Tag-Archiv für 'berlin'

Konferenz: Widersprüche des Nationalen

Das Institut für kritische Theorie (InkriT) lädt ein zu seiner XX. Jahrestagung vom 19. bis 22. Mai 2016 im Ver.di Bildungs- und Begegnungszentrum Clara Sahlberg in Berlin-Wannsee. Dachthema sind die „Widersprüche des Nationalen“.

Die Aktualität des Dachthemas ist buchstäblich brennend in einem Land, in dem Unterkünfte für Kriegsflüchtlinge in Brand gesteckt werden, während eine andere – immer noch bürgerliche – Zivilgesellschaft sich offen zeigt, aber mit der betreuenden Erstversorgung der Flüchtlinge zunehmend an ihre Grenzen stößt. Noch ist die Finanzkrise und damit auch die sich vertiefende Spaltung zwischen Defizit- und Überschussökonomien nicht ausgestanden, da laboriert Europa angesichts der »Flüchtlingskrise« an der Grenze zum Zerfall. In den Nationalstaaten macht sie sich als Überforderung der durch die Austeritätspolitik seit langem geschwächten Einrichtungen öffentlicher Verwaltung und sozialer Vorsorge und Versorgung sowie als staatlicher Kontrollverlust über Mensch und Situation spürbar – solidarische, internationalistische Aktivitäten von unten können dies nicht wettmachen. Die Zerreißproben, denen Europa unterliegt, brüten Nationalismen, Separatismen und Rechtsradikalismen.

So lautet das dramatisch klingende Intro des Aufrufs zur Teilnahme an der 20. InkriT-Jahrestagung. Sie findet zwar erst im Mai kommenden Jahres statt, dennoch kommt die Ankündigung nicht verfrüht. Die Tagung basiert auf der kritischen Mitarbeit der TeilnehmerInnen und die Mitarbeit beginnt bereits Wochen im Vorfeld der Tagung.

Kern der Tagung ist nicht etwa die Debatte (tages-)politischer Entwicklungen sondern ein eher langfristiges Vorhaben: Die Fertigstellung eines historisch-kritischen Wörterbuchs des Marxismus (HKWM) – ein sämtliche Dimensionen sprengendes Wörterbuch-Projekt, das Anfang der 80er Jahre begonnen wurde1, zuletzt im Jahr 2015 den Band 8/II („Links/Rechts bis Maschinenstürmer“ ) herausbrachte und somit bei etwas mehr als der Hälfte des Alphabets angelangt ist.

Wenn vom 19. bis 22. Mai 2016 Marxisten aus aller Welt zusammen kommen, werden sie in den Wörterbuchwerkstätten die Artikelentwürfe zu Band 9 des HKWM (Maschinerie bis naturwüchsig) bearbeiten.2 Geplant sind Werkstätten zu Maschinerie (Kaan Kangal, Nanjing), altchinesischer Materialismus (Jiaxen Zhou, Nanjing), mechanischer Materialismus (Peter Jehle, Potsdam), praxisphilosophischer Materialismus (Wolfgang Fritz Haug, Esslingen u. Los Quemados), Melancholie (Antje Géra, Hamburg), Metropolen (Ruth May, Berlin), multinationale Arbeiterklasse (Gerhard Hetfleisch, Innsbruck), multinationale / transnationale Konzerne (Hanns Wienold, Münster), Mystifikation (Isabelle Garo, Paris), Nation (Michael Löwy, Paris), nationale Befreiung (Samir Amin, Dakar), nationale Besonderheit (Mohamed Moulfi, Oran), nationaler Weg zum Sozialismus (Werner Schmidt, Stockholm), Nichtregierungsorganisationen (Uli Brand, Wien) u.a.

Zufall oder nicht – trotz dieser wissenschaftlichen Grundlagenarbeit bleibt die Tagung, deren diesjähriger Schwerpunkt um die Begriffe der Nation und des Nationalen kreist, hochaktuell und spannend. Und so endet der Aufruftext mit folgenden drängenden Fragestellungen:

Wie ist das Verhältnis von Nation, Transformation und Revolution in Vergangenheit und Gegenwart? Wie stellt sich das Verhältnis von Nation und Nationalstaat heute dar? Wie das Problem der ›Nationen‹ ohne eigenen Staat? Hat ›Befreiungsnationalismus‹ noch eine Perspektive? Welche Handlungsspielräume bestehen auf der Ebene der Nationalstaaten? Gibt es Alternativen zum Nationalen als Bedingung politischer Handlungsfähigkeit? Wie steht es mit dem Kosmopolitismus? Die Bearbeitung solcher und weiterer Probleme, die emanzipatorisches Denken in der Tradition von Marx im transnationalen Hightech-Kapitalismus mit neuen Widersprüchen konfrontieren, soll sich praktisch in einem Zuwachs an politischer Handlungsfähigkeit, aber auch theoretisch im einschlägigen Begriffsfeld in Band 9 des Historisch-kritischen Wörterbuchs des Marxismus niederschlagen.

Links

Fußnoten

  1. Das HKWM ist ein von über 800 WissenschaftlerInnen kooperativ erstelltes Wörterbuch zu ca. 1200 marxistischen Begriffen. Nach 10-jähriger Planungszeit erschien 1994 der erste Band („Abbau des Staates“ bis „Avantgarde“). [zurück]
  2. Bei den Werkstätten geht es darum, in gemeinsamer Anstrengung die Autorinnen und Autoren durch weiterführende Vorschläge, konkrete Hilfen, Ermutigung und Kritik auf den Weg zu guten Artikeln zu bringen. Wer sich anmeldet, muss sich für einzelne Workshops eintragen und läuft Gefahr, um ein sog. Votum gebeten zu werden: Unter „Votum“ wird ein fachlich-kritischer Beitrag verstanden, der schriftlich und im o.g. Sinne auf einen Artikelentwurf reagiert. [zurück]

Livestream vom Internationalen Marxistisch-Feministischen Kongress in Berlin

Die Kongress „Die Kraft der Kritik: Wege des Marxismus-Feminismus“, der dieses Wochenende in Berlin stattfindet, ist seit Wochen ausgebucht. Über 500 Personen haben sich angemeldet.

Die Rosa-Luxemburg-Stiftung wird mit einem Livestream unter http://livestream.rosalux.de, am Freitag, 20.3.2015 ab 15.30 Uhr und am folgenden Samstag ab 17.30 Uhr auf Sendung sein.

Die Stream deckt leider nur einen Teil des dreitätgigen Kongreses ab (siehe das vollständige Programm). Hier die übertragenen Veranstaltungen:

Freitag, 20.3.2015

15:30-17:30 Panel 1: Learning from history | Aus der Geschichte lernen
Cynthia Cockburn (London): Feminist Uses of the Standpoint Concept
Lynne Segal (Sydney): Learning from our Mistakes: Feminism, Movements & Left Coalition
Lise Vogel (New York City): Still Moving Toward a Unitary Theory?
Katharina Volk (Köln): On historical Struggles and (utopian) Ideas – Socialist, Marxist and Materialist Feminists
Chair: Claudia Gdaniec (Berlin)

19:00-20:00 Book Launch: Marxism and Feminism
With Shahrzad Mojab, Cynthia Cockburn, Frigga Haug

20:30-21:00 Luxemburg Lecture by Saskia Sassen
What do we see when we go back to Ground Level – detheorize, in order to re-theorize? | Was sehen wir, wenn wir uns zurück auf den Grund begeben – de-theoretisieren, um dann zu re-theoretisieren?
Chair: Shahrzad Mojab (Toronto)

Samstag, 21.3.2015

17:30-19:30 Panel 4: Towards a Human Society | Perspektiven einer menschlichen Gesellschaft
Gabriele Winker (Hamburg-Harburg): Care Revolution as a Feminist-Marxist Transformation Strategy
Shahrzad Mojab (Toronto): Women and Revolution: Thinking through Marxism and Feminism
Ann Ferguson (Commentator)
Chair: Sabine Plonz (Münster)

20:30-21:15 Luxemburg Lecture by Gayatri Chakravorty Spivak
One Limit of Marxist Feminism
Chair: Franziska Dübgen (Göttingen)

Auch für die, die Freitag und Samstag keine Zeit finden, zuzuschauen, können auch danach die Streams abspielen. Sie bleiben unter https://www.youtube.com/user/rosaluxstiftung zugänglich.

Die Kraft der Kritik: Wege des Marxismus-Feminismus

Hochkarätig besetzter, internationaler Kongress vom 20. bis 22. März 2015 in Berlin

Flyer | Programm | Anmeldung

Aus der Ankündigung:

Vor mehr als 40 Jahren meldeten sich in vielen Ländern der Welt Feministinnen unter Marxisten zu Wort. Sie kritisierten den im damaligen Marxismus gebräuchlichen Arbeitsbegriff und die Werttheorie, die Stellung zu Hausarbeit, zu Familie, zum Umgang miteinander und zur umgebenden Natur, zu Wirtschaft und Kriegen, Zukunftsvorstellungen und Befreiungsverlangen.

Sie lösten leidenschaftliche Debatten aus – ihre Kritiken blieben nicht gänzlich ungehört. Aber ihre Arbeit, die sie unternommen hatten auf internationalem Maßstab, ist noch lange nicht beendet. Für einige Jahrzehnte wurde es stiller um den feministischen Marxismus. Der von Krise zu Krise stolpernde Neoliberalismus hatte andere Fragen in den Brennpunkt gerückt.

Im kommenden Jahr, im März 2015 wollen wir die Fäden wieder aufnehmen. Viele der damaligen Stimmen, und viele, die sich inzwischen dazu gesellten, kommen auf einem Kongress zusammen, um das Unerledigte zu prüfen. Wir werden Erfolge und Niederlagen diskutieren ebenso wie neue Entwürfe, um gemeinsam herauszufinden, was inzwischen erreicht wurde, wo weiter gearbeitet werden muss, welche neuen Fragen auf der Tagesordnung stehen und wie wir unsere Energien zusammenführen können, um unserem Eingriffsverlangen ein weltweites Echo zu geben.

Dass sich die sozialistischen Feministinnen international zusammenschließen bleibt so elementar wie vor fast einem halben Jahrhundert.

Quelle: InkriT in Kooperation mit der Rosa-Luxemburg-Stiftung

Tagung: Widersprüche des Hightech-Kapitalismus

Vorankündigung der XVIII. Internationalen InkriT-Tagung vom 19. bis 22. Juni 2014 im ver.di-Bildungs- und Begegnungszentrum „Clara Sahlberg“ in Berlin-Wannsee

Das Dachthema der XVIII. InkriT-Tagung schließt an die bei der letztjährigen Tagung geführten Diskussionen zur Finanz- und Wirtschaftskrise des transnationalen Hightech-Kapitalismus an. Beleuchtet werden soll die Zweideutigkeit vieler neuer Technologien im Widerspruch zwischen Produktivkräften und Produktionsverhältnissen.

Zugesagt haben bisher u.a. Raúl Rojas (Künstliche Intelligenz/Robotik am Beispiel „Fahrerloser Autoverkehr“), Niels Boeing (3D-Druck), Kâmil Uludağ (Hirnforschung), Andreas Umgelter (Organtransplantation). Weitere Themen: Gentechnologie, Hochfrequenz-Handel u.a.

Wie bei den früheren Tagungen geht es im zweiten Teil um die Diskussion von Artikelentwürfen für das Historisch-kritische Wörterbuch des Marxismus (HKWM).

Einzelheiten zum Programm und zur Anmeldung folgen bzw. können auf der Homepage des InkriT abgerufen werden.

Wie in den Vorjahren gibt es Stipendien für postgraduierte Studenten auf Antrag.

Kontakt für Fragen und weitere Informationen: tagungen@inkrit.org

Frigga Haug

Atomkraft: Schluss jetzt! Großdemo am 18.9. in Berlin

Ein breites Bündnis aus Umweltverbänden, Bürgerinitiativen, Parteien und Gewerk- schaften ruft für den 18.9.2010 zu einer Großdemo auf gegen den Deal der Bundes- regierung mit den AKW-Betreibern zur Laufzeitverlängerung der Atommeiler und für eine grundsätzliche Energiewende.

Geplant ist eine Umzingelung des gesamten Regierungsviertels. Nach der Auftaktveranstaltung auf der Wiese vor dem Reichstag um 12 Uhr führt um 13 Uhr eine Demo zum Regierungsviertel, das etwa um 14:30 Uhr umzingelt sein soll. Die Großdemo endet nach mehreren weiteren Programmpunkten um 18 Uhr.

Schon heute ist absehbar, dass viele zigtausend Menschen an dieser Demonstration teilnehmen werden. Allein drei Sonderzüge und bislang über 100 bekannte Busse bringen die Menschen nach Berlin und wieder zurück.

Der Sonderzug aus dem Süden startet in Freiburg. Er fährt am 18.9. nach Berlin und wieder zurück. Vorraussichtliche Haltebahnhöfe: Basel Badischer Bahnhof – Freiburg Hbf – Karlsruhe Hbf – Heidelberg Hbf – Darmstadt Hbf – Frankfurt-Süd – Berlin Hbf. Die Tickets für den Sonderzug kosten: 59 Euro (Sozialpreis), 69 Euro (Normalpreis), 79 Euro (Solidaritätspreis) und 10 Euro (Kinderpreis). -> zur Buchung

Aus unserer Region fahren zumindest 3 Busse:

  • Radolfzell, Abfahrt 17.9. um 22:30 Uhr, Bahnhof, info (ät) KLARgegenAtom.de, www.KLargegenAtom.de, Kostenbeitrag: Normal 20 Euro, Sozial 10 Euro, Rückfahrt um 21:00 Uhr, weiterer Einstiegspunkt in Singen
  • Tuttlingen, Abfahrt 17.9. um 21:30 Uhr, Bahnhofsvorplatz Ansprechpartner: Ivan Tel. 07461/3567, ivan4you (ät) googlemail.com, www.ini-ausgestrahlt-tuttlingen.de Rückfahrt 20 Uhr, Kostenbeitrag: Normal 48 €, Sozial 30 €
  • Friedrichshafen, Abfahrt 17.9. um 21:00 Uhr, Stadtbahnhof, mit Einstiegspunkt in Ravensburg, Ansprechpartnerin Rita Strieckmann, bund.bodensee-oberschw (ät) bund.net, Tel. 07581/8407, Kostenbeitrag: Normal 38 Euro, Rückfahrt um 18:00 Uhr

Wer in Konstanz Kontakt zu MitdemonstrantInnen sucht, kann Karl-Ulrich Schaible, BUND Konstanz, KUSchaible[at]web.de ansprechen.

Zum Aufruf

www.anti-atom-demo.de