Archiv für Juli 2016

100 Jahre Peter Weiss »Die Ästhetik des Widerstands«

Staffellesung des großen antifaschistischen und antikapitalistischen Romans von Peter Weiss am 11. bis 13. November 2016 in Rostock.

Der Roman „Die Ästhetik des Widerstands“ von Peter Weiss ist heute meist nur noch der älteren Generation der Linken ein Begriff. Damit sich daran was ändert und auch die Jüngeren sich wieder mit diesem scheinbar so schwer zu lesenden Werk auseinandersetzen, veranstaltet die Rosa-Luxemburg – Stiftung vom 11. bis 13. November 2016 in Rostock die genannte Staffellesung: Über 50 Stunden lang werden die ca. 1000 Seiten dieses Opus Magnums von Peter Weiss von 100 VorleserInnen im Peter-Weiss-Haus in Rostock gelesen.

Die Lesung wird zur Gänze aufgezeichnet und soll hinterher als DVD herauskommen. Nicht alle VorleserInnen werden anwesend sein, manche werden als Videoeinspielung aufgeführt. Schon jetzt liegt eine Reihe von Videoaufzeichnungen vor. Nach jeder Aufzeichnung wurden die Leserinnen und Leser gefragt, was ihrer Meinung nach die Bedeutung der „Ästhetik des Widerstands“ ist, für sie, hier und heute. Die ersten dieser Videos wurden bereits auf der Webseite http://peterweiss100.de hochgeladen: Video Statements von Sabine Kebir, Rainer Diedrich, Bini Adamczak, Sookee und vielen mehr.

Trailer:

Rundgang zu Stolpersteinen im Stadtteil Paradies

Die Konstanzer Stolperstein-Initiative gibt heute ab 18:30 Uhr eine Führung zu den Stolpersteinen im Stadtteil Paradies. Treffpunkt ist am Pulverturm, Rheinsteig.

Von den 196 bis Juli 2016 in Konstanz verlegten Stolpersteinen liegt etwa ein Drittel im Konstanzer Stadtteil Paradies. In diesem Stolpersteinrundgang werden für die unter­schied­lichen Opfergruppen ausgewählte Verlegestellen aufgesucht und einzelne Biographien ausführlicher vorgestellt, die bei bisherigen Stolpersteinführungen im Innenstadtbereich nicht berücksichtigt wurden. Damit soll den zahlreichen vorwiegend jüdischen, und auch politischen Opfern, Euthanasieopfern, Homosexuellen und Zeugen Jehovas gedacht werden, die zwischen 1933 und 1945 aus menschenverachtenden Gründen ausgegrenzt, entrechtet, in die Flucht oder in Gefangenschaft und Tod getrieben worden sind.

Die etwa 90-minütige Führung findet bei jedem Wetter statt.

Quelle: http://stolpersteine-konstanz.de

„Drei Frauen, drei Generationen. Anders sein – jüdisch sein“

Zeitzeugengespräch und Filmvorführung mit Eva Szepesi am 18.7.2016 um 19:30 Uhr im Wolkensteinsaal, Kulturzentrum am Münster, Wessenbergstrasse 41-43

Eva Szepesi war 11 Jahre alt, als die Deutschen im März 1944 in Ungarn einmarschierten und innerhalb weniger Monate Hunderttausende ungarische Juden in die Vernichtungslager deportierten und ermordeten. Eva wurde von ihrer Mutter mit falschen Papieren in die Slowakei geschickt und konnte sich einige Zeit bei verschiedenen Helfern verstecken.

Schließlich wurde jedoch auch sie nach Auschwitz deportiert, wo sie schwer krank und völlig entkräftet am 27. Januar 1945 von der Roten Armee befreit wurde.

Es sollte noch Jahrzehnte dauern, ehe es Eva Szepesi gelang, über ihre Erinnerungen zu schreiben und über das Erlebte zu sprechen.

2015 präsentierte ihr 15–jähriger Enkel im Rahmen eines Schülerwettbewerbs einen Doku­men­tarfilm »Drei Frauen, drei Generationen. Anders sein – jüdisch sein«, in dem er seine Schwester, seine Mutter und die Großmutter porträtiert und den Umgang mit der eigenen Familiengeschichte aus seiner Perspektive vorstellt.

An diesem Abend werden wir im Rahmen eines Zeitzeugengesprächs gemeinsam mit Eva Szepesi auch den Film des Enkels anschauen.

Quelle: http://www.stolpersteine-konstanz.de/

Anarchie! Fakten und Fiktionen

Noch bis zum 4.9.2016 wird im Zürcher Strauhof die Ausstellung „Anarchie! Fakten und Fiktionen“ gezeigt. Sie ist ein Versuch, kursorisch die verschiedensten Zugänge zum Anarchismus auf zwei Etagen eines kleinen Museums zu versammeln.

Wer beim Besuch dieser Ausstellung eine systematische Einführung oder einen gründlichen Überblick über die zahlreichen Facetten des Anarchismus erwartet, wird vielleicht enttäuscht werden. So ein Vorhaben wäre auch von vornherein zum Untergang verdammt. Wer allerdings unvoreingenommen und offen in das Museum eintritt, wird mehrfach positiv überrascht sein über eine gar nicht museale Aufbereitung dieses Themas.

Wie es sich im Anarchismus gehört, wird gleich zu Beginn das Publikum zur Mitarbeit aufgefordert: In einer Wandzeitung sollen die BesucherInnen ihnen bekannte anarchistische Bands oder Interpreten sammeln. Darüber hinaus können eigene Beiträge zum Anarchismus an MuseumsmitarbeiterInnen übergeben werden, die es der Ausstellung hinzufügen. Dies funktioniert auch Online.

Das Herz der Ausstellung ist ein hell gestalteter Leseraum mit Sitzplätzen auf Holzgerüsten. An den vier Wänden befinden sich Kladden voller anarchistischer Texte, sortiert in Rubriken wie Politik, Theorie, Frauen, Schweiz, etc. Jedem dieser Texte ist ein Intro der AusstellungsmacherInnen vorangestellt, das den Text zusammenfasst und kontextualisiert. Wer möchte, kann sich jeden beliebigen Text kostenlos auf dem bereitstehenden Kopierer vervielfältigen, lochen, heften und mit nach Hause nehmen. Genial!

Oft sind diese Intros mit dem Namen Florian Eitel gezeichnet. Der Historiker Florian Eitel, der an der Universität Fribourg (CH) u.a. zum Anarchismus forscht, hat eine Dissertation mit dem Titel: „Vive la Commune libre universelle !“ : Anarchismus und Globalisierung im Tal von Saint-Imier in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts.“ geschrieben, eine Arbeit, die sich auf die starken anarchistischen Strömungen in der traditionsreichen Uhrenindustrie im Schweizer Jura bezieht.

Dieses Thema taucht auch an anderen Stellen in der Ausstellung auf, etwa wenn der experimentelle Dokumentarfilm «Uhrenarbeiter mit Werk« von Cyril Schäublin gezeigt wird. In dem Film wurden Interviews mit ehemaligen ArbeiterInnen der Uhrenindustrie nach ihrem Niedergang mit Zitaten des Anarcho-Kommunisten Piotr Kropotkin hinterlegt, der sich insbesondere aufgrund seiner Erfahrungen im Schweizer Jura zum Anarchismus bekannte.

«Ein Hirn haben heisst Anarchist sein», schreibt der Zürcher Arzt Fritz Brupbacher im Jahr 1912. Wo steht die Anarchie heute — welche Spuren hat das Streben nach einem herrschaftsfreien Leben in der Literatur und im Alltag hinterlassen? In Zusammenarbeit mit Autoren, Wissenschaftlerinnen, Künstlerinnen, Aktivisten, Schülern, Freidenkerinnen und Querulanten zeigt die Ausstellung im Strauhof Beiträge zu gelebter Anarchie, literarischen Utopien und historischen Fakten. strauhof.ch

Die Ausstellung ist noch bis zum 4.9.2016 jeweils Mi/Fr 12–18 Uhr | Do 12–24 Uhr | Sa/So 11–17 Uhr geöffnet. Der Eintritt kostet normalerweise 10 CHF bzw. ermässigt 6 CHF. An den Donnerstags-Öffnungszeiten wird ab 18 Uhr kein Eintritt mehr verlangt.

Am 17. Juli wird um 14 Uhr für zusätzliche 6 CHF eine Führung durch die Ausstellung angeboten.

Am 3.9. beteiligt sich der Strauhof an der Langen Nacht der Zürcher Museen mit dem Thema Anarchisten-Prozesse, mit Performances und einer anarchistischen Playlist, zu der man wiederum Eigenes beitragen kann.

Links

„Adelante Libertad“ Spanienfreiwillige vom Hochrhein zwischen Bodensee und Basel von 1936 bis 1939

Vortrag von Brigitte und Gerhard Brändle am 12.7.2016 um 19:30 Uhr im Astoriasaal, VHS Konstanz-Singen e.v. (Katzgasse 7), Konstanz

Musikalische Begleitung: Cornelia Berthold (Violine), Alex Hanßmann (Oboe, Schagzeug), Philipp Heizmann (Gesang, Akkordeon), Stefa Moelkner (Kontrabass)

Im Sommer vor 80 Jahren putschten in Spanien Militärs unter General Franco gegen die demokratisch gewählte Volksfront-Regierung. Unterstützt wurden die Putschisten von Hitler-Deutschland mit den Nazi-Söldnern der „Legion Condor“ und Truppen des faschistischen Italien.

Über 35.000 Freiwillige aus 53 Ländern eilten der bedrohten Republik zu Hilfe. Über 20 Anti­faschisten kamen vom Hochrhein, aus Lörrach, Säckingen, Waldshut, Tuttlingen und auch aus Konstanz. Sie waren Gewerkschafter, Kommunisten, Naturfreunde, Sozialdemokraten oder parteilos. In Milizen der Anarchisten oder in den Internationalen Brigaden kämpften sie mit der Waffe oder arbeiteten als Sanitäter.

Von Willy Brandt, der für die Sozialistische Arbeiterpartei 1937 in Spanien war, stammt die klarsichtige Einschätzung des Charakters dieses Kriegs: „Der große Krieg kann nicht verhindert werden, wenn man den ‚kleinen‘ verloren gehen lässt. Die kommende Welt­ent­scheidung zwischen Faschismus und Sozialismus erlebt heute in Spanien eine Vorent­scheidung.“

Die Veranstaltung beruht auf noch unveröffentlichten Forschungen, sie stellt Biografien der vergessen gemachten Widerstandskämpfer vor, auch über das Jahr 1939 hinaus. Fotos der Freiwilligen und ihre Lieder sind eingebettet in Erläuterungen auch zur Vor- und Nach­geschichte.

Trotz der Distanz von 80 Jahren stellen sich heute ähnliche Fragen: Waffen­exporte an Mörderregime? Wirtschaftspartnerschaft mit Diktatoren? Abschreckung von Flüchtlingen?

Quelle: http://stolpersteine-konstanz.de