Tag-Archiv für 'mahnwache'

Stolpersteine putzen in Konstanz

Am 9. November um 18 Uhr beteiligt sich die Konstanzer Stolperstein-Initiative wieder an der bundesweiten Mahnwache gegen die Novemberprogrome des 9. auf den 10. November 1938 und ruft zur Mitarbeit auf.

In Konstanz wurden mittlerweile 212 Stolpersteine verlegt, die an Opfer des Nationalsozialismus erinnern. Diese Mahnmale bedürfen einiger Pflege, u.a. müssen sie mindestens einmal pro Jahr geputzt werden, damit das verwendete Material (Messing) sich farblich nicht zu sehr verändert. Hierzu benötigt die Initiative „Stolpersteine für Konstanz – Gegen Vergessen und Intoleranz“ die praktische Mithilfe der Bevölkerung in Konstanz und den angrenzenden Ortschaften.

Wer sich an der Gedenkaktion beteiligen will, hat zwei Optionen:

  • Man kann sich einmal unter Tel. 919 007 (Mo.-Fr. 11-23 Uhr) oder unter der e-Mail Adresse putzen@stolpersteine-konstanz.de melden, um sich von der Initiative für einen entsprechenden Stolperstein in der Nähe seines Wohnortes einteilen zu lassen. Die Konstanzer Stolperstein-Initiative hat die Organisation der Mahnwachen in den verschiedenen Stadtteilen unter ihren Mitgliedern aufgeteilt (siehe Grafik).
  • Oder man sucht sich einfach selbst einen Stolperstein aus und trifft sich dann womöglich mit anderen Gleichsinnten an einem Stolperstein-Verlegeort, wodurch interessante Bekanntschaften entstehen können.

Auf der Website der Stolpersteininitiative gibt es Anleitungen, wie der Putzvorgang möglichst einfach vonstatten geht.

Doch das Putzen ist nur die eine Seite dieser Gedenkaktion. Mindestens genau so wichtig ist es, die verlegten Steine und die damit verbundenen Zusammenhänge immer wieder ins Gedächtnis zu rufen und zu mahnen, auf dass die Verbrechen des Nationalsozialismus sich nicht wiederholen. So werden die mitgebrachten Kerzen eine besondere Stimmung verbreiten, PassantInnen werden stehen bleiben und sich gerne auf ein Gespräch einlassen. Flugblätter erläutern die oftmals unglaublichen und erschütternden Biografien der Personen, für die der jeweilige Stolperstein verlegt wurde.

Quelle: http://stolpersteine-konstanz.de/index.html?2016_9_november_mahnwachen.htm

Bundesweite Mahnwachen zum 9. November

Sowohl die Konstanzer als auch die Radolfzeller Stolpersteininitiativen nehmen dieses Jahr wieder an der bundesweiten Mahnwache zum Gedenken an die Reichspogromnacht am 9. November 1938 teil. Bei dieser Mahnwache werden am 9. November in der Zeit von 18.00 – 18.30 Uhr Stolpersteine in allen beteiligten Städten zeitgleich geputzt und zum Gedenken werden an jedem Stein Kerzen entzündet und Blumen niedergelegt. An vielen Stolpersteinen wird auch über die Biographie des Opfers informiert. Die Mahnwache steht unter dem Motto „Den Toten ehrendes Gedenken und Mahnung für heute!“.

Radolfzell

Um 18 Uhr treffen sich die Radolfzeller UnterstützerInnen auf dem Seetorplatz beim Gurs-Stein. Sie werden an die Opfer des 9. und 10. Novembers 1938 erinnern. Damals gingen von der ehemaligen Radolfzeller SS-Kaserne die Zerstörungen der Synagogen in Konstanz, den Landgemeinden der Höri und im Hegau sowie die Misshandlungen zahlreicher jüdischer Einwohner aus.

Danach schliesst sich die Radolfzeller Stolpersteininitiative der bundesweiten Mahnwache an und gedenkt aller Opfer des nationalsozialistischen Regimes mit einer öffentlichen Reinigung der 16 Stolpersteine, die im Juni 2014 und im September 2015 in Radolfzell verlegt wurden.

Wer sich hieran beteiligen möchte, kann sich zur besseren Koordinierung bei info @ stolpersteine-radolfzell.de anmelden.

Konstanz

Auch in Konstanz beginnt die Putzaktion um 18 Uhr und dauert etwa eine halbe Stunde. Angesichts der zahlreichen Konstanzer Stolpersteine wurde die Stadt in mehrere Bereiche aufgeteilt und verschiedenen Bezugspersonen zugeordnet, die jeweils in ihrem Bereich die PutzhelferInnen koordinieren.

Konstanz bietet zudem folgendes Rahmenprogramm:

  • 8.11. 10 – 12 Uhr: Führung „Spuren der NS-Gewaltherrschaft auf dem jüdischen Friedhof und dem Hauptfriedhof von Konstanz“
  • 9.11., 19:30 Uhr: Vortrag von Prof. Dr. Jürgen Klöckler: Radikalisierungsschübe ‚von unten‘. Die Rolle der Konstanzer Stadtverwaltung bei der Entrech­tung, Enteignung und Deportation der Juden im Nationalsozialismus. Kulturzentrum am Münster, Wolkensteinsaal.
  • 14.11., 19:30 Uhr: Lesung mit Helmut Straub. Kulturzentrum am Münster, Gewölbekeller. Finissage der Ausstellung zum Lager Gurs
  • 20.11., 14:30 Uhr. Stadtführungen zu ausgewählten Stolpersteinen anhand von Kurzbiografien mit Schwerpunkt „Jüdische Menschen in Konstanz“.

Video zur Mahnwache: https://www.youtube.com/watch?v=p5j_3DKzfT8

http://www.9ternovember.de

Quelle: http://stolpersteine-konstanz.de, http://stolpersteine-radolfzell.de

Sammelabschiebung aus Baden-Württemberg am Tag der Deportation der Sinti und Roma nach Auschwitz

Am Dienstag, den 24.3.2015, wurden 101 Flüchtlinge aus Baden-Württemberg über den Baden-Airport nach Serbien und Mazedonien abgeschoben. In vier Freiburger Flüchtlingsheimen haben zahlreiche FreiburgerInnen in der Nacht von Montag auf Dienstag versucht, Abschiebungen aus Freiburg zu verhindern, was jedoch nicht gelang. Am Tag nach der Abschiebung protestierte eine Mahnwache auf dem Rathausplatz in Freiburg.

Die rot-grüne Landeregierung scheute sich nicht, die Sammelabschiebung just am 72. Jahrestag der Deportation der Sinti und Roma nach Auschwitz durchzuführen. Am 24.3.1943 fuhr der Todeszug ab Radolfzell und deportierte u.a. auch 10 Sinti aus Singen und Radolfzell (Familie Winter), sowie 10 Sinti aus Schwandorf/Stockach (Familie Reinhardt). Bis auf zwei Überlebende starben alle bald nach ihrer Ankunft unter den katastrophalen Lebens- und Versorgungsbedingungen des Lagers oder wurden in den Gaskammern ermordet.

Ausführliche Informationen dazu finden sich auf der Seite der Initiative für Offenes Gedenken in Radolfzell.

Wir geben hierzu einen Text des Freiburger Forum – aktiv gegen Ausgrenzung vom 21.3.2015 wieder.

Sammelabschiebung am Jahrestag (24. März) der Deportation von Roma und Sinti nach Auschwitz

Am Dienstag, den 24. März, soll erneut eine Sammelabschiebung vom Baden-Airpark nach Serbien und Mazedonien stattfinden. Betroffen sind wieder zahlreiche Angehörige der diskriminierten Minderheit der Roma. Die Abschiebung findet am 72. Jahrestag der Deportation von Sinti und Roma aus Baden-Württemberg nach Auschwitz statt. Das Freiburger Forum kritisiert die darin deutlich zutage tretende geschichtspolitische Heuchelei und moralische Verkommenheit von Landes- und Bundesregierung und kündigt Proteste an.

In Folge eines Erlasses von SS-Führer Heinrich Himmler vom 16. Dezember 1942 wurden in Süddeutschland ab dem 15. März 1943 zahlreiche Sinti und Roma inhaftiert. Anschließend wurden sie mit einem Zug in das neu errichtete sogenannte „Zigeunerfamilienlager“ Auschwitz-Birkenau B II e verschleppt, wo die meisten von ihnen ihren Tod fanden. Abfahrt in Offenburg war am 24. März 1943 um 18.39 Uhr.

72 Jahre später, just an diesem Tag, findet eine Sammelabschiebung in elende und diskriminierende Verhältnisse statt, bei der zahlreiche Menschen nachts gegen ihren Willen aus den Betten gerissen werden, um sich ein paar Stunden später an einem völlig anderen Ort wiederzufinden. In Serbien und Mazedonien sind insbesondere Roma oftmals massiver Diskriminierung ausgesetzt. Auch wenn es sich bei dem Zusammenfall der beiden Daten wahrscheinlich um einen unbeabsichtigten Zufall handelt, tritt in ihm die Heuchelei von Landes- und Bundesregierung deutlich zutage. Während einerseits inzwischen die historische Verantwortung anerkannt und betont wird, werden Roma andererseits als „Wirtschaftsflüchtlinge“ diffamiert und in menschenunwürdige Zustände abgeschoben, wie der Fall der Familie Ametovic zuletzt verdeutlicht hat.

„Der von der Landesregierung abgeschlossene Staatsvertrag scheint nur ein Lippenbekenntnis zu sein. Wenn die Landesregierung es mit ihrer historischen Verantwortung gegenüber Roma ernst meinen würde, müsste sie die Abschiebungen sofort aussetzen und ein humanitäres Bleiberecht erlassen“, erklärt Juliane Schubert vom Freiburger Forum aktiv gegen Ausgrenzung.

Die Gruppe, die sich ehrenamtlich für Geflüchtete einsetzt, hat einen offenen Brief an die Landesregierung verfasst, der auf ihrer Homepage mitgezeichnet werden kann. In dem Brief wird ein Bleiberecht für Roma aus dem ehemaligen Jugoslawien aus historischer und humanitärer Verantwortung gefordert.

Am 24. März jährt sich noch ein Tag, der für den Balkan und insbesondere die Roma von großer Bedeutung war. Am 24. März 1999 begann der völkerrechtswidrige Natokrieg gegen Ex-Jugoslawien, der die Lage der Roma dort noch einmal verschlechterte. Die Grünen und SPD tragen durch ihre damalige Regierungsbeteiligung und die Rolle von Joschka Fischer ebenfalls eine Mitverantwortung, die die grün geführte Landesregierung eigentlich davon abhalten sollte, an einem solchen Termin Menschen in diese Region abzuschieben.

Für den kommenden Dienstag ruft das Freiburger Forum mit weiteren antirassistischen Gruppen aus Baden-Württemberg zu Protesten am Baden-Airpark auf. Sollte es in Freiburg zu Abschiebungsversuchen kommen, wird es Aktionen zivilen Ungehorsams geben.

„Wo Unrecht zu Recht wird, wird Widerstand zu Pflicht. Das galt damals, und das gilt auch heute“.

Freiburger Forum – aktiv gegen Ausgrenzung (21.03.2015)

Quelle: http://www.freiburger-forum.net/2015/03/sammelabschiebung-am-jahrestag-24-maerz-der-deportation-von-roma-und-sinti-nach-auschwitz/

Bundesweite Mahnwache an den Stolpersteinen

Anlässlich der Reichspogromnacht am 9. November 1938 finden am Sonntag, 9.11.2014, gegen 18 Uhr bundesweit Mahnwachen und Stolperstein-Putzaktionen statt – u.a. auch in Konstanz und Radolfzell

Aus dem Konstanzer Aufruf:

Möchten auch Sie in dieser Zeit einen Stolperstein betreuen ? Informationen zum Ablauf der Mahnwache finden Sie hier. Gerne können Sie sich der Konstanzer Stolperstein Initiative oder mit der für den von Ihnen ausgewählten Stein verantwortlichen Kontaktperson in Verbindung setzen.

Video zur Mahnwache

Bitte beachten Sie beim Putzen die Gebrauchsanweisung zum Putzen um die Steine nicht zu beschädigen.

Aus dem Radolfzeller Aufruf:

In Radolfzell beginnt die Mahnwache bereits eine halbe Stunde früher. Am 9.11.2014 um 17:30 Uhr erinnern Mitglieder der Stolperstein-Initiative am Mahnmal vor dem RIZ an die Opfer des 9. und 10. Novembers 1938. Damals gingen von der Radolfzeller SS-Kaserne die Zerstörungen der Synagogen in Konstanz, in den Landgemeinden der Höri und im Hegau aus sowie die Misshandlungen zahlreicher jüdischer Einwohner. (Siehe Dokumentation)

Im Anschluss werden im Rahmen der bundesweiten Mahnwache zum Gedenken der Reichspogromnacht die im Juni des Jahres verlegten Stolpersteine geputzt.

Vgl. http://stolpersteine-radolfzell.de

Abschiebung von Roma aus Konstanz

In der Nacht vom 19. auf den 20. Mai wurden in Konstanz erneut Menschen nach Mazedonien abgeschoben.

Ohne Vorankündigung wurde ein Ehepaar mit 4 Kindern um ca. 2 Uhr aus dem Schlaf gerissen und bekam nur kurze Zeit, um Hab und Gut zusammen zu packen um dann in einem Bus nach Stuttgart transportiert zu werden. Von dort ging eine Sammelabschiebung im Flieger nach Mazedonien. Zurück bleiben in Angst versetzte Flüchtlinge, betroffene und verständnislose Schulfreunde, sowie über die Unmenschlichkeit empörte Eltern und Bürger. (ur)

Quelle: Aktionsbündnis Abschiebestopp Konstanz

Video von der spontanen Mahnwache am Folgetag auf der Konstanzer Marktstätte: