum

Unter dem Motto „Wir machen Stadt“ findet am Samstag, den 6. Februar 2016 von 12 – 18:30 Uhr im Rahmen des Projekts „Die ganze Welt in Zürich“ eine Debatte um die Teilhabe Aller statt.


Ankunft beim Hafenforum in der Shedhalle Zürich

Ein Viertel aller BewohnerInnen der Schweiz sind von politischer und rechtlicher Mitbestimmung ausgeschlossen, weil sie keinen Schweizer Pass besitzen. Vielen von ihnen wird auch der Zugang zu sozialen Dienstleistungen, zu Bildung, Arbeitsplätzen, öffentlichen Institutionen und anderen Räumen erschwert. Über Migration wird als Problem gesprochen und über zahlreiche MigrantInnen als angebliche Konfliktquelle Bescheid gewusst, während sie aus Entscheidungspositionen ausgeschlossen bleiben. Diese Ungleichheit liesse sich durch den Zugang zu sozialen Rechten und Ressourcen für Alle, die an einem Ort leben, ausgleichen.

„Urban Citizenship“ knüpft das Recht auf (soziale) Rechte und den Zugang zu Ressourcen an den Lebensmittelpunkt, nicht an die StaatsbürgerInnenschaft. Das dialogische Kunstprojekt „Die ganze Welt in Zürich. Konkrete Interventionen in die Schweizer Migrationspolitik“ (seit Oktober 2015 in der Shedhalle Zürich) fragt: Wie kann eine solche StadtbürgerInnenschaft in Zürich aussehen? Welche konkreten Interventionen in die Schweizer Migrationspolitik braucht es dazu? Das Projekt zielt darauf ab, mit den Mitteln der Kunst die politische Machbarkeit konkreter Vorschläge einer StadtbürgerInnenschaft für Zürich auszuloten, diese Vorschläge hinsichtlich ihrer Umsetzbarkeit in Zürich zu überprüfen und öffentlich vorzuschlagen. Zudem schafft es einen Ort, an dem über Sachzwänge hinaus, im Sinne einer sozialen Utopie gemeinsam nachgedacht, verhandelt und politisch agiert werden kann.

Das 3. Zürcher Hafenforum „Die Ganze Welt in Zürich. Wir machen Stadt.“ bietet Raum, die Fragestellungen und Ansprüche des Projekts aus Perspektive politischer Theorie, Stadtforschung, Kunsttheorie und Vermittlung zu durchleuchten und öffentlich zu diskutieren.
Kann ein Kunstprojekt gleichzeitig eine konkrete politische Intervention sein? Welchen Begriff des „Politischen“ braucht es in Auseinandersetzungen um gleiche Rechte für alle StadtbewohnerInnen? Wie können neue Formen des gemeinsamen, solidarischen Agierens gefunden werden? Und: Wie sehen ähnliche Debatten und Kämpfe andernorts aus?

Das Hafenforum ist das dritte in einer Reihe von vier. Während in nicht-öffentlichen so genannten „Hafengesprächen“ die Umsetzung des Projekts konkretisiert wird, bieten die „Hafenforen“ die Möglichkeit der öffentlichen Debatte und Involvierung.

Programm:

12:00
Begrüßung

12:10
Martin Krenn (Künstler) und Katharina Morawek (Kuratorische Leiterin, Shedhalle) sowie Beteiligte des Projekts / „Die Ganze Welt in Zürich. Konkrete Interventionen in die Schweizer Migrationspolitik“, anschließend Fragen und Diskussion.

13:00
Mary Jane Jacob / Sozial engagierte Kunst und das Beispiel „Die Ganze Welt in Zürich“, anschließend 20 min. Fragen & Diskussion

14:00
Kaffeepause

14:15
Oliver Marchart / Minimale Politik und der Begriff des „Politischen“, anschließend 20 min. Fragen & Diskussion

15:15
Mittagspause (Suppe & Co.)

16:00
Nora Sternfeld / Von einander lernen. Der Aspekt der Vermittlung, anschließend 20. min Fragen & Diskussion

17:00
Henrik Lebuhn / Urban Citizenship: aktuelle Debatten und Kämpfe, anschließend 20 min. Fragen & Diskussion

18:00
Abschlussdebatte, Ausblick

Mit englisch/deutscher Simultanübersetzung! Translation english/german will be provided!

Zu den Vortragenden:

Mary Jane Jacob ist Kuratorin, Autorin und Vermittlerin. Sie ist Professorin an der School of the Art Institute of Chicago. Sie war Chefkuratorin am Museum of Contemporary Art in Los Angeles und im Museum of Contemporary Art in Chicago. Seit 1990 arbeitet sie als Pionierin in den Bereichen der sozial engagierten Kunst, der ortspezifischen Kunst sowie der Kunst im öffentlichen Raum.

Oliver Marchart ist politischer Philosoph und Soziologe. 2012 ist er Professor für Soziologie an der Kunstakademie Düsseldorf. Marchart prägte den Begriff des Postfundamentalismus und diskutiert in seiner Arbeit die unterschiedlichen Gründungsversuche von Politik, dem Politischen und der Gesellschaft in Soziologie, Philosophie und politischer Theorie.

Nora Sternfeld ist Professorin für Curating and Mediating Art an der Aalto University in Helsinki. Sie ist Gründungsmitglied des Wiener Büro trafo.K, das an Forschungs- und Vermittlungsprojekten an der Schnittstelle von Wissensproduktion und Bildung arbeitet. Darüber hinaus ist sie im Leitungsteam des ecm – educating/curating/managing. masterlehrgang für ausstellungstheorie und praxis an der Universität für angewandte Kunst Wien und im Kernteam von schnittpunkt. ausstellungstheorie & praxis.

Henrik Lebuhn ist wissenschaftlicher Mitarbeiter am Lehrbereich Stadt- und Regionalsoziologie der Humboldt Universität Berlin und Redakteur von PROKLA – Zeitschrift für kritische Sozialwissenschaft. Er arbeitet zu Fragen von Urban Citizenship, Migration und Grenzen in der Stadt, sozialen Bewegungen und partizipativer Politik.

Projektwebsite: www.whole-world-in-zurich.net

Demo gegen das rassistische Migrationsregime am 12.12. in Zürich

Kommt alle an die Demo am 12.12.15 um 14 Uhr auf dem Helvetiaplatz in Zürich!

Aktionsbündnis „Stacheldraht zu Altmetall“

Quelle: http://ch.indymedia.org/de/2015/12/96287.shtml

Spezialprogramm über Flüchtlinge im Radio LoRa, Zürich

Mit einem Spezialprogramm vom Sonntag, 22. November bis am Freitag, 27. November 2015 beleuchtet das Zürcher Radio LoRa die Thematik aus verschiedenen Perspektiven. 17 Sendungsstunden werden weitgehend von Flüchtlingen und Migrant_innen und in neun verschiedenen Sprachen produziert.

Die Sendungen sind auch als Webradio zu empfangen!

Seit mehreren Monaten wird von einer sogenannten Flüchtlingskrise in Europa berichtet, viele Organi­sationen, Regierungen und Behörden haben verschiedenen Massnahmen unternommen, um das Ankommen der geflüchteten Menschen zu bewältigen. Es wird von Hunderttausenden von Menschen aus Syrien sowie aus Afghanistan, dem Irak oder Eritrea gesprochen. Die „Massen“ sind sich von Europas Aussengrenzen bis nach Zentraleuropa vorgedrungen und bedrohen das Grenzregime von Europa.

Wie wird darüber berichtet in den Medien? Diese Frage ist der Ausgangspunkt für unser Spezial­programm. Wir wollen aber uns mit der Vielfältigkeit der Situation beschäftigen: Nicht nur von den Sorgen und Ängsten Europas berichten, sondern auch aus der Perspektive der vergessenen Flücht­linge aus Palästina oder jener im Grenzegebiet von Somalia und Kenia oder jenen in Nordkurdistan (Türkei), die von kommunalen Selbstverwaltungen aufgenommen wurden. Auch selbstorganisierte Gruppen wie Refugees Radio Network aus Hamburg oder die Migrantinneninstitution Maiz aus Linz (A) und Refugees und Migrant_innen im Radio Lora kommen zu Wort.

Auftakt ist am Sonntag Abend mit einer Sendung von 18:00 – 20:00 Uhr in der zunächst das Spezialprogramm präsentiert wird.

Infos zum Programm (Flyer im PDF Format)

Quelle https://spezialprogramm.wordpress.com/2015/11/16/spezialprogramm-ueber-fluechtlinge-im-radio-lora/

http://www.lora.ch/

Laugh up. Stand Up.

Rassismuskritisches Humorfestival vom 13. – 15. November 2015 in der Shedhalle Zürich


Fatima Moumouni

Das dreitägige Festival fragt nach dem Zusammenspiel von Humor und Rassismus– mit komischen Mitteln und der Lust dagegenzulachen. Das Festival will für rassistische Strukturen in Witz und Comedy sensibilisieren, rassismuskritische Positionen im Schweizer (Humor-) Diskurs entwickeln und Formen des Humors fördern, die bestehende Stereotype überwinden und den von rassistischer Ausgrenzung Betroffenen eine Stimme verleihen.

Stand-up Comedians, Poetry Slamer, Youtuber_innen, Performance Künstler_innen, Musiker_innen und Humorforscher_innen sind eingeladen, um mit dem Publikum in einen Dialog treten. Diskussionsrunden, Podien und Workshops vermitteln die verhandelten Themen und sollen zur Reflexion des eigenen Lachens anregen.

Programm, Künstler_innen und Tickets unter www.laughupstandup.ch

Das Festival ist eine Koproduktion der Shedhalle Zürich mit dem „Verein zur Förderung rassismuskritischer Öffentlichkeiten“.

http://www.shedhalle.ch

Die ganze Welt in Zürich – Konkrete Interventionen in die Schweizer Migrationspolitik

Das Projekt „Die ganze Welt in Zürich“ fragt nach rechtlicher, politischer, sozialer und kultureller Teilhabe und erforscht, wie das Konzept einer StadtbürgerInnenschaft für alle in Zürich lebenden Menschen konkretisiert und umgesetzt werden könnte.

Projektzeitraum: Oktober 2015 – Februar 2016
Eröffnung: Do, 22. Oktober 2015 mit Schiffsfahrt
Treffpunkt Steg Bürkliplatz: 19:00, Abfahrt: 19:30
Ankunft Hafen Wollishofen: 20:30, danach Party in der Shedhalle
Erstes Hafenforum: Sa, 24. Oktober, 10:00 – 18:00

Programm des 1. Hafenforums

Projektwebsite: http://www.whole-world-in-zurich.net

Ein Viertel aller BewohnerInnen der Schweiz sind weitgehend von rechtlicher, sozialer, wirtschaftlicher und kultureller Teilhabe an Stadt und Gesellschaft ausgeschlossen, weil sie keine Schweizer StaatsbürgerInnen sind. Das Projekt „Die ganze Welt in Zürich“ zielt darauf ab, konkrete Interventionen in die Migrationspolitik zu entwickeln, diese Vorschläge hinsichtlich ihrer Umsetzbarkeit in Zürich zu überprüfen und öffentlich vorzuschlagen. Zudem schafft es einen Ort, an dem über Sachzwänge hinaus, im Sinne einer sozialen Utopie gemeinsam nachgedacht, verhandelt und politisch agiert werden kann.

Das Projekt verortet sich in der Tradition sozial engagierter Kunst. Dafür hat die Shedhalle den Künstler Martin Krenn eingeladen, der das Projekt zusammen mit Katharina Morawek (kuratorische Leitung der Shedhalle) und einer transdiziplinären Arbeitsgruppe entwickelt und umsetzt.

Urban Citizenship

Das Projekt bezieht sich auf das Konzept der Urban Citizenship. Gemeint ist damit eine „Stadtbürgerschaft“ oder auch „Wohnbürgerschaft“.
Während der Begriff „StaatsbürgerInnenschaft“ fundamentale Rechte an die Grenzen eines Nationalstaats, an Mobilitätskontrolle und Sesshaftigkeit bindet, meint StadtbürgerInnenschaft die Anpassung politischer Instrumentarien an die vielfältige Normalität moderner (Gross-)Städte. In Konzepten um StadtbürgerInnenschaft wird demzufolge nicht Migration, sondern die ungleiche Verteilung sozialer Rechte und damit der ungleich verteilte Zugang zu Ressourcen als Problem adressiert.
siehe auch „Städte(n) statt Staaten“

Formate

Wesentlich für das Projekt ist sein experimenteller Charakter. Es versucht mit den Mitteln der Kunst die politische Machbarkeit eines konketen, umsetzbaren Vorschlags, wie eine StadtbürgerInnenschaft in Zürich aussehen könnte, auszuloten.

Zentral für das Projekt „Die ganze Welt in Zürich“ ist das Bild eines Hafens, das verschiedene Bilder evoziert: Mobilität, Globalität, Handeln und Aushandeln, Ankunft, vor Anker gehen, Vielfalt und Weltoffenheit. Teils ruft diese Metapher auch widersprüchliche oder problematische Bilder hervor, die das Projekt aufgreift und bearbeitet.

Während des gesamten Projektzeitraums werden insgesamt sieben so genannte Hafengespräche stattfinden. Die Hafengespräche stellen einen dialogisch-ästhetisch gestalteten Raum dar, an dem Mitglieder der Arbeitsgruppe sowie VertreterInnen von Interessensgruppen, EntscheidungsträgerInnen, StadtpolitikerInnen, MitarbeiterInnen öffentlicher Einrichtungen usw. teilnehmen. Die Hafengespräche selbst werden in der Shedhalle dezidiert unter Ausschluss der Öffentlichkeit stattfinden, die Shedhalle fungiert so als ein geschützter Raum.

In drei öffentlichen Hafen-Foren, die jeweils 1 Tag dauern, werden lokale und internationale AkteurInnen aufeinandertreffen und Debatten führen, aber auch Erfahrungen austauschen und voneinander lernen. Der Anspruch, Debatten auf Augenhöhe zu ermöglichen, findet seine Entsprechung in einer bewusst dafür angelegten Ausstellungsarchitektur.

Das 1. Hafen-Forum zu Urban Citizenship wird am 24. Oktober 2015 (zwei Tage nach Projekt-Eröffnung) stattfinden und soll einen Einblick in aktuelle Debatten, Konflikte und Auseinandersetzungen bieten sowie konkrete Anknüpfungen an die Zürcher Gegebenheiten ermöglichen.

Die Ausstellung

Das Projekt wird von einer Ausstellung zur Geschichte und Praxis der socially engaged art in der Shedhalle begleitet. Die Ausstellung rahmt das Projekt und stellt den Zusammenhang zu ähnlichen, historischen und aktuellen Projekten her.
Einen weiteren Teil der Ausstellung bildet die Ausstellungsarchitektur, welche dialogische Gesprächsräume für die Hafengespräche, Hafenforen und Arbeitsgruppensitzungen schafft und die sich an der Hafenmetapher des Projekts orientieren.

Shedhalle Zürich: http://shedhalle.ch

Decolonizing Switzerland

Heute, am 5. September 2015, findet in Zürich die lange Nacht der Museen statt. Besonders empfehlenswert: Das Spezialprogramm in der Shedhalle Zürich ab 19 Uhr

Die Schweiz hatte keine Kolonien, und doch ist ihre Geschichte und Gegenwart von kolonialen Spuren nachhaltig geprägt. Auch die Rote Fabrik als ehemalige Seidenweberei ist Teil dieser Geschichte. Während der „Langen Nacht der Zürcher Museen“ sind alle Gäste zum gemeinsamen Essen in der Shedhalle eingeladen. Den ganzen Abend über finden zahlreiche Kurzvorträge und Diskussionen zu Aspekten der Schweizer Kolonialgeschichte statt.

20 Uhr: Ausstellungsführung

21 Uhr: Input von Patricia Purtschert, Philosophin (ETH Zürich)

22 Uhr: Ausstellungsführung

23 Uhr: Screening, Plattenstrasse 10, CH, Sally Schonfeldt, 2014

http://www.shedhalle.ch/

Lange Nacht der Zürcher Museen

Workshop: Amnesie und Geschichtspolitik

Workshop am Sonntag, 28. Juni 2015, 14–18 Uhr und Montag, 29. Juni 2015, 18–21 Uhr mit Brigitta Kuster und Regina Sarreiter (Artefakte//anti-humboldt) in der Shedhalle, Zürich

Während in der Schweiz im Jahr 2015 diskutiert wird, welches historische Datum sich am besten für die Herstellung einer Nationalgeschichte eignet, wird in Deutschland um künstlerische Formen gestritten, den der europäischen Grenzpolitik zum Opfer gefallenen Toten im Mittelmeer zu gedenken.

In Bezug auf die Verbrechen der Nazis setzte sich indes in den letzten Jahrzehnten in Deutschland und teilweise auch in Österreich ein neues Narrativ durch: man ist stolz darauf, sich zu erinnern. Immer mehr Menschen scheinen die NS-Verbrechen und insbesondere den Holocaust „verstanden“ und „internalisiert“ zu haben, so die Historikerin Cornelia Siebeck.

Gleichzeitig wird unter dem Stichwort „europäisches Gedenken“ suggeriert, die Europäische Gemeinschaft als vermeintliche Wiege von Demokratie und Humanismus könne mit ihren vielen unterschiedlichen historischen Ausgangspunkten ein gemeinsames Gedenken formulieren, das weitere Kämpfe um die Interpretation von Geschichte entbehrlich mache.

Über die Interpretation von Geschichte wird gestritten: Die koloniale Involvierung der Schweiz und ihre kollaborative Rolle in Bezug auf das Naziregime wird zunehmend geklärt und erlangt Sichtbarkeit.

Ziel des Workshops ist es, Begrifflichkeiten und Strategien einer geschichtspolitischen Praxis zu diskutieren, die Erinnerung auch als das Herstellen und Vermitteln von widerständigem Wissen begreift, welches zum emanzipatorischen Eingreifen in hegemoniale Geschichtsbilder ermächtigt.

Anmeldung unter: leitung@shedhalle.ch

Quelle: http://www.shedhalle.ch