Tag-Archiv für 'camp'

Aktionscamp „Fluchtursachen bekämpfen und nicht die Flüchtlinge – Der Krieg beginnt am Bodensee“

Aufruf verschiedener asyl- und friedenspolitischer Gruppen zu Aktionstagen und einem Sommercamp vom 19. – 22. August 2015 in Konstanz und der Bodenseeregion


Quelle: http://www.waffenvombodensee.com/

Liebe Friedensfreunde, liebe Friedensfreundinnen, liebe Flüchtlingsfreunde, liebe Flüchtlingsfreundinnen in der Bodenseeregion,

das Mittelmeer ist zum grauenhaften Massengrab für Menschen geworden die vor Krieg, Verfolgung und Elend fliehen. 28.000 Flüchtlinge ertranken in den letzten 15 Jahren. Allein 1400 tote Flüchtlinge wurden in den ersten 5 Monaten 2015 an den südlichen Küsten Europas geborgen. Anstatt großzügig Hilfe zu organisieren werden die Mauern um Europa höher gezogen und die Grenzen militärisch bewacht. Flüchtlingsabwehr ist das Ziel. Niemand fragt mehr nach den Ursachen von Flucht und Vertreibung.

Neben extremer Armut aufgrund ungerechter Handelsbeziehungen und der Ausbeutung von Rohstoffen und Ressourcen in den Herkunftsländern, sind Kriege und Bürgerkriege die häufigste Fluchtursache. Von den derzeit weltweit 51,3 Millionen Flüchtlingen sind 10 Millionen Kriegsflüchtlinge. Allein der kleine Libanon hat 1,5 Millionen Kriegsflüchtlinge aus Syrien aufgenommen. Jeder vierte Einwohner im Libanon ist heute ein syrischer Flüchtling. Im Gegensatz dazu hat das reiche Deutschland nur 20 000 syrischen Flüchtlingen Schutz gewährt.

Doch populistische Politiker und Medien bezeichnen Deutschland gerne als das „Sozialamt“ der Welt und behaupten seit Jahren, das Boot sei voll. Verschwiegen wird, dass gerade Deutschland an Krieg und Tod in der Welt sehr gut verdient, denn wir liefern die Waffen dazu. Deutschland ist weltweit der drittgrößte Waffenexporteur. 2013 hat Deutschland für 6,7 Mrd. Euro Waffen exportiert, auch in Staaten die Menschenrechte verletzen und die zu den Krisengebieten gehören (Saudi Arabien, Israel, Mexiko, Ägypten…).

Auch die Bodenseeregion verdient gut an diesem mörderischen Geschäft. Rund um den Bodensee haben sich Dutzende von Rüstungsfirmen angesiedelt die dazu beitragen, dass weltweit militärisch aufgerüstet wird, dass gemordet wird und immer mehr Menschen fliehen müssen. Dabei werden Höchstprofite erzielt, die zynisch als deutsche „Wirtschaftskraft“ gefeiert werden.

Den Zusammenhang zwischen Rüstungsindustrie, Krieg und Fluchtursachen aufzuzeigen ist unser Ziel. Wir wollen hier am Bodensee gemeinsam mit Friedeninitiativen, Flüchtlingsinitiativen sowie vielen Flüchtlingen Aktionen vor den Rüstungsfirmen ATM Konstanz, Rheinmetall Stockach und Diehl Überlingen organisieren und in den Städten demonstrieren. Ähnlich der Aktion letztes Jahr im Oktober bei Diehl in Überlingen soll bildhaft mit Bahren und Leichenträgern die Bevölkerung aufgerüttelt werden. Gleichzeitig wollen wir auf die unwürdige Unterbringung der Flüchtlinge in den Unterkünften aufmerksam machen und Solidarität mit den Flüchtlingen zeigen. Wir wünschen uns hierfür ein breites Bündnis, in der Hoffnung, dass diese Aktionen auch die nächsten Jahre fortgesetzt werden können denn – Der Krieg beginnt am Bodensee!

Für die Vorbereitungsgruppe
Doris Künzel , Hakan Sanli, Cigdem, Tanja Kaufmann

Radiocamp vom 28. Mai bis 1. Juni 2014 in Markelfingen

Direkt am Bodensee gibt es einmal im Jahr ein Camp, das seit nunmehr 19 Jahren freie Radioaktive zum Kreativ-Werden, zum Lernen, zum Plaudern, zum Kontakte knüpfen und zum Produzieren einlädt: das Radiocamp auf dem DGB-Gelände in Markelfingen.

Vom 28. Mai bis 01. Juni 2014 werden unterschiedlichste Radioworkshops angeboten: ob nun redaktionell, technisch oder theoretisch interessiert, Neues zu erfahren gibt es auf allen Gebieten. Und da die Workshops noch mit kulturellem Programm, von verschiedenen Freizeitaktivitäten und wunderschöner Umgebung umschmückt sind, wird nicht nur die Wissbegier von Radio-Neulingen und Radio-Fortgeschrittenen gestillt, sondern auch das Kontakte knüpfen, Neue-Leute-Kennenlernen, Spaß haben und Diskutieren kommt nicht zu kurz.

Workshops Donnerstag 29. Mai

Was ist und wie mache ich Freies Radio
Einführungsworkshop
Mit Timo Stadler
Querfunk Karlsruhe

Eine praktische Einführung ins Freie Radiomachen:

Anschließend seid ihr natürlich noch keine perfekten Radiojournalist_innen, aber ihr werdet die Grundkenntnisse haben, um eine Sendung zu gestalten und auch etwas über das Selbstverständnis der Freien Radios wissen.

„Ich? Ich hab doch keine Vorurteile (mehr)!“ – Einführung in die Anti-Bias-Perspektive, und was das mit Freien Radios zu tun hat
Mit Nora Strehlitz
Radio RUM Marburg

„[…] die Redaktionen sind sich darin einig, dass jede rassistische, sexistische und soziale Diskriminierung von Personen ausgeschlossen ist.“ (Aus der Selbstdarstellung von Radio Corax Halle e.V.)

„Wir sind uns der gesellschaftlichen Wirkung von Sprache bewusst und wollen eine vorurteilsfreie Sprache verwenden.“ (Aus der inhaltlich-redaktionellen Plattform von Radio Unerhört Marburg)

„Der Anti-Bias-Ansatz geht davon aus, dass jede*r Vorurteile hat. Im Lernprozess […] nehmen [wir] die eigenen Rollen in komplexen Systemen wahr und entwickeln gemeinsam alternative Verhaltensweisen.“ (Anette Kübler: Was ist Anti-bias?)
Im Workshop möchte ich euch über kurze Inputs und selbstreflexive Übungen die Anti-Bias-Perspektive erfahrbar machen und anschließend gemeinsam überlegen, was der Ansatz für unsere Arbeit im Freien Radio bedeuten kann – redaktionell und in der Zusammenarbeit.

Musik im Freien Radio – mehr als eine Frage des guten Geschmacks
Mit Katja Röckel
Radio Blau, Leipzig

Musik hat nicht nur im freien Radio einen hohen Stellenwert.

Aber wie präsentiere ich Musik „richtig“? Wie vermeide ich, nur den Titel und die Band zu nennen? In diesem praktisch orientierten Workshop sprechen wir darüber wie Ihr bisher Musik im Radio nutzt und was man daran noch ändern kann. Im zweiten Teil gibt es kleine praktische Übungen an konkreter Musik.

Bitte Lieblings-CD mitbringen!

Nachrichten im Freien Radio
Mit Niels Wätzel
RDL Freiburg
Workshoplänge: Halber Tag

Themen setzen und Diskurse brechen!

Was können Nachrichten im Freien Radio bringen? Wie sollten sie sich von denen im Öffentlich-Rechtlichen unterscheiden? Und wie können wir uns gemeinsam organisieren?

Im Workshop besprechen wir Auswahl, Aufbau und Sprache von Nachrichten sowie mögliche Gestaltungsmittel.
Ziel wäre ein gemeinsames Nachrichtenportal, aus dem die einzelnen Radios schöpfen können.

Abend-Veranstaltung:

NSU: Blick in den Abgrund
Anti-demokratische Inlandsgeheimdienste, unkontrolliertes V-Mann-Unwesen, Nazi-Terror-Szene, rassistische Ermittlungen und Staatsversagen: Zwingende Konsequenzen aus dem NSU-Komplex
Mit Friedrich Burschel
Radio Lotte Weimar, NSU-Watch, Rosa Luxemburg Stiftung Berlin

Hinter dem Agieren des NSU und seines wohl mehrere Hundert Personen umfassenden Unterstützer_innen-Netzwerks öffnete sich das Panorama des wohl größten Geheimdienstskandals der Geschichte der BRD und eines unvorstellbaren behördlichen Rassismus‘ in den Mordermittlungen. Gegen die Familien und das soziale Umfeld der Opfer und die Ermordeten selbst wurde über Jahre mit kruden Vorwürfen und rassistischen Anschuldigungen ermittelt. Für die betroffenen Familien eine bis zu einem Jahrzehnt währende Demütigung ohne das je auch nur ansatzweise Spuren ins Nazi-Milieu verfolgt worden wären. Wie weit staatliche Verstrickung in das Geschehen gegangen ist, ist bis heute nicht ansatzweise geklärt, im Gegenteil: ein beispiellos dreister Vertuschungs- und Obstruktionsskandal der unter Verdacht stehenden Behörden (Polizei, Inlandsgeheimdienst „Verfassungsschutz“, Bundesnachrichtendienst (BND), Militärischer Abschirmdienst (MAD) usw.) überschattet(e) selbst die Aufklärungsbemühungen Parlamentarischer Untersuchungsausschüsse (im Bundestag, in den Landesparlamenten von Thüringen, Sachsen und Bayern und des NSU-Prozesses vor dem Oberlandesgericht in München (seit 6.5.2013). Da werden Informationen vorenthalten und manipuliert, Akten geschreddert oder zurückgehalten und eine Aufklärung des Komplexes der Geheimdienst-Informant_innen (sog. V-Leute) hintertrieben. Viele ungeklärte Fragen und haarsträubende Ungereimtheiten sind nach wie vor offen. Welche nationalen Netzwerke mit dem und internationalen Verbindungen zum NSU nachweisbar sind, ebenso.

Aber auch eine kritische und linke Öffentlichkeit hat von dem mörderischen Agieren des NSU keine Kenntnis genommen und sich von den Medien, die die Polizeiversionen ungeprüft und auflagensteigernd skandalisiert übernahmen, den Bären der kriminellen Machenschaften im „Ausländermilieu“ aufbinden lassen: niemand hat gegen die Etikettierung der grausamen Hinrichtungen als „Döner-Morde“ je lautstark protestiert oder auch nur Zweifel angemeldet. Auch nachdem in Kassel, nach der Ermordung des jungen Internetcafé-Betreibers Halit Yozgat am 6. April 2006, tausende Menschen migrantischen Hintergrunds unter dem Motto „Kein 10. Opfer“ demonstrierten, wachte die Öffentlichkeit – mit den rassistischen Erklärungen offenbar einverstanden – nicht auf.

Imme rnoch verhalten und erst langsam artikuliert sich ein Aufschrei, der all das nicht mehr zu akzeptieren bereit ist und beginnt, eine öffentliche Diskussion der Skandale, des behördlichen und gesellschaftlichen Rassismus und der enormen Gefahren für das Gemeinwesen, die von den unkontrollierbaren (Inlands-)Geheimdiensten ausgehen, zu erzwingen.

Workshops Freitag 30. Mai

Geschlechtergerechtes Sprechen im Radio
Mit Tina Tusch
Berlin
Workshoplänge: Halber Tag

Die Art wie im Radio gesprochen wird beinhaltet immer auch eine geschlechtliche Positionierung, ob das beabsichtigt ist oder nicht. Wie damit umgegangen wird ist für jede_n Sprecher_in unterschiedlich. In den freien Radios gibt es die unterschiedlichsten Umgangsweisen mit diesem Thema, von der Benutzung einer eigens entwickelten geschlechtergerechten Grammatik über die Verwendung des Gender Gap oder Unterstrichs bis hin zur Verwendung des generischen Maskulinums, und bei Live-Sendungen wird am liebsten geredet wie der jeweilige Schnabel gewachsen ist. Und nicht nur die Sprache sagt in diesem Zusammenhang viel über die Sprechenden aus, sondern auch die Art wie die Stimme eingesetzt wird.
In diesem Workshop werden unterschiedliche Ansätze einer geschlechtergerechteren Sprache vorgestellt, mit einer besonderen Berücksichtigung einer trans*-sensiblen Sprache. Aber ganz unabhängig von der Sprache ist auch der Stimmeinsatz der Sprechenden im Radio entscheidend für die Wirkung des Gesendeten. Wie spreche ich, und wie wirkt das? Nehme ich mich stimmlich eher zurück, oder wirke ich dominant und sicher, und welche Rolle spielt mein Geschlecht dabei? Möchte ich daran etwas ändern oder meine stimmlichen Ausdrucksmöglichkeiten in diesem Zusammenhang vergrößern? Für alle die sich mit diesen Fragen beschäftigen wollen ist dieser Workshop.
Die jeweiligen Schwerpunkte sind dabei vom Interesse der Teilnehmenden abhängig, nicht alles passt in 3 Stunden.
Die Workshopleiterin Tina Tusch ist Diplompädagogin und Logopädieschülerin, und beim Berliner transgenderRadio aktiv. Gelegentlich veranstaltet sie Workshops zum Thema Stimmbildung, insbesondere für queere und trans* Menschen.


„Über Menschen mit behinderungen berichten“

Workshop für Journalistinnen und Journalisten
Mit Lili Masuhr von den Sozialhelden/Leidmediem.de

„Trotz ihrer Behinderung, meistert sie ihr Leben.“ oder „Der Wissenschaftler leidet an Muskelschwund und ist an den Rollstuhl gefesselt.“ solche Formulierungen lassen negative Bilder im Kopf entstehen, die das öffentliche Bild von Menschen mit Behinderungen prägen. Ob diese Floskeln aus Zeitmangel oder Unsicherheit verwendet werden – Journalistinnen und Journalisten kommt eine besondere Verantwortung zu. denn Medien schaffen Wirklichkeit und viele behinderte Menschen fühlen sich diskriminiert, wenn sie als „Opfer“ oder „Helden“ wahrgenommen werden. das wirkt dem Ansatz der UN-Behindertenrechtskonvention entgegen, die weltweit ein inklusives Leben ermöglichen möchte. Das Bild von Stereotypen und Vorurteilen zu befreien ist gerade in Deutschland wichtig, wo Menschen mit und ohne Behinderungen zu oft noch in getrennten Welten leben, lernen und arbeiten.
Wie es in der Berichterstattung auch anders gehen könnte, wollen wir von „leidmedien.de“ mit ihnen in einem Workshop diskutieren. Aus der Sicht von Medienschaffenden mit und ohne Behinderungen haben wir Tipps für eine Berichterstattung aus einer anderen Perspektive und ohne Klischees zusammengestellt.
„leidmedien.de“ ist ein Projekt der SOZIALHELDEN in Kooperation mit der Aktion Mensch.
In unserem Workshop geht es um den Austausch von Ideen und Tipps für:
- verwendete Begriffe und Formulierungen über behinderte Menschen
- Perspektiven in Fotografie und TV auf behinderte Menschen
- barrierefreie Kommunikation in der Online-Präsenz
- Interviews mit behinderten interviewpartnerinnen und -partnern

Das Feature – gemeinsam hören, diskutieren und ein Gefühl für das Genre bekommen: learning by analyzing
Mit Jeldrik Geraedts

Radio kann mehr sein als das gesprochene Wort. Es kann von akustischen Welten erzählen, Geschichten erlebbar und emotionale Zusammenhänge verständlich machen – ohne dabei Effekthascherei zu betreiben. Eine radiojournalistische Form, die einem dabei denkbar viel Raum lässt, ist das Feature. Im Gegensatz zu vielen anderen radiojournalistischen Formen, die sich vor allem durch Aktualität auszeichnen, ist das Feature hintergründig. Es lässt sich Zeit, nimmt sich Ruhe, nutzt die volle Bandbreite der akustischen Möglichkeiten: Autor_innentexte, literarische Zitate, O-Töne, Atmo, Effekte und Fiktion.
In diesem Workshop werden gemeinsam einzelne Stücke (ausschnittsweise) gehört, diskutieren und überlegt, ob und wie das Feature auch in den Freien Radios einen Platz findet. Neben der Diskussion auf der Metaebene sollen dabei immer wieder Blicke auf die Praxis der Freien Radios werfen und Ideen entwickelt werden, wie aus dem gebauten Beitrag ein Feature werden kann.

Keine gute Radiosendung ohne gute Interviewführung
Mit Heike Demel
Radio Z Nürnberg

Es kommt in vielen Sendungen vor: das Interview. Ob es gelingt, hängt nicht nur von passenden Interviewpartner_innen ab, sondern auch von einer guten Vorbereitung und Gesprächsführung.
Wie erreiche ich, dass mein Interview nicht wie eine reine Abhakliste oder belanglose Plauderei klingt? Wie gestalte ich mein Interview spannend, informativ und hörenswert? Welche Fragearten setze ich wofür ein?
Der Workshop vermittelt zunächst die Grundlagen für ein gutes Interview und erprobt sie am Nachmittag in echten Interviewsituationen.

Radio in Zeiten des Internets:
Streamen, Podcasts – und Programmerstellung
Mit Friederike Maier
Journalistin und Medientrainerin, Hannover

Neben dem Streamen des Radioprogramms im Internet und dem Bereitstellen von Podcasts lässt sich das Internet auch zur Programmerstellung nutzen. Interviews übers Internet können eine deutlich bessere Qualität erzielen als herkömmliche Telefon- oder Handyinterviews. Mit WebRTC steht ein neues Echtzeitprotokoll fürs Internet bereit, was auch für Radiozwecke gut genutzt werden kann.
Vormittags: Grundlagen wie kommt der Ton möglichst wohlklingend ins Internet. Vom Mikro, Mischpult, Kompressor über die Digitalisierung in der Soundkarte bis zur Komprimierung, um das Audiomaterial auf eine anständige Größe zu bekommen. Mit vielen Hörbeispielen und Übungen wird das Thema anschaulich dargestellt um ein möglichst gut klingendes Signal ins Netz zu bekommen. Dabei werden neben der praktischen Anwendung auch die physikalischen Hintergründe thematisiert.
Nachmittags: Vorstellung und ausprobieren verschiedener Programme, die den Radioalltag vereinfachen können:
- WebRTC: Kommunizieren in Echtzeit im Internet
- Mumble: Eine wohlklingende alternative zu Skype mit Aufnahmebutton
- Airtime: Opusfähiges streamen mit Sendeautomation

Abend-Veranstaltung:
Entstehung und Entwicklung der „Alternative für Deutschland“ AfD
Mit Andreas Kemper

Die „Alternnative für Deutschland“ hat scheinbar aus dem Nichts fast den Sprung in den Bundestag geschafft. Nicht nur ins Europaparlament kann sie am 25. Mai 2014 Abgeordnete entsenden, sondern auch bei Landtagswahlen in Sachsen, Brandenburg und Thüringen im Sommer 2014 würde die AfD nach den Hochrechnungen der letzten Monate einziehen.
Seit einigen Monaten gibt es erhebliche innerparteiliche Richtungskämpfe zwischen nationalliberalen und neoliberalen Kräfte, in denen es auch darum geht, welche Rolle hierbei Rechtspopulist*innen einnehmen.
Neben einer Darstellung der Daten und Forderungen der Partei wird der Soziologe Andreas Kemper auf die maßgebenden Gruppen und Einzelpersonen in den aufeinander folgenden Entstehungsphasen der AfD der letzten zehn Jahre eingehen. Dabei werden auch aktuelle Auseinandersetzungen (bspw. Bildungsplan 2015 und die Demonstrationen in Stuttgart) thematisiert.
Nach dem Vortrag wird ausreichend Zeit für Nachfragen und kontroverse Diskussionen sein.

Workshops Samstag 31. Mai

Was ist Critical Whiteness?
Mit Katrin Dietrich
fernsicht im iz3w Freiburg

Im einführenden Workshop nähern wir uns tastend den Konzepten der Critical Whiteness Studies an. Ausgehend von der Geschichte des Kolonialismus und seinem Fortwirken, diskutieren wir über ‚weiße‘ Privilegien und Machtpositionen. Aber wer ist eigentlich weiß – und wer ist schwarz? Sind manche Menschen weißer als andere? Können Weiße überhaupt AntirassistInnen sein… ? Für die gemeinsame Diskussion dieser Fragen, der Praxistauglichkeit des Konzeptes und seiner Umsetzung in der Radioarbeit wird im Workshop genügend Raum und Zeit gegeben.

Die Stimme: entspannt, klangvoll und ausdauernd
Atem- und Stimmtraining
Mit Henrike Mayer
Karlsruhe
(Sängerin, funktionale Stimmbildnerin und Atempädagogin AFA®)

Unser Körper ist unser Stimme-Instrument und der Atem der Antrieb, sie beeinflussen sich gegenseitig. Ist das Instrument gestimmt, stimmt auch die Stimme.
Durch gezielte Körper- und Atemübungen (Middendorfsche Tradition) nehmen wir unseren Körper bewusster wahr, Spannungen lösen sich, die Haltung lockert sich und die Atembewegung bekommt mehr Bewegungsfreiheit und Raum. Dadurch erlangt die Stimme mehr Klang, Ausdruckskraft, Stabilität und Präsenz.
In dem Workshop wird Bewegung mit dem Atem verbunden und mit Lauten, Sprache und Artikulationsübungen gearbeitet. Im Vordergrund steht das eigene achtsame, körperliche und stimmliche Erleben, die Offenheit, das ein oder andere gewohnte Atem-und Stimmmuster zu verlassen und Neues auszuprobieren. Darüber hinaus besteht die Möglichkeit, einzeln an individuell gewählten Texten zu arbeiten.
Bitte bequeme Kleidung und Socken mitbringen, sowie selbstgewählte Texte!

experimentelles radio mit strategien aus klangkunst, experimenteller musik und lautpoesie den radioalltag aufmischen!
Mit Antje Meichsner
coloRadio Dresden

wir hören uns werke aus dem spannungsfeld zwischen radiofeature, hörspiel, musik, lyrik, sound art und fieldrecordings an, analysieren sie und extrahieren uns einen baukasten an künstlerischen strategien, die uns andere perspektiven als bisher auf das radiomachen einnehmen lassen. doch das wichtigste ist: die probieren wir dann auch gleich mal aus, um die grenzen eurer alltäglichen radioroutine zu dehnen.
voraussetzung: du kannst audioschnitt. im idealfall bringst du dein laptop mit deinem lieblingsschnittprogramm und dein aufnahmegerät/mikro mit.
wenn ihr sowas habt, bringt eure radiowerkzeuge, musikinstrumente und texte mit – egal ob experimentell, journalistisch oder tagebuchförmig!


Basis-Workshop Recherche

Mit Benedikt Strunz
Hamburg

Der Kurs vermittelt grundlegende Kenntnisse über Möglichkeiten und Methoden (investigativer) Recherche. Der Workshop richtet sich an AnfängerInnen. Unter anderem soll es um konkrete Methoden der Internet-Recherche gehen (Facebook Graph-Search und systematische google-Suchen) sowie um die Möglichkeiten von Anfragen (Informationsfreiheitsgesetz, Landespresserechte, etc.). Das Ganze mit Platz für Übungen und Zeit für eure konkreten Fragen.


Zip-FM

Mit Wera Morawietz

Einfacher wird es nicht für die Freien Radios, Info-Schienen mit möglichst aktuellen und vielseitigen Themen aus der ganzen Welt zu gestalten. Hier bekommt ein Radio weniger Geld, hier mehr, dort weniger Sendezeit, woanders fangen plötzlich sehr Aktive einen Vollzeitjob ausserhalb des Radios an und eine ganze Infoschiene bricht zusammen… Um trotzdem zuverlässig ein Nachrichtenmagazin ausstrahlen zu können, gibt es Zip-FM. Produziert von einer überregionalen Redaktion Dienstag bis Freitag, jeweils 30 Minuten.
Doch auch in dieser Nachrichtenredaktion aus dem deutschsprachigen Raum gibt es Veränderungen, und diese wollen gestaltet werden.
In dem Workshop soll sich das Zip-FM Team sowohl durch Selbstkritik weiterentwickeln als auch inhaltliche Schwerpunkte diskutieren, abhängig von den politischen Ereignissen in der nächsten Zeit.
Doch nicht nur die bisherige Redaktion soll sich hier treffen – jedeR Interessierte ist herzlich eingeladen, produktiv das Zip-FM zu gestalten.

Quelle + Anmeldung: http://www.aff-bawue.org/radiocamp14.htm

Jetzt sind wir am Zug!

Am Mittwoch, den 23.11.2011, fuhr um Stunden verspätet ein Castor-Transport mit atomarem Müll von der Plutoniumfabrik La Hague in Valognes, Frankreich, los. Nach mehr als 5 Tagen traf er im Atommülllager von Gorleben ein. Dieses Lager überschreitet damit seine maximale Strahlungsemission, für die es zugelassen ist – eine Klage gegen die somit rechtswidrige Einlagerungsgenehmigung liegt vor. Tausende AtomkraftgegnerInnen in Frankreich und Deutschland hatten immer wieder versucht, den Transportzug zu blockieren, was ihnen an dutzenden Stellen gelang. 3000 französische und 19.000 deutsche Polizisten prügelten den Transport letztlich durch die AKW-GegnerInnen hindurch und sorgten für zahllose Verletzte.

Update 28.11.: Nach über 5 Tagen und 6 Stunden fährt der Castor-Transport auf das Gelände des Zwischenlagers von Gorleben. Geplant war eigentlich eine Fahrzeit von 38 Stunden. Noch niemals wurde ein Transport dieser Art so häufig und so lange aufgehalten. Bemerkenswert war das Scheitern der Polizeitechniker an der Pyramidenkonstruktion die auf der Höhe von Hitzacker im Gleisbett stand. Die vier angeketteten AktivistInnen beendeten nach über 15 Stunden ihre Blockade, weil sie sich zunehmend durch die „Befreiungsaktionen“ der Polizei gefährdet sahen, die, mittlerweile nervös und unter Zeitdruck, Verletzungen der Angeketteten in Kauf nahm.

Update 27.11.: Von korrektem polizeilichen Vorgehen kann im Wendland schon lange nicht mehr die Rede sein. Willkürliche Übergriffe, offener Rechtsbruch und exzessive Gewalt mit großer Gefahr für Leib und Leben sind an der Tagesordnung. Die Schienenblockierer bei Harlingen wurden geräumt und in eine Art Wagenburg auf offenem Feld verfrachtet, wo sie rechtswidrig stundenlang ihrer Freiheit beraubt wurden. Alle gerichtlichen Überprüfungen gaben den ProtestiererInnen Recht, was die Polizei nicht daran hinderte, mit dieser Praxis fortzufahren. Ungewöhnlich komplizierte und widerstandsfähige Betonkonstruktionen, an die sich CastorgegnerInnen festgekettet hatten (Vastorf, Hitzacker), hielten den Castor praktisch den gesamten Tag auf. Die geschotterten Schienenbereiche mussten von dem Castorzug voraus fahrenden Reparaturzügen wieder instand gesetzt werden.

Update 26.11.: Während der Castor-Transport sich mit großer Verspätung und auf Umwegen Lüneburg näherte, wurde in Dannenberg eine Großdemonstration abgehalten. Die OrganisatorInnen sprechen von 23.000 TeilnehmerInnen und tausenden weiteren AktivistInnen, die zeitgleich Aktionen rund um die Transportstrecke durchführten. In der Nacht von Samstag auf Sonntag stoppte der Castor viele Stunden im Bahnhof Maschen bei Hamburg. In der Nacht wurde von der Gruppe Widersetzen bei Harlingen eine riesige Schienenbesetzung durchgeführt, an der tausende Menschen teilnahmen. Mehrere Ankettaktionen auf der Schienenstrecke zwischen Lüneburg und Dannenberg beschäftigten Spezialkräfte der Polizei über viele Stunden.

Update 25.11.: Die OrganisatorInnen der Südblockade ziehen eine positive Bilanz. Obwohl der Castor-Transport angesichts der starken Proteste in Lauterbourg / Wörth die Ausweichsroute über Saarbrücken nahm, gelang es ca. 200 AktivistInnen darauf zu reagieren und auch dort eine Blockade durchzuführen, die den Zug mehrere Stunden aufhielt. Zahlreiche Blockaden auf der weiteren Castorstrecke ließen den Atommüllzug nur im Schneckentempo vorankommen.

Update 24.11.: Der Castor – Transport ist aufgrund der Blockaden in Volognes um Stunden verspätet losgefahren und wurde auf der Fahrt durch Frankreich mehrfach zum Halten gebracht. Er steht derzeit seit Stunden bei Rémilly, Frankreich. Es gibt Gerüchte dass der Grenzübertritt nach Deutschland erst am Freitag stattfinden soll – wo ist jedoch unklar. Strahlenmessungen an den Castoren ergaben besorgniserregende Werte: 37µSv/h in in 2m Abstand. Zum Vergleich: in Fukushima City strahlt es mit 1,6µSv/h, schon in ca. 10 h würde die empfohlene maximale Jahresdosis für eine Person überschritten!

Update 23.11.: Die Kundgebung und Demonstration in Berg unter dem Titel „Atomausstieg geht anders: Nein zum 13. Castortransport nach Gorleben“ wurde um einen Tag vorverlegt auf Donnerstag, 24.11., 09:00 Uhr (!)

Überraschend wurde der Abfahrttermin der Castoren also um einen Tag vorverlegt. Frühestens, d.h. wenn keine grösseren Blockaden den Castor-Transport in Frankreich aufhalten, ist mit dem Grenzübertritt am Freitag vormittag bei den Städtchen Berg und Lauterbourg in der Nähe von Karlsruhe zu rechnen.

Dort wird der Castor-Transport auf die AktivistInnen der „Südblockade“ stoßen. Auch sie werden – so wie die zahlreichen CastorgegnerInnen im Wendland – mit ihrer Auftaktkundgebung und ihren Aktionen einen Tag früher dran sein.

Die OrganisatorInnen der Großdemo in Dannenberg, dort wo die Castoren stunden später von der Schiene auf Tieflader umgeladen werden müssen, belassen es allerdings bei dem bisherigen Startzeitpunkt von 12:30 Uhr am Samstag. Doch auch sie wollen flexibel bleiben für den Fall, dass der Transport vor Demonstrationsbeginn in Dannenberg einfährt.

Letzteres ist jedoch alles andere als wahrscheinlich. Die Erfahrung der letzten Jahre hat gezeigt, dass die Transporte mit der gefährlichen Atomlast von der ersten Minute bis zur letzten Minute den entschlossenen Blockadeversuchen von AtomkraftgegnerInnen ausgesetzt sind, was stets zu erheblichen Verspätungen im Fahrplan führt. Dieses Jahr besteht sogar ein erstes internationales Blockadecamp in Valognes selbst – vermutlich der Grund warum der Castor-Transport diesmal einen Tag früher losfährt.

Links

Zehntausende gegen Castortransport

Glaubt man den Einschätzungen aus der Anti-Atombewegung so steht am Ende dieser Woche der schwierigste Castortransport seit 33 Jahren bevor. Noch nie zeichnete sich im Vorfeld eines Transports eine so breite Beteiligung unter AtomkraftgegnerInnen ab. Mittlerweile sind über 300 Busse aus ganz Deutschland angemeldet, die zur großen Auftaktdemo am 6.11.2010 nach Dannenberg im Wendland fahren – Tendenz steigend. Die Rede ist mal von 20.000, mal von 50.000 AktivistInnen, die sich den Castoren Ende der Woche entgegenstellen werden.


Das Wendland zw. Dannenberg und Gorleben am kommenden Wochenende

Wie kann das sein? Wer oder was mobilisiert die AtomkraftgegnerInnen dieses Jahr in so großen Mengen?

Nachdem die rot-grüne Koalition Ende der 90er Jahre der Atomwirtschaft noch Jahrzehnte längere Laufzeiten für ihre Atommeiler bescherte, meinte die CDU/CSU-FDP Regierung im Jahr 2010, sie könne das auch und legte nochmal drauf: Statt im Jahr 2025 soll das letzte AKW jetzt erst im Jahr 2040 vom Netz gehen.

Das bedeutet:

  • Jahrzehnte lang wird die Atomwirtschaft dadurch jeden Tag 1 Mio. Euro zusätzlich verdienen – ein unverhofftes Riesengeschenk vom Steuerzahler, der dazu gar nicht erst gefragt wurde. Laut einer Studie der Landesbank Baden-Württemberg aus dem Jahr 2009 würden die Stromversorger bei einer Laufzeitverlängerung von acht bis zehn Jahren mindestens 119 Milliarden Euro zusätzlich einnehmen, falls die Strompreise auf aktuellem Niveau verharren. Bei steigenden Strompreisen beliefen sich die Mehreinnahmen auf 233 Milliarden Euro. (wikipedia)
  • Jahrzehnte, in denen die maroden Atomanlagen und ihre Sicherheitssysteme weiter von Teilchen bombardiert werden und in denen jeder Tag mit einem Supergau einhergehen könnte. Schwere Störfälle bis hin zu Kernschmelzen gab es bereits zu genüge: Z.B. 1957 in Windscale/Sellafield (GB), 1979 in Three Miles Island (USA), 1986 in Tschernobyl und 2006 hatte in Fosmark (Schweden) nicht viel gefehlt.
  • Und last but not least: Jahrzehnte, in denen jeden Tag strahlender Atommüll anfällt, für den bis heute nirgends auf der Welt eine Lösung für die zig Jahrtausende erforderliche Aufbewahrung existiert. Die Enthüllungen des letzten Jahres rund um die als „Forschungsbergwerk“ getarnte Atommülldeponie Asse, in der seit Mitte der 60er Jahre Atommüll eingelagert wurde, hat vielen Menschen die Augen geöffnet, angesichts der Verantwortungslosigkeit mit der der Staat und die Atomwirtschaft den Müll verbuddeln. Das Bergwerk Asse ist gerade dabei abzusaufen und zusammenzubrechen. Der gesamte Atommüll muss nun aufwändig wieder herausgeholt und umgelagert werden, was 10 Jahre dauern und Milliarden kosten wird. Der Atommüll ist die Achillesverse der Atomindustrie.

Das Maß war also voll. Die Antiatombewegung hat schon seit Beginn des Jahres enormen Zulauf.
Doch noch ein weiterer Aspekt hat zu der gegenwärtigen Massenmobilisierung beigetragen: Eine neue Kampagne „Castor Schotttern“ wurde ins Leben gerufen. Sie plant die Übernahme eines bei G8-Gipfel-Protesten erfolgreich eingesetzten Prinzips des massenhaften, zivilen Ungehorsams: die sog. 5-Fingertaktik, die ein Durchfluten und Umgehen der Polizeikräfte meint. Mir ihr soll es möglich werden – eine breite Beteiligung vorausgesetzt – zigtausende von AktivistInnen quasi zeitgleich auf kilometerlange Schienen-Abschnitte der Castor-Transportstrecke zu lotsen, wo sie, einmal angekommen, unverzüglich beginnen dort das Gleisbett zu unterhöhlen, mit dem Ziel, die Strecke für Castoren unbefahrbar zu machen. Die Kampagne macht es sich zu Nutze, dass selbst bei dem zu erwartenden Einsatz von 10 oder 20 tausend PolizistInnen, unmöglich die viele Kilometer lange Transportstrecke überall geschützt werden kann. Ein breite Beteiligung konnte die Kampagne durch Betonung der Legitimität der Aktion (s.o.), nieder schwellige Teilnahmeangebote (wer Steine wegtragen kann, kann mitmachen), Unterstützung durch Prominente sowie medial breit gestreute Selbst-Erklärungen von AktivistInnen erreichen. Versuche, hunderte UnterzeichnerInnen der Selbsterklärungen, als „Aufrufer zu Straftaten“ zu kriminalisieren, oder Mobilisierungsseiten im WWW zu schließen, führten nur zu mehr Aufmerksamkeit für die Kampagne und noch mehr Selbsterklärungen. Noch immer rufen Umweltorganisationen, Bürgerinitiativen, Parteien, Gewerkschaften, Kirchen, Antiatom-Gruppen, Linke und AntifaschistInnen zur Großdemonstration am Samstag, den 6.11. in Dannenberg und den anschließenden Sabotageaktionen am Gleiskörper auf.

Keinesfalls sollte man den Fehler machen, nur die Aktionen der Kampagne „Castor Schottern“ im Blick zu haben. Der Widerstand im Wendland ist traditionell vielfältig und besitzt eine breite Palette von Aktionsformen – das macht seine Stärke aus. Getragen werden die Proteste von einer in langen Jahren eingespielten Struktur von Unterkünften/Camps sowie Transport- und Informationsmöglichkeiten. Die Hochtechnologie in Form von Videoberichterstattung, Liveradio und Internettickern, die per Handy oder WLAN zu empfangen sind, ist mittlerweile ebenso dabei wie die traditionellen Infopunkte, geheizten Zelte, professionellen Großküchen oder Erste Hilfe Stationen. Kurz vor Beginn des Castortransports wurden übrigens einzelne der seit Monaten genehmigten Campinfrastrukturen wieder verboten oder durch Verlegungen behindert.

Bereits seit Tagen bewegen sich die ersten Behälter auf der Straße zum Verladebahnhof in Valognes, von wo aus sie sich dann am 5.11. abends auf ihre mehrtägige Reise durch Frankreich und Deutschland begeben. Laut durchgesickertem Zeitplan soll der Transport am Samstag Mittag auf der Höhe von Karlsruhe (z.B. bei Lauterbourg) die Grenze nach Deutschland überqueren. Hier trifft er dann auf die sog. Südblockade, eine Großaktion, zu der die süddeutsche Antiatombewegung seit wenigen Tagen mobilisiert. Hat der Castortransport die Blockade überwunden, ist für die AktivistInnen im Süden noch genug Zeit, um mit Bussen den Castor zu überholen und vor ihm ins Wendland zu gelangen – genau rechtzeitig für die für Samstag Nachmittag und Sonntag geplanten Aktionstrainings und echten Aktionen von „Castor Schottern“. Frühestens am Sonntag ist mit der Ankunft der Castoren in Dannenberg zu rechnen, wo sie in einer mehrstündigen Prozedur von der Schiene wieder auf Laster umgeladen werden müssen. Für die letzten 30 Kilometer auf der Straße gibt es dann nur noch genau zwei Routen, die zur Auswahl stehen: die Nordroute über Quickborn und Langendorf oder die Südroute über Splietau und Gusborn. Bei vergangenen Castortransporten gelang es den AktivistInnen im Wendland typischerweise stets eine der beiden Routen für Castoren unpassierbar zu machen.

Wir werden sehen, wie gut oder wie schlecht der Castortransport durchkommt und wieviel Repression für dessen Durchsetzung gegen den Willen der Mehrheit der Bevölkerung eingesetzt wird.

Passt auf Euch auf!

No pasaran!

Informiert Euch selbst!

- http://radioforum.terminal21.de, Live Stream Radio Freies Wendland

- indymedia Feature

- http://www.castor-suedblockade.de/

- http://www.castor-camps.net/

- Karte vom Wendland

- Mitfahrbörse

- mehr Links bei www.castor2010.de

Antifaschistisches Sommercamp vom 2. bis 6. Juni 2010

Das Antifaschistische Aktionsbündnis Baden-Württemberg veranstaltet vom 02. bis 06. Juni das zweite antifaschistische Sommercamp im Schwarzwald. Das Camp ist offen für alle antifaschistischen Einzelpersonen, Gruppen und Organisationen — ob mit mehr oder weniger Erfahrung.

Programm

Inhaltlich

- Faschismus 2.0/web 2.0
- Bundeswehrgelöbnis in Stuttgart
- Antifatheorie
- Abschiebepraxis am Baden Airport
- Burschenschaften
- Geschichte der Antifaschistischen Aktion
- Realsozialismus …

Praktisch

- Recherche in sozialen Netzwerken
- Tipps zum Umgang mit Repressionsorganen
- Selbstverteidigung
- Klettern …

und viel mehr

mehr Infos bei http://www.aabw.antifa.net/

Auf zum No-Nato-Gipfel in Strasbourg!

Für den 3. und 4. April mobilisiert die französische, schweizer und deutsche Antiglobalisierungs- und Friedensbewegung sowie die Radikale Linke in die Region Strasbourg, Kehl und Baden-Baden um gegen den Ende dieser Woche dort stattfindenden Nato-Gipfel zu protestieren. 20 Demonstrationen und noch mehr Aktionen des zivilen Ungehorsams werden für einige Tage die Straßen unsicher machen, 20.000 DemonstrantInnen werden erwartet. Routiniert werden die erprobten Widerstandsformen und -strukturen in ihrer ganzen Breite ausgerollt – die Bewegung scheint immer professioneller zu werden.

Ein mit 30 JuristInnen besetztes Anwaltsnotteam wird für Rechtshilfe bei Polizeiübergriffen und Ingewahrsamnahmen sorgen, mobile Küchen sorgen dafür dass die Kraft der DemonstrantInnen nicht schwindet.

Das Convergence Center in Freiburg wurde bereits letzte Woche eröffnet, die Camps in Strasbourg sind ab Mitte dieser Woche bezugsfertig. Mehrere Workshops mit Blockadetraining, Demosanitätertrainings und inhaltlichen Themen zum Antimilitarismus werden die Globalisierungsgegner und AntimilitaristInnen auf die Protesttage vorbereiten.

Informiert wird per Funk in Sondersendungen des Freien Radios Dreyeckland, die schon jetzt im Internet angehört und runtergeladen werden können, per Internet über die Indymedia Websites http://linksunten.indymedia.org und http://de.indymedia.org (siehe insbesondere auch den Ticker von linksunten), mit täglichen Druckausgaben und per Handyticker unter http://linksunten.indymedia.org/mobile.

Der Aktionsfahrplan sieht so aus:

  • 1.4.: weltweiter Aktionstag „Krieg und Krise“
  • 3.4.: Baden-Baden: ganztägige Blockaden der Zufahrtsstrassen, 11 Uhr Demo zum Festspielhaus
  • 4.4. Strasbourg und Kehl: ab 6 Uhr Blockaden gegen das Gipfeltreffen, Strasbourg 13 Uhr: Internationale Demo
  • 5.4. Anti-Knast-Demo

Legal Team Strasbourg (F): +33 (0)3 68 46 02 62
Legal Team Freiburg (D): +49 (0)7 61 40 97 25 1
Demosanis: +49 178 654 13 08