Tag-Archiv für 'gedenkfeier'

Stolpersteinverlegung am 3. Mai in Konstanz

Am Mittwoch, 3. Mai 2017 werden durch den Künstler Gunter Demnig weitere 11 Stolpersteine in Konstanz verlegt werden.

Die Verlegung beginnt um 9.00 Uhr in der Schützenstraße 30.

Informationen zur Verlegung und zum umfangreichen Rahmenprogramm entnehmen Sie bitte dem beiliegenden Faltblatt.

Im Anschluss gibt es gegen 19.30 Uhr im Kulturzentrum am Münster (Wessenbergstr. 41/43 Wolkenstein-Saal ) einen Vortrag von Janka Kluge (Landessprecherin der VVN-BdA Baden-Württemberg) zum Thema:

„Erinnerungskultur im Wandel der Zeit

Seit 1945 hat in Deutschland die Erinnerung an die Verbrechen der NS-Diktatur unterschiedliche Phasen der Auseinandersetzung durchlaufen. Janka Kluge zeichnet diesen Verlauf nach und ordnet die Auseinandersetzung in einen gesamtpolitischen Kontext ein.

Mit dem Starkwerden der AfD und der Rede von Björn Höcke am 17. Januar 2017 in Dresden ist wieder bewusst geworden wie wichtig die Erinnerung an die Verbrechen der NS-Diktatur in Deutschland ist, und dass Erinnerungs­kultur keine Selbstverständlichkeit ist. Hinter den Forderungen Björn Höckes steht die Überzeugung, dass ein Erinnern und Gedenken insbesondere an Auschwitz dem Entstehen eines neuen nationalen Bewusstseins entgegensteht.

Janka Kluge geht deshalb in ihrem Vortrag darauf ein, wie wichtig es ist die Erinnerung zu bewahren und zu verteidigen, da die NS-Zeit unabänderlicher – wenn auch grausamer – Teil der deutschen Geschichte ist. Janka Kluge leitet aus dem Erinnern aber auch ab, dass dieses nicht alleine ausreichend ist, sondern dass es heute wichtiger denn je ist sich für ein positives gesell­schaftliches Miteinander einzusetzen und sich rassistischer, antisemitischer und nationalistischer Hetze und Angriffen entgegenzustellen.

Quelle: http://stolpersteine-konstanz.de

Stilles Gedenken für 112 deportierte Juden und Jüdinnen

Am 22. Oktober 1940 wurden über 6500 jüdische Bürger und Bürgerinnen aus Baden und der Saarpfalz – unter diesen auch 112 Konstanzer – in das südfranzösische Internierungslager Gurs deportiert. Zahlreiche Deportierte kamen in Gurs und anderen südfranzösischen Lagern ums Leben, Tausende wurden ab 1942 in die Vernichtungslager in den Osten deportiert und ermordet.

Aus diesem Anlass lädt die Initiative „Stolpersteine für Konstanz – gegen Vergessen und Intoleranz“ am 22. Oktober um 18.00 Uhr zum stillen Gedenken an die Stele für die deportierten Juden in der Bahnhofstraße. Wir werden für jedes der 112 Opfer, die alle namentlich auf der Stele genannt sind, eine Kerze anzünden und die Namen verlesen. Von Konstanzer Schülerinnen und Schülern werden dazu passende literarische Texte gelesen.

Quelle: http://stolpersteine-konstanz.de

Verlegung von sieben weiteren Stolpersteinen in Radolfzell

Am 2. Juli 2016 ist der Kölner Künstler Gunter Demnig erneut in Radolfzell zu Gast, um Stolpersteine zu verlegen. Stolpersteine sind das größte dezentrale Mahnmal der Welt. Sie erinnern an Opfer des Nationalsozialismus, also an Juden, Sinti und Roma, Homosexuelle, politisch Verfolgte, Zeugen Jehovas und „Euthanasie“-Opfer. Gunter Demnig lässt jeweils kleine Gedenktafeln aus Messing ins Trottoir vor dem letzten selbstgewählten Wohnort ein. Mittlerweile gibt es über 56.000 Steine, nicht nur in Deutschland, sondern auch in 19 weiteren europäischen Ländern.

In Radolfzell sorgt die Initiative „Stolpersteine in Radolfzell“ für die Verlegung von Stolpersteinen. Dem gehen monatelange Vorbereitungen voraus: Jeder einzelne Stolperstein steht für eine Verfolgtenbiografie und erfordert intensive Recherchen. Aufmerksame Passanten können mittlerweile 16 Stolpersteine entdecken, die über das ganze Stadtgebiet verteilt sind und im Juni 2014 sowie im September 2015 verlegt wurden. Am 2. Juli 2016 sollen sie nun um sieben weitere Stolpersteine ergänzt werden.

Die Verlegung beginnt um 10:30 Uhr mit der Begrüßung in der Jakobstr. 5. Oberbürgermeister Staab spricht anschließend ein Grußwort der Stadt Radolfzell. An jeder der sechs Stationen gibt es einen Einblick in das Leben der jeweiligen Menschen. An mehreren Stationen kommen Angehörige zu Wort. Die Veranstaltung wird musikalisch begleitet von Rudi Hartmann (Akkordeon), Heinrich Braun (Klarinette) und Günter Mantei (Gitarre). Interessierte sind herzlich eingeladen, an der Verlegung teilzunehmen!

Den Ablauf der Veranstaltung können Sie der nachfolgenden Übersicht entnehmen:

10:30 Uhr Begrüßung, Grußwort Oberbürgermeister Staab, Stolperstein für Carl Diez, Jakobstr. 5

11:10 Uhr Stolperstein für Albertine Hässig, Bismarckstr. 30

11:30 Uhr Stolperstein für Walter Josef Böhler, Köllinstr. 31

11:45 Uhr Stolperstein für Johann Baptist Kaiser, Schwertstr. 40

12:00 Uhr Stolperstein für Frieda Armbruster, Gütttinger Str. 13

12:30 Uhr Stolpersteine für Berta u. Elisabeth Welschinger, Unterdorfstr. 9 in Markelfingen

Die Biografien zu allen Radolfzeller Stolpersteinen sind im Internet frei zugänglich unter http://stolpersteine-radolfzell.de .

Quelle: Initiative Stolpersteine in Radolfzell

7. Mai 2016: Gedenkfeier für die Opfer von Faschismus und Krieg auf dem KZ-Friedhof Birnau

Auf dem KZ Friedhof ruhen die sterblichen Überreste von 170 ehemaligen KZ-Insassen, die während des 2. Weltkriegs als Zwangsarbeiter im Überlinger Stollen zu Tode kamen. Die jährliche Gedenkfeier findet dieses Jahr am Samstag, 7. Mai 2016, um 16:00 Uhr statt. Bereits um 13.30 Uhr findet eine Führung durch den Goldbacher Stollen mit Oswald Burger statt.

Grafeneck 1940 – Geschichte und Erinnerung

Vortrag von Thomas Stöckle (Historiker und Gedenkstättenleiter von Grafeneck) am Montag, 14.9.2015 um 19.30 Uhr im Astoriasaal des Kulturzentrums am Münster, Konstanz sowie am 8.9.2015 um 19 Uhr in der Teggingerschule Radolfzell

Tötungsanstalt GrafeneckDer Vortrag beschreibt im ersten Teil die NS-„Euthanasie“-Verbrechen in Südwestdeutschland. Was waren die Hintergründe für dieses Verbrechen, was die Motive der Täter und wer waren die Opfer von Grafeneck? Im zweiten Teil wird der Frage nach dem Umgang mit dieser Geschichte nachgegangen. Welche Geschichte hat Grafeneck nach 1945, was geschah mit den Tätern und wie entwickelte sich die Gedenkstätte zu einem Ort mit heute über 20.000 Besuchern im Jahr?

Grafeneck ist ein Schlossbau der württembergischen Herzöge auf der Schwäbischen Alb – Landkreis Reutlingen. Im 16. Jahrhundert von Herzog Christoph als Jagdschloss errichtet und Mitte des 18. Jahrhunderts von Karl Eugen zu einer prachtvollen Barockanlage umgestaltet, übernahm es 1929/30 die evangelische Samariterstiftung Stuttgart (heute Nürtingen) zum Aufbau eines Behindertenheims, dem Samariterstift Grafeneck. Bei Kriegsbeginn wurde Grafeneck beschlagnahmt und in eine Mord- und Vernichtungsanstalt umgewandelt – die erste Vernichtungsstätte auf deutschem Boden, in der industriell gemordet wurde. Am 18. Januar 1940 begannen in einer Gaskammer in Grafeneck die systematischen Tötungen der „Aktion T4“, denen bis Dezember desselben Jahres 10.654 in Grafeneck, und bis August 1941 reichsweit über 70.000 geistig behinderte und psychisch kranke Menschen – von den Tätern als „lebensunwertes Leben“ bezeichnet – zum Opfer fielen.

Nach jahrzehntelangem Schweigen entstand 1990 – 50 Jahre nach den „Euthanasie“-Morden – unter dem Motto: Das Gedenken braucht einen Ort, die Gedenk­stätte Grafeneck. Seit Oktober 2005 wird die Gedenkstätte durch ein Dokumentationszentrum ergänzt. Für das Land Baden-Württemberg hat der Ministerpräsident die Schirmherrschaft übernommen. Die Gedenkstätte Grafeneck ist heute Teil einer „Gedenklandschaft“ von Orten, die an die Opfer der nationalsozialistischen „Euthanasie“ erinnern.

Thomas Stöckle, geb. 1964 in Geislingen an der Steige, ist Historiker und Leiter der Gedenkstätte Grafeneck. Veröffentlichungen zur südwestdeutschen Landes­geschichte, Nationalsozialismus und NS-„Euthanasie“-Verbrechen (zuletzt: Grafeneck 1940. Die Euthanasie-Verbrechen in Südwestdeutschland, Tübingen 2012). Mitglied des Sprecherrats der Gedenkstätten und des Gedenkstättenbeirats Baden-Württemberg.

Hinweis:

Der Vortrag wird im Rahmenprogramm der Konstanzer Stolpersteinverlegung am Tag zuvor gehalten. Aus diesem Grund kommt es zu Beginn der Veranstaltung zur offiziellen Übergabe der „Stolpersteine“ an die Stadt Konstanz.

Quelle: http://stolpersteine-konstanz.de

Vortrag und Stolpersteinverlegung auch in Radolfzell

Thomas Stöckle hält einen ähnlichen Vortrag bereits am 8. September in Radolfzell. Dort findet die Veranstaltung um 19 Uhr in der Aula der Teggingerschule statt.

Auch in Radolfzell werden im September 8 weitere Stolpersteine verlegt. Mit dem Stolperstein für Anna Maria Ronkat wird – 75 Jahre nach den NS-„Euthanasie“- und Krankenmorden in Grafeneck 1940 – erstmals an ein Radolfzeller Opfer dieses Menschheitsverbrechens erinnert. Bislang konnten 12 Biografien von Männern, Frauen und Kindern aus Radolfzell recherchiert werden, die in der NS-Tötungsanstalt Grafeneck 1940 ermordet wurden. Für sie sind weitere Stolpersteinverlegungen im Jahr 2016 geplant.

Quelle: http://stolpersteine-radolfzell.de

Verlegung der ersten 8 Stolpersteine in Radolfzell und Vortrag von Gunter Demnig

Am 28. Juni 2014 verlegt Gunter Demnig die ersten 8 Stolpersteine für Opfer des Nationalsozialismus in Radolfzell.

Download des Plakats (PDF)

Begonnen wird um 14 Uhr mit der Verlegung des Stolpersteins für Alice Fleischel am Seetorplatz. Weitere Steine werden sodann verlegt für Ernst Gnirß (Seestraße 53), Alma und Ludwig Deuring (Seestraße 59), Lotte und Josef Bleicher (Höllstraße 1), Georg Alfred Grein (Schützenstraße 37) und Josef Paul Bayer (Schwertstraße 44).

Um 18 Uhr hält Gunter Demnig in der Tegginger Schule einen Vortrag in dem er sein Kunstprojekt vorstellt.

Alle Radolfzellerinnen und Radolfzeller sind herzlich zu Stolpersteinverlegungen und Vortrag eingeladen!

Quelle: http://stolpersteine-radolfzell.de

Gedenkfeier auf dem KZ-Friedhof Birnau am Samstag, 10. Mai um 17 Uhr

Auf dem KZ-Friedhof Birnau an der B 31 (Nähe Basilika Birnau) liegen die sterblichen Überreste von 97 italienischen und slowenischen KZ-Häftlingen begraben. Sie mussten in den Molassefels bei Goldbach-Überlingen einen Stollen graben, in dem die Rüstungsindustrie von Friedrichshafen gegen Ende 1944 bombensicher untergebracht werden sollte. Rund 800 Häftlinge des KZ-Dachau gruben und sprengten die Stollen in den Fels. Etwa 180 starben an den unmenschlichen Arbeitsbedingungen und bei Bombenangriffen oder verhungerten im Überlinger KZ-Außenlager Aufkirch. Die Toten wurden in einem Massengrab verscharrt bzw. einige im Konstanzer Krematorium verbrannt. Auf Geheiß der französischen Militärregierung mussten die Toten 1945 ausgegraben und auf dem KZ-Friedhof Birnau bestattet werden.

Das Gedenken richtet sich nicht nur auf die historischen Opfer, sondern es ist auch Anlass vor aktuellen Neonazistischen Aktivitäten zu warnen. Das Gedenken steht unter dem Motto „Nie wieder Faschismus! Nie wieder Krieg! Neofaschismus ist ein Verbrechen – Für Toleranz im friedlichen Miteinander der Völker!“

Der Stollen kann am 10. Mai geführt besichtigt werden. Treffpunkt 14 Uhr am Stolleneingang in Goldbach, Obere Bahnhofstraße neben dem „Wirtshaus zum Felsen“.

Veranstalter:
IG Metall Friedrichshafen und Singen, DGB Süd-Württemberg, ver.di Oberschwaben und Konstanz, Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes Konstanz / Singen / Oberschwaben, Initiative Stolpersteine für Konstanz – Gegen Vergessen und Intoleranz; Initiative Stolpersteine in Radolfzell

75. Jahrestag der Reichspogromnacht 1938

8. November 2013, 19.30 Uhr

„Sogar die Bäume sahen uns anders“

Musikalische Gedenkstunde aus Anlass des 75. Jahrestages der Zerstörung der Konstanzer Synagoge in der Reichspogromnacht 1938 in der Lutherkirche

Mit Dr. Tobias Engelsing (Städtische Museen), KMD Klaus Gunther Biegert (Orgel), Bach-Chor Konstanz.

Veranstalter: Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit Konstanz e.V.

9. November, 18.00 – 18.30 Uhr

Bundesweite Mahnwache zur Pogromnacht

Bei dieser Mahnwache werden alle Stolpersteine in der Stadt geputzt und zum Gedenken wird an jedem Stein eine Kerze entzündet und eine Blume niedergelegt.

10. November 2013, 11.00 Uhr

„Eine Kindheit auf der Flucht“

Gedenkveranstaltung anlässlich des Jahrestages der Reichspogromnacht mit der Zeitzeugin Margot Heim im Astoriasaal in der Volkshochschule Konstanz (Eingang Katzgasse)

Genauere Informationen auch unter: http://stolpersteine-konstanz.de/9november.htm und http://www.9ternovember.de/

Gedenken an die Oktoberdeportation

Am 22. Oktober jährt sich die Deportation von 112 Konstanzer Juden in das französische Lager Gurs zum 73. Mal.

Aus diesem Anlass lädt die Initiative „Stolpersteine für Konstanz – gegen Vergessen und Intoleranz“ am 22. Oktober um 19.30 Uhr zum stillen Gedenken an die Stele für die deportierten Juden in der Bahnhofstraße. Wir werden für jedes der 112 Opfer, die alle namentlich auf der Stele genannt sind, eine Kerze anzünden und die Namen verlesen.

Ebenfalls wird ein jüdisches Totengebet gesprochen werden und passende literarische Texte gelesen.

http://stolpersteine-konstanz.de/

Gedenkaktion am 22. Oktober

Die Stolpersteininitiative Konstanz gedenkt der 112 Konstanzerinnen und Konstanzer, die am 22. Oktober 1940 in das Internierungslager Gurs deportiert wurden.

Die Gedenkaktion findet um 17 Uhr an der Gedenkstele in der Sigismundstraße statt.

Quelle: http://www.stolpersteine-konstanz.de/

Gedenken an die Opfer von Faschismus und Krieg

Samstag, 7.05.2011

  • Überlingen
    14 Uhr: Führung im Goldbacher Stollen (Oswald Burger)
  • KZ-Friedhof Birnau
    17 Uhr: Gedenkfeier mit Ernst Grube und Internationalen Gästen

Volkstrauertag in Radolfzell: es bleibt bei kosmetischen Änderungen der offiziellen Gedenkpolitik

Die Stadt Radolfzell hat eine Chance vergeben, beim diesjährigen Volkstrauertrag am 14.11.2010, von der bisherigen, unguten Praxis des Heldengedenkens vor dem SS-Ehrenmal am Luisenplatz (früher: Horst-Wessel-Platz) abzurücken. Weder ist sie im Stande, einen anderen, würdigeren Gedenkort zu wählen, noch gelingt ihr eine neue, überzeugende Symbolik, mit der den Opfern des Nationalsozialismus gedacht wird. Statt eines wirklich neuen Konzeptes wählt man den Weg des geringsten Widerstandes, will lediglich hier eine Inschrift ändern oder dort gärtnerisch etwas umgestalten.

Seit den 30er Jahren des vorigen Jahrhunderts gedachte man am von der Radolfzeller Waffen-SS geweihten „Ehrenmal“ den „Helden“ des ersten und später auch des zweiten Weltkriegs. Die bronzenen Namenstafeln hinter dem klobigen Kriegerdenkmal listen bis heute die „gefallenen Söhne“ (sprich Soldaten) der Stadt Radolfzell auf, die wohl überwiegend an deutschen Angriffskriegen in den Nachbarländern beteiligt waren. Jährlich veranstaltete Heldengedenktage der Waffen-SS in den Jahren 1938 bis 1945 ehrten diese Taten.

Der Horst-Wessel-Platz heisst heute Luisenplatz. Ein Foto des Horst-Wessel-Platzes aus dem Jahr 1938 zeigt, wie die Gedenktafel damals noch mit Reichsadler und Hakenkreuz geschmückt war. Beides wurde nach dem Krieg entfernt, das ehrende Gedenken blieb. Wie der Historiker Markus Wolter recherchierte, fanden die bis in die 70er Jahre hinein stattfindenden Kameradschaftstreffen der Radolfzeller HIAG (ein SS-Traditionsverband mit nazistischer Kontinuität) ihren Abschluss in Form von Kundgebungen vor diesem Kriegerdenkmal.

Bei all dem ehrenden Gedenken an die Täter war wenig Platz für ein Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus. Im Jahr 2001 wurde eine dem würdigen Gedenken nicht genügende Ergänzung in durchsichtigem Kunststoff hinzugefügt: „Als dieses Denkmal 1938 aufgestellt wurde, waren die Planungen für den nächsten Krieg und den Holocaust schon weit fortgeschritten. Millionen Männer, Frauen und Kinder wurden Opfer der nationalsozialistischen Unmenschlichkeit.“ Der Platz blieb nach wie vor dominiert von militaristischer Ästhetik und die offiziellen Trauerreden rekurierten weiterhin auf die Opfer einer nicht näher definierten „Krieg und Gewaltherrschaft“(vgl. [4]). Die abstrakte „Erinnerung“ wird mantraartig beschworen, bis die Details vergessen sind. Nichts genaues weiß man nicht und jeder Täter ist irgendwie auch Opfer, nicht wahr? Und Gewalt ist immer schlecht, auch die gegen einen Holocaust gerichtete?

Erst 64 Jahre nach Kriegsende, am Volkstrauertag des Jahres 2009, gelang es einer Schülergruppe, in einer Rede auf dieses Defizit hinzuweisen und einen Kranz „zum Gedenken an die Menschen im KZ-Außenlager Radolfzell“ niederzulegen. Zum ersten Mal wurde eine Opfergruppe genannt, die bislang ausgespart worden war. Und Radolfzell hatte ein KZ? Man zuckt zusammen und hält den Atem an, sich wappnend für die zu erwartenden Reaktionen. Kann man nach diesem Ereignis weiterhin unterschiedslos und am gleichen Ort um einen SS-Kommandanten trauern, in dessen Kaserne wenig später ein KZ-Außenlager von Dachau eingerichtet wurde? Scheinbar geht das in Radolfzell.

Noch im Sommer 2010 schien der Gemeinderat sich überwiegend auf das Anliegen der Jugendgruppe APO sowie engagierter Privatpersonen, wie dem Filmemacher Günter Köhler oder dem Historiker Markus Wolter [1] , einlassen zu wollen , den Gedenkort zu verlegen [2]. Es wurde eine viel versprechende Arbeitsgruppe gegründet, von deren Arbeit man in den folgenden Monaten nicht all zu viel vernahm [3] und deren Konzept nun, 14 Tage vor dem Volkstrauertag, im Gemeinderat vorgestellt wurde.

Das Ergebnis ist – gelinde gesagt – eine Enttäuschung.

  • Der Gedenkort bleibt der gleiche wie gehabt. Getrauert werden soll – wie auch in den vorangegangenen Jahren – vor den beiden martialischen Soldatenstatuen, die mutigen Schrittes, mit Gewehr in Bereitschaft und munter im Wind flatternder Fahne den Deutschen Vorbild beim Überfall auf ihre Nachbarländer sein sollten. Die Inschrift des unsäglichen Monuments soll zwar getilgt werden, jedoch ohne wesentlich in die militaristische Bildsprache dieser Kriegerskulptur einzugreifen.
  • Es gibt auch Pläne, wie eine neue Inschrift lauten soll: „Radolfzell gedenkt der Opfer der Gewaltherrschaft und der Toten aller Kriege“. Man will also kein Heldengedenken mehr und nicht mehr ausschließlich den „Gefallenen“, sprich den Soldaten, gedenken. Doch der Begriff „Gewaltherrschaft“ ist in seiner Allgemeinheit blind gegenüber der speziell von den in der Radolfzeller Kaserne stationierten SS-Truppen ausgegangenen Gewalt, geschweige denn der Singularität des Holocaust. Und die Phrase „der Toten aller Kriege“ gedenkt gleichermaßen an Täter wie Opfer.

Offenbar konnten sich diejenigen, die das Gedenken an die Opfer der Nazis in Radolfzell zum Thema machen wollten, bei dem neuen Konzept nicht durchsetzen, bzw. waren – mangels einer in ausreichendem Maße hergestellten Öffentlichkeit – am Entstehungsprozess nicht beteiligt. So werden zufällige PassantInnen oder Teilnehmende des Volkstrauertages nach wie vor nicht konfrontiert mit den Pogromen auch der Radolfzeller Nazis an den Jüdinnen und Juden (wann war das nochmal?) oder den Deportationen von Jüdinnen und Juden (wieviele traf es damals?) aus dem gesamten Kreis Konstanz und der Höri in das KZ Gurs durch den Radolfzeller Totenkopfverband. Weiterhin lesen wir auf den Bronzetafeln des Luisenplatzes – die einen mehr, die anderen sicher weniger stolz – den Namen von SS-​Ober­sturm­bann­füh­rer Heinrich Koeppen, der die SS-​Ger­ma­nia beim Über­fall auf Polen befehligte und der dabei – ganz unrühmlich – gefallen war.

Wer glaubte, dass nach den letzten 12 Monaten, also dem Jahr, in dem in Radolfzell das Theaterstück „Die Flüsterstadt“ aufgeführt, der Film „Leichen im Keller“ gezeigt und in dem in allen Medien breit über die Radolfzeller NS-Vergangenheit und dem heutigen Umgang damit berichtet wurde, sich das offizielle Radolfzell seiner Vergangenheit ernsthaft stellt, sieht sich – vorerst – getäuscht. Noch immer wird sie lieber unter den Teppich gekehrt und totgeschwiegen.

Es ist offensichtlich, dass in Radolfzell endlich ein offenes, partizipatives Gedenken „von unten“ an die Stelle der offiziellen Gedenkpolitik „von oben“ treten muss. Die Akteure der Gedenkpolitik „von unten“ müssen auf der Hut sein, dass sie nicht von der offiziellen Gedenkpolitik vereinnahmt oder für deren Akzeptanzschaffung eingesetzt werden.

[1] Bürger errichten Gedenktafel für KZ-Häftlinge, Südkurier 21.06.2010

[2] Gesucht wird ein Ort des Gedenkens, Südkurier 24.06.2010

[3] Gedenken ist ein schwieriger Prozess, Südkurier 12.10.2010

[4] Ansprache zum Volkstrauertag am 16.November 2008 von CDU-Stadträtin Cornelia Bambini-Adam

Gedenken an die Pogromnacht von 1938

In der Nacht vom 9. auf den 10. November 1938 brannten in Deutschland Synagogen und jüdische Geschäfte. Die Nationalsozialisten begannen mit der Zerstörung der jüdischen Gotteshäuser und anderer jüdischen Einrichtungen. Es sollte der endgültige Auftakt zur systematischen Verfolgung und Ermordung der Juden nicht nur in Deutschland, sondern in ganz Europa sein.

Am kommenden Montag, dem 9. November, findet um 11.00 Uhr auf dem Israelitischen Friedhof am Hauptfriedhof Konstanz wie in jedem Jahr wieder eine öffentliche Gedenkfeier statt.

Information zum Ablauf der Gedenkveranstaltung: http://ikg-konstanz.blogspot.com/.

Die Gemeinde Hilzingen wird für Max Maddalena einen Gedenkstein errichten

Am Sonntag, den 5. Juli 2009 um 10.00 Uhr, wird Max Maddalena in Hilzingen – Riedheim (Ortseingang Riedheim, Freiheitsstrasse/Eduard Presser-Strasse) mit einem Gedenkstein geehrt.

Max Maddalena war ein Gewerkschafter aus Riedheim, ehemals Reichstagsabgeordneter und sollte ab Ende 1935 zusammen mit Robert Stamm als Leiter der illegalen KPD den antifaschistischen Kampf der KPD ab 1935 reichsweit koordinieren.

In dieser Eigenschaft wurde er verhaftet, zu lebenslanger Haft verurteilt und starb 1943 in faschistischer Zuchthaushaft. Robert Stamm wurde vom Volksgerichtshof zum Tode verurteilt und am 4.7.1937 in Berlin-Plötzensee hingerichtet. Max Maddalena entging dem Todesurteil der Faschisten nur weil er als Soldat im I. Weltkrieg hoch dekoriert wurde.

Die VVN würde sich sehr freuen wenn viele Antifaschisten zur Einweihung des Gedenksteines in Riedheim erscheinen und Max Maddalena stellvertretend für alle KameradInnen und Kameraden ehren, die ihr Leben im Kampf gegen Faschismus und Nazidiktatur riskierten und vielfach lassen mussten.

Die Festrede wird Hildegard Bibby, Historikerin aus Konstanz halten.

Quelle: VVN Konstanz-Singen

Weitere Informationen:

http://de.wikipedia.org/wiki/Max_Maddalena

Wir trauern um ein weiteres Opfer der Zwangsmassnahmen

Abdi (Abdul) Daud

1968 — 2008

Abdi Daud starb nach monatelanger Krankheit am 23. März 2008 unter ungeklärten Umständen in einem Zürcher Spital.

Abdul Daud verbrachte die letzten 10 Monate seines Lebens im Ausschaffungsgefängnis Kloten II. Er litt an einer schweren, chronischen Krankheit und beklagte sich, wie seine Mitgefangenen erzählen, über Monate hinweg über unzureichende Behandlung und ärztliche Betreuung.

Die medizinische Betreuung von Menschen in Ausschaffungshaft und von abgewiesenen Flüchtlingen wurde in den letzten Monaten und Jahren systematisch reduziert. Abdi Daud hat dies nicht überlebt.

Gruppe augenauf und somalische Flüchtlinge in der Schweiz

Die Trauerfeier findet am 27. Mai um 15.30 Uhr auf dem Friedhof Sihlfeld (Feld 8 ) statt.

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