Archiv der Kategorie 'Gramscianismus'

Konferenz: Widersprüche des Nationalen

Das Institut für kritische Theorie (InkriT) lädt ein zu seiner XX. Jahrestagung vom 19. bis 22. Mai 2016 im Ver.di Bildungs- und Begegnungszentrum Clara Sahlberg in Berlin-Wannsee. Dachthema sind die „Widersprüche des Nationalen“.

Die Aktualität des Dachthemas ist buchstäblich brennend in einem Land, in dem Unterkünfte für Kriegsflüchtlinge in Brand gesteckt werden, während eine andere – immer noch bürgerliche – Zivilgesellschaft sich offen zeigt, aber mit der betreuenden Erstversorgung der Flüchtlinge zunehmend an ihre Grenzen stößt. Noch ist die Finanzkrise und damit auch die sich vertiefende Spaltung zwischen Defizit- und Überschussökonomien nicht ausgestanden, da laboriert Europa angesichts der »Flüchtlingskrise« an der Grenze zum Zerfall. In den Nationalstaaten macht sie sich als Überforderung der durch die Austeritätspolitik seit langem geschwächten Einrichtungen öffentlicher Verwaltung und sozialer Vorsorge und Versorgung sowie als staatlicher Kontrollverlust über Mensch und Situation spürbar – solidarische, internationalistische Aktivitäten von unten können dies nicht wettmachen. Die Zerreißproben, denen Europa unterliegt, brüten Nationalismen, Separatismen und Rechtsradikalismen.

So lautet das dramatisch klingende Intro des Aufrufs zur Teilnahme an der 20. InkriT-Jahrestagung. Sie findet zwar erst im Mai kommenden Jahres statt, dennoch kommt die Ankündigung nicht verfrüht. Die Tagung basiert auf der kritischen Mitarbeit der TeilnehmerInnen und die Mitarbeit beginnt bereits Wochen im Vorfeld der Tagung.

Kern der Tagung ist nicht etwa die Debatte (tages-)politischer Entwicklungen sondern ein eher langfristiges Vorhaben: Die Fertigstellung eines historisch-kritischen Wörterbuchs des Marxismus (HKWM) – ein sämtliche Dimensionen sprengendes Wörterbuch-Projekt, das Anfang der 80er Jahre begonnen wurde1, zuletzt im Jahr 2015 den Band 8/II („Links/Rechts bis Maschinenstürmer“ ) herausbrachte und somit bei etwas mehr als der Hälfte des Alphabets angelangt ist.

Wenn vom 19. bis 22. Mai 2016 Marxisten aus aller Welt zusammen kommen, werden sie in den Wörterbuchwerkstätten die Artikelentwürfe zu Band 9 des HKWM (Maschinerie bis naturwüchsig) bearbeiten.2 Geplant sind Werkstätten zu Maschinerie (Kaan Kangal, Nanjing), altchinesischer Materialismus (Jiaxen Zhou, Nanjing), mechanischer Materialismus (Peter Jehle, Potsdam), praxisphilosophischer Materialismus (Wolfgang Fritz Haug, Esslingen u. Los Quemados), Melancholie (Antje Géra, Hamburg), Metropolen (Ruth May, Berlin), multinationale Arbeiterklasse (Gerhard Hetfleisch, Innsbruck), multinationale / transnationale Konzerne (Hanns Wienold, Münster), Mystifikation (Isabelle Garo, Paris), Nation (Michael Löwy, Paris), nationale Befreiung (Samir Amin, Dakar), nationale Besonderheit (Mohamed Moulfi, Oran), nationaler Weg zum Sozialismus (Werner Schmidt, Stockholm), Nichtregierungsorganisationen (Uli Brand, Wien) u.a.

Zufall oder nicht – trotz dieser wissenschaftlichen Grundlagenarbeit bleibt die Tagung, deren diesjähriger Schwerpunkt um die Begriffe der Nation und des Nationalen kreist, hochaktuell und spannend. Und so endet der Aufruftext mit folgenden drängenden Fragestellungen:

Wie ist das Verhältnis von Nation, Transformation und Revolution in Vergangenheit und Gegenwart? Wie stellt sich das Verhältnis von Nation und Nationalstaat heute dar? Wie das Problem der ›Nationen‹ ohne eigenen Staat? Hat ›Befreiungsnationalismus‹ noch eine Perspektive? Welche Handlungsspielräume bestehen auf der Ebene der Nationalstaaten? Gibt es Alternativen zum Nationalen als Bedingung politischer Handlungsfähigkeit? Wie steht es mit dem Kosmopolitismus? Die Bearbeitung solcher und weiterer Probleme, die emanzipatorisches Denken in der Tradition von Marx im transnationalen Hightech-Kapitalismus mit neuen Widersprüchen konfrontieren, soll sich praktisch in einem Zuwachs an politischer Handlungsfähigkeit, aber auch theoretisch im einschlägigen Begriffsfeld in Band 9 des Historisch-kritischen Wörterbuchs des Marxismus niederschlagen.

Links

Fußnoten

  1. Das HKWM ist ein von über 800 WissenschaftlerInnen kooperativ erstelltes Wörterbuch zu ca. 1200 marxistischen Begriffen. Nach 10-jähriger Planungszeit erschien 1994 der erste Band („Abbau des Staates“ bis „Avantgarde“). [zurück]
  2. Bei den Werkstätten geht es darum, in gemeinsamer Anstrengung die Autorinnen und Autoren durch weiterführende Vorschläge, konkrete Hilfen, Ermutigung und Kritik auf den Weg zu guten Artikeln zu bringen. Wer sich anmeldet, muss sich für einzelne Workshops eintragen und läuft Gefahr, um ein sog. Votum gebeten zu werden: Unter „Votum“ wird ein fachlich-kritischer Beitrag verstanden, der schriftlich und im o.g. Sinne auf einen Artikelentwurf reagiert. [zurück]

Tagung: Widersprüche des Hightech-Kapitalismus

Vorankündigung der XVIII. Internationalen InkriT-Tagung vom 19. bis 22. Juni 2014 im ver.di-Bildungs- und Begegnungszentrum „Clara Sahlberg“ in Berlin-Wannsee

Das Dachthema der XVIII. InkriT-Tagung schließt an die bei der letztjährigen Tagung geführten Diskussionen zur Finanz- und Wirtschaftskrise des transnationalen Hightech-Kapitalismus an. Beleuchtet werden soll die Zweideutigkeit vieler neuer Technologien im Widerspruch zwischen Produktivkräften und Produktionsverhältnissen.

Zugesagt haben bisher u.a. Raúl Rojas (Künstliche Intelligenz/Robotik am Beispiel „Fahrerloser Autoverkehr“), Niels Boeing (3D-Druck), Kâmil Uludağ (Hirnforschung), Andreas Umgelter (Organtransplantation). Weitere Themen: Gentechnologie, Hochfrequenz-Handel u.a.

Wie bei den früheren Tagungen geht es im zweiten Teil um die Diskussion von Artikelentwürfen für das Historisch-kritische Wörterbuch des Marxismus (HKWM).

Einzelheiten zum Programm und zur Anmeldung folgen bzw. können auf der Homepage des InkriT abgerufen werden.

Wie in den Vorjahren gibt es Stipendien für postgraduierte Studenten auf Antrag.

Kontakt für Fragen und weitere Informationen: tagungen@inkrit.org

Frigga Haug

Vom Alltagsverstand zum Widerstand – Krise, Alltagsverstand, Klassenbewusstsein und Hegemonie bei Antonio Gramsci

Gramsci-Seminar mit Leo Mayer am Samstag, den 9.11.2013 von 13 – 17.30 Uhr in Moos

Am 27. April 2012 jährte sich zum 75. Mal der Todestag von Antonio Gramsci. Das gewachsene Interesse an diesem bedeutenden marxistischen Politiker und Theoretiker hängt mit dem originellen Beitrag Gramscis zum Marxismus und zur kommunistischen Politik seiner Zeit zusammen und mit den Herausforderungen für die marxistischen Kräfte, die Krise des heutigen Kapitalismus, die heutigen Widersprüche und Gefahren besser zu verstehen und zu bewältigen.

Natürlich dürfen wir dabei den historischen Rahmen, in dem Gramsci seine Überlegungen entwickelt hat, nicht aus dem Auge verlieren. Gramsci selbst sprach vom Historizismus der Philosophie der Praxis. Um aus seinen Gedanken Nutzen zu ziehen, müssen wir uns also bemühen, sie in die Gegenwart zu übersetzen.

Gramsci hat uns Grundgedanken einer Theorie des Kampfes für die gesellschaftliche Umgestaltung in Zeiten des “Stellungskrieges” im hochentwickelten Kapitalismus gegeben. Er gibt wichtige Anregungen für die “Herausbildung eines neuen Kollektivwillens” und fordert uns auf, zu “erforschen, wie sich genau die dauerhaften Kollektivwillen herausbilden, … wie entwickelt sich ihre organisierte und sie zu gesellschaftlichem Einfluss befähigende Kraft usw.” (A. Gramsci)

Ein weiterer Grund sich mit Gramsci zu beschäftigen, liegt im zeitgeschichtlichen Zusammenhang von Gramscis Werk mit der großen Krise in den 30er-Jahren, der die Niederlage der Arbeiterbewegung und der Demokratie sowie der Machtantritt des Faschismus bald folgte.

Referent ist Leo Mayer vom isw München: http://www.isw-muenchen.de/

Veranstalter: Marxistischer Gesprächskreis Konstanz-Singen

Kontakt: mannherz @ stb-mannherz.de

Linke Hochschultage 2 in Zürich

Vom 9.10.-12.10.2013 finden wieder die Linken Hochschultage an der Universität Zürich statt. Dieses Maul unter dem Motto: Formen der Ausbeutung – Ausdrücke des Widerstands

Neu finden die Linken Tage im Containerdorf an der Kantonsschulstraße gleich beim Kunsthaus statt. Vom 9. bis zum 12. Oktober wollen sie mittels unterschiedlicher Veranstaltungen verschiedene aktuelle Unterdrückungsmechanismen aufzeigen und analysieren. Unter dem Titel“ Formen der Ausbeutung, Ausdrücke des Widerstandes“ sollen die Linken Hochschultage 2013 hierbei die Möglichkeit zu einer Analyse der gesellschaftlichen Struktur, ihrer Herrschaftsmechanismen und Veränderungsmöglichkeiten bieten. Mit Referaten, Podien, Workshops sowie Gesprächen zu Speis und Trank wollen wir gemeinsam die Möglichkeiten ausloten, wie die Wissenschaft ihren Teil zu dieser Analyse beitragen kann.

Highlights:

  • Wolfgang Fritz Haug:
    Eine Welt aus werbendem Schein – Wie sich Warenästhetik begreifen lässt.
    Zeitpunkt: Do. 17.15 – 19.00 Uhr
  • Wolfgang Fritz Haug:
    Was nützt Das Kapital von Marx zur Erklärung der Grossen Krise des transnationalen Hightech-Kapitalismus?
    Zeitpunkt: Fr. 11:00 – 13:00 Uhr
  • Bernard Schmid: Die Mali-Intervention: Befreiungskrieg, Aufstandsbekämpfung oder neokolonialer Feldzug?
    Zeitpunkt: Fr. 15.00 – 17.00 Uhr
  • Tove Soiland: Eine feministische Kritik der politischen Ökonomie – oder warum es sich für eine Feministin immer noch lohnt, Marx zu lesen.
    Zeitpunkt: Sa. 18.00 – 20.00 Uhr

Alle Infos unter http://linketage.blogsport.de/

Vortrag in Ravensburg: Rohstoffe kapitalistischer Regulation der Arbeit

Am Donnerstag den 25.11.2010 findet um 19 Uhr im Rhizom (Ravensburg) die Veranstaltung mit Bernd Roettger: „Zwischen Furcht und Zorn“ im Rahmen der Veranstaltungsreihe zu neoliberaler Hegemonie statt.

»In Erwägung, dass ihr uns dann eben / Mit Gewehren und Kanonen droht / Haben wir beschlossen, nunmehr schlechtes Leben / Mehr zu fürchten als den Tod. « (Bertolt Brecht, Resolution der Kommunarden)

Dass die arbeitende Klasse nichts zu verlieren hätte, als ihre Ketten, war nicht nur eine politische Losung aus den Anfängen der Arbeiterbewegung im 19. Jahrhundert, sondern begründete auch die Gewissheit, dass aus der »doppelt freien Lohnarbeit« der Totengräber kapitalistischer Lohnknechtschaft erwachsen würde. Solidarisierung der Klasse und Organisation der Bewegung rangen aber dem Kapital, das nun um sein Eigentum bangen musste, zunehmend Konzessionen ab. Die »institutionelle Arbeiterbewegung« des 20. Jahrhunderts und ihre Erfolge in der Durchsetzung sozial- und wohlfahrtsstaatlicher Regulationen der Lohnarbeit veränderte die Existenzbedingungen der lebendigen Arbeit genauso einschneidend, wie die mit der Hartz-Gesetzgebung verknüpften Reformen der Arbeitsmarktpolitik. Konzessionen werden heute vor allem der lebendigen Arbeit abverlangt, weil die Furcht der Arbeitenden überwiegt, auf »die Pflaster der Straße« geworfen zu werden.

Die Geschichte der Arbeit, ihrer Widerständigkeit, ihrer Kanalisierung in Kompromisse und ihrer akzentuierten Unterjochung unter das Kapital, lässt sich als Ergebnis wechselhafter Beziehungen von Furcht und Zorn schreiben. Die Tendenz des Kapitals, lebendige Arbeit in einem Prozess »freier Menschenverwüstung« (Marx) zur Produktion von Mehrwert zu vernutzen, führt immer wieder zu neuen Formen der Widerständigkeit der Arbeit, die sich aus dem Zorn der in Unwürde gesetzten lebendigen Arbeit speisen. Der Vortrag skizziert diese wechselhafte Geschichte, in der mit den Rohstoffen Furcht und Zorn Arbeitspolitik gemacht wird und beleuchtet — im Zeichen einer »großen Krise« des Kapitalismus — aktuelle Widerstandspotenziale.

Dr. Bernd Röttger, geb. 1961, Dipl.-Pol, Dr. rer. pol., arbeitete an verschiedenen Universitäten und Forschungsinstituten zur politischen Ökonomie des Kapitalismus, zur Entwicklung der Arbeit und vor allem zur Gewerkschaftspolitik. Er lebt heute als freier Sozialwissenschaftler, Bildungsarbeiter und Autor in Braunschweig. Er ist Lehrbeauftragter an der Universität Wien und Redakteur der Zeitschrift Das Argument. Zeitschrift für Philosophie und Sozialwissenschaften.

http://www.pumuck.de/

Andreas Merkens: „Kritische politische Bildung und Pädagogik bei Antonio Gramsci“

Workshop

Wann? Samstag, 19.06.2010, 10.00 – 17.00 Uhr
Wo? Tübingen, Universitätskasse, Raum 111, Wilhelmstr. 26

“Die Außenwelt, die allgemeinen Verhältnisse zu verändern, heißt sich selbst zu potenzieren, sich selbst zu entwickeln.” (Gramsci)

Antonio Gramsci (1891-1937) war politischer Journalist, Aktivist der Turiner Rätebewegung und Mitbegründer der Kommunistischen Partei Italiens.1926 wurde er von den italienischen Faschisten inhaftiert und verstarb nach 10 Jahren Haft an den Folgen der Gefangenschaft. Seine postum veröffentlichten Gefängnishefte nehmen mittlerweile den Rang eines politischen und philosophischen Klassikers ein, der die internationale Debatte bis in die Gegenwart hinein prägt.

Der Workshop zielt nicht auf eine allgemeine Einführung in Gramscis Werk, vielmehr soll ein zentraler Aspekt seines Theoriegebäudes herausgegriffen werden: seine Beiträge zu einer emanzipatorischen politischen Bildung. Für Gramsci ist Emanzipation untrennbar an einen Prozess der kollektiven intellektuellen Selbstermächtigung der Subalternen gebunden. Das Ziel der politischen Bildung muss es daher sein, “die Regierten von den Regierenden intellektuell unabhängig zu machen” (Gramsci).

Doch kann ein solcher Prozess gelingen, ohne erneut in pädagogische Bevormundung und Fremdbestimmung umzuschlagen? Wie ist also das Verhältnis von Spontanität und pädagogischer Führung zu bestimmen? Wie kann politische Praxis zu einem integralen Bestandteil politischer Bildung werden und umgekehrt? Vor allem in seinen Überlegungen zum Alltagsverstand und seinen Entwürfen zur gesellschaftlichen Funktion der Intellektuellen, stellt sich Gramsci immer wieder diesen widersprüchlichen pädagogischen Voraussetzungen einer Umwälzung der gesellschaftlichen Verhältnisse.

Im Workshop sollen Passagen aus den Gefängnisheften studiert werden. In gemeinsamer Lesearbeit wird es dabei um die dialogische Aneignung der Kategorien und Denkansätze Gramscis gehen. Grundlage sind ausgewählte Abschnitte aus dem Werk, ergänzt um einschlägige Titel aus der Sekundärliteratur. Weiterhin soll in Form einer Ideenwerkstatt die Frage aufgegriffen werden, wie Gramscis Entwürfe heute weiterzudenken wären und welche Bereicherung sein Denken für eine politische Bildung und Pädagogik in der Linken darstellt.

Der Workshop richtet sich damit an Studierende der Geistes- und Sozialwissenschaften, Pädagogen/innen, Aktive aus der Jugend- und Erwachsenenbildung, aber auch an politisch Interessierte aus gesellschaftlichen Verbänden.
Vorkenntnisse sind nicht erforderlich.

Andreas Merkens ist Lehrbeauftragter an der Universität Hamburg. Er beschäftigt sich in seiner Dissertation insbesondere mit Antonio Gramscis Entwürfen zu Politik, Pädagogik und Hegemonie.

Ein Reader mit den wesentlichen Texten Gramscis und Hintergrundinformationen zu den Themen des Workshops wird bei Anmeldung zum Workshop zugestellt.

Anmeldungen bis zum 14.06. und Rückfragen bitte an: Alexander Schlager

Bernd Röttger: „Angst und Kapital“

Vortrag und Diskussion

Wann? Montag, 12.07.2010, 20.00 Uhr
Wo? Ravensburg, Kulturladen Rhizom, Bachstr. 27

Achtung: Diese Veranstaltung fällt aus!

Bernd Roettger beschäftigt sich (und uns) in seinem Vortrag mit der Geschichte und Entwicklung der Arbeitsgesellschaft und der (historisch variablen) kapitalistischen Regulation des “Rohstoffs Angst”.

Dr. Bernd Roettger ist freier Sozialwissenschaftler und Redakteur der Zeitschrift Das Argument. Zeitschrift für Philosophie und Sozialwissenschaften

Gemeinsame Veranstaltung mit der Werkstatt für Geschichte, soziale Bewegung & Praxis Ravensburg

Christina Kaindl: „Neoliberale Durchdringung und Normierung des Privaten“

Vortrag und Diskussion

Wann? Mittwoch, 2.06.2010, 20.00 Uhr
Wo? Ravensburg, Kulturladen Rhizom, Bachstr. 27

Christina Kaindl thematisiert in ihrem Vortrag die neuen Lebensweisen, die sich, hervorgerufen durch die neoliberalen Predigten von Selbstverantwortung, Leistungsbereitschaft und der Einbindung in hegemoniale Projekte (z.B. so genannte Makeover-Shows) verändern und setzt sich auch mit der Frage auseinander, was “normal” und was Norm ist, was als Zwang und was als “zeitgenössisch” zu gelten hat.

Christina Kaindl, Jg. 1971, ist Diplom-Psychologin und Politikwissenschaftlerin an der FU Berlin. Sie ist verantwortliche Redakteurin der Zeitschrift luXemburg (www.zeitschrift-luxemburg.de).

Gemeinsame Veranstaltung mit der Werkstatt für Geschichte, soziale Bewegung & Praxis Ravensburg

13. InkriT-Tagung vom 3.-6. Juni 2010

Das Berliner Institut für kritische Theorie (InkriT) e.V. lädt ein zur XIII. Internationalen Tagung Demokratische Planung und solidarische Ökonomie vom 3.-6. Juni 2010 in Esslingen.

Ausgehend von der Diskrepanz zwischen der neuen Aktualität von Marx in der Krise des Kapitalismus und dem Mangel an konkreten Alternativen lädt das InkriT dazu ein, zur Füllung dieses Vakuums beizutragen.

Drei Tage lang werden etwa 100 WissenschaftlerInnen aus vielen Ländern in sog. Wörterbuch-Werkstätten am Historisch Kritischen Wörterbuch des Marxismus (HKWM) arbeiten. Das HKWM ist die derzeit ambitionierteste wissenschaftliche Publikation im Bereich des deutschsprachigen Marxismus. [mehr…]

Die Tagung wird am 3. Juni um 14:30 Uhr mit einem Streitgespräch „Wikipedisierung des Wissens – Zwischen Demokratisierung und Zerstörung“ eröffnet.

Den Thementag vom Abend des 3. bis zum Abend des 4. Juni veranstaltet das InkriT in Kooperation mit dem Institut für Gesellschaftsanalyse der Rosa-Luxemburg-Stiftung.

Als ReferentInnen für den Thementag haben u.a. zugesagt:

Wolfram Adolphi (Potsdam), Elmar Altvater (Berlin), Dario Azzelini (Linz), Pat Devine (Manchester), Peter Fleissner (Wien), Frigga Haug (Esslingen/N), Wolfgang Fritz Haug (Esslingen), Stephan Krull (Hannover), Hans-Jürgen Krysmanski (Münster),  Sascha Liebermann (Witten), Mascha Madörin (Basel), Nadine Müller (Berlin), Bernd Röttger (Braunschweig), Herbert Schui (Bremen), Tove Soiland (Zürich), Carsten Stahmer (Bielefeld), Klaus Steinitz (Berlin), Derek Weber (Wien)

Vgl. 12. internationale InkriT-Tagung

Marx neu entdecken

Unter dem Motto „Marx neu entdecken“ lädt DIE LINKE.SDS zur großen Auftaktveranstaltung zum Kapital-Lesekreis ein.

Wolfgang Fritz Haug, einer der bekanntesten Marxisten unserer Zeit, wird
die Auftaktveranstaltung zum Lesekreis einläuten.

Wann: Mittwoch 29.10.08 Beginn 18:00Uhr
Wo: Uni Konstanz, Raum A704

Siehe: Wolfgang Fritz Haug kommt Ende Oktober nach Konstanz

Zur Einstimmung: Sonntag, 19.10.2008 von 18-20 Uhr Radio LoRa hören!
In der Sendung „Offener Politkanal“ beim ältesten freien Radio der Schweiz, Radio LoRa aus Zürich, stellen wir Wolfgang Fritz Haug und sein Buchprojekt vor: Das HKWM, das Historisch-Kritische Wörterbuch des Marxismus, das im Hamburger Argumentverlag verlegt wird und zahllose Schlüsselbegriffe marxistischen Denkens erläutert. Wir laden euch ein, dieses spannende Projekt kennenzulernen.
(wird am kommenden Donnerstag von 10.00 – 12.00 Uhr wiederholt)
Einfach Livestream anklicken und reinhören!

Wolfgang Fritz Haug kommt Ende Oktober nach Konstanz

Wolfgang Fritz Haug, emeritierter Professor für Philosophie der FU Berlin, wird von der Hochschulgruppe DIE LINKE.SDS nach Konstanz eingeladen. Sein Vortrag soll der Auftakt zur Bildung einer Kapitallesegruppe sein, die sich im neuen Semesters regelmäßig an der Universität Konstanz treffen soll.

Für das Vorhaben, eine Kapitallesebewegung auch in Konstanz aufzubauen, hätte sich der SDS keinen besseren Vertreter holen können. Haug ist wahrscheinlich der derzeit bedeutendste marxistische Theoretiker im deutschsprachigen Raum. Er hat sich u.a. als langjähriger Herausgeber der Zeitschrift „Das Argument – Zeitschrift für Philosophie und Sozialwissenschaften“, des Mammutwerks „Historisch Kritisches Wörterbuch des Marxismus“ sowie der 10-bändigen „Gefängnishefte“ von Gramsci einen Namen gemacht. Haug steht mit seinem gesamten Lebenswerk für einen erneuerten, wieder beim ursprünglichen Marx ansetzenden und von Gramsci inspirierten Marxismus, der sich nicht scheut, die Irrwege früherer Marxismen nach Marx scharf zu kritisieren.

Haugs Einführungsveranstaltungen in marxsches Denken an der FU Berlin hatten einen exzellenten Ruf und sind auch – mehrfach aktualisiert – in gedruckter Fassung erschienen. Seine im Jahr 2006 erschienene „Einführung in Marxistisches Philosophieren“ war sogar schon Gegenstand eines Seminars des Konstanzer Dozenten Mike Roth im WS 2006/2007. Anders als bei anderen Autoren sind die Einführungen von Haug nicht als Ersatzlektüre zu Marxschen Texten konzipiert sondern als Erläuterungen, die mit den Originaltexten parallel zu lesen sind. Für den Einstieg in das umfangreiche Werk Marxens wollen sie das Eis brechen, Hilfestellungen geben und die Lektüre erleichtern.

„Das Kapital ist nicht nur das Hauptwerk von Karl Marx, in dem das Paradigma geschichtsmaterialistischer Wissenschaft herausgearbeitet ist, sondern das Hauptwerk der Kapitalismustheorie schlechthin. Seine theoretische Leistung ist bisher von keiner anderen Schrift erreicht oder gar übertroffen worden. Allen Umbrüchen in Produktionsweise und Politik zum Trotz bewahrt Das Kapital noch immer »jene eigentümliche Lebenskraft«, mit der es, wie Karl Korsch 1932 feststellte, »im höchsten Grade ›zeitgemäß‹ geblieben ist und in vieler Hinsicht seine Zeit erst recht zu erfüllen anfängt«.“
Auszug aus dem Stichwort „Kapital-Lektüre“ im Historisch-Kritischen Wörterbuch des Marxismus von Wolfgang Fritz Haug: Download (PDF)

Mit der Kapitallesebewegung von DIE LINKE.SDS soll eine weitgehend verschüttete Tradition der 70er Jahre, das dreibändige Hauptwerk von Marx, „Das Kapital“, im Original zu lesen, wiederbelebt werden. Zu diesem Zweck werden derzeit an vielen Hochschulen Lektüregruppen gegründet, die untereinander ihre Erfahrungen austauschen und sich gegenseitig beflügeln sollen. Eine Website unter http://www.kapital-lesen.de/ dient dazu, für die Initiative zu werben, in Foren zu miteinander diskutieren, einen ReferentInnenpool zugänglich zu machen und über Veranstaltungen zu informieren.

Doch nicht erst seit der SDS dazu aufruft, werden an der Uni Konstanz marxistische Autoren gelesen: Seit mehreren Monaten trifft sich auf Initiative der Alternativen Hochschulegruppe wöchentlich eine fünfköpfige Lektüregruppe, die sich zunächst das populäre Buch von John Holloway „Die Welt verändern, ohne die Macht zu erobern“ vorgenommen hat.

Sendung bei Radio Lora, Zürich: anklicken und reinhören!

12. Internationale InkriT-Tagung in Esslingen

Vom 22.-25. Mai 2008 findet die 12. internationale InkriT-Tagung in Esslingen statt. InkriT steht für das Berliner Institut für kritische Theorie dessen wichtigste Aufgabe in der Herausgabe des Historisch-Kritischen Wörterbuchs des Marxismus (HKWM) besteht.

Das HKWM ist die derzeit ambitionierteste wissenschaftliche Publikation im Bereich des deutschsprachigen Marxismus. Dieses Jahrhundertprojekt spielt in der gleichen Liga wie die Edition von MEGA, der historisch-kritischen Neuausgabe der gesammelten Werke von Marx und Engels (vgl. die elektronische Edition von MEGA).

Das HKWM ist ein von über 800 WissenschaftlerInnen kooperativ erstelltes Wörterbuch zu ca. 1200 marxistischen Begriffen. Nach 10-jähriger Planungszeit erschien 1994 der erste Band („Abbau des Staates“ bis „Avantgarde“). Im Frühjahr 2008 wird der Band 7.I („Kaderpartei“ bis „Klonen“) erscheinen. Im Schnitt erscheint alle zwei Jahre ein neuer Band. Das Projekt erhält keinerlei staatliche Unterstützung und finanziert sich wesentlich aus der Subskription der jeweils erscheinenden Bände.

Bemerkenswert bei diesem Projekt ist, dass nicht nur klassische marxistische Begriffe wie etwa „Produktivkräfte“ oder „Akkumulation“ sondern auch Begriffe aus dem modernen Sprachgebrauch Eingang gefunden haben. Also gar nicht verstaubter Marxismus im Sinne einer simplen Marx-Exegese sondern der Versuch eigenständiger Theoriebildung zu Begriffen, die noch niemals in anderen marxistischen Wörterbüchern auftauchten.

Jeder Artikel zu einem Begriff ist ein Gemeinschaftswerk. Nach einem Entwurf durch einen Autoren / eine Autorin wird der Artikel auf den jährlich in Esslingen stattfindenden Wörterbuchwerkstätten vorgestellt, hart kritisiert und verteidigt. Ca. vier bis fünf sog. VotantInnen präsentieren vorbereitete Stellungsnahmen zu dem Artikel, anschliessend findet eine moderierte Debatte statt. Dies alles vollzieht sich in einer Art Seminar-Atmosphäre mit 15 bis 50 beteiligten Personen, die sich zu dem Thema auskennen, selbst dazu wissenschaftlich gearbeitet haben oder sonst etwas dazu beitragen können. In der Regel kommt es dort zu Erweiterungen, Korrekturen sowie sprachlichem Feinschliff an jedem einzelnen Satz. Es ist jedenfalls keine Veranstaltung zum bloßen Zuschauen und Konsumieren.

Besonders zentrale Begriffe wie z.B. „Kapitalismus“ werden auf Podiumsdiskussionen vorgestellt und können durchaus mehrere Jahre immer wieder überarbeitet werden. Dieses Jahr werden die Begriffe Kosmopolitismus (Gilbert Achcar, London), Konkurrenz (Bob Jessop, Lancaster), Krieg und Frieden (Norman Paech, Hamburg), Kriegsverbrechen (Gerd Hankel, Hamburg) auf Podien und anschliessend in den Werkstätten verhandelt. Dazu referieren auch Joachim Hirsch (Frankfurt/M), Wolf-Dieter Narr (Berlin), Christian Sigrist (Münster), Darko Suvin (Lucca) u.a.

Die weiteren Wörterbuch-Werkstätten sind: Knechtschaft (Alexis Petrioli, Berlin), Kohärenz (Peter Thomas, Brisbane), Kommunikation (Gerhard Zimmer, Hamburg), Kompromiss (Christian Wille, Berlin), Konstruktion (Thomas Weber, Berlin), Kontingenz (Juha Koivisto u. Mikko Lahtinen, Tampere), Kopftuchstreit (Frigga Haug, Esslingen), Kräfteverhältnis (Jens Wissel, Frankfurt/M), Kredit (Thomas Sablowski, Frankfurt/M), Kriminalroman (Stefan Howald, Dielsdorf/Schweiz), Leviathan (Bas Wielenga, Madurai/Indien), Macht (Rüdiger Haude, Wuppertal), Macchiavellismus (Frank Deppe, Marburg) u.a.

Vorgesehen ist zudem ein Workshop zur Frage „Das Kapital lesen – aber wie?“ und einer zur spezifischen Form von HKWM-Artikeln und den Problemen der Textbearbeitung.

Die Teilnahme an diesem spannenden Projekt ist ohne besondere Hürden für jedermann / jede Frau möglich. Ständig werden AutorInnen für die avisierten Begriffe gesucht und auch das Vorschlagen von neuen, bislang nicht geplanten Begriffen, ist jederzeit möglich. Ein guter Start in die Mitarbeit ist das unverbindliche Kennenlernen des Umfelds der AutorInnen und MitarbeiterInnen auf den Esslinger Tagungen, wo ca. 100 Personen aus der ganzen Welt zusammen kommen. Für den kleinen Geldbeutel gibt es Ermäßigungen und billige Unterkünfte. Anmeldungsunterlagen und ein genaues Tagungsprogramm sind demnächst hier zu finden.

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