Archiv Seite 24

Georg-Elser Ausstellung in Konstanz

Das Kreisarchiv Konstanz zeigt noch bis Ende August 2013 die Ausstellung mit dem Titel „Ich habe den Krieg verhindern wollen. Georg Elser und das Attentat vom 8. November 1939″.

Die Ausstellung ist in der Bodenseehalle des Landratsamts, Benediktinerplatz 1, Konstanz zu sehen. Am Dienstag, 27.8.2013 um 16 Uhr, gibt es die Möglichkeit an einer kostenlosen, einstündigen Führung durch die Ausstellung teilzunehmen. Anmeldung unter Tel. 07531/8 00 19 01.

Quelle: Südkurier Online

Links

Vortrag: Antiziganismus- das Problem heisst Rassismus

Das Aktionsbündnis Abschiebestopp Konstanz veranstaltet einen Vortrag mit Videoimpressionen & Diskussion mit Michael Reibetanz (Usti nad Labem, CZ)

Nicht erst seit den rassistischen Pogromen der letzten Jahre in Ungarn und Bulgarien ist Antiziganismus mehr ins Blickfeld der bundesdeutschen Medien gerückt. Zu Beginn des 21. Jahrhunderts existieren europaweit noch immer starke Vorbehalte gegen Menschen, die sich selber als (Sinti und) Roma bezeichnen. In der Veranstaltung soll ein kurzer Blick in die Geschichte des Antiziganismus in den deutschsprachigen Ländern geworfen werden. Im Anschluss daran werden am Beispiel der Tschechischen Republik struktureller, institutioneller aber auch Alltags-Rassismus anhand von Ereignissen der letzten Jahre aufgezeigt bzw. erläutert. Dabei wird im Besonderen auf die unterschiedlichen Vorurteilsstrukturen, welche sich Rassist_innen zu eigen machen, eingegangen.

In Konstanz: Dienstag, 23. Juli 2013, 19:30 Uhr, Treffpunkt Petershausen, Konstanz

In Singen: Mittwoch, 24. Juli 2013, um 19.00 Uhr in der Singener Teestube statt.

http://abschiebestoppkn.blogsport.de/

Begleitprogramm zur Konstanzer Stolpersteinverlegung mit Schwerpunkt Sinti und Roma

Als Rahmen für die Stolpersteinverlegung am 9. September 2013 führt die Konstanzer Initiative drei Veranstaltungen zum Schwerpunkt Sinti und Roma durch. Zusätzlich findet vom 7.9. – 29.9. in der Rathaus Galerie eine Ausstellung des Verbandes Deutscher Sinti und Roma Baden-Württemberg statt.

09.09.2013 19:30 Uhr Astoriasaal

Übergabe der Stolpersteine an die Stadt Konstanz

Offizielle Übergabe der Steine an die Stadt Konstanz.

Konstanzer Schüler stellen ihr Projekt „Erinnere Dich – vergiss es nicht“ vor, im Rahmen dieses Projekts wurden im Laufe des letzten Schuljahres u.a. auch die Biographien von sieben jüdischen Opfern aus Konstanz recherchiert, für die heute Steine verlegt werden konnten.

Im Anschluss

Die Verfolgung von Sinti und Roma im Dritten Reich

Vortrag des Historikers Dr. Arnulf Moser

Der Vortrag des Historikers Arnulf Moser behandelt die Ausgrenzung der Gruppe der Sinti und Roma als Fremdrassige und Asoziale und die zwangsweise Sesshaftmachung. Sinti und Roma wurden nach rassenpolitischen Kriterien erfasst und waren im Krieg von Deportation oder Zwangssterilisation bedroht. Verdeutlicht wird diese Entwicklung an Beispielen aus der Region. Einbezogen wird auch die langwierige Auseinandersetzung um eine Entschädigung in der Nachkriegszeit.

12.09.2013 19.30 Uhr Wolkensteinsaal

Zeitzeuge Hugo Höllenreiner berichtet über seine Lebensgeschichte: Ein Sinto Kind in Auschwitz-Birkenau

Hugo Höllenreiner wurde 1933 in München geboren. Im Alter von neun Jahren wurde er mit seinen Eltern und Geschwistern, sowie zahlreichen weiteren Angehörigen in das „Zigeuner-Lager“ nach Auschwitz-Birkenau deportiert. Dort wurde er selber Opfer brutalster medizinischer Experimente. Nach einer weiteren Odyssee durch die Konzentrationslager Ravensbrück, Mauthausen und Bergen-Belsen wurde er im April 1945 befreit.
Viele Jahre hat Hugo Höllenreiner über seine schrecklichen Erlebnisse geschwiegen. Grund dafür waren auch Diffamierungen und die offene Ablehnung, der er als Sinti-Angehöriger im Nachkriegsdeutschland weiterhin ausgesetzt war.
Erst Ende der 90er Jahre hat Hugo Höllenreiner begonnen seine Lebensgeschichte zu erzählen, die Anja Tuckermann in der Biografie „Denk nicht wir bleiben hier!“ Die Lebensgeschichte des Sinto Hugo Höllenreiner 2005 veröffentlichte.

26.09.2013 19.30 Uhr Astoria-Saal

„Sündenbock“ Roma in Osteuropa – Hatz auf eine Opfergruppe des Nationalsozialismus

Annähernd jeder Angehörige der Volksgruppe der Roma in Osteuropa und auf dem Balkan hat direkte Vorfahren in den Konzentrationslagern des Nazi-Regimes verloren. Zu den rund 500.000 Opfern der europäischen Sinti und Roma, die auf Erlass des Reichsführer SS, Heinrich-Himmler ab Dezember 1942 deportiert und ermordet wurden kamen viele Zehntausende aus den heutigen Balkanstaaten.
Die aktuellen Berichte von Menschenrechtsorganisationen und des UN-Flüchtlingshilfswerk UNHCR machen deutlich, dass dieser Opfergruppe des Nationalsozialismus im heutigen Europa nicht etwa besonderer Schutz zu Teil wird, sondern dass Roma erneut in erschreckendem Maße ausgegrenzt, diskriminiert und erfolgt werden. Die stereotypen Merkmale, welche „den“ Roma zugeschrieben werden decken sich dabei häufig mit denen im Nationalsozialismus geschürten Vorurteilen.
Der Konstanzer Journalist und Autor Jürgen Weber hat 2012 ein ungarisches Dorf besucht, welches zuvor durch Pogrome an der Roma-Bevölkerung über die Landesgrenzen hinaus Schlagzeilen machte. Seine Recherche in osteuropäischen Staaten hat er mit Gesprächen von in Deutschland lebenden Flüchtlingen vom Balkan ergänzt. An den Beispielen Ungarn und Serbien beschreibt er die Stimmung in Gesellschaft und Politik sowie die Diskriminierung der Roma und deren Fluchtgründe.
Jürgen Weber geht der Frage nach, wie es sein kann, dass die Enkel und Urenkel der in Auschwitz ermordeten Sinti und Roma wieder einer institutionellen und vielerorts aggressiven Diskriminierung ausgesetzt sind und die Europäische Union diesen Teil ihrer Bürgerinnen und Bürger nicht ausreichend schützt und fördert.

Für diese drei Veranstaltungen ist der Veranstalter die „Initiative Stolpersteine für Konstanz – Gegen Vergessen und Intoleranz“ in Zusammenarbeit mit der VHS Konstanz – Singen e.V.

Weitere Veranstaltungen der Initiative Stolpersteine für Konstanz – gegen Vergessen und Intoleranz in Zusammenarbeit mit der VHS Konstanz-Singen e.V.

7.9. – 29.9. in der Rathaus Galerie

Typisch „Zigeuner“? Mythos und Wirklichkeiten

Eine Ausstellung des Verbandes Deutscher Sinti und Roma Baden-Württemberg

Am 15. März 2013 jährte sich zum siebzigsten Mal die große Deportation der Sinti und Roma aus Württemberg und Baden. Die Schergen des mörderischen Regimes verschleppten sie in das sogenannte „Zigeunerlager“ Auschwitz-Birkenau. Nahezu die Hälfte dieser Deportierten waren Kinder unter 16 Jahren. Diese Deportation war Bestandteil der rassistischen Vernichtungspolitik der Nazis, die nur etwa zehn Prozent der seit Jahrhunderten in Mitteleuropa ansässigen Sinti und Roma überlebten.
Dennoch wurde nach dem Untergang des NS-Regimes weder das begangene Unrecht gesühnt noch gab es Wiedergutmachung. Vielmehr wurden die Sinti und Roma weiterhin diskriminiert und verfolgt – teilweise von denselben Beamten, die zuvor schon an ihrer Verfolgung mitgewirkt hatten.
In Konstanz wird am 9. September 2013 erstmals ein Stolperstein für einen Angehörigen dieser Opfergruppe verlegt. In Erinnerung an diese oft „vergessene“ Opfergruppe, plant die Initiative Stolpersteine für Konstanz in diesem Jahr verschiedene Begleitveranstaltungen zu dem Thema, auch ein Überlebender der Deportation, der Sinto Hugo Höllenreiner, wird nach Konstanz kommen und von der Verfolgungsgeschichte seiner Familie berichten. Er selber überlebte als Kind die Konzentrationslager Auschwitz-Birkenau, Ravensbrück, Mauthausen und Bergen-Belsen.
Diese Ausstellung soll vor allem auch Schulklassen die Möglichkeit geben, sich vertiefend mit dem Thema zu beschäftigen. Denn das Thema ist von erschreckender Aktualität:
In weiten Teilen Europas werden Sinti und Roma noch immer diskriminiert, vertrieben und verfolgt. In Ungarn, Rumänien, Tschechien und im Kosovo fehlen ihnen die Lebensgrundlagen und der Schutz von Behörden und Öffentlichkeit. Aus Frankreich werden sie verjagt, in Italien isoliert. Die Zugewanderten werden in Deutschland, wo sie Schutz und Arbeit suchen, unter Missachtung elementarer Menschenrechte abgeschoben.

Quelle: http://www.juergenweber.eu/

Proteste nach Räumung des Gezi-Parks, Istanbul

Radio Livestream vom Taksim-Platz: http://www.geziradyo.org/ (türkisch/englisch)

Quelle: http://gezipark.nadir.org

Lesung: Waffenhandel – Wie Deutschland am Krieg verdient

Buchvorstellung von und mit Jürgen Grässlin am 18.06.13 um 20 Uhr in der Spiegelhalle Konstanz

Mit Enthüllungen muss gerechnet werden: Am 18.6. liest Jürgen Grässlin, einer der profiliertesten Rüstungskritiker Deutschlands, aus seinem im Mai erschienenen »Schwarzbuch Waffenhandel«.

Er nennt Namen und Profiteure sowie neue, hochbrisante Fakten aus dem »Geschäft mit dem Tod«, das eine ihrer Wurzeln gerade
am Bodensee hat. Denn unsere Politiker beschwören den Frieden und betreiben den Krieg: Deutschland ist der weltweit drittgrößte
Waffenexporteur – und macht auch vor Lieferungen an verbrecherische Regime nicht halt. Lesung und Diskussion.

Eintritt: 9,- Ermässigt 6,-Euro

Festival contre le racism an der Uni Konstanz

3.6. Carolin Ott → 19.45 Uhr in K5 (Unter der Mensa)

Input und Diskussionsrunde mit Prof. Dr. Weltecke, Dr. Blome und Dr. Rath:
theoretisch richtig – praktisch uneindeutig: rassismuskritisches Handeln zwischen Theorie und Praxis

Der Input mit Einführungscharakter möchte einige praxisrelevante Aspekte verschiedener Rassismustheorien aufzeigen. Widersprüche für die antirassistische Arbeit ergeben sich so unter anderem aus dem Wunsch nach moralischer Verurteilung des Rassismus und der Erkenntnis seiner gesellschaftlichen Normalität. Ebenso auch aus den persönlichen Positionierungsmöglichkeiten von antirassistisch Tätigen im Spannungsfeld zwischen eigenen Privilegierungen und stellvertretender Ermächtigung. Inwiefern sie Reflektionspotentiale für ein informiertes rassismuskritisches Handeln bereitstellen können, soll anhand von Beispielen in der offenen Diskussion zur Sprache kommen.

Carolin Ott ist die fzs-Koordinatorin des bundesweiten festival contre le racisme im Jahr 2013 und Antidiskriminierungsreferentin der Fachschaftskonferenz der Universität Heidelberg.

4.6. Robin Brodt → 19.00 Uhr G309

Hippe Nazis? Neue Organisationsformen rechter Jugendkulturen und neonazistische Styles & Codes.

Die rechte Szene verändert sich fortwährend. Freilich nicht in Bezug auf ihre charakteristisch menschenverachtenden Ansichten, wohl aber in Formen der Erscheinung und Aufnahme (pop)kultureller und sonstiger medialer Einflüsse. Der Vortrag handelt daher von wandelnden Selbstdarstellungen und Organisationsformen der rechten bzw. neonazistischen Szene in Deutschland.

Robin Brodt ist freier Referent der Landeszentrale für politische Bildung BW und Trainer des Netzwerk für Demokratie und Courage e.V.

Hinweis: Der ehemalige Konstanzer Robin Brodt arbeitet in dem von linker Seite scharf kritisierten ([1] [2] [3]) Projekt „TEAM meX“. Es handelt sich dabei um ein Kooperationsprojekt zw. der Landeszentrale f. pol. Bildung und dem Verfassungsschutz.

5.6. Dorothea Weltecke → 19:00 Uhr D406

Rasse und Religion im Mittelalter

In dem wichtigsten Nachschlagewerk für diese Epoche, dem Lexikon des Mittelalters, gibt es keinen Eintrag zu “Rasse”. Von einer intensiven Erforschung der Kategorie Rasse wird man allgemein nicht sprechen können. Trotzdem sind einige interessante Fragen zu klären. Kann man sagen, dass Segregation und Diskriminierung im Mittelalter statt mit der Kategorie Rasse über die Religion begründet wurde? Wie wurden indessen z.B. Menschen mit afrikanischer Herkunft wahrgenommen? Zeigt die Debatte um die Reinheit des Blutes der Altchristen versus der getauften Juden auf der Iberischen Halbinsel im 15. Jahrhundert und der Antijudaismus insgesamt den Beginn des modernen Rassismus an? Schließlich diente die mittelalterliche Geschichte als Arsenal für moderne, rassistische Argumente. Wie war das möglich, und ist die Mittelalterforschung heute frei von Rassismus?

Dorothea Weltecke ist Professorin für die Geschichte der Religionen an der Universität Konstanz.

6.6. Dr. Harry Waibel → 19.00 Uhr A704

Rassisten in Deutschland – verleugnet und verdrängt?

Wie wurde mit Rassisten und ihren Taten in der DDR bzw. in der BRD umgegangen? Wie kam es, dass ost-deutsche Männer und männliche Jugendliche überproportional,gemessen an der Zahl der jeweiligen Bevölkerungszahl, als Täter beteiligt sind? Wie ist es möglich geworden, dass im Osten, gemessen an der Bevölkerungszahl, eine zwei- bis dreifach höhere Anzahl neo-nazistischer, rassistischer oder anti-semitischer Straftaten zu verzeichnen ist?

Seit der Aufdeckung der rassistischen Gruppe „NSU“ im November 2011 wird der Öffentlichkeit bewusst, dass es in den Sicherheitsinstitutionen, bis hinauf zur Ministerebene, kein signifikantes Bewusstsein für rassistische Inhalte und Strukturen gibt bzw. das die Hinweise auf rechtsterroristische Urheber für die Mordserie verleugnet und verdrängt worden sind. Welche Möglichkeiten ergeben sich daraus für die anti-rassistischen und anti-faschistischen Initiativen, um diese gefährliche Entwicklung zu stoppen und zurückzudrängen?

Harry Waibel ist freier Dozent an der VHS Steglitz und forscht als Historiker verstärkt zu den zu den Ursachen und zum Verlauf von Neo-Faschismus, Rassismus und Anti-Semitismus in der DDR.

14.6. Filmvorführung: Preview Screening!!! → Zebra Kino um 19.45 Uhr

„I CAN´T BE SILENT“ – The Refugees auf Deutschlandtour Zu Gast ist Die Regisseurin Julia Oelkers

Story
Musiker aus Afrika, Russland, dem Balkan und Afghanistan machen gemeinsam mit Heinz Ratz und seiner Band Strom & Wasser eine Konzerttournee. Das Besondere an dem Projekt: Einige der Künstler sind Asylsuchende in Deutschland. Wir haben sie einen Sommer lang mit der Kamera bei Konzerten und in ihrem Alltag begleitet.

Zwischen Rampenlicht und Isolation
Für einige Bandmitglieder bedeutet die Tour eine Gratwanderung zwischen zwei Extremen. Abends stehen sie auf der Bühne im Rampenlicht, am nächsten Morgen kehren sie zurück in die Isolation des Flüchtlingsalltags. Sie leben mit vielen Menschen auf engem Raum, haben keine Möglichkeit zu üben oder ihr Instrument zu spielen, sind von Abschiebung bedroht und haben traumatische Erfahrungen auf der Flucht gemacht. Ihr Aufenthaltsstatus ist unsicher, die Zukunft mehr als ungewiss. Ihre Unterkünfte liegen oft abgelegen am Rande der Städte und sie dürfen sich nicht ohne Erlaubnis frei innerhalb Deutschlands bewegen. Die Band bietet ihnen die Chance, diese Isolation zu durchbrechen.

Der Film macht die Lebensbedingungen für Asylsuchende sichtbar, ohne die Protagonisten zu Opfern zu degradieren. Sie bleiben starke Persönlichkeiten, die mit ihrer Musik die Verhältnisse in denen sie leben müssen selbst thematisieren.

Mehr Informationen: www.startnext.de/refugees-doku

10.6. Prof. Dr. Boris Barth → Zimmerbühne, St. Johanngasse 2 – direkt beim Münsterplatz, ab 19 Uhr

Eugenik und technokratische Gesellschaftsutopien in den 1920ern und 1930er Jahren

Lange Zeit ist die Entstehung der Eugenik seit dem Ende des 19. Jahrhunderts als ein wenig bedeutender Randaspekt der Geschichte des Rassismus angesehen worden. Intensive historische Forschungen im letzten Jahrzehnt haben dieses Bild grundsätzlich in Frage gestellt. Vor allem in den 1920er und 1930er Jahren hat es in sehr vielen westlich geprägten Staaten technokratische Visionen gegeben, durch eine „aktive“ und staatlich gesteuerte Politik die Qualität des eigenen Volkes zu verbessern, bzw. zu verändern. Die eugenische Politik des Nationalsozialismus stellte dabei die radikalste Variante dar, die aber keineswegs so isoliert war, wie zeitweise angenommen wurde: Zwangssterilisierungen von unerwünschten Personen hat es in Skandinavien und in den USA gegeben, eugenische Vorstellungen finden sich auch im Fürsorgewesen der Schweiz, und technokratische Vorstellungen von Bevölkerungspolitik gab es in Italien vor und während der faschistischen Diktatur. Der Vortrag stellt neuere Forschungstrends dar und geht auf zukünftige Perspektiven der historischen Analyse ein.

Boris Barth hat die Ergänzungsprofessur für Neuere Geschichte mit Schwerpunkt 19./20. Jahrhundert an der Universität Konstanz inne. Er beschäftigt sich verstärkt mit Genozid und Völkermord im 20. Jahrhundert.

11.06. Eva Blome / Gudrun Rath (Konstanz) -> 19.00 Uhr G530

Weiße Wissenschaftswelt?

Kritische Perspektiven auf Rassismen in Wissenschaft und Universitäten
Welche Rolle spielen Rassismen in Wissenschaft und Wissenschaftsbetrieb? Inwiefern sind Methoden und Ergebnisse wissenschaftlichen Arbeitens auch heute noch durch eine eurozentristische Perspektive bestimmt? Welche Ausschlüsse und Diskriminierungen finden in der wissenschaftlichen Community statt? Angesichts einer Wissenschaft, die sich weiterhin häufig als ‚objektiv‘ und ‚neutral‘ versteht und sich zugleich zunehmend globalisiert, erscheint die Auseinandersetzung mit diesen Fragen eine wichtige Voraussetzung für einen selbstkritischen und reflexiven Blick auf die eigene wissenschaftliche Praxis zu sein. Dieser Herausforderung stellt sich der Vortrag – nicht zuletzt auch, indem diskutiert wird, in welcher Weise auch feministische Theoriebildung und Gender- sowie Gleichstellungspolitiken von einer Weißen Sichtweise geprägt sind und zur Marginalisierung anderer Perspektiven in der Wissenschaft und an den Hochschulen beitragen.

Gudrun Rath ist Wissenschaftliche Mitarbeiterin im Exzellenscluster „Kulturelle Grundlagen von Integration“ am Lehrstuhl für Kulturtheorie und kulturwissenschaftliche Methoden der Universität Konstanz. Eva Blome ist ebenfalls Wissenschaftliche Mitarbeiterin des Excellensclusters innerhalb der Neueren Deutschen Literatur.

12.6. Daniela Hrzán → 19:00 Uhr D406

„Beate, die braune Witwe“: Weißsein, Geschlecht und Nation in der medialen Berichterstattung über Beate Zschäpe

Welches Bild haben wir von Beate Zschäpe? Handelt es sich um eine kalkuliert handelnde rassistische Gewalttäterin und Terroristin oder vielleicht doch eher um ein Opfer der Umstände – eine Frau, die auf der Suche nach Anerkennung und Familienanschluss zum Werkzeug einer gemeinhin als patriarchal und äußerst maskulin geltenden rechtsextremen Szene avanciert ist? Unter Bezugnahme auf Ergebnisse der Rassismusforschung, insbesondere der kritischen Forschung zur Relevanz von Weißsein in Deutschland, sowie der Gender Studies soll die mediale Berichterstattung über Beate Zschäpe seit ihrer Festnahme im November 2011 anhand von Beispielen analysiert und vor dem Hintergrund historischer und aktueller Thesen zur Mittäterschaft von Frauen im Nationalsozialismus diskutiert werden. Der Verknüpfung der Kategorien ‚Weißsein‘, ‚Gender‘ und ‚Nation‘ kommt dabei besondere Bedeutung zu.

Daniela Hrzán ist Dozentin am Lehrstuhl für Geschlecht und Geschichte am Kulturwissenschaftlichen Seminar der Humboldt-Universität zu Berlin. Und lehrte ein Semester als Gastdozentin an der Universität Konstanz im Studiengang Gender Studies.

13.6. Teidelbaum → 19.45 Uhr im Radioraum

»Braunzone Bundeswehr?« / We(h)r macht Traditionen in der Bundeswehr?

Die Bundeswehr betreibt bis heute eine Traditionspflege, die irgendwo zwischen Führerbunker und 20. Juli anzusiedeln ist. Einerseits wurden einige Kasernen-Patenonkel nach starker Kritik von außen gestrichen, andererseits ist die Bundeswehr wieder ein „Heer im Einsatz“. Dieser Umstand führt offenbar dazu, sich wieder in die Tradition der letzten deutschen Armee im „Auslandseinsatz“ zu stellen. Es gibt in der Bundeswehr eine positive Bezugnahme auf so genannte „Stahlgestalten“, vermeintlich unbelastete Personen aus Wehrmacht und Kaiserreich mit besonderen militärischen „Leistungen“. Dabei wusste bereits Kurt Tucholsky: „Jede Glorifizierung eines Menschen, der im Kriege getötet worden ist, bedeutet drei Tote im nächsten Krieg.“ Einzelfälle gar Missverständnisse werden braune Vorkommnisse in der Bundeswehr von offizieller Seite gern genannt. Doch bei genauerem Hinschauen entdeckt man eher ein System dahinter, wobei einzelne Skandale nur die Spitze des Eisberges offenbaren. Offenbar gibt es eine neonazistische Subkultur in der Truppe. Ist die Bundeswehr also die größte Wehrsportgruppe Deutschlands oder doch nur ein Heer von Einzeltätern?

Der Referent ist Historiker, Autor für das antifaschistische Magazin „Der Rechte Rand“ und Mitarbeiter eines Monitoring-Projektes zum Thema „Extreme Rechte und Bundeswehr“ (http://braunzonebw.blogsport.de).

15.6. Jörn Menge → 19:45, A 704

Mit Musik gegen Rechtsextremismus

Im Rahmen der Kampagne „Laut gegen Nazis“ und der Vereinsarbeit dieser Organisation fanden in den letzten Jahren über achtzig Veranstaltungen wie Konzerte, Lesungen und viele andere Aktionen bundesweit statt. Partner wie Die Fantastischen Vier, Sportfreunde Stiller, Gentleman, Silbermond, Revolverheld, Bela B. und viele weitere Musiker und Schauspieler reisten mit uns an Brennpunkte in Deutschland, um dort örtliche Initiativen direkt zu unterstützen. Mit einer breiten Presse- und Öffentlichkeitsarbeit versucht „Laut gegen Nazis“ Zusammenschlüsse in der Zivilgesellschaft für eine Welt ohne Rassismus, Antisemitismus, Homophobie und Menschenverachtung zu schaffen. Dies geschieht sehr oft mit einem großen medialen Erfolg. Auch der Humor darf in der Auseinandersetzung mit dem Thema nicht fehlen. Comedians wie „Serdar Somuncu“ und viele andere nehmen sich ebenfalls des Themas an. Das NDR-Satire Magazin „extra3″ ist bereits langjähriger Partner von „Laut gegen Nazis“. Jörn Menge zeigt anhand von Beispielen, dass Musik und Humor durchaus legitime Mittel zur Bekämpfung des aktuellen Rechtsextremismus sind. Er wird über seine persönlichen Erfahrungen berichten, die er als Leiter der bundesweiten Kampagne „Laut gegen Nazis“ in der Praxis gesammelt hat. Ziel wird neben der Sensibilisierung zu den Themen Ausgrenzung, Rassismus, Rechtsextremismus usw. eine offene Diskussion zu diesen Themen sein.

Jörn Menge ist Musikmanager und gründete 2004 die Initiative „Laut gegen Nazis – Rechte Gewalt kann jeden treffen“.

18. 6. Dokumentarisches Theater: → 19.45 Uhr Zebra Kino

„Asyl-Monologe“ (Buch und Regie: Michael Ruf)

Die „Asyl-Monologe“ erzählen von Menschen, die Grenzen überwunden, Verbündete gefunden, ein „Nein“ nie als Antwort akzeptiert und unter aussichtslosen Bedingungen immer weitergemacht haben – mit dem Ziel eines Lebens in Sicherheit und mit Menschenwürde.
Das Projekt entstammt einem nationalen Netzwerk, der Bühne für Menschenrechte (BFM, das aus professionellen Schauspielerinnen und Schauspielern sowie Musikerinnen und Musikern besteht, die sich der Aufgabe widmen, öffentliche Aufmerksamkeit für aktuelle Menschenrechtsfragen zu erzeugen. Die zentrale Aktivität des Netzwerks sind bundesweit dargebotene dokumentarische Theaterstücke, welche die Geschichten jener erzählen, deren Menschenrechte verletzt wurden bzw. werden (insbesondere von Asylsuchenden und Flüchtlingen) und die als Minderheiten Unterdrückung erleben. Die Produktionen werden basierend auf ausführlichen Recherchen und Interviews mit den Akteurinnen und Akteuren selbst und unter Beratung durch einschlägige Organisationen entwickelt. Als erste Lesung werden derzeit die Asyl-Monologe dargeboten.

Da dokumentarisches Theater unabhängig von einem etwaigen Interesse an Kunst für jede und jeden leicht zugänglich sind, öffnet es der breiten Öffentlichkeit die Tür zu einem Thema, bei dem ansonsten in der Zeitung weiter geblättert oder vor dem Fernseher umgeschaltet wird.

Mehr Informationen: www.buehne-fuer-menschenrechte.de

Quelle: http://www.asta.uni-konstanz.de/termine/veranstaltungen-parties-und-events/festival-contre-le-racisme/

Reportagen zur aktuellen Situation in Guatemala

Veranstaltung mit Andreas Boueke im Konstanzer Weltladen, Rheingasse 13, am Mittwoch, 5. Juni 2013 um 19:30 Uhr

Journalistische Berichterstattung aus Guatemala handelt oft von Gewalt und Armut. Wie sieht das Leben eines freien Journalisten aus, der seit zwanzig Jahren dort recherchiert?

Andreas Boueke erzählt aus seinem Arbeitsalltag: er berichtet über seine Recherchen in Guatemala und präsentiert Hintergrundinformationen zu Land und Leuten. Es werden Fotos gezeigt und eine Radioreportage abgespielt. Zudem leist er aus seinem aktuellen Buch:

Andreas Boueke:
Guatemala – Recherchen auf heißem Pflaster
336 Seiten, Klappenbroschur, zahlreiche Abb.
ISBN 978-3-89502-356-9

Der Eintritt ist frei.

Vortrag zu Venezuela nach Chávez

Veranstaltung mit Dr. Carolus Wimmer am Dienstag, 4. Juni, 19:30 Uhr in Konstanz, Hotel „Barbarossa“ (Nebenraum)

Wie geht es nach dem Tod von Hugo Chávez Anfang März und dem knappen Wahlsieg des sozialistischen Regierungsbündnisses weiter mit der bolivarischen Revolution in Venezuela?

Der am 14. April mit 50,78 Prozent gewählte Präsident Nicolás Maduro kündigte bei seiner Amtseinführung eine „Revolution in der Revolution“ und einen Ausbau „sozialer Missionen“ an, um die Errungenschaften der chavistischen Politik zu sichern und die Lebensverhältnisse der armen Bevölkerung weiter zu verbessern.

Die knapp geschlagene rechte Opposition unter Führung von Henrique Capriles Radonski sprach dagegen von Wahlbetrug und schürt seitdem eine Kampagne, um Maduro zu Fall zu bringen. Im ganzen Land gehen ultrarechte Gruppen gewaltsam gegen Unterstützer der Regierung und Behördeneinrichtungen vor. Die eng mit den USA verbundenen alten Eliten wittern Morgenluft: Sie wollen ihre von Chávez beschnittenen Privilegien zurück, die Reformen, die zu einer deutlichen Verbesserung der Lage der verarmten Bevölkerungsmehrheit geführt haben, sollen einkassiert, die alten kapitalistischen Machtverhältnisse wiederhergestellt werden.

Die venezolanische Linke steht also vor gewaltigen Herausforderungen, denn das knappe Wahlergebnis ist auch ein Ergebnis von Fehlern und Versäumnissen der sozialistischen Regierung, die sich die Rechten jetzt zunutze machen wollen. Eine immer noch hohe Inflation, Vetternwirtschaft, Verschwendung öffentlicher Gelder – das ist nur ein Teil der Probleme, die die Regierung bewältigen muss, um die Lage zu stabilisieren. Nur dann kann das bolivarische Projekt fortgesetzt werden, nur so hat der Kampf für soziale Emanzipation, Demokratie, Bildung und medizinische Versorgung Aussicht auf Erfolg.

Dr. Carolus Wimmer, gebürtiger Münchner, später Schüler am Ellenrieder Gymnasium in Konstanz, lebt und arbeitet seit Anfang der 70er Jahre in Venezuela. Der frühere Direktor für internationale Beziehungen beim venezolanischen Parlament ist mittlerweile Abgeordneter und Vizepräsident des Lateinamerikanischen Parlaments in Panama, das 23 Länder repräsentiert. Wimmer ist außerdem
Internationaler Sekretär der KP Venezuelas.

Veranstalter: DIE LINKE. Kreisverband Konstanz, DKP Bodensee-Hochrhein

Moos: Einführung in „Das Kapital“ von Karl Marx und Kritik an Neoklassischen Wirtschaftstheorien

Zweiteiliges Seminar mit dem Referenten Hans-Peter Büttner am Samstag, den 22.6.2013 und am Samstag, den 6. Juli 2013, jeweils von 14.30 bis 17.30. Ort: Gewerbestr. 4b, 78234 Moos am Bodensee

Das Marxsche „Kapital“ ist ein sperriges und zugleich großartiges Werk, auf dessen detaillierte Ausarbeitung Karl Marx insgesamt fast 20 Jahre seines Lebens verwandte ohne es bis zu seinem Tod 1883 auch nur annähernd beenden zu können.

Seine Fragestellungen sind hierbei oftmals noch genialer als seine Antworten. Allen interessierten Teilnehmern wird ein Einblick gegeben in die Geschichte dieses unvergleichlichen Werks, in seine zentralen Themen und die über hundertjährige Debatte um „Das Kapital“.

Weil die im „Kapital“ geübte schonungslose Kritik der bürgerlich-kapitalistischen Gesellschaft von jeder Generation wissbegieriger Menschen neu aufgenommen und angeeignet wird, regt dieses Buch immer neu zum Denken und Über-Denken an; nicht zu festen Dogmen, sondern zum Nachdenken über unsere gesellschaftliche Praxis und all jene Wissensformen, welche Menschen unmündig, unwürdig und in Elend halten. „Revolutionär“ ist das Marsche „Kapital“ weil es über das Denken hinaus eine andere Praxis nahelegt: den Kommunismus.

Das erste kleine Seminar wird ergänzt durch die Darstellung und Kritik des bürgerlich-kapitalistischen „Gegenentwurfs“ zum „Kapital“, die sog. neoklassische ökonomische Theorie.

Denn insbesondere noch in dieser Gegenüberstellung kann der Blick auf Marxens Einsichten geschärft werden.
Selbstverständlich können wir in der kurzen Zeit der beiden Treffen keine Fragen erschöpfend diskutieren, wohl aber voneinander lernen und Anregungen für unser aller weitere Arbeit am Thema mitnehmen.

Die beiden Teile können auch getrennt besucht werden.

Hans-Peter Büttner, Jg. 1968, studierte Sozialpädagogik in Bielefeld. Danach Arbeit in der Jugendhilfe und der Erwachsenenbildung. Referent des Katholischen Bildungszentrums Konstanz zu den Themen Kritik der Politischen Ökonomie und Wirtschaftswissenschaften. Diverse Veröffentlichungen zur ökonomischen Theorie.

Veranstalter: Marxistischer Gesprächskreis Konstanz-Singen

Stolpersteine in Radolfzell

Informationsveranstaltung der Initiative „Stolpersteine in Radolfzell“ am 18. Juni im Tagungsraum 4 des Milchwerks. Beginn der Veranstaltung ist 18:30 Uhr.

Die Initiative „Stolpersteine in Radolfzell“ zeigt zunächst den Dokumentarfilm „Stolperstein“ von Dörte Franke über den Kölner Künstler Gunter Demnig, der das gleichnamige Kunstprojekt ins Leben gerufen hat.

Sog. Stolpersteine sind in den Gehsteig eingelassene Pflastersteine aus Messing. Ihre Inschriften erinnern an Personen, die in der Zeit des Nationalsozialismus verfolgt, deportiert oder umgebracht wurden. Sie werden für Jüdinnen und Juden, Sinti und Roma, Sozialdemokraten und Kommunisten, Homosexuelle und Euthanasieopfer an ihrem letzten, selbstgewählten Wohnort verlegt.

Im Anschluss an den Film stellt sich die Initiative selbst vor. Ziel der Radolfzeller Initiative ist es, auch in Radolfzell Stolpersteine zu verlegen. Alle sind herzlich zur Mitarbeit eingeladen. Es werden Leute gesucht, die bei der Recherche helfen oder sog. Steinpatenschaften übernehmen. Der Historiker Markus Wolter präsentiert ausgewählte Biografien von Radolfzeller Personen, für die ein Stolperstein verlegt werden soll. Katrin Brüggemann, Vertreterin der erfolgreichen Konstanzer Stolperstein-Initiative, berichtet von den dortigen Erfahrungen.

Es wird genügend Zeit für Diskussionen, Fragen und Vorschläge aus dem Publikum sein.

http://www.milchwerk-radolfzell.de/
Quelle: http://stolpersteine-radolfzell.de

Zürich: Demo und Fest zum 1. Mai 2013

Zum 1. Mai in Zürich werden dieses Jahr wieder tausende Linke, GewerkschafterInnen und AktivistInnen der Sozialen Bewegungen zusammen kommen um gemeinsam den traditionellen ArbeiterInnenkampftag zu feiern und gegen die herrschenden Verhältnisse auf die Straße zu gehen.

Ein reiches Polit- und Kulturprogramm liefert am Mittwoch, den 1. Mai sowie am folgenden Wochenende, den 4. und 5. Mai, den inhaltlichen Rahmen.

Ein Muss am 1. Mai ist die Demo (Besammlung um 9:30 Uhr an der Lagerstrasse) mit anschließender Kundgebung.

Kulinarischer Höhepunkt sind die zahllosen internationalen Essensstände an allen drei Tagen auf dem Kasernenareal.

Wer nicht teilnehmen kann und den 1. Mai lieber im Internet verpennt, sei auf das ganztägige Spezialprogramm des Zürcher Lokalradios Lora verwiesen, das auch als Webradio empfangen werden kann. Cooler ist es allerdings das gleiche Live-Programm am 1. Mai auf UKW 97,5 Mhz oder aus Lautsprechern direkt auf dem Kasernenareal zu hören, dort wo auch das Studio stehen wird!

Das 1. Mai – Programm in Zürich (PDF)

Quelle: http://www.1mai.ch

Demonstration gegen Abschiebungen und „freiwillige“ Ausreise

Freiburg, 20.04.2013: Um gegen die Abschiebepolitik der grün-roten Landesregierung Baden-Württembergs zu demonstrieren, fanden sich um die 700 Menschen, unter ihnen viele Flüchtlinge, in Freiburg zusammen. Neben den Abschiebungen an sich kritisierten sie die Lebensbedingungen, unter denen Flüchtlinge und Asylsuchende leben müssen, sowie das Verfahren, Flüchtlinge zu einer „freiwilligen Ausreise“ zu nötigen. „Wer nicht freiwillig geht, wird kriminalisiert.“, kritisierte Walter Schlecht vom Freiburger Forum aktiv gegen Ausgrenzung. Bei einem zweieinhalbstündigen Marsch mit anschließender Kundgebung zeigten die Demonstrierenden ihre Solidarität mit den von der Abschiebung bedrohten Menschen.

Flüchtlinge und UnterstützerInnen aus allen Altersgruppen zogen gemeinsam durch die Stadt und setzten damit ein Zeichen gegen die Abschiebepraxis, die sich unter der grün-roten Landesregierung entgegen diverser Lippenbekenntnisse nicht wesentlich verbessert hat – 2012 wurden 763 Flüchtlinge abgeschoben. Entlang der Demonstrationsroute gab es mehrere Redebeiträge unterschiedlicher Gruppen und Einzelpersonen. Konkreten Anlass zu Protest gab den Demonstrierenden eine neuerlich drohende Welle von Abschiebungen. Nach einer Aussetzung über die Wintermonate, hat das Regierungspräsidium Karlsruhe nach eigenen Angaben bereits für den 24. April eine Sammel-Abschiebung von etwa 60 Personen geplant, darunter auch minderjährige Kinder, aus Baden-Württemberg nach Serbien und Mazedonien geplant. Insgesamt sind alleine 170 Roma in Freiburg akut von der Abschiebung bedroht, 500 leben in einem unsicheren Duldungsstatus. Antony Edorh, ein Sprecher der togolesischen Exil-Organisation Batir le Togo, wies außerdem auf die prekäre Lage vieler Flüchtlinge aus afrikanischen Staaten hin. Herr Edorh selbst ist ebenfalls von der Abschiebung bedroht, wie viele Flüchtlinge aus anderen Herkunftsländern, die fälschlicherweise als sicher eingestuft werden.

Die Demonstrierenden kritisierten zudem eine 2012 in Freiburg eingeführte Praxis, wonach offenbar unerwünschte Flüchtlinge, die schon bis zu 9 Jahren in Freiburg leben, in aussichtslose Asylverfahren gedrängt werden. Für AsylbewerberInnen ist damit nicht länger die Stadt Freiburg zuständig, sondern die Landesaufnahmestelle in Karlsruhe. Durch dieses Verfahren möchte sich die „offene“ Stadt Freiburg aus der sozialen Verantwortung herausstehlen, die nicht anerkannten Flüchtlinge bleiben dabei allerdings auf der Strecke. Dem entgegen forderte ein Vertreter des Freiburger Forums eine „wirklich offene Stadt Freiburg ohne Abschiebungen“. Eine Sprecherin der Aktion Bleiberecht zog Bilanz zum 20-jährigen Jahrestag des Asylkompromisses, in dessen Rahmen das Asylrecht durch die sogenannte Drittstaatenregelung deutlich geschwächt wurde und AsylbewerberInnen durch das Asylbewerberleistungsgesetz in ihrer Lebensgestaltung erheblich eingeschränkt werden. Tobias Pflüger von der Informationsstelle Militarisierung Tübingen beleuchtete zudem den Ausbau einer gesamteuropäischen Abwehrpolitik, die viele Flüchtlinge an den EU-Außengrenzen das Leben kostet.

Zur Demonstration hatte das Freiburger Forum aktiv gegen Ausgrenzung aufgerufen. Mehrere Freiburger Gruppen unterstützten die Demonstration. Aufgrund der anstehenden Abschiebung am 24.04. ruft das Freiburger Forum zu einer weiteren Demonstration ab 07:00 Uhr am Baden-Airpark auf. Der Flughafen dient als Dreh- und Angelpunkt der Abschiebungen aus Baden-Württemberg.

Quelle: Freiburger Forum aktiv gegen Ausgrenzung

Die roten Großeltern erzählen

Unter diesem Motto startet der Marxistische Gesprächskreis Konstanz-Singen am 30.04.2013 um 19.00 Uhr im Kreuz in Singen eine Ver­an­stal­tungs­­­­­­­­reihe.

Diese Reihe soll Interessierten die Möglichkeit bieten, direkt mit Zeitzeugen zu reden. Wer schon immer wissen wollte, wie Menschen das Kriegs­­ende, die Wiederbewaffnung, die Kuba­krise, den Mauerbau oder ihren Fall persönlich er­­lebt haben, ist herzlich eingeladen.

Beginnen werden wir mit Genossen Günter, der das Kriegsende im Ruhrgebiet erlebte und danach über Umwege an den Bodensee kam. Dort trat er in die KPD ein und war von deren Ver­bot betroffen. Seit 1968 ist er Mitglied der DKP und wurde so Zeuge der Geschichte dieser Partei.

Eine besondere Herzensangelegenheit war ihm die praktische internationale Solidarität. So half er beim Bau von Wasserleitungen in Nicaragua, von Gesundheitszentren und eines Internats für Behinderte auf Kuba. Seit über 60 Jahren ist er aktiver Gewerkschafter und war lange Zeit Be­triebsrats­vorsitzender in einem großen Hand­werks­betrieb.

Über rege Beteiligung mit Fragen, Anmerkungen und eigenen Erlebnissen würden wir uns freuen.

Einlader: Marxistischer Gesprächskreis Konstanz-Singen

Unterstützer: Die Linke Kreisvereinigung Konstanz, Bodensee – Hochrhein

Zensurversuch gegen Indymedia Athen

Dieses Wochenende wurde ein Server, der den Zugang zu Indymedia Athen herstellt, von der Leitung der Technischen Universität Athen abgeschaltet. Mitbetroffen ist das Radio „98fm radio”.

Unter der bisherigen URL http://athens.indymedia.org ist jetzt ein Hinweis auf den Zensurversuch, der Aufruf zu nationalen und internationalen Protesten sowie der Hinweis auf eine Gegendemonstration am 15. April auf einem zentralen Platz in Athen zu finden.

Der Zensur-Versuch war nur teilweise erfolgreich: Der Produktionsserver, d.h. der Server, bei dem die Inhalte der sozialen Bewegungen Griechenlands hochgeladen werden, ist weiterhin in Betrieb und erreichbar. Ausserdem wurde schnell eine alternative Publikationsplattform unter http://indymedia.squat.gr aufgebaut.

Die Zensoren können sicher sein, dass ihr Zensurversuch nicht den gewünschten Effekt haben wird. Im Gegenteil erfährt Indymedia Athen, seit der Server abgeschaltet wurde, eine stark erhöhte Aufmerksamkeit. International wird auf hunderten Webseiten darüber berichtet, dutzende Techniker arbeiten Extrastunden um technische Alternativen bereitzustellen und Übersetzer aus aller Welt wenden sich den griechischen Indymedia-Nachrichten zu, um sie auf befreundeten Websites zu spiegeln.

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Ausstellung und Vernissage der iranischen Künstlerin Pooneh

Vernissage Samstag, 20.04.2013, 18 Uhr
Einführung: Gisela Pook
Musik: Johanna Dammert (Harfe)

Ausstellung 21.04. – 01.05.2013
Kulturzentrum am Münster, Gewölbekeller
Wessenbergstraße 43, 78462 Konstanz

Öffnungszeiten: Di – Fr 10 – 18 Uhr, Sa + So 10 – 17 Uhr
Veranstaltet vom Kulturbüro Konstanz, Tel. 07531 900 900

Pooneh über sich und ihr Werk:

Seit Jahren male ich Frauengestalten, außer in der kurzen Phase in der ich Bäume gemalt habe. Das waren zeichenhafte Einzelbäume von Teheran, der Stadt, die ich einst geliebt habe. Heute hat sie all ihre lieben Merkmale, so auch die besonders schönen Bäume vergessen. In meiner Malerei habe ich zuerst unbewusst eine schöne, selbst gewollte Einsamkeit dargestellt. Und damit fahre ich fort. Die Bäume waren auch allein, neben einem alten verlassenen Gebäude, das auf seinen Abriss wartete, oder neben einer bröckelnden Mauer.

Obwohl es ein trauriger Anblick ist, bekommt es doch eigene Schönheit. Das nehme ich in meinen weiteren Bildern auf. Die nackten Frauen, halb – versteckt in Mustern im, Dunkeln. Als eine Frau im Mittleren Alter ging es mir dazu gerade eben diese Schönheit zu zeigen. Diesmal aber in Verknüpfung mit Teppichmustern im symbolischen Sinne, eine Verknüpfung von Schönheit und Tradition, die durch das Zusammenkommen schöpferischer Kraft der Frauen entsteht, was nicht so offensichtlich ist. Die Frauen, die Wünschen und Wollen gleich andern Frauen haben. Das Wünschen und Wollen, das diese Frauen mit allen Frauen teilen, ist darin verborgen und dem Käufer nicht sichtbar.

Darin finde ich mich selbst wieder. Eine Frau mit Wünschen und Errungenschaften, aber in einer geschlossenen Gesellschaft, voller Vergeblichkeiten, die , die Hoffnung an Leben wie Schönheit nicht aufgibt.

Ich wollte nicht verbittert und düster malen. Und so habe ich die Zusammenstellung: Vergebliche Schönheit genannt.

Ich wollte, dass jedes einzelne Bild schön wird und doch meine Botschaft trägt.

Ich wollte nicht erotisch oder gar sexy malen und Ich war sehr bedacht welche Figur und welche Farbe ich wähle.

Meine Absicht war das Gefangensein weiblicher Schönheit und Sorge in der Tradition zum Ausdruck zu Bringen.