Archiv für April 2020

Solidarität mit Geflüchteten in Zeiten der Corona-Krise

Online-Vortrag mit Michel Brandt und Sophie Scheytt am 30.04.2020, 19:30 Uhr

Anmeldung an: konstanz@seebruecke.org. Sie erhalten vor Veranstaltungsbeginn den kostenlosen Zugangslink. Die Veranstaltung wird mit Hilfe von „zoom“ durchgeführt.

Michel Brandt berichtet über die aktuelle Situation an der türkisch griechischen Grenze: Nachdem der türkische Präsiden Erdogan zeitweise die Grenze der Türkei in Richtung Griechenland öffnete, setzten sich tausende syrische Schutzsuchende in Bewegung, weil sie sich in Europa ein sicheres Leben erhofften. Mit brutaler Gewalt wurden sie von griechischen Grenzsoldaten gestoppt. Sogar das Grundrecht auf Asyl wurde zeitweise von Griechenland außer Kraft gesetzt. Unterstützung erhält die griechische Regierung dafür von der Europäischen Union und der Bundesregierung. Gleichzeitig sitzen rund 40.000 Menschen auf den griechischen Inseln unter erbärmlichen Zuständen fest. Viele von ihnen sind minderjährig. In den Lagern sind zwei Meter Sicherheitsabstand völlig unmöglich. Die Menschen können sich nicht einmal ordentlich die Hände waschen. Wovor seit längerem gewarnt wurde, tritt nun ein: Das Coronavirus breitet sich in griechischen Flüchtlingslagern aus. Bereits das zweite Lager wurde abgeriegelt. Die Evakuierung der Menschen aus den überfüllten Lagern an der EU-Außengrenze und ihre menschenwürdige Unterbringung sollte gerade in Zeiten von Corona an allererster Stelle stehen.

Sophie Scheytt wird über die aktuelle Situation auf dem zentralen Mittelmeer berichten und eine rechtliche Einordnung der aktuellen Lage geben. Ist es zulässig, das Recht auf Asyl an den europäischen Außengrenzen auszusetzen? Wie wirkt sich die Rechtsprechung des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte auf die Situation in Griechenland aus? Und was können wir dagegen tun? Wo können wir am besten ansetzen, um politischen Druck auszuüben?

Michel Brandt engagiert sich seit seiner frühen Jugend in sozialen, ökologischen und antirassistischen Bewegungen. Mit 17 wurde er an der Schauspielschule Stuttgart angenommen. 2010 folgte ein Engagement am Badischen Staatstheater in Karlsruhe, wo er bis 2018 Ensemblemitglied und Personalratsmitglied (Deutscher Personalrätepreis 2016) war. 2013 trat Michel Brandt der Partei DIE LINKE und der Linksjugend [’solid] bei. 2016 kandidierte er im Wahlkreis Karlsruhe für den Landtag Baden-Württemberg und 2017 für den Bundestag. Dabei setzte er sich vor allem für eine Verbindung von Partei und außerparlamentarischen Bewegungen ein. Nach der Bundestagswahl im September 2017 zog Michel Brandt über die Landesliste Baden-Württemberg in den Deutschen Bundestag ein. Er ist Mitglied der Linksfraktion und Obmann im Ausschuss für Menschenrechte und humanitäre Hilfe. Zudem ist er stellvertretendes Mitglied in der Parlamentarischen Versammlung des Europarates.

Sophie Scheytt ist Juristin und engagiert sich seit 8 Jahren im Bereich Migration. Sie hat dabei sowohl in zwischenstaatlichen Organisationen als auch in verschiedenen NGOs und in der Berliner Senatsverwaltung gearbeitet. Seit 2 Jahren ist sie Mitglied bei Sea-Watch, wo sie bis März 2019 die politische Öffentlichkeitsarbeit in Deutschland geleitet hat. Rechtlich beschäftigt sich Sophie vor allem mit dem deutschen und europäischen Asyl- und Aufenthaltsrecht, sowie dem Internationalen Seerecht.

Quelle: Seebrücke Konstanz

Ausnahme & Zustand – Webinare der Rosa-Luxemburg-Stiftung

Die Rosa-Luxemburg-Stiftung hat wegen der COVID-19 Pandemie bis auf weiteres alle öffentlichen Veranstaltungen abgesagt. Stattdessen bietet sie ausgesuchte Veranstaltungen im Livestream an.

Livestreams – Webinare – virtuelle Konferenzen

Der Begriff Livestreams ist allerdings untertrieben. Die Seminare werden zu Webinaren, im Internet übertragene Videokonferenzen mit Rückkanal. Es ist nicht nur möglich, Folienvorträge mit eingeblendeten Live-Bildern der ReferentInnen oder abgefilmte Podiumsdiskussionen zu übertragen – die ZuschauerInnen können sich – falls das gewünscht ist – gegenseitig sehen, Video- und Audiosignale von ihren Computern an alle anderen übertragen, es können sogar Breakouts, sprich Unterarbeitsgruppen mit eigenen ModeratorInnen und von diesen weitere Untergruppen gebildet werden. Parallel dazu ist es möglich, Personen, die über keinen Computer verfügen, per Telefoneinwahlknoten hinzuzuschalten. Sprachbarrieren können mit Simultanübersetzungen auf weiteren Audiokanälen durchbrochen werden. Wer die Webinare verpasst hat, kann nachträglich zumindest noch die Videomitschnitte anschauen. Aus ZuschauerInnen werden PartizipantInnen, die auf das Event persönlich Einfluss nehmen und es mitgestalten können – die digitale Umsetzung der Brecht’schen Radiotheorie.

Wie eine «Naturkatastrophe in Zeitlupe» bewegt sich das Corona-Virus um den Globus. Die dramatischen Auswirkungen auf das Leben und Überleben der Menschen ist weltweit greifbar, es wirkt sich auch auf die Demokratie, die Wirtschaft und das Zusammenleben immens aus. Sicher ist, dass die erwartete globale Rezession und der Abbau von demokratischen Rechten einen immensen Einfluss auf uns alle haben wird.

Rosa-Luxemburg-Stiftung, April 2020

Die Online-Lecture „Wie wir lernen Kämpfe zu gewinnen“ der US-amerikanischen linken Gewerkschafterin und Organiserin Jane McAlevey war für die Rosa-Luxemburg Stiftung ein äußerst erfolgreicher Pilotversuch dieser anspruchsvollen Kommunikationsform. Sie fand bereits im Herbst letzten Jahres statt. Tausende AktivistInnen aus dutzenden Ländern weltweit wurden dafür an vier Terminen zu jeweils zweistündigen Webinaren zusammengeschaltet. Das, was im November 2019 half, tausende Kilometer Entfernung und ganze Ozeane zu überbrücken, schafft es heute, die tief eingreifenden Beschränkungen der Bewegungsfreiheit und Veranstaltungsverbote in Deutschland wärend der COVID-19-Pandemie zu überwinden.

Tausende gleichzeitige ZuhörerInnen weltweit – geht das überhaupt?

Es geht und sogar ziemlich gut. Die Video- und Audioqualität ist ausreichend, und entspricht den Auflösungen und Bitraten, die derzeit Millionen von Büroangestellten im Homeoffice erfahren. Die Rosa-Luxemburg-Stiftung setzt auf Zoom (Webinare) und Youtube (Streams) – beides Anbieter, die nicht gerade für Datenschutz oder -sicherheit bekannt sind.

Welche Analysen und Perspektiven sind für die nächsten Jahre für die Linke bedeutsam? Wie wird die Krise die Bedingungen des Zusammenlebens verändern? Dies wollen wir in einem wöchentlichen interaktiven Format mit Gesprächspartner*innen aus Politik, Wissenschaft und sozialen Bewegungen besprechen. Und mit euch.

Rosa-Luxemburg-Stiftung, April 2020

Welche Inhalte erwarten uns?

Die nächsten Livestreams mit Bezug zu den aktuellen gesellschaftlichen Verwerfungen in Zeiten des Coronavirus sind für den 24.4. und 1. Mai geplant:

  • 24. April, 16:00 – 17.30 Uhr

    Mit Apps gegen den Virus? Anne Roth, Referentin Netzpolitik der Fraktion DIE LINKE im Bundestag

    Corona-Krise und Klassenfrage. Horst Kahrs, Referent für Klassen- und Sozialstrukturanalyse der Rosa-Luxemburg-Stiftung

  • 1. Mai, 16:00 – 17.30 Uhr

    Ökonomische Folgen der Corona-Krise. Sabine Nuss, Herausgeberin des Karl Dietz Verlages

    Demonstrationsrecht und Grundrechte. N.N. zur Frage der Grundrechte in der Corona-Krise

Livestream: https://www.rosalux.de/livestream

Die Themenpalette der Veranstaltungen beschränkt sich jedoch nicht auf COVID-19-Bezüge.

Unter https://www.rosalux.de/veranstaltungen kann der Veranstaltungskalender mit allen geplanten oder noch laufenden Livestreams und Webinaren eingesehen werden. Es gibt jeweils eine Kurzbeschreibung, Anmeldehinweise und Einwahllinks kurz vor Beginn der Veranstaltung. Eine persönliche Anmeldung mit E-Mail-Adresse ist Voraussetzung. Die Teilnahmen sind immer kostenlos.