Archiv der Kategorie 'Antisemitismus'

Kundgebung „Gegen die Hetze der AfD – für eine solidarische Gesellschaft!“ in Friedrichshafen

Am 17. August eröffnet die AfD in Friedrichshafen ihren Bundestagswahlkampf am Bodensee mit der Spitzenkandidatin Alice Weidel.

Das Konstanzer Aktionsbündnis gegen die AfD, das aus über 20 Organisationen und verschiedenen Einzelpersonen besteht, ruft zu einer Protestkundgebung am 17.8.2017, 18 Uhr vor dem Graf Zeppelin Haus, Olgastr. 20 auf, wo die Veranstaltung stattfindet.

Wir sind mit der nationalistischen, rassistischen, antisemitischen, sexistischen und unsozialen Politik der AfD nicht einverstanden!

Mit ihrer smarten, modernen Spitzenkandidatin Alice Weidel versucht die AfD zu verschleiern, dass sie – auch am Bodensee, in Oberschwaben und im Hegau – ein Sammelbecken national-konservativer Kräfte bis hin zu offenen Rassist*innen, Antisemit*innen und Neo-Nazis ist.

Aktuell sind vor allem die vermeintlich moderaten und sich weltoffen gebenden Funktionsträger*innen in den Medien, obwohl innerhalb der Partei weiterhin offen rechte und rassistische Positionen dominieren.

Ein Blick ins Wahlprogramm zeigt: Die AfD hetzt auch unter Alice Weidel weiterhin unverdrossen gegen Geflüchtete, Homosexuelle, Sozialhilfeempfänger*innen und setzt auf Ausgrenzung und Entsolidarisierung.

Die AfD versucht, die Gesellschaft zu spalten. Sie ist rassistisch, frauenfeindlich, homophob und autoritär. Sie steht für völkischen Nationalismus, neoliberale Wirtschafts- und Sozialpolitik, sie will einen reaktionären Wandel in der Kultur- und Bildungspolitik, leugnet den Klimawandel und will Atomkraft begünstigen. Antisemitische oder auch Holocaust-relativierende Äußerungen wie etwa durch den Rielasingener AfD-Landtagsabgeordneten Wolfgang Gedeon sind keine Einzelfälle.

Es bleibt festzuhalten: Etablierte und regierende Parteien haben der AfD u.a. mit rigiden Asylrechtsbeschränkungen Steilvorlagen geliefert. Aktuell ist es aber die AfD, die versucht, den gesamten politischen Diskurs nach rechts zu verschieben. In den letzten beiden Jahren hat die öffentliche Präsenz der AfD dazu geführt, Rassismus und Ausgrenzung zu normalisieren.

Bereits jetzt sind Forderungen nach Schüssen auf flüchtende Menschen und Kinder sagbar geworden. Bereits jetzt fühlen sich rechte Schläger*innen durch die AfD und die von ihr angezettelten Diskurse in ihrer Meinung bestätigt; Anschläge auf Geflüchtete und Muslime nehmen zu. Ein Wahlerfolg der AfD würde diese Effekte vervielfältigen und es liegt an uns, sie zu verhindern.

Sorgen wir gemeinsam dafür, dass die AfD an Boden verliert! In Friedrichshafen und anderswo bleibt unsere Antwort auf ihre Hetze:

Der AfD den Wahlkampf so schwer wie möglich machen! Grenzenlose Solidarität statt Ausgrenzung!
Für ein gutes Leben für alle!

ViSdP: Konstanzer Aktionsbündnis gegen die AfD, c/o VVN-BdA Kreisvereinigung, Postfach 102132, Konstanz

https://konstanzeraktionsbuendnis.wordpress.com

Zum Download des Flugblatts: Gegen die rassistische Hetze der AfD – für eine solidarische Gesellschaft (PDF, 644 kB)

!!! Bitte verbreitet den Aufruf so schnell es geht in Euren Sozialen Medien. Es ist nicht viel Zeit bis zum Donnerstag. Bildet Fahrgemeinschaften. Kommt alle !!!

Gegen den G20-Gipfel in Hamburg!

Infoveranstaltung zu den Protesten gegen den G20 Gipfel in Hamburg. Beginn ist um 15 Uhr in Raum D436 an der Universität Konstanz.

Am 07. und 8. Juli findet in Hamburg der G20-Gipfel statt. Hier treffen sich die Staats- und Regierungschefs der zwanzig mächtigsten Industrie- und Schwellenländern. Auf diesem Treffen werden Abkommen getroffen, welche die Politik der kommenden Jahre bestimmen werden.

Doch auch viele Menschen üben Kritik an diesem Gipfel und wollen mit Gegenprotesten und einer Vielfalt an Aktionsformen ein Zeichen dagegen setzen.

Wir freuen uns, am 24. Juni Referent*innen von LevelUP aus Tübingen, organisiert in …umsGanze!, sowie von der Gruppe Arbeitermacht, welche Teil des Internationalistischen Blocks ist, in Konstanz begrüßen zu können. Die jeweilige Analyse sowie die darauf fußende Praxis zum G20-Gipfel sollen gegenüber gestellt und diskutiert werden.

Quelle: https://www.facebook.com/events/1906609106284350/

Warum die Juden – moderner Antisemitismus

Veranstaltung mit Jutta Ditfurth am Donnerstag, 11. Mai, 19:30 Uhr, im Volkshaus, Stauffacherstrasse 60, Zürich

AntisemitInnen verstehen einander auf einem Abstraktionsgrad, der 2.000 Jahre gereift ist. Über „den Juden“ müssen AntisemitInnen nur noch raunen, sie müssen jüdische Menschen nicht einmal mehr erwähnen, die judenhassende Botschaft wird von ihren AnhängerInnen dennoch begriffen. Alle alten antijüdischen Stereotype haben sich erhalten – bei Nazis und RechtspopulistInnen ohnehin, bei sich als Demokraten verstehenden BürgerInnen, aber auch in bestimmten Fraktionen der Linken.

Heute sickern im Schatten der grossen rassistischen Welle alle Spielarten des Judenhasses in neue soziale Milieus. Sie schleppen alle alten Formen des Antisemitismus mit sich und die existieren heute alle gleichzeitig: vom christlichen Antijudaismus über den rassistischen und den strukturellen, den schuldabwehrenden bis zum neueren antizionistischen Antisemitismus. Auch die alten Hass-Bilder haben die Jahrhunderte überlebt, manchmal in neuem Gewand: Jüdinnen und Juden als Christusmörder, als fädenziehende Weltherrscher, als Brunnenvergifter und Kindsmörder, als wurzel- und heimatlose Intellektuelle und revolutionäre KosmopolitInnen.

- Warum die Juden? Christlicher Antijudaismus als Quelle.
- Luther war die Pest.
- Märchen & Mythos: Romantischer Antisemitismus.
- Kant, Marr und die anderen: Als die Juden zur „Rasse“ gemacht wurden.
- Mörderische Spielarten des modernen Antisemitismus.
- Die Wiederkehr des Völkischen.
- Molotowcocktails gegen eine Synagoge als „Israelkritik“: Antisemitismus in gebildeten Kreisen.
- Vom Niedergang des radikalen Humanismus: Antisemitismus in linken Strömungen.
- Alternativer Antisemitismus a la KenFM: „Israel strebt in Palästina die Endlösung an.“
- „BDS-Kampagne“: christliche Wurzeln, internationale linke Unterstützung. Erklärtes Ziel: die Vernichtung Israels.
- Perspektiven?

* Boycott, divestments, sanctions. Gemeint ist der umfassende Boykott Israels.

LINKE-Kandidat Simon Pschorr kritisiert Gedeon-Einladung

Medienmitteilung der Partei Die Linke zu einer bildungspolitischen Veranstaltung mit Wolfgang Gedeon am 27.3.2017 in Konstanz

Medienmitteilung vom 21. März 2017

Am 27.3. laden die beruflichen Schulen zu einer bildungspolitischen Veranstaltung rund um das Thema „Zukunft der beruflichen Bildung im Landkreis Konstanz“. Neben verschiedenen Interessensvertreterinnen und -vertretern des Handwerks und der Industrie werden hierzu auch einige Landespolitiker eingeladen, unter anderem der Landtagsabgeordnete Wolfang Gedeon. Wenn man das Profil der Veranstaltung betrachtet, fragt man sich, was diese Person zur Diskussion beitragen soll.

Der politische Schwerpunkt des fraktionslosen Abgeordneten liegt eindeutig im Bereich Fremdenfeindlichkeit. In der Vergangenheit hat sich Wolfgang Gedeon innerhalb und außerhalb des Landesparlaments durch antisemitische Hetzschriften und frauenfeindliche Meinungsbekundungen hervorgetan. Er tritt dafür ein, die Verbrechen des Nazi-Regimes im Schulunterricht zu marginalisieren und stattdessen ein revisionistisch glorifiziertes Bild der deutschen Nation im Lehrplan zu verankern. Ein solcher Beitrag kann für die Bildungslandschaft in Konstanz nur Schaden bringen. Wir brauchen stattdessen konstruktive Ideen zu einem egalitären und integrativen Unterricht für Schülerinnen und Schülern unterschiedlicher sozialer wie ethnischer Herkunft.

Ich halte es für grundlegend falsch verstandene Offenheit, diesem Mann und seinem antisemitischen Gedankengut auf einer so wichtigen Veranstaltung eine Bühne zu geben. Antisemitischen und fremdenfeindlichen Vorstellungen darf kein Raum gegeben werden.

Simon Pschorr, Bundestagskandidat für die DIE LINKE im Kreis Konstanz

Gailinger Juden und ihre Verbindung zu Konstanz

Vortrag von Joachim Klose (Jüdisches Museum Gailingen) bei der Gedenkveranstaltung zur Reichspogromnacht am 9. November 2016 um 19:30 Uhr im Konstanzer Kulturzentrum am Münster, Wolkensteinsaal

Kurz nach dem 30-jährigen Krieg – zu einer Zeit, in der die Städte um den Bodensee herum sich weigerten Juden innerhalb ihrer Mauern aufzunehmen – ließen sich Juden in Gailingen und in den weiteren Judendörfern im Hegau nieder. Mit dem Gesetz über die bürgerliche Gleichstellung von 1862 erlangten die Israeliten im Großherzogtum Baden auch die Freizügigkeit. In Städten wie Konstanz entstanden nach über 300 Jahren wieder jüdische Gemeinden u.a. durch Zuzug aus dem Hegau.

Auch anhand von Biografien ausgewählter jüdischer Familien skizziert Joachim Klose die engen Verbindungen zwischen den jüdischen Landgemeinden und der 1863 in Konstanz neugegründeten Israelitischen Gemeinde, deren 1883 erbaute Synagogen am 10. November 1938 zerstört wurde und die in den Folgejahren durch Vertreibung und Deportation komplett ausradiert wurde.

Eintritt: frei

Veranstalter: Initiative „Stolpersteine für Konstanz – Gegen Vergessen und Intoleranz“ in Kooperation mit Amnesty International – Gruppe Konstanz, Deutsch Israelische Gesellschaft Bodensee Region (DIG), Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit Konstanz e.V., Katholische Hochschulgemeinde Konstanz, Konstanzer Friedensinitiative, Kulturbüro der Stadt Konstanz, Synagogengemeinde Konstanz, vhs Konstanz-Singen e.V., Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge e.V. – Landesverband Baden-Württemberg, VVN-BdA Kreisvereinigung Konstanz.

Vortrag über Ludwig Finckh und Szenische Lesung „Sonnwend“ von Gerd Zahner

Kritischer Abend zu Ludwig Finckh mit zwei Vorträgen und einem Theaterstück im Hesse Museum Gaienhofen am Freitag, 18. November, 19 Uhr.

Gerhard Zahners Bühnenstück „Sonnwend“ über den Gaienhofener Arzt, Schriftsteller und NSDAP-Propagandisten Ludwig Finckh (1876 – 1964), das im Juni 2015 Premiere hatte, kommt im Hesse Museum Gaienhofen nochmals zur Aufführung. In einer szenischen Lesung, begleitet von Haro Eden (Klarinette) sucht der Schauspieler und Sprecher Josef Vossenkuhl als Ludwig Finckh wieder die Nähe zu Hermann Hesse, um nach 1945 von dessen Popularität für seine eigenen Schriften zu profitieren. Hesse lehnte den einstigen Freund aus Tübinger und Gaienhofener Jahren ab. Bereits 1920 plädierte Finckh in seinen Büchern für „Rassenhygiene“ und „Rassenreinheit“ und wurde Mit- und Vordenker nationalsozialistischer Gedanken.

Im Anschluss an die Lesung stellt Wolfgang Proske den 2016 von ihm herausgegebenen Band „NS-Belastete aus dem Bodenseeraum“ aus der Reihe „Täter Helfer Trittbrettfahrer“ vor. In dem Buch werden 20 Biografien einschlägig belasteter Personen erläutert.

Markus Wolter, einer der Autoren, spricht über seinen Beitrag: Dr. Ludwig Finckh: „Blutsbewusstsein“, der Höri-Schriftsteller und die SS.

Eintritt: 10 € (ermäßigt 8 €)

Quelle: Hesse Museum Gaienhofen

Antisemitismus und die AfD – eine Strafanzeige gegen Wolfgang Gedeon

Vortrag von Lasse Stodollick am Do., 27.10.2016 um 19 Uhr im Treffpunkt Petershausen, Georg-Elser-Platz 1, Konstanz

Wolfgang Gedeon vom Kreisverband der AfD Konstanz-Singen schreibt ein Buch über den „Grünen Kommunismus und die Diktatur der Minderheiten“, darin zu finden: frauenfeindliche und anti-migrationsrassistische Parolen, antisemitische Stereotype und Verschwörungstheorien. Einige schreien da „Meinungsfreiheit!“, um jeder Kritik zuvorzukommen. Doch Meinungsfreiheit schützt nicht jede Aussage. Unser Referent hat sich vor einem Jahr entschieden gegen Gedeon Strafanzeige wegen Volksverhetzung zu stellen. Wie das ausging und wo man dem Antisemitismus in der AfD begegnet wird Lasse Stodollick – promoviert in Geschichte an der Uni Konstanz – berichten.

Quelle: Input Konstanz

Stilles Gedenken für 112 deportierte Juden und Jüdinnen

Am 22. Oktober 1940 wurden über 6500 jüdische Bürger und Bürgerinnen aus Baden und der Saarpfalz – unter diesen auch 112 Konstanzer – in das südfranzösische Internierungslager Gurs deportiert. Zahlreiche Deportierte kamen in Gurs und anderen südfranzösischen Lagern ums Leben, Tausende wurden ab 1942 in die Vernichtungslager in den Osten deportiert und ermordet.

Aus diesem Anlass lädt die Initiative „Stolpersteine für Konstanz – gegen Vergessen und Intoleranz“ am 22. Oktober um 18.00 Uhr zum stillen Gedenken an die Stele für die deportierten Juden in der Bahnhofstraße. Wir werden für jedes der 112 Opfer, die alle namentlich auf der Stele genannt sind, eine Kerze anzünden und die Namen verlesen. Von Konstanzer Schülerinnen und Schülern werden dazu passende literarische Texte gelesen.

Quelle: http://stolpersteine-konstanz.de

Jüdisches Leiden und Leben in Konstanz

Vortrag von Prof. Dr. E. Roy Wiehn am 3.7.2016 um 19:30 Uhr, Astoriasaal, VHS Konstanz-Singen e.V. (Katzgasse 7), Konstanz

Beginnend mit dem mittelalterlichen jüdischen Leben in Konstanz (1241–1448) über das rege jüdische Landleben Mitte des 17. Jahrhunderts in Gailingen, Randegg, Wangen und Worblingen und den Beschluss des Konstanzer Gemeinderats aus dem Jahre 1847, nach rund 400 Jahren Juden wieder als Ortsbürger aufzunehmen, schlägt der Vortrag von Professor Wiehn den Bogen zur Gründung der Israelitischen Gemeinde Konstanz 1863 bzw. 1866.

Die neue Gemeinde wuchs stetig, und ihre Mitglieder trugen zur kulturellen, sozialen, wirtschaftlichen und politischen Entwicklung der Stadt bei. Gemeinde und Stadt feierten am 1883 die Einweihung der Synagoge in der Sigismundstraße 19. Jedoch spätestens ab 1933 wurde die Israelitische Gemeinde rasch dezimiert durch zahlreiche und sich ständig steigernde judenfeindliche Maßnahmen und die erzwungene Emigration.

Die erstmals 1936 geschändete Synagoge wurde am 10. November 1938 endgültig zerstört. Mit der barbarischen Deportation der letzten 112 Jüdinnen und Juden am 22. Oktober 1940 nach Gurs im südwestlichen Frankreich wurde die Israelitische Gemeinde vernichtet.

Doch schon kurz vor Ende des Zweiten Weltkriegs 1945 befanden sich erneut viele junge Juden – befreite KZ-Häftlinge – in Konstanz, und auch erste Gottesdienste gab es hier bereits wieder 1945. Der kleine Konstanzer Betsaal am Ort der früheren großen Synagoge Sigismundstraße 19 wurde von Familie Nissenbaum eingerichtet und im Sommer 1966 eingeweiht.

Im Jahr 2016 soll mit dem Bau einer neuen Synagoge begonnen werden.

Quelle: http://stolpersteine-konstanz.de/

Beate und Serge Klarsfeld kommen zum „Tag des jüdischen Buches 2016“ nach Zürich

Beate und Serge Klarsfeld sprechen am 13. März 2016 im Rahmen des „Tags des Jüdischen Buchs“ in Zürich, über ihre Autobiografie »Erinnerungen – Mémoires«. Sie erzählen im Gespräch in deutscher und französischer Sprache über ihr Leben und über ihre Mission.

Ort: Helferei, Kirchgasse 12, Zürich
Zeit: 20 Uhr
Veranstalter: Verein für jüdische Kultur und Wissenschaft.
Moderation: Geza Schneider (Leiterin des Literaturhauses Zürich)

Nazi! Nazi! Mit diesem Ruf stürmt Beate Klarsfeld am 7. November 1968 auf dem Bundes­parteitag der CDU den Vorstandstisch und ohrfeigt den Bundeskanzler Kurt Georg Kiesinger. Kiesinger war 1933 in die NSDAP eingetreten und hatte während des Zweiten Weltkriegs in der Rundfunkpolitischen Abteilung des Auswärtigen Amtes gearbeitet. Die Ohrfeige ist der Startschuss für die Lebensaufgabe von Beate Klarsfeld und ihrem Mann Serge: als passionierte Nazijäger verfolgen die Klarsfelds die Schreibtischtäter und die Schlächter des Holocaust – in Deutschland, wo sie straffrei leben, im Nahen Osten und in Südamerika, wohin viele geflohen sind. Sie entreißen ihre Opfer dem Vergessen, veröffentlichen ihre Bilder und Namen. Die Erinnerungen des Paares sind Zeugnis ihres lebenslangen Kampfes für die Rechte der Opfer und zugleich bewegendes Dokument einer großen Liebe.

Augrund des zu erwartenden hohen Andrangs ist die Abendveranstaltung mit Beate und Serge Klarsfeld kostenpflichtig. Eintritt: Fr. 20.-

Das übrige Programm ab 11 Uhr kostet keinen Eintritt.

Das Programm

11:00 Uhr
Lesung und Gespräch:
Felix Stössinger: „Interniert – In Schweizer Flüchtlingslagern“

Der österreichisch-jüdische Journalist Felix Stössinger rettete sich 1942 im letzten Moment vor dem Zugriff der Gestapo vom besetzten Frankreich aus über die Schweizer Grenze und war dann zwei Jahre lang in verschiedenen Flüchtlingslagern interniert. Sein präzis beobachtetes literarisches Tagebuch, das er in dieser Zeit führte, gibt nicht nur einen äusserst lebendigen und in vielen Punkten überraschenden Einblick in die Organisation und die Alltagsprobleme dieser Lager, sondern beschreibt auch – für uns Nachgeborene manchmal schmerzhaft – das nicht immer vorbildliche Verhalten der Schweizer Bewacher. So hiess den auch der Titel der ersten Publikation „Zwischen Tell und Gessler“. Dem Christoph Merian Verlag in Basel gebührt Dank dafür, diese lange nicht zugänglichen Texte in einer sehr schönen Ausgabe wieder neu publiziert zu haben. Der Mitherausgeber Peter-Jakob Kelting gibt Einblicke in die Entstehungsgeschichte und die Wiederentdeckung dieses Manuskripts. Die Ausschnitte aus Felix Stössingers Tagebuch liest Isabelle Menke vom Schauspielhaus Zürich.
Moderation: Charles Lewinsky

14:00 Uhr
Lesung Emanuel Bergmann:
„Der Trick“

1934, in Prag, bestaunt Rabbinerssohn Mosche Goldenhirsch im Zirkus die Zauberkunststücke des legendären ›Halbmondmanns‹ – es ist um ihn geschehen. Er rennt von zu Hause weg und schließt sich dem Zirkus an, der nach Deutschland weiterzieht. 2007, in Los Angeles, klettert der zehnjährige Max Cohn aus dem Fenster seines Zimmers, um den Großen Zabbatini zu finden, einen alten, abgehalfterten Zauberer. Der Junge ist überzeugt: Nur Magie kann seine Eltern, die vor der Scheidung stehen, wieder zusammenbringen. In Los Angeles treffen sie aufeinander: ein kleiner Junge, der an alles, und ein alter Mann, der an nichts mehr glaubt. Ein Zaubertrick hat sie zusammengebracht. Eine Geschichte, die Zeiten und Kontinente umspannt, ein Roman über die Zerbrechlichkeit des Lebens und den Willen, sich verzaubern zu lassen.

Emanuel Bergmann, geboren 1972 in Saarbrücken, ging nach dem Abitur nach Los Angeles, um dort Film und Journalismus zu studieren. Er war viele Jahre lang für verschiedene Filmstudios, Produktionsfirmen und Verlage in den USA und Deutschland tätig. Er übersetzt Bücher und schreibt Zeitungsartikel. Und jetzt auch Romane.
Moderation: Michael Guggenheimer

15:30 Uhr
Dr.Sylvia Asmus, Frankfurt/M.:

„Vom Suchen und Finden, Bewahren und Vermitteln – Das Deutsche Exilarchiv 1933-1945 der Deutschen Nationalbibliothek“

Habent sua fata libelli. Aber es haben nicht nur Bücher ihre Schicksale, auch die Umkehrung des alten lateinischen Sprichworts hat ihre Berechtigung: Schicksale haben ihre Bücher. Wohl nirgends wird das so deutlich wie in den Publikationen der Dichter und Denker, die von den nationalsozialistischen Herrenmenschen aus dem Land der Dichter und Denker vertrieben wurden. Sylvia Asmus ist die Leiterin des Deutschen Exilarchivs 1933-1945, einer Sondersammlung der Deutschen National­bibliothek, mit der Aufgabe, sowohl die Veröffent­lichungen als auch die Unterlagen des deutsch­sprachigen Exils während der Zeit der NS-Diktatur zu sammeln. Dazu gehören alle zwischen 1933 und 1950 von deutschsprachigen Emigranten im Ausland veröffentlichten Bücher und Broschüren aus den Bereichen Literatur, Politik, Wissenschaft und jüdische Emigration, außerdem die von ihnen herausgegebenen Zeit­schriften, zu den Unterlagen persönliche Nachlässe deutschsprachiger Emigranten aller Fachgebiete und Berufsgruppen, Archive von Exilorganisationen und Einzelautografen.
Moderation: Prof. Andreas Kilcher

17:00 Uhr
Lesung Sacha Batthyany:
„Und was hat das mit mir zu tun?“

Jahrzehnte nach der Schoah sind es nicht nur die Nachkommen der Opfer, die unter den schrecklichen Geschehnissen jener Jahre leiden – auch die „Erben“ der Täter tun sich schwer, die Taten ihrer Vorfahren für sich zu verarbeiten. Wenige Wochen vor Kriegsende gab Gräfin Thyssen-Batthyány im österreichischen Rechnitz ein rauschendes Fest. Gegen Mitternacht verliessen die Gäste das Schloss und erschossen 180 Juden, die am Bahnhof auf den Weitertransport warteten. Wie genau es zu diesem Massaker kam. ist bis heute unklar.

Sacha Batthyany, Washington-Korrespondent des TagesAnzeigers ist der Grossneffe jener Gräfin. Die Frage des Schriftstellers: „Und was hat das mit dir zu tun?“ war für ihn der Anlass zu einer Spurensuche, die ihn ins alte Ungarn führte, ins Österreich der Nachkriegszeit, in die Schweiz der Gegenwart, in die Lager des Gulag nach Sibirien, auf die Couch eines Psycho­analytikers und bis ins Wohnzimmer einer Auschwitz-Überlebenden in Buenos Aires. Er entdeckte dabei ein Geheimnis, das seinen Blick auf seine Familie und sich selbst veränderte.

Moderation: Michael Guggenheimer

20.00 Uhr
Beate und Serge Klarsfeld
“Erinnerungen – Mémoires”

Das Ende der Jüdischen Gemeinde Konstanz im Zuge der NS-Verfolgungen

Vortrag von Petra Quintini und Hans Seiffert über die Schicksale einzelner jüdischer Familien aus Konstanz: Auswanderung, Flucht aus dem Lager, Überleben im besetzten Ausland, Ermordung in Vernichtungslagern. Zeit: 27.01.2016, 19:30 Uhr im Kulturzentrum am Münster, Wolkensteinsaal

Die Referenten schildern anhand von konkreten Einzelschicksalen jüdischer Familien wie sich die „Kehilla Kedoscha Konstanz“, die jüdische Gemeinde Konstanz, in den Jahren 1933-1942 nach und nach – bis zur vollständigen Liquidation – aufgelöst hat. Nur wenigen gelang es, den Verfolgern der NS-Polizei­organe zu entkommen und durch rechtzeitige Auswanderung ins sichere Ausland oder durch Unterschlupf im deutsch-besetzten Frankreich zu überleben. Auf die meisten im Oktober 1940 in das südfranzösische Lager Gurs abgeschobenen Konstan­zer Juden wartete der Gastod in Auschwitz, andere zunächst noch in Konstanz gebliebene jüdische Bürger wurden im April 1942 direkt in den weiter östlich gelegenen Vernichtungslagern Polens ermordet.

Im Zuge ihrer Erinnerungsarbeit ist die „Initiative Stolpersteine für Konstanz – Gegen Vergessen und Intoleranz“ den Lebenswegen einzelner jüdischer Familien aus Konstanz nachgegangen und hat die unter­schiedl­ichen Verläufe der Wege und die unter­schiedlichen Schicksale der Menschen aufgezeichnet.

Nicht nur darüber wird in dem Vortrag berichtet, sondern auch darüber, wie über die Recherchearbeit Kontakte zu im Ausland lebenden Nachkommen der Opfer geknüpft werden konnten und sogar dauernde Freundschaften entstanden sind. Erfreulich ist, dass die gemeinsame Handreichung der „Initiative Stolper­steine“ und der Konstanzer Stadtverwaltung von den Nachkommen der jüdischen Opfer durchaus als ein Akt der Versöhnung akzeptiert wird.

Veranstalter: Initiative „Stolpersteine für Konstanz – Gegen Vergessen und Intoleranz“

Dokumentarfilm „Watchers of the Sky“ (OF, USA 2014)

Filmvorführung 19. Januar 2016 um 18 Uhr im Kulturzentrum am Münster (Wolkensteinsaal) mit einer Einführung von Prof. Dr. Boris Barth (Universität Konstanz)

Der polnisch-jüdische Jurist und Friedensaktivist Raphael Lemkin ist heutzutage nur wenigen Menschen noch ein Begriff. Doch es war Lemkin, der den Begriff des Genozid einst prägte. Der Dokumentarfilm der amerikanischen Regisseurin Edet Belzberg soll einerseits an Lemkin erinnern, andererseits thematisiert er aktuelle Völkermorde. Im Anschluss an die Vorführung besteht die Gelegenheit zur Diskussion.

Eine Veranstaltung der Initiative „Stolpersteine für Konstanz“ sowie des Kolloquiums Neuere Geschichte und Zeitgeschichte, des Konstanzer Orient-Forums KOFO und der Forschungsstelle Aramäische Studien an der Universität Konstanz.

Eintritt frei.

Filmtipp: Je suis Charlie

Am heutigen Montag Abend läuft das letzte Mal „Je suis Charlie“ im zebra-Kino. Es ist die französische Originalversion mit deutschen Untertiteln. Beginn ist um 19:30 Uhr.

Quelle: http://zebra-kino.de/2015/je-suis-charlie/

Lothar Galow-Bergemann: Unverstandener Nationalismus – Unverstandener Antisemitismus

Vortrag darüber, warum in Deutschland auch nach 70 Jahren noch viel zu lernen ist, am Montag, den 30.11.2015 um 19:30 Uhr in der vhs Konstanz

Der Referent wirft einen Blick auf Nationalsozialismus und Antisemitismus jenseits des herrschenden Mainstreams und zieht unbequeme Schlüsse, die zur Diskussion einladen.

Wie wenig der Nationalsozialismus entgegen allen Beteuerungen aufgearbeitet ist, zeigt sich nirgends deutlicher als im völligen Unverständnis des Antisemitismus, von dem man eigentlich nur weiß, dass er irgendwie schlecht ist. Hätte man ihn hingegen begriffen, müsste ein oberflächlicher und personalisierender Antikapitalismus, der von „den Gierigen, die uns alle aussaugen“ phantasiert, auf entschiedenen Widerstand stoßen. Doch ganz im Gegenteil, seit Beginn der Krise 2008 grassiert er. Und in obszöner Selbstgerechtigkeit meint man in Deutschland, ausgerechnet aus der Shoah mehr gelernt zu haben als die Juden. Deswegen sind zwar zwei Drittel der Deutschen davon überzeugt, vom jüdischen Staat gehe die größte Gefahr für den Weltfrieden aus, aber Antisemit will sich keiner von ihnen nennen lassen. Doch hinter dem verbreiteten „Man wird doch nochmal sagen dürfen“ verbirgt sich alter Antisemitismus in pflegeleichter Aufmachung: Niemand hat was gegen Juden, bewahre! Wir wollen doch alle nur Israel kritisieren.

Lothar Galow-Bergemann schreibt u. a. in konkret, Jungle World u. www.emafrie.de; er ist Vorstandmitglied der Deutsch-Israelischen Gesellschaft AG Stuttgart und Mittlerer Neckar

Organisiert von Deutsch-Israelische Gesellschaft Bodensee-Region + Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit Konstanz e.V., + Jüdische Gemeinde Konstanz e.V. + vhs

Kulturwille ist Lebenswille – Das Vermächtnis der Komponisten im KZ Theresienstadt

Vortrag von Ruth Frenk über Musik im KZ Theresienstadt am Donnerstag, den 19.11.2015 um 19:30 Uhr in der vhs Konstanz

Der Name Theresienstadt wurde zum Synonym für die größte Propagandalüge der Nationalsozialisten. In der Zwangsgemeinschaft dieses Konzentrationslagers war fast die gesamte jüdische Kulturelite versammelt. Zunächst war jede kulturelle Betätigung illegal und von Strafen bedroht. Als das Lager zum „jüdischen Siedlungsgebiet“ deklariert wurde, erhielten die Theresienstädter Künstler das zynische Privileg, bis zu ihrer Ermordung nicht nur zur Unterhaltung ihrer Leidensgenossen beitragen zu dürfen, sondern auch als Statisten in einem groß angelegten Täuschungsmanöver mitwirken zu müssen. Der Vortrag beschäftigt sich mit den Komponisten Viktor Ullmann, Hans Krasa, Pavel Haas, u. a. sowie mit den Kabaretttexten von u. a. Leo Strauss und Karel Svenk.

Die Sängerin und Gesangs Pädagogin Ruth Frenk wohnt seit 1974 in Konstanz. Sie ist Vorsitzende der Deutsch-Israelische Gesellschaft Bodensee -Region, im Vorstand der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit Konstanz e.V. und Vorstands Mitglied der Jüdischen Gemeinde Konstanz. Seit 1985 beschäftigt sie sich intensiv mit den Komponisten von Theresienstadt.

http://www.vhs-konstanz-singen.de/