Archiv für Januar 2017

Treffer in Datenbank „SS-Mannschaft KL Auschwitz“

Das polnische Institut für Nationales Gedenken und Prof. Aleksander Lasik von der Kasimir-der Große-Universität in Bydgoszcz haben eine Datenbank online gestellt, die 9686 Angehörige der Wachmannschaften des KZ Auschwitz verzeichnet. Ein Datensatz bezieht sich auf Emil Bruttel aus Moos.


Eintrag zu Emil Bruttel, Moos, in der Datenbank über Wachmannschaften des KZ Auschwitz

Was finden wir über Emil Bruttel?

Zusätzlich zu seinem Geburtsdatum, seinem Geburtsort, seinen Schulabschlüsse und seinem Beruf („Kaufmann/Buchhalter/Bankangestellte“) erfahren wir, dass er am 30.03.1933 in die NSDAP eingetreten ist (Partei-Mitgliedsnr.: 3461599). Bereits ein halbes Jahr später wurde er Mitglied der Allgemeinen SS (SS-Nr.: 251986) und diente dort in der 79. SS-Standarte. Für sechs Monate war er laut dem Datenbankeintrag auch ein Mitglied der SA. Bei der Waffen-SS, der er ebenfalls 1938 beitrat, bekleidete er im letzten Kriegsjahr den Rang eines SS-Oberscharführers.

Die polnische Datenbank basiert auf jahrzehntelangen Recherchen von Prof. Lasik, die erst mit schriftlichen Aufzeichnungen begonnen wurden und ab dem Jahr 1988 digital geführt wurden. Im Mai 2015 fiel die Entscheidung über die Bereitstellung der Datenbank auf den Webseiten des Instituts für Nationales Gedenken. Von etwa 10% der SS-Angehörigen des KZ Auschwitz existieren Fotos. Die Aufzeichnungen beziehen sich auch auf Wachmannschaften anderer Konzentrationslagern und umfassen insgesamt etwa 25.000 Personen. Diese Daten sollen nach und nach ebenfalls veröffentlicht werden.

Quelle: http://pamiec.pl/pa/form/r13270174,BRUTTEL.html

Farbattacke auf Kriegerdenkmal in Radolfzell

Letztes Wochenende, in der Nacht vom 21. auf den 22.1.2017 wurde das Kriegerdenkmal am Radolfzeller Luisenplatz beinahe völlig mit bunter Farbe und dem Schriftzug „Lieber bunt als Nazischund“ bedeckt. An der Wandtafel wurde der Schriftzug „KÖPPEN HEINRICH“ farblich hervorgehoben.


Kriegerdenkmal am Luisenplatz, vor der Farbattacke. Im Hintergrund Bronzetafeln mit Namen von 100 SS-Angehörigen

SS-Obersturmbannführer Heinrich Koeppen war Kommandant der III. SS-Germania, die unter den Nazis in der Radolfzeller SS-Kaserne stationiert war. Er starb 1939 in den ersten Kriegstagen beim Überfall auf Polen. Koeppen war somit – anders als der Schriftzug, der seit 2011 über den Namenstafeln am Luisenplatz prangt, Glauben macht – kein Opfer, sondern Täter im Angriffskrieg von Deutschland auf seine Nachbarländer.

Heinrich Koeppen war es auch, der 1938 am Luisenplatz, der damals noch Horst-Wessel-Platz hieß, die Weiherede hielt und das Kriegerdenkmal, das damals noch Ehrenmal hieß, der Stadt übergab. Die Nazis wussten, wie man so eine Einweihungsfeier macht. Es gab einen „gewaltigen Aufmarsch der Formationen“, mit Musikzug und Militärparade, darunter der NS-Reichskriegerbund, die NS-Kriegsopferversorgung, eine Ehrenkompanie der SS-Germania, auch mit Musikzug, die Gliederungen und Formationen der NSDAP. „Zum Lied vom guten Kameraden präsentierten die Truppen das Gewehr“. Am Ende gab es ein fröhliches „Sieg Heil“ und noch ein paar „Lieder der Nation“. (Vgl.: Bericht über die Ehrenmal-Weihe in der „Badischen Kriegerzeitung“ des NS-Reichskriegerbundes, Nr. 23, 12. Juni 1938)

In der NS-Zeit wurden jährliche Heldengedenkfeiern durchgeführt. Nach dem Krieg traf sich hier regelmäßig der SS-Traditionsverband HIAG. Bis 1958 gedachte die Stadt Radolfzell noch offiziell ihren „im Weltkrieg 1914 – 1918 gefallenen Helden“. Noch heute wird jedes Jahr zum Volkstrauertag völlig unreflektiert das Lied vom guten Kameraden gespielt. Und kaum einer stört sich an den Namen von 100 Angehörigen der III./SS-VT „Germania“ auf den Bronzetafeln.

Inzwischen haben Neonazis das Kriegerdenkmal für sich entdeckt und werfen jährlich zum 8. Mai ihre Kränze dort ab. Die zahlreichen Versuche der jüngsten Zeit, den Luisenplatz umzuarbeiten, können getrost als gescheitert betrachtet werden, so lange das martialische Kriegerdenkmal selbst nicht geschleift wird.

Links:

Öhningen als Tropenparadies – Koloniale Phantasien am Bodensee

Vortrag von Bernhard Schär am Donnerstag, 02.02.2017 um 19:00 Uhr im Contrast, Konstanz, Joseph-Belli-Weg 11, Konstanz

Öhningen gehört zwar nicht zur Schweiz, wurde im neunzehnten Jahrhundert aber zu einem Sehnsuchtsort für Naturwissenschaftler, die sich von der kolonialen Erforschung der Südsee zu einem neuen Bild der Schweiz inspirieren ließen: jenem der tropischen Urschweiz.

In seinem Vortrag wird Bernhard Schär unerwartete, jedoch ebenso naheliegende Verflechtungen zwischen der Bodenseeregion und globaler Kolonialgeschichte aufzeigen. Der Fokus liegt auf der eurozentrischen Konstruktion «tropischer» Lebensweisen und deren Einbettung in moderne, imperialistische Narrative von Fortschritt und Zivilisation.

Quelle: http://input.blogsport.de/input-konstanz/

Buchpräsentation und Podiumsdiskussion: „Von NS-Tätern, Helfern und rechtspopulistischen Gefahren in der Gegenwart“

Anlässlich des Holocaust – Gedenktages 2017 gibt es verschiedene Referate, ein Podiumsgespräch und Diskussion am Freitag, 27. Januar 2017 um 19 Uhr im Salomon-Sulzer-Saal, Schweizer Str. 21, Hohenems

Im Januar 2016 hat Dr. Wolfgang Proske den 5. Band aus der Reihe „Täter-Helfer Trittbrettfahrer“ mit dem Untertitel „NS-Belastete aus dem Bodenseeraum“ herausgegeben.

In diesem Band werden auch mehrere NS-Täter aus Vorarlberg behandelt, z.B. der Schwarzacher Gendarm Alfred Lusser (1911-1992), der 1969 für seine Verbrechen in Osteuropa verurteilt wurde, oder Josef Vallaster (auf dem Bild), der Massenmörder aus dem Silbertal, dessen Namen unkommentiert auf dem „Kriegerdenkmal“ aufschien und dessen Taten im Rahmen einer Geschichtswerkstatt jüngst „aufgearbeitet“ wurden.

Der Herausgeber stellt zunächst sein Buch vor. Anschließend wird er auf dem Podium mit NR Karl Öllinger, einem der besten Kenner des Rechtsextremismus in Österreich, diskutieren. Öllinger ist Mitherausgeber des „Rechtsextremismusberichts 2016″ der Grünen und bei „Stoppt die Rechten!“ engagiert.

Das Datum der Veranstaltung ist nicht zufällig gewählt: Am 27. Jänner 1945 wurde das KZ Auschwitz befreit. Im Jahr 2005 wurde dieser Tag von den Vereinten Nationen als „Internationaler Tag des Gedenkens an die Opfer des Holocaust“ ausgerufen. Dieser Tag ist deshalb in vielen Ländern ein wichtiger Erinnerungstag, der auch in unserem Land verstärkt im Bewusstsein verankert werden sollte.

Anmeldung bitte bis 23. Jänner 2017 an bildung.vorarlberg@oegb.at (kein TeilnehmerInnenbeitrag)

Eine Einladung des Verbandes Österreichischer Gewerkschaftlicher Bildung in Kooperation mit dem Renner-Institut Vorarlberg, der Grünen Bildungswerkstatt Vorarlberg, acus Vorarlberg, der Johann-August-Malin-Gesellschaft, erinnern.at und dem Katholischen Bildungswerk Vorarlberg

Quelle: https://vorarlberg.gruene.at/

Rock for Syria

Spendenparty am 20. Januar 2017 um 22 Uhr im Contrast, Joseph-Belli-Weg 11, Konstanz

Bomben. Schüsse. Belagerungen. Hunger. Und mittendrin: Kinder.

Nach über fünf Jahren Bürgerkrieg ist Syrien einer der schlimmsten Orte auf der Welt. Obwohl sie am wenigsten für den Krieg können, sind rund sechs Millionen Kinder und Jugendliche in Syrien zwischen den Fronten gefangen und brauchen dringend Hilfe. Als eine der wenigen internationalen Hilfsorganisationen ist UNICEF noch vor Ort in Syrien und steht den Kindern und Familien in dieser schweren Zeit zur Seite. Ein Team von 200 Mitarbeitern in Syrien arbeitet einem Netzwerk von Partnern rund um die Uhr daran, dringend benötigte Hilfe zu den Familien zu bringen.

Wir nehmen pro Besucher einen symbolischen Euro Eintritt – weitere Spenden sind natürlich herzlich willkommen.
Außerdem wird der Gewinn des Getränkeverkaufs an diesem Abend ebenfalls in den Spendentopf geworfen.

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Da alles transparent ablaufen soll, hier ein paar Informationen:
– Alle Spenden fließen zu 100% an UNICEF
– Die genaue Abrechnung wird am nächsten Tag in dieser Veranstaltung veröffentlicht
– Der Spendennachweis wird auf unseren Facebookseiten veröffentlicht

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Musikalisch untermalt wird die Feier von Rockmusik aus sämtlichen Genres.

Quelle: http://www.contrast-kn.de/events/event/

Linke Leute von Rechts?

Vortrag von Benedikt Sepp zur Kritik von „Nationalrevolutionären“ und Querfrontlern am Montag, 16. Januar um 19 Uhr im Contrast, Joseph-Belli-Weg 11, Konstanz

In den späten 1960er Jahren entstand in der Bundesrepublik parallel zur linken Studentenbewegung eine Strömung junger radikaler Rechter. Die „Nationalrevolutionäre“ wollten „von der Linken lernen“. In ihrem Eifer, eine wissenschaftlich unterfütterte und zeitgemäße, aber „rechte“ Revolutionstheorie zu entwickeln, waren sie auf vielen Ebenen für Außenstehende nur schwer von ihren linken Rival*innen zu unterscheiden. Angesichts ihrer Kombination aus linkem Auftreten, rechtem Gedankengut und der Berufung auf linke Autor*innen, wird Benedikt Sepp in einem Impuls die Gemeinsamkeiten und Unterschiede rechter und linker Theoriebildung vortragen und zur Diskussion stellen. Angesichts einer sich verbreitenden Querfront und einer Re-Popularisierung von Ethnopluralismus, wird in Vortrag und Diskussion ebenso nach der Aktualität dieser Debatten gefragt.

Der Vortrag wird organisiert von Input Konstanz und Infokneipe

Quelle: https://www.facebook.com/events/1219485864812465/