Tag-Archiv für 'tübingen'

Tübinger Veranstaltungsreihe: Rechte Bewegungen und Rechtspopulismus in Deutschland und Europa

Im Zeichen von Sarrazin- Debatte, Pro- Bewegungen in Deutschland und den Erfolgen rechter Parteien und Strömungen in ganz Europa gibt es in den nächsten Monaten eine Reihe von Vortragsveranstaltungen im Infoladen Tübingen. Vor der Veranstaltung (19 Uhr) gibt es veganes Essen.

Rassistischer Aufbruch? – Rückblick auf eine Debatte. Vortrag von Sebastian Friedrich.

Mittwoch, 02.02.2011, 20:00 Uhr. Infoladen, Schellingstr. 6

Warum löste ein langweiliges Buch mit dem Titel „Deutschland schafft sich ab“ eine derartige Medienwelle aus? Welchen Anteil haben bürgerliche Medien daran – und wie berichteten sie? Diese beiden Fragen sollen anhand eines Rückblicks auf die Debatte zunächst im Zentrum stehen. Anschließend sollen diskursive Zusammenhänge und Stützen der der rassistischen Aussagen von Thilo S. aufgezeigt werden: Was hat die jüngste Debatte beispielsweise mit neoliberalen Leistungsdenken, Einwanderung, Islam und Demografie zu tun – und was nicht?

Sebastian Friedrich ist freier Autor aus Berlin, Redakteur von kritisch-lesen.de sowie Mitglied der Diskurswerkstatt und des AK Rechts des Duisburger Instituts für Sprach- und Sozialforschung (DISS).

Rechtspopulismus in Europa. Vortrag von Bernard Schmid.

Freitag, 04.02.2011, 20:00 Uhr. Infoladen, Schellingstr. 6

17 % für die neonazistische Jobbik-Bewegung in Ungarn, 17 % für die Islam- und Einwandererfeindliche PVV von Geert Wilders in den Niederlanden, neue Wahlerfolge für die französische Front National in Aussicht, die Koalition von Silvio Berlusconi mit der rassistischen Regionalpartei Lega Nord vorläufig gerettet… Die Liste rechtsextremer Erfolge oder Teilerfolge im westlichen wie östlichen Europa hat sich in den letzten zwei Jahren deutlich verlängert.

Doch sieht man genauer hin, verbirgt sich unter der vermeintlichen Einförmigkeit einer aufwärts strebenden extremen Rechten eine ideologische Vielfalt. Widersprüchliche Tendenzen prägen das Bild. Rücken die Einen (wie etwa die ungarische Jobbik) den Antisemitismus in ganz „klassischer“ Weise in den Vordergrund, begleitet von gewalttätigem Antitziganismus, betrachten andere rechtsextreme Kräfte diese „traditionellen“ Ideologien als eher hinderlich – da ihren Ruf
schädigend – und konzentrieren sich völlig auf einen Anti-Islam-Diskurs. Auch die wirtschafts- und sozialpolitischen Programme variieren, ebenso wie das Publikum, das durch die rechtsextremen Parteien angesprochen wird. Die Palette reicht von hartem Wirtschaftsliberalismus – der Tüchtigere überlebt und hat „Leistungsschwache“ und „Schmarotzer“ gefälligst nicht durchzufüttern – bis hin zu rot-brauner Sozialdemagogie, die sich an die Armen und Underdogs richtet. Unterschiedlich leicht oder schwer fällt den Rechtsextremen gleichzeitig das Bündnis mit konservativen oder liberalen Kräften. Bilden sie in Holland, Dänemark oder Italien einen Bestandteil rechtsbürgerlicher parlamentarischer Mehrheiten, ist eine Regierungsbeteiligung des französischen Front National bislang noch ein Tabu.

Um über diese Fragen näher zu diskutieren, haben wir Bernhard Schmid (Autor unter anderem für Jungle World und Analyse & Kritik) aus Paris eingeladen.

Rechtspopulismus in Deutschland. Vortrag von Michael Lausberg.

Mittwoch, 02.03.2011, 20:00 Uhr. Infoladen, Schellingstr. 6

Der Rechtspopulismus stellt in vielen westeuropäischen Ländern infolge von Modernisierungskrisen und politischen Repräsentationsproblemen ein Dauerphänomen dar, das zwar in seiner Größenordnung und Virulenz beträchtlichen Schwankungen unterworfen, aber jederzeit zu gegenwärtigen ist. In Anlehnung an die österreichische FPÖ und dem belgischen Vlaams Belang versucht die Pro-Bewegung, rechtspopulistische Inhalte in der Bundesrepublik in der „Mitte der
Gesellschaft“ zu verankern und langfristig eine Alternative zu den ihrer Ansicht nach „verbrauchten Altparteien“ darzustellen.

In dem Vortrag von Michael Lausberg werden Entwicklung, Strukturen und Inhalte der Pro-Bewegung sowie mögliche Gegenstrategien vorgestellt und diskutiert.

Die Rechte Gottes: Über Rechtsklerikale und christliche Fundamentalisten. Vortrag.

Mittwoch, 06.04.2011, 20:00 Uhr. Infoladen, Schellingstr. 6

Was sind eigentlich Fundamentalisten? Was sind Evangelikale? Was sind Kreationisten? Diese und andere Fragen sollen im Rahmen des Vortrages beantwortet werden. Der Vortrag soll eine Einführung in den Bereich ‚Christlicher Fundamentalismus‘ und die Kritik daran bieten. Es werden die fundamentalistischen und erzkonservativen Strömungen im
Protestantismus und Katholizismus vorgestellt, sowie ihre kennzeichnenden Einstellungen und Feindbilder.

Für die „Hardliner des Herren“ ist Religion nie nur Privatsache, sondern immer auch ein politischer Auftrag. Deswegen wird im Vortrag auch ein Blick auf ihre politischen Aktivitäten und ihre Überschneidungen bzw. Bündnisse mit der politischen extremen Rechten geworfen. Daneben wird allgemein die Aufstellung der Turbo-Christen in der Bundesrepublik betrachtet und ihr politischer Einfluss an Hand von Beispielen aufgezeigt.

Ebenso wird das Gewaltpotenzial der christlichen Rechtgläubigen hier wie weltweit erörtert werden.

Der Referent genoss selbst eine christliche Sozialisation (christlicher Kindergarten, katholisches Gymnasium), trat aber später als Ungläubiger aus der Kirche aus.

Seminar in Tübingen: „Die Politik und das Politische. Ansätze zu einer Theorie radikaler Demokratie“

Lange Zeit dominierte in der politischen Theorie der Versuch, demokratische Herrschaft durch Rückgriff auf transzendentale Vernunft- und Rechtsprinzipien zu legitimieren. In der Logik der Repräsentation konnte die Selbstherrschaft des demos nur in der externen Figur des Souveräns zusammengefasst gedacht werden. Die repräsentative Demokratie erscheint so als Endpunkt der demokratischen Selbstermächtigung der Bürgerinnen und Bürger.

Dieses Modell wird praktisch in Frage gestellt. Die Auseinandersetzungen um “Stuttgart 21” sind das bekannteste Beispiel, an dem sich die Unzufriedenheit vieler mit einem System zeigt, das die Kluft zwischen Regierenden und Regierten immer größer werden lässt und in dem der demokratische Anspruch auf eine „Legitimation durch Verfahren“ zusammen schrumpft.

Noch radikaler wird das traditionelle Modell politischer Repräsentation in aktuellen Entwürfen kritischer Sozialphilosophie und politischer Theorie in Frage gestellt. Unter Rückgriff auf republikanische Denktraditionen etwa bei Hannah Arendt und die Immanenzphilosophie Spinozas stellen radikaldemokratischer AutorInnen wie Claude Lefort, Ernesto Laclau, Chantal Mouffe, Etienne Balibar oder Jacques Rancière diesem ein Verständnis des Politischen entgegen, das die konstituierende Macht der sich frei versammelnden Individuen in den Mittelpunkt stellt. Demokratie wird so als unabschließbare Aufgabe verstanden, die sich nicht in Institutionen stillstellen lässt, sondern auf praktischer Ebene nach einer ständigen Demokratisierung von Bürokratie, Wirtschaft, Bildung und Wissenschaft, nach einer Erweiterung von Partizipationschancen sowie nach einer Politik größtmöglicher Inklusivität verlangt.

Im Seminar wollen wir anhand ausgewählter Originaltexte uns mit diesem Denken auseinandersetzen und nach seiner praktischen Relevanz fragen. Das Seminar soll durch die TeilnehmerInnen aktiv gestaltet werden. In Arbeitsgruppen sollen die Texte in Gruppenarbeit vorbereitet und anschließend im Plenum präsentiert und diskutiert werden.

Vorkenntnisse sind keine nötig.

Die Seminartexte und der Seminarplan werden den TeilnehmerInnen bei
Anmeldung kostenlos zur Verfügung gestellt.

Seminarort: Tübingen | Alte Archäologie, Übungsraum | Nauklerstr. 2

Seminarzeiten: Fr., 10.12., 17 – 20 Uhr | Sa., 11.12., 10 – 13 Uhr und 14
– 18 Uhr | So., 12.12., 10 – 13 Uhr

Anmeldung:
bis zum 06. Dezember an Alexander Schlager:
schlager@rosalux.de | Tel. 0711 99 79 70 90 | Fax 0711 99 79 70 91

Gemeinsame Veranstaltung mit dem DGB-Hochschulinformationsbüro Reutlingen/Tübingen

Rosa Luxemburg Stiftung Baden-Württemberg
Forum für politische Bildung und Kultur e.V.
Ludwigstr. 73A | 70176 Stuttgart
Tel. 0711 99 79 70 -90 | Fax -91 | Mobil 0176 21 62 39 91
www.rls-bw.de | www.rosalux.de | post@rls-bw.de

Zeitzeugengespräch mit der Auschwitz-Überlebenden Esther Bejarano

Am 09.11.2010 jährt sich zum 72sten mal die Reichspogromnacht. Zu diesem Anlass haben das Reutlinger Kulturzentrum franz.K und ART (Antifa Tübingen/Reutlingen) ein Programm zusammengestellt, das aus einem Zeitzeugengespräch mit der Auschwitz-Überlebenden und Vorsitzenden des Auschwitz-Komitees, Esther Bejarano, am 6. November ab 17.00, einem um 20.30 anschließenden Konzert mit „Bejarano & Microphone Mafia“ (Folk & HipHop) sowie einer Diskussionsrunde am Jahrestag selbst mit dem Mauthausen – Komitee Stuttgart zu „Erinnerungspolitik“ besteht. (vgl. www.franzk.net)

„Bejarano & Microphone Mafia“ haben mit „per la vita- für das Leben“ ein beispielloses Projekt versucht, zu dem zwei Bands zusammengekommen sind, die vom Stil zwar nicht viel unterschiedlicher sein könnten, jedoch von Ihren Texten her das gleiche Ziel verfolgen: Den Respekt vor dem (Menschen-)Leben und die Ächtung von Krieg, Rassismus, Antisemitismus und Faschismus.

Esther Bejarano ist eine der wenigen Überlebenden des Mädchenorchesters Auschwitz und tritt schon seit Jahren mit ihren Kindern als Gruppe
„Coincidence“ auf. Zusammen singen sie sowohl alte jüdische Lieder in „jiddischer“ Sprache als auch gegenwartsbezogene Songs, die sich mit
Ausgrenzung, Rassismus, Gewalt und Krieg beschäftigen.

Rosario Pennino, Kultu Yurtseven und Önder Bardakci treten seit 20 Jahren als Rapper unter dem Namen „Mircrophone Mafia“ auf. Sie waren/sind typische „Jugendliche mit Migrationshintergrund“ und rappen auf türkisch, deutsch und italienisch vor allem über Rassismus und Fremdenhass.

Esther Bejarano hat sich zu unserer großen Freude bereit erklärt, bereits nachmittags um 17 Uhr ein Zeitzeugengespräch zu führen. Da sie eine der
letzten Überlebenden ist, ist dies eine sehr seltene Möglichkeit.

Das Konzert beginnt dann um 20.30 Uhr. Für Schüler kostet das Konzert 7 Euro, für Erwachsene 14 Euro und ermäßigt 11 Euro. Nach Absprache gibt es
auch Gruppentarife. Die Tickets, die wir Ihnen ggf. zuschicken würden, sind auch als Bus& Bahn- Tickets verwendbar.

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INFOLADEN Tübingen
http://www.nadir.org/infoladen-tuebingen

Andreas Merkens: „Kritische politische Bildung und Pädagogik bei Antonio Gramsci“

Workshop

Wann? Samstag, 19.06.2010, 10.00 – 17.00 Uhr
Wo? Tübingen, Universitätskasse, Raum 111, Wilhelmstr. 26

“Die Außenwelt, die allgemeinen Verhältnisse zu verändern, heißt sich selbst zu potenzieren, sich selbst zu entwickeln.” (Gramsci)

Antonio Gramsci (1891-1937) war politischer Journalist, Aktivist der Turiner Rätebewegung und Mitbegründer der Kommunistischen Partei Italiens.1926 wurde er von den italienischen Faschisten inhaftiert und verstarb nach 10 Jahren Haft an den Folgen der Gefangenschaft. Seine postum veröffentlichten Gefängnishefte nehmen mittlerweile den Rang eines politischen und philosophischen Klassikers ein, der die internationale Debatte bis in die Gegenwart hinein prägt.

Der Workshop zielt nicht auf eine allgemeine Einführung in Gramscis Werk, vielmehr soll ein zentraler Aspekt seines Theoriegebäudes herausgegriffen werden: seine Beiträge zu einer emanzipatorischen politischen Bildung. Für Gramsci ist Emanzipation untrennbar an einen Prozess der kollektiven intellektuellen Selbstermächtigung der Subalternen gebunden. Das Ziel der politischen Bildung muss es daher sein, “die Regierten von den Regierenden intellektuell unabhängig zu machen” (Gramsci).

Doch kann ein solcher Prozess gelingen, ohne erneut in pädagogische Bevormundung und Fremdbestimmung umzuschlagen? Wie ist also das Verhältnis von Spontanität und pädagogischer Führung zu bestimmen? Wie kann politische Praxis zu einem integralen Bestandteil politischer Bildung werden und umgekehrt? Vor allem in seinen Überlegungen zum Alltagsverstand und seinen Entwürfen zur gesellschaftlichen Funktion der Intellektuellen, stellt sich Gramsci immer wieder diesen widersprüchlichen pädagogischen Voraussetzungen einer Umwälzung der gesellschaftlichen Verhältnisse.

Im Workshop sollen Passagen aus den Gefängnisheften studiert werden. In gemeinsamer Lesearbeit wird es dabei um die dialogische Aneignung der Kategorien und Denkansätze Gramscis gehen. Grundlage sind ausgewählte Abschnitte aus dem Werk, ergänzt um einschlägige Titel aus der Sekundärliteratur. Weiterhin soll in Form einer Ideenwerkstatt die Frage aufgegriffen werden, wie Gramscis Entwürfe heute weiterzudenken wären und welche Bereicherung sein Denken für eine politische Bildung und Pädagogik in der Linken darstellt.

Der Workshop richtet sich damit an Studierende der Geistes- und Sozialwissenschaften, Pädagogen/innen, Aktive aus der Jugend- und Erwachsenenbildung, aber auch an politisch Interessierte aus gesellschaftlichen Verbänden.
Vorkenntnisse sind nicht erforderlich.

Andreas Merkens ist Lehrbeauftragter an der Universität Hamburg. Er beschäftigt sich in seiner Dissertation insbesondere mit Antonio Gramscis Entwürfen zu Politik, Pädagogik und Hegemonie.

Ein Reader mit den wesentlichen Texten Gramscis und Hintergrundinformationen zu den Themen des Workshops wird bei Anmeldung zum Workshop zugestellt.

Anmeldungen bis zum 14.06. und Rückfragen bitte an: Alexander Schlager

5. IMI-Kongress 21./22. November: Krisenmanagement: „Sicherheitsarchitektur“ im globalen Ausnahmezustand

Freitag, 20.11.2009 ab 19:00 VoKü, ab 20:30 Vortrag, danach Kneipe

Auftaktveranstaltung
20:30 Uhr Söldner, Lager, Bürgerkrieg: Krisenmanagement in Afrika
Kevin Gurka, Jonna Schürkes, Christoph Marischka
Ort: Hausbar der Schellingstrasse 6
http://www2.schellingstrasse.de/schelling/index.php?id=58

SAMSTAG, 21.11.2009 AB 12:00 Uhr

Ort: Deutsch-Amerikanisches Institut (D.A.I.), Karlstrasse 3
http://www.dai-tuebingen.de/de/index.php?sec=kont&cat=anfahrt

12h Begrüßung

12:30-14:00 Uhr Ökonomie, Krise und Krieg
Elmar Altvater

14:30-16:00 Uhr Neue Mächte – neue Kriege? Globale Machtverschiebungen im Kontext der Krise
Jürgen Wagner

16:30-18:00 Uhr Boots on the Ground: Ausbildung und Ausrüstung von Soldaten in Drittstaaten
Jonna Schürkes

Pause & Imbiss

19:30-21:00 Uhr Risikobevölkerungen, Lagebilder und Prävention – Krisenmanagement als Regierungstechnik
Christoph Marischka

SONNTAG, 22.11.2009 AB 10:00 Uhr

Ort: Deutsch-Amerikanisches Institut (D.A.I.), Karlstrasse 3
http://www.dai-tuebingen.de/de/index.php?sec=kont&cat=anfahrt

10:00-11:30 Uhr Militarisierung von Forschung und Lehre
Mechthild Exo, Sarah Nagel

11:45-13:15 Uhr Militärischer Heimatschutz: Neue Sicherheitsarchitektur für den alltäglichen Ausnahmezustand?
Rolf Gössner

13:30-15:00 Repression gegen soziale Bewegungen in Zeiten der Krise
Tobias Pflüger, Rolf Gössner, Hedwig Krimmer u.a.

Inzwischen ist auch das Plakat zum IMI-Kongress fertig. Wir würden uns freuen, wenn möglichst viele es ausdrucken und in ihren Kneipen, etc. aufhängen würden:
http://www.imi-online.de/download/IMI-Kongressplakat2009.pdf

Den Einladungsflyer gibt es hier: http://www.imi-online.de/download/IMI-Kongressplakat2009.pdf

Auf Wunsch schicken wir natürlich auch gerne Flyer und Plakate zu. Hierfür einfach eine Mail an die IMI senden: imi@imi-online.de

Gerne versuchen wir Übernachtungsmöglichkeiten (in begrenztem Umfang) zu organisieren, auch hierfür einfach bei uns melden.

Alle Infos zum Kongress: http://www.imi-online.de/2009.php3?id=2016

IMI-Kongress 8./9. November 2008: Kein Frieden mit der NATO!

Datum: 8./9. November 2008
Ort: Schlatterhaus Tübingen, Österbergstraße 2

Seit dem Ende des Kalten Krieges hat sich die NATO von einem –
wenigstens formal – auf die Landesverteidigung ausgerichteten Bündnis
in eine global agierende Interventions- und Besatzungsarmee
verwandelt. Verschleiert hinter humanitären Motiven, geht die NATO
zur Durchsetzung der Interessen ihrer Mitgliedstaaten immer
aggressiver vor. In Europa hat sie bis an die Grenzen Russlands die
Armeen nach ihren Vorgaben umstrukturiert und aufgerüstet. Das nach
Moskau orientierte Jugoslawien hat sie bombardiert und einige
verbleibende Kleinstaaten als Protektorate der EU-Herrschaft
unterstellt. In Afghanistan führt sie eine aggressive
Aufstandsbekämpfung durch, die zu immer mehr Gewalt und weniger
Sicherheit für die Bevölkerung führt. Die NATO hat auch das
Mittelmeer zum Kriegsgebiet gegen den internationalen Terrorismus
erklärt und ihre Marine ist ständig vor der arabischen Halbinsel
präsent. Mit dem Raketenabwehrschild in Polen und Tschechien
befördert sie ein neues Wettrüsten und in Georgien riskiert das
Bündnis einen neuen Kalten Krieg.

Deutschland ist Mitglied der NATO, verstrickt sich immer tiefer in
den Krieg in Afghanistan und stellt dem Bündnis neben Soldaten auch
wichtige Infrastruktur zur Verfügung: Zum Beispiel mit dem Flughafen
Halle/Leipzig ein wichtiges Logistikdrehkreuz für die weltweiten
Einsätze des Militärbündnisses, mit der NATO-Schule in Oberammergau
und dem Marshall Center in Garmisch zentrale Einrichtungen zur
strategischen Planung. Ganz Deutschland ist von einer NATO-Pipeline
für Kerosin durchzogen und der Oberbefehlshaber der NATO ist in
Stuttgart stationiert.

Die deutsche Stadt Kehl wird im Frühjahr 2009 zudem gemeinsam mit
Straßburg Schauplatz der Feierlichkeiten zum 60jährigen Jubiläum der
Allianz. Die Friedensbewegung und viele weitere Gruppen planen
Massenproteste gegen die Feierlichkeiten, in deren Rahmen die NATO
eventuell sogar ihr Neues Strategisches Konzept vorlegen und mit
diesem eine weitere Forcierung ihrer aggressiven Expansionspolitik
beschließen wird.

Der diesjährige Kongress der Informationsstelle Militarisierung soll
zur Mobilisierung zu diesen Protesten beitragen und die Forderung
nach der längst überfälligen Auflösung der NATO inhaltlich
unterfüttern.

Vorveranstaltung am Freitag, 7.11.08:
Krieg ist Frieden: NATO-Propaganda rückwärts gelesen
Multimedialer Vortrag mit Volxküche ab 19:00 in der Hausbar der
Schellingstrasse 6

Samstag, 8.11.2008:

12:00 Kongresseröffnung

12:30-14:00 Die Waffe des Westens – Strukturen und Strategien der
NATO
(Tobias Pflüger)

14:30-16:00 Zivil-militärische Aufstandsbekämpfung in Afghanistan:
Prototyp einer neuen NATO-Strategie
(Jürgen Wagner)

16:30-18:00 Die Kolonialpolitik der NATO auf dem Balkan
(Christoph Marischka)

19:30-21:00 Kameraden im Kaukasus: NATO und EU im Schulterschluss für
eine neue Weltordnung
(Martin Hantke)

Sonntag, 9.11.2008

09:15-10:30 Kanonenboote und Piraten: Die NATO als Seemacht
(Claudia Haydt)

10:45-12:00 Schild und Schwert: Aggressive Atompolitik und
Raketenabwehr der NATO
(Arno Neuber)

12:00-14:00 Lokale Einrichtungen für globale Kriege: Kein Friede mit
der NATO in Deutschland
(mit Franz Iberl, Jens Rüggeberg, Tobias Pflüger und Mitgliedern des
Regionalen Aktionsbündnisses gegen den NATO-Gipfel)

Der Kongress wird unterstützt von: Friedensplenum/Antikriegsbündnis
Tübingen, Rosa Luxemburg Forum Baden-Württemberg, DFG-VK Tübingen und
Attac Tübingen

www.imi-online.de

Tübingen: Bunt statt Grün!

Kundgebung gegen die Maisingen-Polizeigewalt am 07-05-08

Polizeiliche Gewaltexzesse gehörten bislang nicht zum Standardrepertoire der Tübinger Politik. Umso erschreckender muten die Ereignisse der Nacht vom 30. April auf den 1. Mai in dieser Stadt an.

In mindestens drei Fällen prügelten vermummte und gepanzerte Polizei-Einsatzkräfte auf die friedliche Menge Protestierender ein – und das, obwohl die Lage in diesem Jahr „eher ruhig“ war, wie ein Polizeisprecher dem Schwäbischen Tagblatt gegenüber zugeben musste. Wie jedes Jahr hatten sich zahlreiche Menschen versammelt, um ihren Protest gegen den Fackelmarsch der reaktionären Studentenverbindungen auszudrücken. Diese sind offensichtlich der Meinung, jedes Jahr gegen den mehrheitlichen Willen der AnwohnerInnen und die zehnfache Menge von protestierenden Menschen im Stadtzentrum ihr Maisingen abhalten zu müssen. Im letzten Jahr konnte dieser Aufmarsch durch friedliche Intervention in Form einer Blockade verhindert werden. Doch dieses Jahr sollte alles anders werden:

Um dem farbentragenden Männergesangsverein auch gegen vehementen Protest den Zugang zum Holzmarkt zu ermöglichen, wurden knapp 200 Staatsuniformierte mehr aufgeboten. Insgesamt waren mindestens 500 Beamte im Einsatz. Dieses Mehr an PolizeibeamtInnen schirmte den Aufzug der Verbindungsstudenten nicht nur ab, es prügelte ihm auch rücksichtslos den Weg frei. Ohne erkennbare Provokation wurde mehrmals hemmungslos Gebrauch von Schlagstock und Faust gemacht. Völlig ohne Sinn wurden beispielsweise in einer abgelegenen Nebengasse (Hafengasse) mehrere hundert Menschen eingekesselt. Um ihre Friedfertigkeit zu demonstrieren hob die erste Reihe die Arme, gab damit ihren Schutz auf und rief „Wir sind friedlich, was seid ihr?“. Die Antwort erfolgte in Form einer Prügelorgie. Nicht der einzigen an diesem Abend: Weitere völlig unverhältnismäßige Polizeiaktionen fanden vor der Polizeiwache in Derendingen statt, wo sich eine kleine, vollkommen friedliche Menge zusammengefunden hatte, um auf die Freilassung ihrer inhaftierten FreundInnen zu warten. Diese wurde erst zusammengetrieben und -geschubst, eingekesselt und abgefilmt, und danach ohne vernünftigen Grund unter Einsatz von Tritten und Schlägen weggetrieben. Ähnlich brutal ging die Polizei bei der Räumung eines leer stehenden Gebäudes in der Doblerstraße vor, in dem zahlreiche Menschen eine Party feierten.

All diese Vorfälle dürften auch dem vor Ort befindlichen Oberbürgermeister nicht entgangen sein. Überhaupt ist unklar, inwiefern der notorische Selbstdarsteller Boris Palmer bei der ganzen Aktion die Regie führte oder zumindest mäßigend hätte eingreifen können. Mit den Befugnissen zu einer solchen Intervention brüstete er sich jedenfalls im Rahmen des Naziaufmarsches im Juli letzten Jahres.

Auch Polizei-Einsatzleiter Anton Saile steht nach der Nacht zum ersten Mai nicht gut da: Im Vorfeld des Fackelzuges hatte er beim Fernsehsender RTF von über 150 autonomen Gewalttätern schwadroniert und so den massiven Polizeieinsatz präventiv zu rechtfertigen versucht. Vom gewalttätigen schwarzen Block war in der Nacht jedoch nichts zu sehen – weshalb die Polizei wohl auch in vier von fünf Fällen Minderjährige festnehmen musste. Drei Mädchen zwischen 15 und 17 Jahren wurden so zum Opfer der Staatsgewalt und trugen zum Teil Kopfverletzungen, in jedem Fall jedoch Traumata davon.

Für uns sieht Deeskalation definitiv anders aus. Um unseren Protest gegen den brutalen Polizeieinsatz und den Fackelzug der Deutschtümler und Säbelrassler auszudrücken, veranstalten wir eine Kundgebung:

Diese findet an diesem Mittwoch (7. Mai) zwischen 17 und 18 Uhr auf dem Holzmarkt statt.

Wir fordern:

  • keine Polizeigewalt gegen DemonstrantInnen hier und überall!
  • Schon gar keine Polizeigewalt gegen Minderjährige!
  • Schluss mit der Diskriminierung von DemonstrantInnen als „KrawallmacherInnen“ in Tübingen!
  • Schluss mit dem Herbeifantasieren gewaltbereiter DemonstrantInnen durch die Polizei im Vorfeld!
  • Keine weitere Hofierung der reaktionären Seilschaften durch die Stadt!
  • keine weitere Einschränkung der BürgerInnen Tübingens durch das Maisingen am 30. April!

Es rufen bisher auf:

* Antifa T
* Infoladen-Gruppe
* „Freie SchülerInnen-Organisation“ (FSO)
* „Rote Hilfe“ – Ortsgruppe Reutlingen-Tübingen

* „Bündnis gegen das Hofieren reaktionärer Seilschaften“

(Ihr könnt Euch als Gruppe gerne diesem Aufruf anschließen. kurze Meldung reicht und ihr werdet unter die Aufrufenden gesetzt)
PS: Wer noch eigene Berichte über Erlebnisse mit der Polizei an diesem Abend hat: Schickt sie doch an infoladen-tuebingen@web.de, damit sie – gern auch anonymisiert – Gehör finden können.

>>> mehr Termine

Tübinger Mayday! Parade für Globale Soziale Rechte

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Mittwoch, 30. April 2008, 18 Uhr
Tübingen, Panzerhalle, Französisches Viertel, Aixer Straße
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Aufruf:

auch dieses Jahr gehen wir bei der MAYDAY! Parade gemeinsam für ein besseres Leben auf die Straße! Mit Musik und Tanz, Verkleidungen und bunten, kreativen und hierarchiefreien Aktionsformen …für Selbstbestimmung, ein schönes Leben für alle und globale soziale Rechte!

Immer mehr Menschen leben in unzumutbaren Verhältnissen. Viele arbeiten befristet oder ohne Vertrag, für Billiglöhne oder haben mehrere Jobs gleichzeitig. Prekäre Arbeitsverhältnisse treffen ganze Familien, zusammen mit der Reduzierung staatlicher Unterstützung gefährden sie das Wohlergehen und sogar die Ernährungssicherheit von Kindern. Das Einkommen und die soziale Herkunft bestimmen dank Studiengebühren und anderen Kommerzialisierungen in Bereichen der täglichen Daseinsvorsorge über den Zugang zu Bildung. Und nach dem Studien- oder Ausbildungsabschluss hangeln sich viele inzwischen von einem unbezahltem Praktikum zum nächsten oder arbeiten als Leiharbeiter in Zeitarbeitsunternehmen. Bildung, Gesundheitsversorgung und Altersbetreuung sind abhängig vom Geldbeutel geworden. Steigende Mieten, die Privatisierung des öffentlichen Raumes und verschärfte Kontrolle bestimmen die Entwicklung der Stadt – auch die „unserer schönen Insel Tübingen“.

WR WOLLEN SELBST SPRECHEN UND HANDELN FÜR SOZIALE GLOBALE RECHTE ÜBERALL!

Freien Zugang zu allem, was Menschen für ein Leben in Würde brauchen, unabhängig von Herkunft, Geschlecht, Hautfarbe, mit oder ohne Arbeit: Gebührenfreie Gesundheitsversorgung, Bildung, Wohnen, Nahrung, Kultur, Freiheit, Bleiberecht und Bewegungsfreiheit für alle!

Für die Parade organisieren wir Lautsprecherwagen mit Soundsystem und Musik. An symbolischen Orten auf der Strecke gibt es kurze Beiträge in Form von kreativen Aktionen, Theater, Performance, Gedichten, Liedern… Abgerundet wird das Ganze durch geschmückte Fortbewegungsmittel zu verschiedenen Themen, Verkleidungen, Jonglage, Stelzen, Großpuppen und allem was Euch einfällt, um die Parade bunt zu machen und inhaltlich zu füllen.

ES IST NICHT NÖTIG, DIE WELT ZU EROBERN. ES REICHT, SIE NEU ZU SCHAFFEN. DURCH UNS. HEUTE.
(Zapatistische Befreiungsbewegung, Chiapas, Mexico)

http://tuebingermaydayparade.twoday.net

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