Tag-Archiv für 'frankreich'

Jetzt sind wir am Zug!

Am Mittwoch, den 23.11.2011, fuhr um Stunden verspätet ein Castor-Transport mit atomarem Müll von der Plutoniumfabrik La Hague in Valognes, Frankreich, los. Nach mehr als 5 Tagen traf er im Atommülllager von Gorleben ein. Dieses Lager überschreitet damit seine maximale Strahlungsemission, für die es zugelassen ist – eine Klage gegen die somit rechtswidrige Einlagerungsgenehmigung liegt vor. Tausende AtomkraftgegnerInnen in Frankreich und Deutschland hatten immer wieder versucht, den Transportzug zu blockieren, was ihnen an dutzenden Stellen gelang. 3000 französische und 19.000 deutsche Polizisten prügelten den Transport letztlich durch die AKW-GegnerInnen hindurch und sorgten für zahllose Verletzte.

Update 28.11.: Nach über 5 Tagen und 6 Stunden fährt der Castor-Transport auf das Gelände des Zwischenlagers von Gorleben. Geplant war eigentlich eine Fahrzeit von 38 Stunden. Noch niemals wurde ein Transport dieser Art so häufig und so lange aufgehalten. Bemerkenswert war das Scheitern der Polizeitechniker an der Pyramidenkonstruktion die auf der Höhe von Hitzacker im Gleisbett stand. Die vier angeketteten AktivistInnen beendeten nach über 15 Stunden ihre Blockade, weil sie sich zunehmend durch die „Befreiungsaktionen“ der Polizei gefährdet sahen, die, mittlerweile nervös und unter Zeitdruck, Verletzungen der Angeketteten in Kauf nahm.

Update 27.11.: Von korrektem polizeilichen Vorgehen kann im Wendland schon lange nicht mehr die Rede sein. Willkürliche Übergriffe, offener Rechtsbruch und exzessive Gewalt mit großer Gefahr für Leib und Leben sind an der Tagesordnung. Die Schienenblockierer bei Harlingen wurden geräumt und in eine Art Wagenburg auf offenem Feld verfrachtet, wo sie rechtswidrig stundenlang ihrer Freiheit beraubt wurden. Alle gerichtlichen Überprüfungen gaben den ProtestiererInnen Recht, was die Polizei nicht daran hinderte, mit dieser Praxis fortzufahren. Ungewöhnlich komplizierte und widerstandsfähige Betonkonstruktionen, an die sich CastorgegnerInnen festgekettet hatten (Vastorf, Hitzacker), hielten den Castor praktisch den gesamten Tag auf. Die geschotterten Schienenbereiche mussten von dem Castorzug voraus fahrenden Reparaturzügen wieder instand gesetzt werden.

Update 26.11.: Während der Castor-Transport sich mit großer Verspätung und auf Umwegen Lüneburg näherte, wurde in Dannenberg eine Großdemonstration abgehalten. Die OrganisatorInnen sprechen von 23.000 TeilnehmerInnen und tausenden weiteren AktivistInnen, die zeitgleich Aktionen rund um die Transportstrecke durchführten. In der Nacht von Samstag auf Sonntag stoppte der Castor viele Stunden im Bahnhof Maschen bei Hamburg. In der Nacht wurde von der Gruppe Widersetzen bei Harlingen eine riesige Schienenbesetzung durchgeführt, an der tausende Menschen teilnahmen. Mehrere Ankettaktionen auf der Schienenstrecke zwischen Lüneburg und Dannenberg beschäftigten Spezialkräfte der Polizei über viele Stunden.

Update 25.11.: Die OrganisatorInnen der Südblockade ziehen eine positive Bilanz. Obwohl der Castor-Transport angesichts der starken Proteste in Lauterbourg / Wörth die Ausweichsroute über Saarbrücken nahm, gelang es ca. 200 AktivistInnen darauf zu reagieren und auch dort eine Blockade durchzuführen, die den Zug mehrere Stunden aufhielt. Zahlreiche Blockaden auf der weiteren Castorstrecke ließen den Atommüllzug nur im Schneckentempo vorankommen.

Update 24.11.: Der Castor – Transport ist aufgrund der Blockaden in Volognes um Stunden verspätet losgefahren und wurde auf der Fahrt durch Frankreich mehrfach zum Halten gebracht. Er steht derzeit seit Stunden bei Rémilly, Frankreich. Es gibt Gerüchte dass der Grenzübertritt nach Deutschland erst am Freitag stattfinden soll – wo ist jedoch unklar. Strahlenmessungen an den Castoren ergaben besorgniserregende Werte: 37µSv/h in in 2m Abstand. Zum Vergleich: in Fukushima City strahlt es mit 1,6µSv/h, schon in ca. 10 h würde die empfohlene maximale Jahresdosis für eine Person überschritten!

Update 23.11.: Die Kundgebung und Demonstration in Berg unter dem Titel „Atomausstieg geht anders: Nein zum 13. Castortransport nach Gorleben“ wurde um einen Tag vorverlegt auf Donnerstag, 24.11., 09:00 Uhr (!)

Überraschend wurde der Abfahrttermin der Castoren also um einen Tag vorverlegt. Frühestens, d.h. wenn keine grösseren Blockaden den Castor-Transport in Frankreich aufhalten, ist mit dem Grenzübertritt am Freitag vormittag bei den Städtchen Berg und Lauterbourg in der Nähe von Karlsruhe zu rechnen.

Dort wird der Castor-Transport auf die AktivistInnen der „Südblockade“ stoßen. Auch sie werden – so wie die zahlreichen CastorgegnerInnen im Wendland – mit ihrer Auftaktkundgebung und ihren Aktionen einen Tag früher dran sein.

Die OrganisatorInnen der Großdemo in Dannenberg, dort wo die Castoren stunden später von der Schiene auf Tieflader umgeladen werden müssen, belassen es allerdings bei dem bisherigen Startzeitpunkt von 12:30 Uhr am Samstag. Doch auch sie wollen flexibel bleiben für den Fall, dass der Transport vor Demonstrationsbeginn in Dannenberg einfährt.

Letzteres ist jedoch alles andere als wahrscheinlich. Die Erfahrung der letzten Jahre hat gezeigt, dass die Transporte mit der gefährlichen Atomlast von der ersten Minute bis zur letzten Minute den entschlossenen Blockadeversuchen von AtomkraftgegnerInnen ausgesetzt sind, was stets zu erheblichen Verspätungen im Fahrplan führt. Dieses Jahr besteht sogar ein erstes internationales Blockadecamp in Valognes selbst – vermutlich der Grund warum der Castor-Transport diesmal einen Tag früher losfährt.

Links

Dort Kampf, hier Krampf

Aktuelle Arbeits- und Klassenkämpfe in Frankreich und Deutschland

Straßenblockaden, Streiks, Betriebsbesetzungen, Boss-Napping und politische Generalstreiks mit Millionenbeteiligung. Während sich in Frankreich und anderen Ländern die Menschen im Zuge der Krise entschieden zur Wehr setzen, bleibt es in Deutschland weiterhin ruhig. Das ist nichts Ungewöhnliches. Schon seit Jahren schauen viele fast schon neidvoll auf das Nachbarland, wo ArbeiterInnen und Studierende immer wieder soziale Kämpfe führen und beachtenswerte Erfolge erzielen. Das wiederum war nicht immer so.

Seit 1995 haben sich in Frankreich syndikalistische Gewerkschaften in Szene gesetzt und die Gewerkschaftslandschaft nachhaltig verändert. Ihre Konzepte der Basisinitiative und der direkten Aktion haben sogar die großen Gewerkschaften unter Druck gesetzt, kämpferische Dynamiken von unten zuzulassen. Während so die ArbeiterInnen über ihre Forderungen, Kämpfe und Methoden ein gutes stückweit selbst entscheiden können und dadurch einen großen Kampfgeist entwickeln, bestimmen in Deutschland ausschließlich die basisfernen Gewerkschaftszentralen stellvertretend über die Belange der ArbeiterInnen. Es wird alles sozialpartnerschaftlich auf zentraler Ebene ausgehandelt und die direkte Konfrontation in den Betrieben untersagt, wodurch eine Passivität der Menschen erzeugt wird. Die DGB-Gewerkschaften wirken so als ordnende Hand und garantieren den Frieden in den Betrieben, dem Rückgrat des Kapitalismus.

Am Beispiel der gegenwärtigen Klassenkämpfe erläutert Holger Marcks (FAU Berlin, Redaktion „Direkte Aktion“) die Unterschiede zwischen dem sozialdemokratischen und dem syndikalistischen Gewerkschaftskonzept. Im Vordergrund steht dabei die Frage, weshalb die Form der Gewerkschaftsstrukturen entscheidend ist, damit sich antikapitalistische Kämpfe dynamisch entfalten können. Diskutiert werden sollen dabei auch die aktuellen Perspektiven für Basisgewerkschaften in Deutschland.

Mo., 25 Mai 2009, 19.00 Uhr
Konstanz
Radio-Raum im DGB-Haus
Beyerlestr. 1

VeranstalterInnen: FAU-Initiative Konstanz, AARK, Antifaschistischer Freundeskreis

Auf zum No-Nato-Gipfel in Strasbourg!

Für den 3. und 4. April mobilisiert die französische, schweizer und deutsche Antiglobalisierungs- und Friedensbewegung sowie die Radikale Linke in die Region Strasbourg, Kehl und Baden-Baden um gegen den Ende dieser Woche dort stattfindenden Nato-Gipfel zu protestieren. 20 Demonstrationen und noch mehr Aktionen des zivilen Ungehorsams werden für einige Tage die Straßen unsicher machen, 20.000 DemonstrantInnen werden erwartet. Routiniert werden die erprobten Widerstandsformen und -strukturen in ihrer ganzen Breite ausgerollt – die Bewegung scheint immer professioneller zu werden.

Ein mit 30 JuristInnen besetztes Anwaltsnotteam wird für Rechtshilfe bei Polizeiübergriffen und Ingewahrsamnahmen sorgen, mobile Küchen sorgen dafür dass die Kraft der DemonstrantInnen nicht schwindet.

Das Convergence Center in Freiburg wurde bereits letzte Woche eröffnet, die Camps in Strasbourg sind ab Mitte dieser Woche bezugsfertig. Mehrere Workshops mit Blockadetraining, Demosanitätertrainings und inhaltlichen Themen zum Antimilitarismus werden die Globalisierungsgegner und AntimilitaristInnen auf die Protesttage vorbereiten.

Informiert wird per Funk in Sondersendungen des Freien Radios Dreyeckland, die schon jetzt im Internet angehört und runtergeladen werden können, per Internet über die Indymedia Websites http://linksunten.indymedia.org und http://de.indymedia.org (siehe insbesondere auch den Ticker von linksunten), mit täglichen Druckausgaben und per Handyticker unter http://linksunten.indymedia.org/mobile.

Der Aktionsfahrplan sieht so aus:

  • 1.4.: weltweiter Aktionstag „Krieg und Krise“
  • 3.4.: Baden-Baden: ganztägige Blockaden der Zufahrtsstrassen, 11 Uhr Demo zum Festspielhaus
  • 4.4. Strasbourg und Kehl: ab 6 Uhr Blockaden gegen das Gipfeltreffen, Strasbourg 13 Uhr: Internationale Demo
  • 5.4. Anti-Knast-Demo

Legal Team Strasbourg (F): +33 (0)3 68 46 02 62
Legal Team Freiburg (D): +49 (0)7 61 40 97 25 1
Demosanis: +49 178 654 13 08

Strasbourg: Internationale Aktionskonferenz gegen den Nato-Gipfel

Samstag 14. Februar bis Sonntag 15. Februar
Ort: Straßburg, (genauerer Ort: Universität /2. Einladung)

update: Bericht zur Konferenz bei linksunten.indymedia.org

Quelle: http://sicherheitskonferenz.de/de/Internationale-Konferenz-Strasbourg

Der Hauptzweck der Konferenz ist die Absprache zur Vorbereitung der unterschiedlichen Aktionen gegen das NATO-Jubiläum. Wir möchten die Strategie festlegen und die verschiedenen Aktionen vorbereiten.

Die Grundlage aller Vorbereitungen wird eine politische Diskussion über die Strategie der NATO und deren politischen Ziele sein.

11:00 bis 12:30
Vorbesprechungen der Arbeitsgruppen (Gruppen siehe unten)

Eröffnungsplenum:
Samstag 13:00 bis 15:30

Plenum -
Begrüßung und Moderation Arielle Denis und Frederic Henry, Strasbourg

Gegenwärtige NATO-Strategie und unsere Kritikpunkte (Arbeitstitel)
John Rees, Stop the war GB/ Arielle Denis, Mouvement de la Paix, France

Diskussion

Überblick unserer Aktionsvorbereitungen gegen den NATO-Gipfel
Reiner Braun

Dazu gehören Informationen über die Vorbereitungen in den einzelnen Ländern, in der Region Straßburg und Baden-Württemberg und in den Arbeitsgruppen

16:00 bis 18:00
Arbeit in Gruppen
a. Camp
b. Demonstration
c. Ziviler Ungehorsam ,, Civil disobedience
d. Internationaler Kongress

18:15 bis 19:45
Austausch der Arbeitsergebnisse in einer Plenumsdiskussion mit vier Einführungsbeiträgen
Moderation: Kate Hudson, CND, GB

20.30 optional
Treffen der deutschen und der französischen TeilnehmerInnen

Sonntag
9:00
Kurze Einführung: Andreas Speck, WRI

Anfang 9.15 bis 10.45
Arbeitsgruppen
a. Pressearbeit
b. Öffentlichkeitsarbeit
c. Basistreffen
d. Bei Bedarf – Fortsetzung der Arbeitsgruppen vom Vortag
e. Legal Team, Beobachtergruppe
f. und mehr

11:00 bis 12:00 Berichte
Moderation am Vormittag: Petros Constantinou, Greece, Sophie Zafari, FSU France

12.00 bis 13.00
Diskussion über die Mobilisierung

13:00 bis 14:00
Beschlüsse und Vereinbarungen
Moderation Reiner Braun/ Lysiane Rolet Strasbourg/ NN von den Blockade-Aktivisten

Sprachen sind Englisch, Deutsch und Französisch. In den Arbeitsgruppen keine professionelle Übersetzung,