Archiv der Kategorie 'Antifaschismus'

Strafanzeige gegen ehemaligen NPD-Kandidaten aus Singen

Siegfried Pauly, Boxtrainer und NPD-Kader aus Singen, griff am 27.1.2017, zusammen mit zwei weiteren Neonazis eine Gruppe junger Antifaschisten und Punks auf offener Straße an. Nach einem Kopfstoß durch den Neonazi Alex R. gab Siegfried Pauly dem zu dem Zeitpunkt bereits schwer verletzten jungen Mann noch zusätzlich einen Faustschlag aufs Auge.

Die drei Neonazis suchten schnell das Weite. Die gerufene Polizei nahm die daraufhin erfolgten Anzeigen und Zeugenaussagen auf und dokumentierte die Verletzungen mit Fotos. Es wird nun wegen gefährlicher Körperverletzung ermittelt. Eine Strafanzeige ist erfolgt.

Im Singener Krankenhaus konnten die schweren Verletzungen des 18-jährigen Antifaschisten nicht versorgt werden, weswegen eine umgehende Überweisung in ein Konstanzer Krankenhaus erforderlich war. Der junge Mann konnte glücklicherweise noch am gleichen Abend das Krankenhaus wieder verlassen.

Siegfried Pauly ist langjähriger Aktivist der Freien Kameradschaft Höri/Bodensee und trat im Jahr 2016 als NPD-Landtagskandidat in den Wahlkreisen Konstanz und Singen an. Er nimmt regelmäßig an Nazi-Aufmärschen der Region teil (u.a.in Singen und Radolfzell) oder lässt sich auf den Pegida-ähnlichen „Merkel-muss-weg-Demos“ blicken. Ganz der „besorgte Bürger“ eben.

Pauly zeichnet verantwortlich für den eingetragenen Verein „Boxsport Hegau“ in Singen. Es ist durchaus die Frage, ob alle Jugendlichen und/oder deren Eltern wissen, was ihr Boxtrainer so treibt, wenn er nachts auf den Straßen Singens unterwegs ist und „Jugendarbeit“ der etwas anderen Art macht. Dem Boxtrainer sollte seine Lizenz umgehend entzogen werden.

Quelle: https://linksunten.indymedia.org/de/node/202954

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Treffer in Datenbank „SS-Mannschaft KL Auschwitz“

Das polnische Institut für Nationales Gedenken und Prof. Aleksander Lasik von der Kasimir-der Große-Universität in Bydgoszcz haben eine Datenbank online gestellt, die 9686 Angehörige der Wachmannschaften des KZ Auschwitz verzeichnet. Ein Datensatz bezieht sich auf Emil Bruttel aus Moos.


Eintrag zu Emil Bruttel, Moos, in der Datenbank über Wachmannschaften des KZ Auschwitz

Was finden wir über Emil Bruttel?

Zusätzlich zu seinem Geburtsdatum, seinem Geburtsort, seinen Schulabschlüsse und seinem Beruf („Kaufmann/Buchhalter/Bankangestellte“) erfahren wir, dass er am 30.03.1933 in die NSDAP eingetreten ist (Partei-Mitgliedsnr.: 3461599). Bereits ein halbes Jahr später wurde er Mitglied der Allgemeinen SS (SS-Nr.: 251986) und diente dort in der 79. SS-Standarte. Für sechs Monate war er laut dem Datenbankeintrag auch ein Mitglied der SA. Bei der Waffen-SS, der er ebenfalls 1938 beitrat, bekleidete er im letzten Kriegsjahr den Rang eines SS-Oberscharführers.

Die polnische Datenbank basiert auf jahrzehntelangen Recherchen von Prof. Lasik, die erst mit schriftlichen Aufzeichnungen begonnen wurden und ab dem Jahr 1988 digital geführt wurden. Im Mai 2015 fiel die Entscheidung über die Bereitstellung der Datenbank auf den Webseiten des Instituts für Nationales Gedenken. Von etwa 10% der SS-Angehörigen des KZ Auschwitz existieren Fotos. Die Aufzeichnungen beziehen sich auch auf Wachmannschaften anderer Konzentrationslagern und umfassen insgesamt etwa 25.000 Personen. Diese Daten sollen nach und nach ebenfalls veröffentlicht werden.

Quelle: http://pamiec.pl/pa/form/r13270174,BRUTTEL.html

Farbattacke auf Kriegerdenkmal in Radolfzell

Letztes Wochenende, in der Nacht vom 21. auf den 22.1.2017 wurde das Kriegerdenkmal am Radolfzeller Luisenplatz beinahe völlig mit bunter Farbe und dem Schriftzug „Lieber bunt als Nazischund“ bedeckt. An der Wandtafel wurde der Schriftzug „KÖPPEN HEINRICH“ farblich hervorgehoben.


Kriegerdenkmal am Luisenplatz, vor der Farbattacke. Im Hintergrund Bronzetafeln mit Namen von 100 SS-Angehörigen

SS-Obersturmbannführer Heinrich Koeppen war Kommandant der III. SS-Germania, die unter den Nazis in der Radolfzeller SS-Kaserne stationiert war. Er starb 1939 in den ersten Kriegstagen beim Überfall auf Polen. Koeppen war somit – anders als der Schriftzug, der seit 2011 über den Namenstafeln am Luisenplatz prangt, Glauben macht – kein Opfer, sondern Täter im Angriffskrieg von Deutschland auf seine Nachbarländer.

Heinrich Koeppen war es auch, der 1938 am Luisenplatz, der damals noch Horst-Wessel-Platz hieß, die Weiherede hielt und das Kriegerdenkmal, das damals noch Ehrenmal hieß, der Stadt übergab. Die Nazis wussten, wie man so eine Einweihungsfeier macht. Es gab einen „gewaltigen Aufmarsch der Formationen“, mit Musikzug und Militärparade, darunter der NS-Reichskriegerbund, die NS-Kriegsopferversorgung, eine Ehrenkompanie der SS-Germania, auch mit Musikzug, die Gliederungen und Formationen der NSDAP. „Zum Lied vom guten Kameraden präsentierten die Truppen das Gewehr“. Am Ende gab es ein fröhliches „Sieg Heil“ und noch ein paar „Lieder der Nation“. (Vgl.: Bericht über die Ehrenmal-Weihe in der „Badischen Kriegerzeitung“ des NS-Reichskriegerbundes, Nr. 23, 12. Juni 1938)

In der NS-Zeit wurden jährliche Heldengedenkfeiern durchgeführt. Nach dem Krieg traf sich hier regelmäßig der SS-Traditionsverband HIAG. Bis 1958 gedachte die Stadt Radolfzell noch offiziell ihren „im Weltkrieg 1914 – 1918 gefallenen Helden“. Noch heute wird jedes Jahr zum Volkstrauertag völlig unreflektiert das Lied vom guten Kameraden gespielt. Und kaum einer stört sich an den Namen von 100 Angehörigen der III./SS-VT „Germania“ auf den Bronzetafeln.

Inzwischen haben Neonazis das Kriegerdenkmal für sich entdeckt und werfen jährlich zum 8. Mai ihre Kränze dort ab. Die zahlreichen Versuche der jüngsten Zeit, den Luisenplatz umzuarbeiten, können getrost als gescheitert betrachtet werden, so lange das martialische Kriegerdenkmal selbst nicht geschliffen wird.

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Buchpräsentation und Podiumsdiskussion: „Von NS-Tätern, Helfern und rechtspopulistischen Gefahren in der Gegenwart“

Anlässlich des Holocaust – Gedenktages 2017 gibt es verschiedene Referate, ein Podiumsgespräch und Diskussion am Freitag, 27. Januar 2017 um 19 Uhr im Salomon-Sulzer-Saal, Schweizer Str. 21, Hohenems

Im Januar 2016 hat Dr. Wolfgang Proske den 5. Band aus der Reihe „Täter-Helfer Trittbrettfahrer“ mit dem Untertitel „NS-Belastete aus dem Bodenseeraum“ herausgegeben.

In diesem Band werden auch mehrere NS-Täter aus Vorarlberg behandelt, z.B. der Schwarzacher Gendarm Alfred Lusser (1911-1992), der 1969 für seine Verbrechen in Osteuropa verurteilt wurde, oder Josef Vallaster (auf dem Bild), der Massenmörder aus dem Silbertal, dessen Namen unkommentiert auf dem „Kriegerdenkmal“ aufschien und dessen Taten im Rahmen einer Geschichtswerkstatt jüngst „aufgearbeitet“ wurden.

Der Herausgeber stellt zunächst sein Buch vor. Anschließend wird er auf dem Podium mit NR Karl Öllinger, einem der besten Kenner des Rechtsextremismus in Österreich, diskutieren. Öllinger ist Mitherausgeber des „Rechtsextremismusberichts 2016″ der Grünen und bei „Stoppt die Rechten!“ engagiert.

Das Datum der Veranstaltung ist nicht zufällig gewählt: Am 27. Jänner 1945 wurde das KZ Auschwitz befreit. Im Jahr 2005 wurde dieser Tag von den Vereinten Nationen als „Internationaler Tag des Gedenkens an die Opfer des Holocaust“ ausgerufen. Dieser Tag ist deshalb in vielen Ländern ein wichtiger Erinnerungstag, der auch in unserem Land verstärkt im Bewusstsein verankert werden sollte.

Anmeldung bitte bis 23. Jänner 2017 an bildung.vorarlberg@oegb.at (kein TeilnehmerInnenbeitrag)

Eine Einladung des Verbandes Österreichischer Gewerkschaftlicher Bildung in Kooperation mit dem Renner-Institut Vorarlberg, der Grünen Bildungswerkstatt Vorarlberg, acus Vorarlberg, der Johann-August-Malin-Gesellschaft, erinnern.at und dem Katholischen Bildungswerk Vorarlberg

Quelle: https://vorarlberg.gruene.at/

Linke Leute von Rechts?

Vortrag von Benedikt Sepp zur Kritik von „Nationalrevolutionären“ und Querfrontlern am Montag, 16. Januar um 19 Uhr im Contrast, Joseph-Belli-Weg 11, Konstanz

In den späten 1960er Jahren entstand in der Bundesrepublik parallel zur linken Studentenbewegung eine Strömung junger radikaler Rechter. Die „Nationalrevolutionäre“ wollten „von der Linken lernen“. In ihrem Eifer, eine wissenschaftlich unterfütterte und zeitgemäße, aber „rechte“ Revolutionstheorie zu entwickeln, waren sie auf vielen Ebenen für Außenstehende nur schwer von ihren linken Rival*innen zu unterscheiden. Angesichts ihrer Kombination aus linkem Auftreten, rechtem Gedankengut und der Berufung auf linke Autor*innen, wird Benedikt Sepp in einem Impuls die Gemeinsamkeiten und Unterschiede rechter und linker Theoriebildung vortragen und zur Diskussion stellen. Angesichts einer sich verbreitenden Querfront und einer Re-Popularisierung von Ethnopluralismus, wird in Vortrag und Diskussion ebenso nach der Aktualität dieser Debatten gefragt.

Der Vortrag wird organisiert von Input Konstanz und Infokneipe

Quelle: https://www.facebook.com/events/1219485864812465/

Politischer Widerstand in Konstanz während des Nationalsozialismus

Vortrag von Dr. Uwe Brügmann am 27. Januar 2017 um 19:30 Uhr im Astoria-Saal der vhs Konstanz. Eine Veranstaltung zum Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus.

Es waren vor allem Kommunisten und Sozialdemokraten, die in vielfältiger Form Widerstand leisteten; Widerstand aus der bürgerlichen Mitte (Zentrumspartei) ist in Konstanz bislang nicht belegt. Zum Widerstand gehörte der Schmuggel von politischen Broschüren aus der Schweiz nach Deutschland, Sabotage in Betrieben, Fluchthilfe in die Schweiz, kommunistische Propaganda, Abhören von ausländischen Sendern und, weit verbreitet, Schimpfen über die politischen Verhältnisse und nationalsozialistische Funktionsträger. Auch die religiös motivierte Weigerung der Zeugen Jehovas, sich den nationalsozialistischen Machthabern unterzuordnen, war politischer Widerstand, denn wer den Hitlergruß und den Wehrdienst verweigerte, opponierte offen und für jedermann sichtbar gegen das NS-Regime. Das totalitäre NS-Regime ging gegen die Konstanzer Frauen und Männer, die den Mut zum Widerstand hatten, mit äußerster Härte vor; einige von ihnen wurden durch Sondergerichte zum Tod verurteilt, viele andere wurden zu langjährigen Haftstrafen in Gefängnissen oder Konzentrationslagern verurteilt.

Der Vortrag beleuchtet die verschiedenen Formen des politischen Widerstands in Konstanz, untersucht die Motive der Akteure und die Rolle der verbotenen SPD und KPD, vor allem aber soll an die Einzelschicksale jener Menschen erinnern werden, die in der dunklen Zeit des Nationalsozialismus den Mut hatten, Widerstand gegen ein unmenschliches System leisteten.

Veranstalter: Initiative „Stolpersteine für Konstanz – Gegen Vergessen und Intoleranz“, Kulturbüro der Stadt Konstanz, vhs Konstanz-Singen e.V.

Neonazi Kay H. an der Universität Konstanz geoutet

Gestern früh, am 12.12.2016 wird Kay H., seines Zeichens Neonazi und Student an der Universität Konstanz, nicht wenig gestaunt haben, als er das Universitätsgelände und die Vorlesungssäle betrat. Der halbe Campus war zugekleistert mit Abbildungen seines Konterfeis und seinem Outing als Neonazi. So weit wir das überprüfen können, entsprechen die so verbreiteten Anschuldigungen den Tatsachen.

Im folgenden der Text des Flugblattes (Anonymisierungen von LinksRhein):

Kay H. ist ein militanter Neonazi aus der Region Konstanz. Er studiert Kulturwissenschaft der Antike an der Uni Konstanz und wird oft in der Waldsiedlung Reichenau gesehen.

Zumindest an der Uni ist er kaum als Faschist erkennbar. Dort verhält er sich unauffällig und trägt keine einschlägige Kleidung. Tatsächlich ist der NPD-Kader Kay H. in der Neonazi-Szene jedoch fest verwurzelt und gut vernetzt.

Er ist oft mit Tim Belz aus Markdorf unterwegs, NPD-Kandidat bei Bundes- und Landtagswahlen. Beide waren Mitglied beim mittlerweile aufgelösten „Freikorps Villingen-Bodensee“ und lieferten sich Anfang des Jahres eine Schlägerei mit migrantischen Jugendlichen am Singener Hauptbahnhof.

Kay H. nahm unter anderem regelmäßig an den Pegida- und Nazi-Aufmärschen sowie -aktionen in Villingen-Schwenningen, Donaueschingen, Stuttgart und Basel teil. Er war Teilnehmer an der NPD-Demonstration am 28.02.15 sowie an der „Merkel muss weg“-Kundgebung am 07.05.16, jeweils in Singen. Zuletzt hat den „Nachmittagsspaziergang gegen die Asylpolitik“ in Tuttlingen am 12.06.16 mitorganisiert, wo er auch eine Rede hielt.

Der lokale Pegida-Ableger aus Villingen wurde selbst der offiziellen Führungsspitze zu offen faschistisch, weshalb er sich mittlerweile „Nein zum Heim“ nennt. Im Orgakreis dieser Gruppe wie in Kay H. Freundeskreis ist auch Ralph K. aus St. Georgen, der Anfang des Jahres als Administrator des Neonazi-Hetzportals „Altermedia“ wegen Bildung einer kriminellen Vereinigung in Untersuchungshaft genommen wurde.

Bei der Pegida-Kundgebung am 14.06.15 in Villingen waren Kay H. und Tim Belz an einer Nazi-Provokation gegenüber antifaschistischen Gegen­demon­strant*innen beteiligt – Seite an Seite mit dem Rechtsterroristen Karl-Heinz Statzberger, der wegen eines geplanten Sprengstoffattentats auf den Neubau der Synagoge München verurteilt wurde.

Wir fordern die Universität Konstanz und alle Studierenden dazu auf, sich zu diesen Fakten zu verhalten. Die Uni Konstanz ist kein Ort für Faschisten. Zeigt Eure Ablehnung dieses faschistischen Gedankenguts auch im persönlichen Umgang: Widersprecht faschistischen, rassistischen oder sexistischen Äußerungen in jedem einzelnen Fall!

Kein Fußbreit für Faschisten, weder an der Uni KN noch anderswo!

Faschismus ist keine Meinung, sondern ein Verbrechen!

Quelle: https://linksunten.indymedia.org/de/node/199043

Proletarische Protestmännlichkeit und transatlantische Fachisierungsprozesse

Vortrag von Andreas Kemper am Donnerstag, den 8.12.2016 um 19 Uhr im Raum A 701 der Universität Konstanz

Seit der letzten Wirtschaftskrise erleben wir in Europa und den USA Wahlerfolge für autoritäre Parteien mit rassistischen, sexistischen und klassistischen Positionen. Inzwischen wurden in Staaten wie Polen, Ungarn und die USA Regierungen mit diesen extremen Ungleichheitspositionen gewählt. Ein gemeinsames Merkmal der Wähler*innen dieser Parteien ist Männlichkeit, ein anderes Merkmal deren geringe Bildungszertifikate. Mit dem Begriff der „proletarischen Protestmännlichkeit“ versucht Andreas Kemper dieses Phänomen zu beschreiben und zu erklären!

Das ist der dritte und letzte Vortrag im Rahmen der Aktionswoche Gesellschaft.Macht.Geschlecht zu der das Gleichstellungsreferat der Universität Konstanz einlädt.

Spießrutenlaufen für Neonazis in Radolfzell

Am heutigen Samstag hatte die faschistische Kleinstpartei „Der III. Weg“ von 16 bis 18 Uhr einen Infostand in der Radolfzeller Fußgängerzone. Unter den acht teilnehmenden Nazis befanden sich der verurteilte Rechtsterrorist Karl-Heinz Statzberger und die mit ihm befreundete Radolfzeller Aktivistin Nadine H. Am Fahrzeugkennzeichen war zu erkennen, dass für diese erst kurzfristig bekannt gewordene Aktion Unterstützung aus der Gegend um Villingen-Schwenningen gekommen war. Etwa 100 GegendemonstrantInnen sorgten dafür, dass das Ganze für den Dritten Weg in einem Spießrutenlauf endete.

Der III. Weg konnte seinen Infostand nicht ohne weiteres errichten, weil sich just an dem angemeldeten Ort in der Markthallenstraße etwa 100 Personen zu einer spontanen Versammlung aufgestellt hatten. Viele Linke, AntifaschistInnen, SozialdemokratInnen, Grüne und GewerkschafterInnen, nicht nur aus Radolfzell, wollten so den Nazis entgegen treten. Die Nachricht über den alles andere als erwünschten Infostand muss sich seit dem gestrigen Erscheinen einer Notiz in der Presse wie ein Lauffeuer verbreitet haben.

Mit Hilfe von Dutzenden von Polizisten gelang es dem Dritten Weg schließlich, etwa um eine halbe Stunde verspätet, ihren Pavillon mit Klapptischen und Fahnen aufzubauen, allerdings ständig eng umzingelt von gegnerischen Transparenten und gestört von lauten Parolen, die ihnen versicherten, dass es kein Recht auf Nazipropaganda gebe. Viel war von den Nazis ab dem Zeitpunkt nicht mehr zu sehen. An der Konstellation – Pavillon mit einer Hand voll Nazis – Polizeikette – Transparente – eine große gegnerische Menschenmenge – änderte sich bis zum Abbau um 18 Uhr nicht mehr viel. Ab und zu gingen ein paar junge Punks vor zum Infotisch und deckten sich mit Stapeln von Dritte-Weg Flyern ein, um diese sogleich im nur wenige Meter entfernten Mülleimer zu entsorgen. Irgendwann schienen die Nazis nicht mehr bereit zu sein, ihre Flyer unters „Volk“ zu bringen. Da ihnen auch das Ansprechen von PassantInnen durch Auflagen untersagt war, blieb ihre Aktion reichlich unkommunikativ und ohne Außenwirkung. Ihr Abbau gestaltete sich wiederum als schwierig für die Nazis. Es gab Gerangel und laute Parolen wie „Nazis verpisst Euch, keiner vermisst Euch!

Nachdem das Villinger Fahrzeug abgefahren war, mussten die restlichen vier Nazis in einer Art Spießrutenlauf, umgeben von Antifas und Polizei den Weg nach Hause oder zu ihren Fahrzeugen finden, was durchaus ein Problem war. Irgendwann hatte die Polizei die Faxen dicke und keine Lust mehr, mit den Nazis ziellos durch Radolfzell zu latschen. Sie drängten die Demonstranten zurück, bis die Nazis außer Sichtweite waren, woraufhin sich alles – scheinbar – auflöste.

Die zum Bahnhof zurücklaufenden Antifas nahmen sich jedoch nochmals die Straße und riefen „Alerta, alerta antifascista!“. Bei einem schnellen Abstecher in die Radolfzeller Wiesengasse wurden zudem Anwohner auf Neonazis in ihrer unmittelbaren Nachbarschaft aufmerksam gemacht.

Film: „Das zweite Trauma – das ungesühnte Massaker von Sant’Anna di Stazzema“

Der Dokumentarfilm von Jürgen Weber läuft am 21.11.2016 um 20 Uhr im Scala Kinocenter, Konstanz

Im nordtoskanischen Bergdorf Sant’Anna di Stazzema wurden im Sommer 1944 rund 560 Zivilisten, überwiegend Frauen und Kinder, von Einheiten der Waffen-SS teils unvorstellbar grausam umgebracht. 2015 wurde das Verfahren gegen den letzten noch lebenden Kriegsverbrecher dieses Massakers in Deutschland eingestellt.

In seinem Autorenfilm „Das zweite Trauma – das ungesühnte Massaker von Sant’Anna di Stazzema“ zeichnet Jürgen Weber historische und juristische Sachverhalte nach. Der Film lässt aber auch den Erinnerungen und Emotionen der Überlebenden Raum. Allesamt damals als Kinder buchstäblich den Leichenbergen entstiegen und verwaist. Auf das erste Trauma folgte das der in Italien verspäteten, in Deutschland verhinderten juristischen Aufarbeitung. Die Opfer wollen keine alten Männer im Gefängnis sehen. Nicht Rache wollten sie, sondern die Anerkennung des Unrechts und der Schuld der Täter – auch und gerade von offizieller deutscher Seite.

„Das zweite Trauma“ – das sind über Jahrzehnte versteckte Ermittlungsakten in Italien. Ein von deutschen Behörden verschlepptes Ermittlungsverfahren. Eine Einstellungsbegründung der Staatsanwaltschaft Stuttgart, welche die Grausamkeit und die niedrigen Beweggründe der Täter als Mordmerkmal nicht erkennen wollte. Ein ganz besonderes Werk. Eines der letzten Zeugnisse von NS-Verbrechen – das Zeugnis der Kinder des Massakers von Sant´Anna. Eine schonungslose Aufklärung über ein lang verdrängtes Kapitel deutsch-italienischer Realität.

Der Regisseur ist anwesend und es wird im Anschluss eine Möglichkeit zur Diskussion angeboten.

Quelle: http://stolpersteine-konstanz.de

Filmvorführung „Viktors Kopf“ im Scala

Dokumentarfilm von Carmen Eckhardt am 10. November 2016, 20 Uhr im Scala-Kinocenter Konstanz

Urgroßvater Viktor sei verschollen, so lautete die Familiensaga jahrzehntelang. Niemand hatte eine Ahnung, was eigentlich mit ihm passiert war. Intensives Nachfragen vor ein paar Jahren brachte die schreckliche Wahrheit ans Licht. Gegen das Familientabu und eigene Ängste nimmt Regisseurin Carmen Eckhardt den Kampf auf, die Hintergründe seines Schicksals aufzudecken: Georg Viktor Kunz wurde von den Nazis enthauptet, weil er im Widerstand gegen das Hitlerregime eine tatkräftige Rolle spielte.

Die Recherchen der Urenkelin entwickeln sich zu einer teils erschütternden, teils abstrusen Odyssee durch deutsche Amtsstuben und Gerichte, in Archive und Museen, in ein Anatomisches Institut und zu einem Gräberfeld. Anhand von Fotos, Dokumenten und Briefen werden Spuren von Viktors vergessener Geschichte aufgedeckt.

„Viktors Kopf“ erzählt schonungslos, persönlich und emotional eine Zeitreise zwischen NS- Vergangenheit und Gegenwart, Verdrängung und Wahrheit, in der die Grenzen sich in manchen Momenten zu verwischen scheinen und der Mut der Widerstandskämpfer heute noch für Verwirrung und Abwehr sorgt. Es geht um den lebensbedrohlichen Mut von damals und den Mut, den es heute braucht, ein Tabu zu brechen und die Verbindung zur eigenen Geschichte zu suchen.

Die Regisseurin ist anwesend und es wird im Anschluss eine Möglichkeit zur Diskussion angeboten.

Gailinger Juden und ihre Verbindung zu Konstanz

Vortrag von Joachim Klose (Jüdisches Museum Gailingen) bei der Gedenkveranstaltung zur Reichspogromnacht am 9. November 2016 um 19:30 Uhr im Konstanzer Kulturzentrum am Münster, Wolkensteinsaal

Kurz nach dem 30-jährigen Krieg – zu einer Zeit, in der die Städte um den Bodensee herum sich weigerten Juden innerhalb ihrer Mauern aufzunehmen – ließen sich Juden in Gailingen und in den weiteren Judendörfern im Hegau nieder. Mit dem Gesetz über die bürgerliche Gleichstellung von 1862 erlangten die Israeliten im Großherzogtum Baden auch die Freizügigkeit. In Städten wie Konstanz entstanden nach über 300 Jahren wieder jüdische Gemeinden u.a. durch Zuzug aus dem Hegau.

Auch anhand von Biografien ausgewählter jüdischer Familien skizziert Joachim Klose die engen Verbindungen zwischen den jüdischen Landgemeinden und der 1863 in Konstanz neugegründeten Israelitischen Gemeinde, deren 1883 erbaute Synagogen am 10. November 1938 zerstört wurde und die in den Folgejahren durch Vertreibung und Deportation komplett ausradiert wurde.

Eintritt: frei

Veranstalter: Initiative „Stolpersteine für Konstanz – Gegen Vergessen und Intoleranz“ in Kooperation mit Amnesty International – Gruppe Konstanz, Deutsch Israelische Gesellschaft Bodensee Region (DIG), Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit Konstanz e.V., Katholische Hochschulgemeinde Konstanz, Konstanzer Friedensinitiative, Kulturbüro der Stadt Konstanz, Synagogengemeinde Konstanz, vhs Konstanz-Singen e.V., Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge e.V. – Landesverband Baden-Württemberg, VVN-BdA Kreisvereinigung Konstanz.

Stolpersteine putzen in Konstanz

Am 9. November um 18 Uhr beteiligt sich die Konstanzer Stolperstein-Initiative wieder an der bundesweiten Mahnwache gegen die Novemberprogrome des 9. auf den 10. November 1938 und ruft zur Mitarbeit auf.

In Konstanz wurden mittlerweile 212 Stolpersteine verlegt, die an Opfer des Nationalsozialismus erinnern. Diese Mahnmale bedürfen einiger Pflege, u.a. müssen sie mindestens einmal pro Jahr geputzt werden, damit das verwendete Material (Messing) sich farblich nicht zu sehr verändert. Hierzu benötigt die Initiative „Stolpersteine für Konstanz – Gegen Vergessen und Intoleranz“ die praktische Mithilfe der Bevölkerung in Konstanz und den angrenzenden Ortschaften.

Wer sich an der Gedenkaktion beteiligen will, hat zwei Optionen:

  • Man kann sich einmal unter Tel. 919 007 (Mo.-Fr. 11-23 Uhr) oder unter der e-Mail Adresse putzen@stolpersteine-konstanz.de melden, um sich von der Initiative für einen entsprechenden Stolperstein in der Nähe seines Wohnortes einteilen zu lassen. Die Konstanzer Stolperstein-Initiative hat die Organisation der Mahnwachen in den verschiedenen Stadtteilen unter ihren Mitgliedern aufgeteilt (siehe Grafik).
  • Oder man sucht sich einfach selbst einen Stolperstein aus und trifft sich dann womöglich mit anderen Gleichsinnten an einem Stolperstein-Verlegeort, wodurch interessante Bekanntschaften entstehen können.

Auf der Website der Stolpersteininitiative gibt es Anleitungen, wie der Putzvorgang möglichst einfach vonstatten geht.

Doch das Putzen ist nur die eine Seite dieser Gedenkaktion. Mindestens genau so wichtig ist es, die verlegten Steine und die damit verbundenen Zusammenhänge immer wieder ins Gedächtnis zu rufen und zu mahnen, auf dass die Verbrechen des Nationalsozialismus sich nicht wiederholen. So werden die mitgebrachten Kerzen eine besondere Stimmung verbreiten, PassantInnen werden stehen bleiben und sich gerne auf ein Gespräch einlassen. Flugblätter erläutern die oftmals unglaublichen und erschütternden Biografien der Personen, für die der jeweilige Stolperstein verlegt wurde.

Quelle: http://stolpersteine-konstanz.de/index.html?2016_9_november_mahnwachen.htm

Vortrag über Ludwig Finckh und Szenische Lesung „Sonnwend“ von Gerd Zahner

Kritischer Abend zu Ludwig Finckh mit zwei Vorträgen und einem Theaterstück im Hesse Museum Gaienhofen am Freitag, 18. November, 19 Uhr.

Gerhard Zahners Bühnenstück „Sonnwend“ über den Gaienhofener Arzt, Schriftsteller und NSDAP-Propagandisten Ludwig Finckh (1876 – 1964), das im Juni 2015 Premiere hatte, kommt im Hesse Museum Gaienhofen nochmals zur Aufführung. In einer szenischen Lesung, begleitet von Haro Eden (Klarinette) sucht der Schauspieler und Sprecher Josef Vossenkuhl als Ludwig Finckh wieder die Nähe zu Hermann Hesse, um nach 1945 von dessen Popularität für seine eigenen Schriften zu profitieren. Hesse lehnte den einstigen Freund aus Tübinger und Gaienhofener Jahren ab. Bereits 1920 plädierte Finckh in seinen Büchern für „Rassenhygiene“ und „Rassenreinheit“ und wurde Mit- und Vordenker nationalsozialistischer Gedanken.

Im Anschluss an die Lesung stellt Wolfgang Proske den 2016 von ihm herausgegebenen Band „NS-Belastete aus dem Bodenseeraum“ aus der Reihe „Täter Helfer Trittbrettfahrer“ vor. In dem Buch werden 20 Biografien einschlägig belasteter Personen erläutert.

Markus Wolter, einer der Autoren, spricht über seinen Beitrag: Dr. Ludwig Finckh: „Blutsbewusstsein“, der Höri-Schriftsteller und die SS.

Eintritt: 10 € (ermäßigt 8 €)

Quelle: Hesse Museum Gaienhofen

Neuerscheinung zum Literaturwissenschaftler und Mitglied der Waffen-SS: Hans Robert Jauß

Im Verlag Konstanz University Press ist die ausführliche Dokumentation des Historikers Jens Westemeier zur NS-Vergangenheit des Konstanzer Literaturwissenschaftlers Hans Robert Jauß erschienen.

Westemeier, Jens:
Hans Robert Jauss: Jugend, Krieg und Internierung.
Konstanz University Press
Konstanz 2016

1. Aufl. 2016
367 Seiten, 61 s/w Abb., kart.
EUR 29.90 / CHF 36.80
ISBN: 978-3-86253-082-3

In der Konstanzer Buchhandlung „Die Schwarze Geiss“ ist die Monografie bereits vorrätig.

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