Archiv der Kategorie 'Dritte Welt'

Eine Sackgasse ohne Ausweg? Wohin führt der Aufstand in Syrien?

Syrien-Vortrag vom Konkret-Autor Ralf Fischer am Freitag, 15. November 2013, 20 Uhr im Treffpunkt Petershausen, Konstanz

Im März des Jahres 2011 hatten Kinder in der südsyrischen Stadt Daraa den im Arabischen Frühling in Tunesien und Ägypten verwendeten Slogan „Das Volk will den Sturz des Regimes“ an mehrere Wände geschrieben. Die Kinder wurden verhaftet und gefoltert. Daraufhin forderte die Teilnehmer auf einer ersten großen Demonstration in Daraa die Freilassung dieser Kinder. Eine weitere Demonstration am Freitag, den 18. März, wurde von Sicherheitskräften gewaltsam angegriffen, mindestens vier Menschen verloren ihr Leben. Bei den Begräbnissen der Toten wurde am Tag darauf ein weiterer Mensch von den syrischen Sicherheitskräften getötet. Die Proteste griffen im Weiteren auf andere Städte in Syrien über. Über zwei Jahr später, zwei UN-Beobachtermissionen, weit über zwei Millionen Flüchtlinge, abertausende Verhaftungen und 100.000 Tote später verhandelt die internationale Weltgemeinschaft nach wie vor über ein Ende der Gewalt.

Das Ergebnis ist immer dasselbe. Stillstand und gegenseitige Blockaden. Währenddessen gehen die syrischen Sicherheitskräfte gemeinsam mit iranischen Revolutionsgardisten und libanesischen Hizbollahkämpfern weiterhin brutal gegen die Opposition vor. Nicht weniger zimperlich verteidigen sich die Aufständischen unter Führung der Freien Syrischen Armee, vor allem die zahlreich eingesickerten Al-Qaida-Terroristen und andere sunnitischen Gotteskriegern. Die unmittelbaren Nachbarn Syriens reagieren mit großer Nervosität. Regionale Konflikte zwischen der Türkei sowie Saudi Arabien als selbsternannte Schutzmächte der Sunniten und dem Iran, der mit dem alawitischen Assad-Clan verbündet ist, weiten sich aus. Ethnische und konfessionelle Konfliktlinien innerhalb Syriens, wie z.B. zwischen den Kurden und den sunnitischen Arabern, erschweren die Konfliktlösung noch mehr.

Libanon und Jordanien stehen vor einer unbeschreiblichen Flüchtlingskatastrophe. Allein die Versorgung in den Camps mit ausreichend Trinkwasser ist äußerst prekär. In Deutschland solidarisieren sich Linke wie Rechte mit dem mörderischen Assad-Regime. Gleichzeitig bleibt bedauerlicherweise eine breite Unterstützung der zivilen Opposition aus. Desinteressiert schauen alle in die Röhre. Ganz nebenbei versucht die internationale Weltgemeinschaft zwar die chemische Kampfstoffe des Assad-Regimes zu vernichten. Das Schlachten geht davon aber ungestört weiter.

Der Referent Ralf Fischer ist freier Journalist aus Berlin und schreibt u.a. für das Monatsmagazin konkret und die Wochenzeitung Jungle World

Quelle: https://www.facebook.com/events/643928695659649/

Reportagen zur aktuellen Situation in Guatemala

Veranstaltung mit Andreas Boueke im Konstanzer Weltladen, Rheingasse 13, am Mittwoch, 5. Juni 2013 um 19:30 Uhr

Journalistische Berichterstattung aus Guatemala handelt oft von Gewalt und Armut. Wie sieht das Leben eines freien Journalisten aus, der seit zwanzig Jahren dort recherchiert?

Andreas Boueke erzählt aus seinem Arbeitsalltag: er berichtet über seine Recherchen in Guatemala und präsentiert Hintergrundinformationen zu Land und Leuten. Es werden Fotos gezeigt und eine Radioreportage abgespielt. Zudem leist er aus seinem aktuellen Buch:

Andreas Boueke:
Guatemala – Recherchen auf heißem Pflaster
336 Seiten, Klappenbroschur, zahlreiche Abb.
ISBN 978-3-89502-356-9

Der Eintritt ist frei.

Vortrag zu Venezuela nach Chávez

Veranstaltung mit Dr. Carolus Wimmer am Dienstag, 4. Juni, 19:30 Uhr in Konstanz, Hotel „Barbarossa“ (Nebenraum)

Wie geht es nach dem Tod von Hugo Chávez Anfang März und dem knappen Wahlsieg des sozialistischen Regierungsbündnisses weiter mit der bolivarischen Revolution in Venezuela?

Der am 14. April mit 50,78 Prozent gewählte Präsident Nicolás Maduro kündigte bei seiner Amtseinführung eine „Revolution in der Revolution“ und einen Ausbau „sozialer Missionen“ an, um die Errungenschaften der chavistischen Politik zu sichern und die Lebensverhältnisse der armen Bevölkerung weiter zu verbessern.

Die knapp geschlagene rechte Opposition unter Führung von Henrique Capriles Radonski sprach dagegen von Wahlbetrug und schürt seitdem eine Kampagne, um Maduro zu Fall zu bringen. Im ganzen Land gehen ultrarechte Gruppen gewaltsam gegen Unterstützer der Regierung und Behördeneinrichtungen vor. Die eng mit den USA verbundenen alten Eliten wittern Morgenluft: Sie wollen ihre von Chávez beschnittenen Privilegien zurück, die Reformen, die zu einer deutlichen Verbesserung der Lage der verarmten Bevölkerungsmehrheit geführt haben, sollen einkassiert, die alten kapitalistischen Machtverhältnisse wiederhergestellt werden.

Die venezolanische Linke steht also vor gewaltigen Herausforderungen, denn das knappe Wahlergebnis ist auch ein Ergebnis von Fehlern und Versäumnissen der sozialistischen Regierung, die sich die Rechten jetzt zunutze machen wollen. Eine immer noch hohe Inflation, Vetternwirtschaft, Verschwendung öffentlicher Gelder – das ist nur ein Teil der Probleme, die die Regierung bewältigen muss, um die Lage zu stabilisieren. Nur dann kann das bolivarische Projekt fortgesetzt werden, nur so hat der Kampf für soziale Emanzipation, Demokratie, Bildung und medizinische Versorgung Aussicht auf Erfolg.

Dr. Carolus Wimmer, gebürtiger Münchner, später Schüler am Ellenrieder Gymnasium in Konstanz, lebt und arbeitet seit Anfang der 70er Jahre in Venezuela. Der frühere Direktor für internationale Beziehungen beim venezolanischen Parlament ist mittlerweile Abgeordneter und Vizepräsident des Lateinamerikanischen Parlaments in Panama, das 23 Länder repräsentiert. Wimmer ist außerdem
Internationaler Sekretär der KP Venezuelas.

Veranstalter: DIE LINKE. Kreisverband Konstanz, DKP Bodensee-Hochrhein

Bernhard Schmid zum arabischen Frühling

Vortrag zur aktuellen Lage des arabischen Frühlings
Wann? 21. August, 19.30 Uhr
Wo? DGB Haus Konstanz (Radioraum)

Die Selbstverbrennung des Gemüsehändlers Mohamed Bouazizi aus Verzweiflung über seine Armut und der ständigen Polizeischikanen im Dezember 2010 löste in Tunesien Massenproteste gegen die Regierung aus. Das Feuer des Protestes griff schnell auf andere Staaten in Nordafrika und dem Nahen Osten über. Viele unangreifbar erscheinende autoritäre Regime gerieten ins Wanken. Der arabische Frühling war geboren!

Die Forderungen der Bewegungen – demokratische und soziale Reformen – gaben auch Impulse für Protestbewegungen in anderen Erdteilen, wie der Occupy Bewegung in den USA oder den Indignados in Spanien.

Nicht zuletzt nutzten viele der arabischen Revolutionäre ihre neue Freiheit um nach Europa zu migrieren, scheiterten jedoch oft an den Mauern der Festung Europa.

Wir wollen uns fragen, wie es nach dem Sturz der Diktatoren in Tunesien, Ägypten und Libyen weitergeht? Welche Rolle spielen linke, progressive Kräfte; welche Gefahr geht vom politischen Islam aus? Was ist mit den anderen arabischen Staaten? Wie ist die Situation in Syrien, wo ein Bürgerkrieg mit Tausenden von Toten tobt? Was können wir als Linke, gerade mit Blick auf die europäische Migrationspolitik hierzulande tun?

Diese und weitere Fragen wollen wir mit Bernhard Schmid, freiem Journalist aus Paris und Experte für die sozialen Bewegungen in Nordafrika und dem Nahen Osten, besprechen.

Orga: Emanzipatorische Gruppe Konstanz

Neuerscheinung: Die Wüste glimmt!

Der neue Roman des Exiliraners Ali Schirasi ist erschienen!

Der in Konstanz im Exil lebende Iraner Ali Schirasi hat seinen neuen Roman fertiggestellt. Er hat den Titel „Die Wüste glimmt“. Der Roman ist im Agenda-Verlag erschienen. Ausführliche Infos: hier.

Das Buch „Die Wüste glimmt“ greift zwei Lebensläufe auf, die von der verrückten Pari und vom Dorfnarr Gondik, wie zwei Fäden, die von zwei Wollknäueln aufgezogen werden und sich an einer Stelle kreuzen, verflochten und verwoben werden. Zwei Fremde, die sich bis dahin auch selbst fremd waren, finden zusammen und finden Eingang in die Dorfgesellschaft. Die Dorfgemeinschaft nimmt sie auf, es werden mehr Fäden, mehr Farben, und schließlich sehen wir das Bild eines persischen Teppichs vor Augen, in den die ganzen Traditionen und Bilder des Dorfes verwoben sind.

Aber während wir auf dem Teppich der Tatsachen stehen und glauben, festen Boden unter den Füßen zu haben, beginnt auch dieses Bild zu zerfließen. Der Boden ist nicht fest und der Teppich scheint abzuheben. Das Dorf beginnt sich zu bewegen, und unversehens befinden wir uns mitten in einer Revolution, die das erste Kapitel der großen Veränderungen im Iran des 20. Jahrhunderts darstellt. Wir lernen, die Geschichte, die Entwicklung, nicht mit den Augen eines Städters zu sehen, eines distanzierenden Analytikers, sondern aus der bewegten Menge heraus, mit den Gefühlen der Menschen im Dorf.

Das ist die Stärke dieses Buches, das uns den Iran in einer Weise nahebringt, wie dies keine Nachrichtensendung und keine Zeitungsmeldung je schaffen kann.


Das Bild des Glimmens ist gemünzt auf eine historische Situation vor der Islamischen Revolution von 1979 im Iran. Es steht dafür, dass die Herrschenden niemals sicher sein können, dass das Feuer des Widerstands vollständig erloschen ist und nicht plötzlich wieder aufflackern kann.

Eine Aussage, die man auch für den heutigen Iran machen könnte, jetzt wo die Proteste gegen den Wahlbetrug von 2009 blutig niedergeschlagen worden sind und scheinbar alle ruhig ist. Aber unter der Oberfläche rumort es noch immer.

Informationen zur aktuellen Situation im Iran findet man unter http://alischirasi.blogsport.de.

reframe the re-words: revolution & regress in „middle east“

Eine Veranstaltungsreihe zur Diskussion um die Situation im „Nahen Osten“ und nördlichen Afrika

Seit Beginn des Jahres sorgen Aufstände und Umbrüche im »Nahen Osten« und nördlichen Afrika für Schlagzeilen. Während viele Interpretationen im bürgerlich-liberalen Spektrum »demokratische Revolutionen« analog zur Implosion des Ostblocks von 1989 sehen, verweisen andere auf die Gefahr einer islamistischen Vereinnahmung der Proteste vergleichbar mit der »iranischen Revolution« 1979.

Doch lassen sich die Umbrüche und Aufstände als Aufbegehren nach Demokratie und Marktwirtschaft westlichen Typs verstehen? Ist der Antisemitismus ein zentrales, wenn nicht gar die Bewegungen einigendes Moment?

Wir möchten mit dieser Veranstaltungsreihe eine Diskussion anregen jenseits von Eurozentrismen und rassistischen Ressentiments, ohne dabei jedoch einen emanzipatorischen Anspruch aufzugeben. Wir fragen nach dem Verhältnis von Revolution und Regress – nach Ansätzen, die progressiv über das Bestehende hinausweisen ebenso wie nach regressiven Momenten in den Umbrüchen, wie etwa dem Antisemitismus als reaktionärem Verarbeitungsmuster gesellschaftlicher Krisen. Die Thematisierung wirtschaftlicher und politischer Interessen in Deutschland, die weiterhin zur Unterstützung autoritärer Regimes weltweit führen und der Verbreitung menschenverachtender Einstellungen hierzulande soll dabei im Spiegel der Umbrüche ebenso beitragen zu einer Kritik deutscher Zustände.

Die Vorträge:

STEPHAN GRIGAT

Donnerstag – 26/05/2011 – 19:30h – Ort: Schwarze Katz (Katzgasse 8, 78462 Konstanz)

„Das iranische Regime, der arabische Aufbruch und die Bedrohung Israels“

In dem Vortrag sollen Charakteristika der iranischen Diktatur aus Ajatollahs und Pasdaran skizziert und die Bedrohungssituation für Israel dargestellt werden. Die deutsche Unterstützung für das Regime in Teheran wird ebenso beleuchtet wie die globale Bündnispolitik von Ahmadinejad und Khamenei. Zudem soll die Bedeutung der aktuellen Entwicklungen in den arabischen Ländern für die Sicherheit Israels einerseits und für die Expansionsbestrebungen des iranischen Regimes andererseits diskutiert werden.

Stephan Grigat ist Lehrbeauftragter für Politikwissenschaft an der Universität Wien, wissenschaftlicher Mitarbeiter des Bündnisses www.stopthebomb.net und Mitherausgeber von „Der Iran. Analyse einer islamischen Diktatur und ihrer europäischen Förderer“ (Studienverlag 2008) und „Iran im Weltsystem. Bündnisse des Regimes und Perspektiven der
Freiheitsbewegung“ (Studienverlag 2010).

SOLALE SCHIRASI

Mittwoch – 01/06/2011 – 18h – Ort: Universität Konstanz, Raum R 512

„Aktuelle Situation der Frauenbewegung im Iran“

Im Iran läuft eine starke Demokratiebewegung, die das diktatorische System verändern möchte. Die Frauenbewegung, die schon seit Jahren auf verschiedene Weise gegen die Herrschaft der Mollas kämpft, spielt in der jetzigen Situation eine wichtige Rolle. Wie sieht dieser Kampf aus und wie wird es in der Zukunft sein? Darüber möchte dieser Vortrag informieren.

Solale Schirasi absolvierte ein Hochschulstudium in Teheran und wurde Lehrerin für Mathematik. 1975 wurde sie aufgrund ihrer politischen Aktivitäten zusammen mit ihrem Mann verhaftet und zwei Jahre später dank der Intervention von Amnesty International und des Internationalen Komitees des Roten Kreuzes freigelassen. Nach der Revolution erhielt sie ein Berufverbot. 1987 – nachdem ihr Mann aus dem Gefängnis der Mollas fliehen konnte – verließ sie mit ihm und ihren Kindern den Iran. Seither veröffentlicht sie Artikel über die Situation der Frauen im Islam und speziell im Iran und hält Vorträge und Lesungen. Seit 1991 ist sie Dozentin an der Universität Konstanz. Im Jahr 2004 hat sie gemeinsam mit ihrem Mann das Buch „Weder Kopftuch noch Handgranate“ verfasst.

JÖRG FINKENBERGER

Mittwoch – 08/06/2011 – 19h – Ort: Schwarze Katz (Katzgasse 8, 78462 Konstanz)

„Der Mittlere Osten und die Revolution“

Vor einem Jahr hätten es die wenigsten für möglich gehalten, dass die Länder Nordafrikas und des Mittleren Osten vor tief greifenden Umwälzungen stehen. Sie schienen stabil, sogar stagnierend. Die von den Regimes erzwungene Unterentwicklung erschien manchen Freunden des Rückständigen im Westen als Äußerung einer besonderen „arabischen“ Kultur. Der Aufstand im Iran, und die Welle von Aufständen in der arabischen Welt, die folgte, haben diese Ansicht blamiert. Heute kann niemand mehr so tun, als hätten die Verhältnisse, die viel zu lange geherrscht haben, die Zustimmung der Bevölkerung. Die Geschichte wird, wie sich zeigt, tatsächlich von den Menschen selbst gemacht, wenn auch nicht aus freien Stücken. Diese verleugnete Realität meldet sich zurück. Wie die Geschichte ausgeht, ist, wie immer, völlig offen. Der Referent versucht, anhand der Entwicklung und der Vorgeschichte dieser Auseinandersetzungen aufzuzeigen, was aus dieser Entwicklung an Gefahren und Perspektiven herauszulesen sein wird, über die gesamte Entwicklung der Dinge im Mittleren Osten; über den israelisch-arabischen und den israelisch-iranischen Konflikt; über die Lage der unteren Schichten, der Frauen, der unruhigen Jugend und der Minderheiten in den Gesellschaften; über den Islamismus und die Bedingungen, aus denen er erwächst; und über die
Perspektiven, die sich aus ihnen für die Befreiung der Menschheit ergeben.

Jörg Finkenberger (Würzburg/Freiburg) ist Autor und Mitherausgeber der Zeitschrift ehemals „Letzter Hype“, jetzt “ In The Absence Of Truth“.

HANNES BODE

Mittwoch – 15/06/2011 – 19h – Ort: Schwarze Katz (Katzgasse 8, 78462 Konstanz)

- organisiert in Zusammenarbeit mit dem U-ASTA Konstanz und im Rahmen des festival contre le racisme -

„Emanzipation oder Regression im Nahen Osten? Warum diese Frage mit eurozentrischen und kulturalistischen Erläuterungen zu den Arabern und dem Islam nicht beantwortet werden kann“

Als in Tunesien und bald darauf in Ägypten zahllose Massendemonstrationen und Straßenschlachten zum Sturz der dortigen Regime führten, entdeckte das hiesige Feuilleton – mit einiger Verzögerung – den Nahen Osten wieder. Während dieser zuvor nur als bauliche orientalische Pracht in den Reisebeilagen oder als politisch-strategischer Partner ab und an im Politikteil auftauchte, entfachte nun seine Bevölkerung die Begeisterung bürgerlicher Liberaler. Einige kritisierten westliche Staaten, die ja ihrem eigentlichen Anspruch nicht gerecht worden wären, und frohlockten über markige Ansagen von Politikern an bereits gestürzte Despoten, ohne zu bemerken, dass anderswo mit ebenso despotischen Regimes auch weiterhin beste Beziehungen bestehen und dass nicht individuelle Inkonsequenz, sondern kapitalistische Konsequenz das Problem ist. Die blumige Jasmindemonstration wurde zum Widergänger der „demokratischen Wende“ 1989, das „Volk“ auf den Straßen war authentisch und jeder wusste irgendwie das Geschehen zu kommentieren. Während so genannte Islamkritiker sich plötzlich auffällig zurückhielten, wollten verschiedene Kulturalisten endlich den Beweis gefunden haben, dass *die* Araber *den *Islam mit *der* Demokratie vereinbaren können. Und überhaupt kreiste die Debatte rund um die Uhr um die Frage, ob jetzt Muslimbrüder an die Macht kommen oder ein zweites 1979 vor der Tür stehen würde, ob *die* Araber jetzt endlich modern seien und ob sich der Reformislam durchsetzen würde. Diese Kommentare zum Geschehen im Nahen Osten waren meist unbeholfen und lagen oft daneben. Denn der wirkmächtige Araberstereotyp und die Determinante Islam sind nutzlos, wenn man gesellschaftliche Prozesse analysieren will, und soziale und politische Kämpfe ausgetragen werden. Wer über Moderne und Emanzipation, über Öffentlichkeit und Individualität reden will, muss den Blick auf gesellschaftliche Verhältnisse und Subjekte richten, und nicht ideologischen Konstrukten und identitären Zuschreibungen aufsitzen. Um Geschichte und Gegenwart des Nahen Ostens zu verstehen, braucht man nicht zuerst Koran oder Al-Ghazali, sondern Marx und Habermas oder Hobsbawm.

Die Themen Religion, Öffentlichkeit und Emanzipation sollen mit einigen historischen und aktuellen Beispielen angesprochen werden, um zuletzt auch die Frage diskutieren zu können, was er denn nun ist, der Nahe Osten nach dem Umbruch.

Hannes Bode hat an der Universität Halle Islamwissenschaft und Geschichte studiert. Er beschäftigt sich mit gesellschaftlichen Entwicklungen und der Rolle der Religion im Nahen Osten seit dem 18. Jahrhundert, der Frage nach
Tradition und Moderne sowie den aktuellen politischen Entwicklungen in der Region. Er schrieb u.a. für die politische Wochenzeitung Jungle World.

Islamische Republik Iran – bald Republik Iran?

Vortrag von Ali Schirasi an der VHS Konstanz am Donnerstag, den 12.05.2011 um 19:30 Uhr, über den Iran zwei Jahre nach dem Wahlbetrug

Der Bild-Vortrag von Ali Schirasi befasst sich mit der Innen- und Außenpolitik des Iran, der Menschenrechtslage und der Unterstützung des Terrorismus. Dabei wird er auf die Männer und Institutionen im Hintergrund eingehen, die die Macht im Iran tatsächlich in den Händen halten, ebenso auf aktuelle Themen wie die Aufhebung der Subventionen und die schon im Vorfeld davongaloppierende Inflation, die Folgen der Wahlfälschung im Juni 2009 und den Atombombenpoker, der vor allem dazu dient, die Islamische Republik als Herrschaftssystem zu erhalten. Der Referent wird schildern, wie die iranische Bevölkerung reagiert, wie sie sich gegen dieses System zur Wehr setzt, was das Regime unternimmt, um den Widerstand zu brechen. In diesem Zusammenhang kommt auch die Lage der Menschenrechte im Iran zur Sprache, ebenso wie die verschärften Konflikte unter den Herrschenden selbst.

http://alischirasi.blogsport.de

vhs: Schwerpunkt Iran

13 Veranstaltungen plant die Volkshochschule Konstanz – Singen dieses Semester zum Thema Iran. Folgende Auswahl möchten wir hier empfehlen:

Ali Schirasi: Islamische Republik Iran – ein Röntgenbild. Die aktuelle Situation im Iran

vhs-Konstanz, Astoria-Saal: Di., 19.10.2010, 19:30 – 21:00 Uhr
vhs-Singen, Raum O.5: Do., 21.10.2010, 19:30 – 21:00 Uhr

Der Vortrag von Ali Schirasi befasst sich mit der Innen- und Außenpolitik des Iran, der Menschenrechtslage und der Unterstützung des Terrorismus. Dabei wird er auf die Männer und Institutionen im Hintergrund eingehen, die die Macht im Iran tatsächlich in den Händen halten, ebenso auf aktuelle Themen wie die Wahlfälschung im Juni 2009 und den Atombombenpoker, der vor allem dazu dient, die Islamische Republik als Herrschaftssystem zu erhalten. Der Referent wird schildern, wie die iranische Bevölkerung reagiert, wie sie sich gegen dieses System zur Wehr setzt, was das Regime unternimmt, um den Widerstand zu brechen. In diesem Zusammenhang kommt auch die Lage der Menschenrechte im Iran zur Sprache, ebenso wie die verschärften Konflikte unter den Herrschenden selbst.
http://alischirasi.blogsport.de

Solale Schirasi: Die Rolle der Frauen in der neuen demokratischen Bewegung im Iran

vhs-Konstanz, Astoria-Saal: Do., 28.10.2010, 19:30 – 21:00 Uhr

Obwohl in den hiesigen Medien wenig über die aktuelle politische Situation im Iran berichtet wird, heißt das nicht, dass es um die Oppositionsbewegung im Land selbst still geworden ist. Solale Schirasi informiert in Form eines Bildvortrages über die jüngsten Entwicklungen in Teheran, über die Oppositionsbewegung und besonders über die Situation der Frauen, die sich gegen das Mullah-Regime engagieren. Nach dem Vortrag wird es außerdem die Gelegenheit geben, Fragen zu stellen. Ali und Solale Schirasi waren als Lehrer im Iran bereits zur Zeit des Schah politisch aktiv und wurden deswegen zeitweise inhaftiert. Aber auch nach der Islamischen Revolution wurden sie aus politischen Gründen verfolgt. Ende der 80er Jahre gelang es Ali Schirasi, aus dem berüchtigten Evin-Gefängnis in Teheran zu fliehen. Daraufhin verließen Ali und Solale mit ihren Kindern den Iran. Heute leben die Beiden am Bodensee. Sie veröffentlichen Bücher und halten Vorträge zu politischen und kulturellen Themen rund um den Iran.
http://alischirasi.blogsport.de

Solale Schirasi: Der Alltag iranischer Frauen

vhs-Singen, Raum O.5: Mi., 27.10.2010 , 19:30 – 21:00 Uhr

Im Islam haben Männer und Frauen nicht die gleichen Rechte. Was bedeutet es für Frauen, die in einem Land leben, dass die Scharia als Basis ihres Rechtssystems hat? Wie gehen die Frauen mit dieser Situation um? Was für Antworten gibt der politische Islam auf die Fragen des Alltags, mit denen Frauen heute in vielen Ländern konfrontiert sind? Was für einen Einfluss hat er auf ihre Gesundheit, ihre Ausbildung, ihre beruflichen Möglichkeiten, das Familienleben und ihre Rolle in der Gesellschaft? Die Islamische Republik Iran, die seit 31 Jahren besteht, ist ein Beispiel für eine Gesellschaft, in der besonders die Frauen unter den Gesetzen der Scharia zu leiden haben.
http://alischirasi.blogsport.de

Ali Schirasi liest Gedichte

vhs-Konstanz, Astoria-Saal: Mi., 10.11.2010, 19:30 – 21:00 Uhr
vhs Singen, Raum O.7: Di., 09.11.2010, 19:30 – 21:00 Uhr

Ali Schirasis Gedichte und Kurzgeschichten thematisieren Erlebnisse und Erinnerungen aus seiner Heimat Iran. Wegen seiner politischen Aktivitäten wurde er unter dem Schah-Regime sieben Jahre eingekerkert, auch unter Khomeni wurde er inhaftiert. 1987 gelang ihm die Flucht aus dem Iran. Er lebt heute als freier Schriftsteller am Bodensee. Schirasi veröffentlichte Gedichte und mehrere Erzählbände. Seine Arbeiten zeichnen sich durch eine sehr schöne, poetische Sprache aus, die von ihren starken Bildern und Metaphern lebt. Im April 2002 erhielt er den Ingeborg Drewitz Literaturpreis. Er wird heute bisher unveröffentlichte Gedichte vortragen.
http://alischirasi.de

Lesung und Gespräch mit Mina Ahadi: Ich habe abgeschworen – warum ich für die Freiheit und gegen den Islam kämpfe

vhs-Konstanz, Astoria-Saal: Do., 25.11.2010, 19:30 21:00 Uhr

vhs + TERRE DES FEMMES + Chancengleichheitsstelle und Integrationsbeauftragte der Stadt Konstanz

Mina Ahadi spricht am Internationalen Tag „Nein zu Gewalt an Frauen“ nicht nur über ihre Erinnerungen an die wagemutigen Eskapaden ihres Lebens, sie informiert auch über die aktuelle Situation im Iran und spart auch heikle Themen, wie Integration und Islam nicht aus. Ihre Kindheit erlebte Mina Ahadi unter der Herrschaft von Schah Reza Pahlavi. Als dieser 1979 durch die Islamische Revolution vom Pfauenthron gestürzt wurde und Khomeini das Land dem Diktat der Mullahs unterstellte, wurde die Medizinstudentin Mina Ahadi zur mutigen Verfechterin der Frauenrechte. Dafür wurde sie politisch verfolgt. Ihr Ehemann hingerichtet. Mina Ahadi floh in die Berge Kurdistans und lebte 10 Jahre im Widerstand als Partisanin. 1996 fand Mina Ahadi in Deutschland eine neue Heimat. Doch bald musste sie erkennen, dass der Einfluss des politischen Islam auch vor Europa nicht Halt macht. Nüchtern beschreibt sie die Gefahren falsch verstandener Toleranz und Gutgläubigkeit politisch-religiösen Bewegungen gegenüber. Heute engagiert sich Mina Ahadi leidenschaftlich für Freiheit und Menschenrechte und gegen die Unterdrückung von Frauen im Namen von Kultur und Religion. 2001 gründete sie das internationale Komitee gegen Steinigung und 2007 gemeinsam mit anderen Gleichgesinnten den Zentralrat der Exmuslime in Deutschland. 2008 wurde ihr Buch „Ich habe abgeschworen – warum ich für die Freiheit und gegen den Islam kämpfe“ veröffentlicht.

Eintritt: jeweils 5 Euro

Iran-Demonstration 18 Tir: 10. Jahrestag der StudentenInnenproteste!

Donnerstag, 9. Juli 2009 um 18:30 Uhr
Helvetiaplatz, Zürich

Am 9. Juli 1999 (18 Tir) haben Paramilitärs der „islamischen Republik Iran“ mitten in der Nacht die Wohnheime der Universitäten angegriffen. In den Tagen danach protestierten Zehntausende von Studierenden und es kam zu den grössten Demonstrationen gegen das Regime seit über zwanzig Jahren!

Zehn Jahre später sind wieder Millionen Menschen auf den Strassen des Irans und haben den Kampf für Freiheit und Menschenrechte aufgenommen. Und dieses Mal lassen wir uns nicht zum Schweigen bringen und morgen werden auch im Iran wieder Hunderttausende auf den Strassen sein!
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Konstanz: Solidarität mit dem Widerstand im Iran

Iranerinnen und Iraner aus Konstanz haben für Samstag, den 27.06.2009, einen Informationsstand „Iran: Ein Volk wirft die Ketten ab“angemeldet. Der Stand wird in der Rosgartenstraße stehen und soll von 14 bis 17 Uhr ein Anlaufpunkt für alle Interessierten sein.

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Mittwoch: Soli-Demo zum Iran in Zürich

Solidarität mit dem iranischen Widerstand!

Keine Geschäfte mit den Mullahs!

Nieder mit der Islamischen Republik Iran!!


Mittwoch, 24. Juni 2009 um 18 Uhr
Pestalozziwiese (bei Bahnhofstrasse)


Iranische und Schweizer Gruppen

Bewilligung eingereicht

Film und Vortrag zur Frauenbewegung im Iran

Iranische Kunstausstellung kommt nach Konstanz

Veranstaltungsreihe: Politische Bewegungen Lateinamerikas

Do., 12.06.08
Lateinamerika-Reihe der Alternativen Hochschulgruppe + dem SDS
20:00 Uhr: Venezuela – Kommunale Selbstverwaltung und Kulturzentren
Referentin: Barbara Fatti

Contrast, Joseph Belli Weg 11, Konstanz
22:30 Uhr: El ritmo de la autonomía – Latin Ska Party
Esperanza Sound Sistema
Contrast

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Di., 17.06.08
Lateinamerika-Reihe der Alternativen Hochschulgruppe + dem SDS
20:00 Uhr: Mexico – Internationale Brigaden, ein Erfahrungsbericht
Referenten: Robin und David
Uni Konstanz, Raum D 406

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Do., 19.06.08
Lateinamerika-Reihe der Alternativen Hochschulgruppe + dem SDS
20:00 Uhr: Venezuela – educacion es revolucion/Befreiungspädagogik,
Hochschulalltag und Bildung für Alle
Referentin: Barbara Fatti
Contrast, Joseph Belli Weg 11, Konstanz
22:30 Uhr: El ritmo de la autonomía – Latin Ska Party
Esperanza Sound Sistema
Contrast

Argentinien – Chile – Bolivien: Ein anarchotouristischer Reisebericht

Südamerika: Kontinent der vereinigten linken Hoffnungen, von revolutionären Basisbewegungen bis zur Wiederbelebung von Sozialdemokratie und Staatskapitalismus, aber auch Kontinent der enttäuschten Hoffnungen, der niedergeschlagenen Aufstände, der Militärdiktaturen.

Ein dorthin gereister Genosse erzählt von seinen Eindrücken: Was bleibt von der Argentinischen Krise? Warum brodelt Chiles Jugend? Wie stehts mit dem Bolivien von Evo Morales? Was meinen die lokalen Anarchos und Anarchas zu all dem und wie sind sie aktiv? Und schliesslich: Was könnte das mit uns zu tun haben? Ein anarchotouristischer Reisebericht mit direktimportiertem Anschauungsmaterial, dazu bitteren Maté.

Freitag 18. April, 20h BlackBox

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