Archiv für Mai 2019

Ausstellung: „Keine Alternative“ und Begleitprogramm

Vom 4. bis 18.6.2019 zeigt die VVN-BdA die Ausstellung „Keine Alternative! Eine kritische Auseinandersetzung mit der AfD.“ in der Galerie der Volkshochschule Konstanz.


Flyer (PDF 350 kByte)

Die Ausstelllung wird begleitet von mehreren Veranstaltungen:

AUSSTELLUNGSERÖFFNUNG

am 5. Juni 2019, 19:00 bis 20:30 Uhr
Galerie der Volkshochschule Konstanz

Offizielle Eröffnung der Ausstellung mit kurzen Wortbeiträgen und musikalischem Rahmenprogramm. Es besteht die Möglichkeit zum informellen Austausch. Für das leibliche Wohl ist gesorgt.

Lucius Teidelbaum: Rechte Szenen im Südwesten

am 7. Juni 2019, 19:30 bis 21:00 Uhr
Volkshochschule Konstanz, Raum 0.7

Eintritt frei!

Der Begriff „Rechtsruck“ ist seit Jahren in aller Munde. Dieser Rechtsruck findet auch in Baden-Württemberg statt. Der Resonanzboden wird dabei in Form von Wahlentscheidungen und Straßenmobilisierungen zum Klingen gebracht. Während alte Akteure wie die Republikaner-Partei verschwunden sind, tauchen neue wie die Alternative für Deutschland oder die Identitäre Bewegung auf. Andere wie die antisemitische Ludendorffer-Sekte halten sich bewusst im Hintergrund. Die ideologische Bandbreite innerhalb der extremen Rechten ist dabei weitaus größer als die Wiedergänger des historischen Nationalsozialismus, auf den vor allem die Behörden fokussieren. Andere extrem rechte Strömungen wie die „Neue Rechte“ lehnen Gewalt offiziell ab, arbeiten aber trotzdem auf einen autoritären und homogenen Staat hin. Dazu gesellen sich im Südwesten verschiedene Formen von Nationalismus „mit Migrationshintergrund“ und die christliche Rechte als Sonderform.

Lucius Teidelbaum referiert über die verschiedenen Erscheinungen extrem rechter Ideologie, ihre VertreterInnen und Netzwerke, ihre Inhalte und ihre Gefahren.

Eine Antifaschistin des OAT Konstanz wird den Vortrag mit Infos über rechte Gruppen in Konstanz und der Region ergänzen.

Andreas Kemper: AfD: Ungleichwertigkeit und faschistische Tendenz

am 14. Juni 2019, 19:30 bis 21:00 Uhr
Volkshochschule Konstanz, Raum 0.7

Eintritt frei!

In der AfD haben sich drei unterschiedliche Strömungen herausgebildet, die jeweils für ein ungleichwertiges Menschenbild stehen: die neoliberale Strömung wertet Arme ab, die christlich-fundamentalistische Strömung hat ein extrem rückwärtsgewandetes Geschlechterbild, und die faschistische Strömung ist rassistisch. Aktuell formiert sich der faschistische Höcke-Flügel von einer Strömung zu einem durchstrukturierten Block – auch wenn diese Strömung mit ihren Mitgliedern noch nicht die Mehrheit stellt, hat sie kontinuierlich ihre Machtbasis ausgebaut und radikalisiert sich weiterhin. Ist die AfD der Tendenz nach also faschistisch? Zu dieser Frage und den Strömungen der AfD wird der Soziologe Andreas Kemper referieren.

Kritische Psychologie – Marxistische Gegenpositionen zu kapitalistisch beeinflussten Standpunkten der Psychologie

Vortrag von Daniel Schnur am 23.05.2019 um 19 Uhr an der Universität Konstanz, Raum D406

In den Fokus der von 1968ff. am Wissenschaftsbetrieb geriet auch die Psychologie, insbesondere deren experimenteller Mainstream: Der Mensch werde dort als isoliertes Individuum konzeptioniert, losgelöst von historischen und gesellschaftlichen Bezügen, mit dem Ziel dessen Reaktionen auf äußerliche Einflüsse zu untersuchen; letztlich sei die Psychologie Herrschaftswissenschaft und Anpassungstechnik. Demgegenüber setzt das Menschenbild der aus der Studierendenbewegung hervorgegangenen Kritischen Psychologie keinen Gegensatz zwischen Individuum und Umwelt, sondern berücksichtigt die Tatsache, dass Menschen genuin gesellschaftliche Wesen sind, d.h. gesellschaftlichen Bedingungen unterstehen und , diese aber auch gleichzeitig verändern können. Im Vortrag sollen die Konsequenzen eines solchen Menschenbildes für die (Kritische) Psychologie und ihre wichtigsten Begriffe eingeführt werden.

Daniel Schnur studiert Psychologie an der Universität Klagenfurt/Celovec. Seit 2016 im Vorbereitungsteam der Ferienuni Kritische Psychologie. Schreibt aktuell seine Masterarbeit zu autoritärem Populismus. Gastherausgeber eines Heftes von Psychologie & Gesellschaftskritik, »Kritische Psychotherapie« (Heft 166/67).

Quelle: https://oatkn.blackblogs.org/

Proteste gegen AfD-Stand am 18.5.2019 in Konstanz

Am Samstag, den 18.5.2019, zeigte sich die Konstanzer AfD mit einem Wahlkampfstand und wurde prompt von protestierenden AntifaschistInnen umringt.


AfD-Wahlkampfstand am 18.5.2019, Konstanz

Mit Plakaten wie „AfD angreifen – Rechte Strukturen zerschlagen!“, lauten Rufen wie „Ich finde die AfD scheiße!“ und an die PassantInnen gerichtete spontane Reden, drückten die Antifas deutlich ihre Kritik an der AfD und insbesondere an der AfD im Kreis Konstanz aus.

In den Reden wurde u.a. auf das am Stand anwesende AfD-Mitglied Michael Hug eingegangen. Der im Wahlkreis Singen-Steißlingen für den Konstanzer Kreistag kandidierende Rechte ist homophober und christlicher Fundamentalist und war früher lange Jahre Funktionär (stellv. Landesvorsitzende, Mitglied im Bundesvorstand) in der inzwischen aufgelösten, extrem rechten Kleinpartei „Die Freiheit“ von Michael Stürzenberger. [Michael Stürzenberger ist in der rechten Szene bekannt wie ein bunter Hund und hatte bereits zahlreiche Strafverfahren wegen Volksverhetzung oder Verwendens von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen am Hals. (vgl. Wikipedia). ]

Michael Hug dagegen ist im Kreis Konstanz dafür bekannt, gerne mal an extrem rechten Demonstrationen teilzunehmen, so z.B. am 7.05.2016 in Singen. Aufgerufen hatte damals eine rechte Bürgerwehr – gekommen waren Neonazis der Freien Kameradschaft Höri-Bodensee, der NPD oder dem „Dritten Weg“. Mittendrin der heutige Kreistagskandidat Michael Hug. Er zeigte dabei stolz sein AfD-Käppchen und lauschte unter anderem einer Rede von Walter Schwäbsch, dem heutigen Kreisvorstand und Sprecher der AfD Konstanz.

Kurzbericht zu den zwei Kundgebungen am 7.5.2016 in Singen

Nicht weniger ausführlich wurde dem AfD-Kreisverband Konstanz die Mitgliedschaft des notorischen Antisemiten Wolfgang Gedeon vorgeworfen, der in der Partei, im Kreisverband und auch im baden-württembergischen Landtag noch immer seine (AfD-)Unterstützer hat. Wolfgang Gedeon darf inzwischen laut einem rechtskräftigen Urteil als Holocaustleugner bezeichnet werden.

Nach etwa anderthalb Stunden bauten die AfD-ler, die von dem Trubel sichtlich nicht allzu amused waren, ihren Stand wieder ab. Die nach einer Stunde herbeigeeilte Polizei musste zwar die legitimen Proteste als spontane Versammlung zulassen, ließ es sich aber nicht nehmen, die Transpi-TrägerInnen um lächerliche 10 Meter seitlich zu verschieben.

Gegen Ende gab es noch eine Posse um eines der Transparente, die zu einigem Papierkram führen wird: Das seit Monaten auf allen möglichen Versammlungen gezeigte Plakat „AfD angreifen – Rechte Strukturen zerschlagen!“, das bislang nie beanstandet worden war, wurde nun von der Polizei beschlagnahmt. Eine Begründung für die angebliche Rechtswidrigkeit des Plakats konnten die BeamtInnen selbst nicht liefern, sie verwiesen stattdessen auf die Prüfung durch die Staatsanwaltschaft.

Die nicht gehaltene Rede zu Klimastreiks in Konstanz

Das OAT Konstanz unterstützt die Klimastreiks der Konstanzer SchülerInnen unter dem Label „Fridays For Future“ und ruft regelmäßig zu ihren Demonstrationen auf. Die folgende Rede des OAT sollte bei der Demonstration am 19.4.2019 gehalten werden. Das Halten der Rede wurde unter Angabe von formalen Gründen nicht zugelassen und auch in der folgenden Woche gab es wieder andere formale Gründe, warum die Rede nicht gehalten werden durfte.

Jetzt kam raus: es sind die antikapitalistischen Inhalte der Rede, an denen sich die FFF stört und die formalen Argumente waren nur vorgeschoben.


24-stündige Schienenblockade von Ende Gelände am Hambacher Forst mit mehreren Tausend Menschen im Herbst 2018

Hier nun die nicht gehaltene Rede im Wortlaut:

Über 900 Festnahmen bei Protesten von extinction rebellion in London, massive Repressionen gegen die letzten Ende Gelände Aktionen und die Besetzungen im Hambacher Forst. Die Klimabewegung wächst und mit ihr die Repression von Staaten, die Veränderungen mit allen Mitteln verhindern wollen. Ihr fragt euch vielleicht, weshalb die Staatsgewalt so massiv gegen uns vorgeht. Einer der Gründe ist, dass mit klimaschädigender Wirtschaft sehr viel Profit gemacht wird. Gerade Deutschland steht mit riesigen Braunkohleminen immer noch an der Spitze der Europäischen Union. In kaum einem Land wird so viel CO2 ausgestoßen wie bei uns.

Dieser CO2 Austoß schadet nicht nur der Umwelt im Allgemeinen oder uns, die wir in Deutschland und der EU leben. Er wirkt sich schon jetzt direkt auf Menschen im globalen Süden aus, die aufgrund des Klimawandels zum Fliehen gezwungen sind oder Opfer von vermehrt auftretenden Naturkatastrophen werden. Die globale Temperatur steigt und mit ihr der Meeresspiegel. Waldbrände und Dürren häufen sich und bedrohte Tierarten werden ausgerottet. Die Klimakrise ist nicht irgendwann, sondern jetzt. Wir haben keine Zeit, auf Politiker*innen und ihre Entscheidungen zu warten und zu hoffen, dass sie die richtigen Maßnahmen für uns treffen. Wir müssen selbst aktiv werden und nicht weniger tun als die Welt zu verändern. Das schaffen wir nur, wenn wir bereit sind, unsere Komfortzone zu verlassen und radikal zu handeln.

Auch wenn wir selbst öfter Fahrrad statt Auto fahren sollten und unseren Fleischkonsum reduzieren müssen, können wir bei individuellen Verhaltensweisen nicht aufhören. Der Klimawandel ist ein politisches Problem, und muss als solches politisch behandelt werden. Wir leben in einem wirtschaftlichen System, das sich Kapitalismus nennt und wenig regulierte Märkte mit Mechanismen wie Angebot und Nachfrage vorsieht. Solange solche Mechanismen über unsere Leben bestimmen, werden selbst schwache Klimaziele weiterhin verfehlt werden. In einem wirtschaftlichen System, in dem 100 Firmen für über 70% des weltweiten CO2 Austoßes verantwortlich sind, aber nicht für die daraus resultierenden Schäden zur Rechenschaft gezogen werden, kann Klimagerechtigkeit nicht entstehen. Solange private Profite wichtiger sind als globaler Wohlstand und Nachhaltigkeit, wird die Klimakrise weiter eskalieren.

Und trotz wissenschaftlicher Belege gibt es immer noch Parteien, die den Klimawandel leugnen oder sich gegen gesetzliche Maßnahmen zum Umweltschutz wehren. Das betrifft vor allem die Afd, aber auch Parteien wie die CDU. Aktuell ist Europawahlkampf und es ist unsere Aufgabe, diesen heuchlerischen Parteien jetzt mehr denn je entgegenzutreten. Stellt euch deren Falschinformationen entgegen, sei es bei Infoständen oder Veranstaltungen in der Region und lasst ihre Parolen nicht unwidersprochen, ob bei euch im Bekanntenkreis oder daheim am Küchentisch. Und am allerwichtigsten: setzt euch mit der Welt, in der wir leben, aktiv auseinander. Veränderung kann nur passieren, wenn wir unsere Welt verstehen.

Wir fühlen uns vielleicht machtlos angesichts der Staatsgewalt oder großen Konzernen, aber wir haben die Kraft, diese Gesellschaft und sogar die Welt zu verändern, wenn wir uns organisiert zusammenschließen und bereit sind, für unsere Ziele zu kämpfen. Es gibt bereits viele erfolgreiche Aktionen massenhaften zivilen Ungehorsams, wie zum Beispiel von Ende Gelände im Braunkohlerevier oder auch in Städten. Es ist ermächtigend, Kohle-Infrastruktur zu blockieren und sich dem Klimawandel aktiv entgegenzustellen. Das wünsche ich mir auch für uns nicht bei den Friday for Future Demos aufzuhören, sondern sich auch darüber hinaus politisch zu organisieren. Engagiert euch, nehmt an Massenaktionen teil und setzt euch friedlich organisiert über Polzeiketten, Gesetze und Konzernsecurities hinweg, um unser Klima zu schützen. Es reicht nicht, passiv bei Demos mitzulaufen. Wir alle müssen Aktivist*innen werden! Falls ihr Ideen braucht, wo ihr euch aktiv einbringen könnt, kommt vom 19. bis 24. Juni zu den Aktionen von Ende Gelände im Rheinland! Werdet Teil der antikapitalistischen Klimabewegung und blockiert mit tausenden Anderen zusammen die Kohle-Infrastruktur!

Politiker*innen schützen das Klima nicht, also müssen wir es tun. Bringt euch ein, für eine Welt in der nachfolgende Generationen eine Gesellschaft vorfinden, in der es sich zu leben lohnt. Antikapitalistisch, Queer, Feministisch und solidarisch, zugänglich für alle die daran teilhaben wollen. Setzen wir uns ein für mehr Nachhaligkeit! Sozial wie ökologisch!

Quelle: OAT Konstanz

Update 22.05.2019: Die Rede wurde inzwischen bei Klimaprotesten der FFF-Gruppe Friedrichshafen anlässlich des Besuchs von Merkel und Kretschmann bei der „Maritimen Konferenz“ gehalten und soll „mega – gut angekommen“ sein.

Vortrag „Die neue Rechte – Rassistische und nationalistische Ideologien in neuem Gewand“ von Robert Andreasch

Vortrag von Robert Andreasch am Dienstag, 21.05.2019, 19 Uhr im Café Mondial, Zum Hussenstein 12, Konstanz

Viele sind derzeit ja regelrecht fasziniert von Denen, die sich selber als „Neue Rechte“ beschreiben oder von Dritten so bezeichnet werden. Sei es von der „Identitären Bewegung“ („Jung, hip, rechtsextrem“, Hannoversche Allgemeine), von Martin Sellner („Martin Sellner hört Hip Hop und hasst den Islam“, zeit.de), Götz Kubitschek („Der dunkle Ritter Götz“, Der Spiegel), Caroline Sommerfeld („A Very German Love Story: When Old Left and Far Right Share a Bedroom“, The New York Times) oder von der „Konservativen Revolution“ (Alexander Dobrindt) sowie der vorgeblichen Intellektualität am rechten Rand („Die schreiben Artikel auf einem Niveau, bei dem man erst mal ins Schleudern kommt“; Buchhandlung Lehmkuhl).

Doch ist das mit dem Faschismus echt so kompliziert? Insbesondere für Einsteiger_innen erläutert Robert Andreasch kompakt die lange Geschichte der „Neuen Rechten“ und ihre Akteur_innen und gibt einen Einblick in ihre rassistischen und nationalistischen Ideologien, ihre Mythen, Begriffe und Strategien.

Robert Andreasch ist Mitarbeiter der Antifaschistischen Informations-, Dokumentations- und Archivstelle München e. V. (a.i.d.a.) und arbeitet als Autor, Journalist und Sachverständiger zur radikalen Rechten in Süddeutschland.

Eine Veranstaltung des OAT Konstanz – Offenes Antifaschistisches Treffen

oatkn.blackblogs.org

Eintritt frei!