Jüdisches Leiden und Leben in Konstanz

Vortrag von Prof. Dr. E. Roy Wiehn am 3.7.2016 um 19:30 Uhr, Astoriasaal, VHS Konstanz-Singen e.V. (Katzgasse 7), Konstanz

Beginnend mit dem mittelalterlichen jüdischen Leben in Konstanz (1241–1448) über das rege jüdische Landleben Mitte des 17. Jahrhunderts in Gailingen, Randegg, Wangen und Worblingen und den Beschluss des Konstanzer Gemeinderats aus dem Jahre 1847, nach rund 400 Jahren Juden wieder als Ortsbürger aufzunehmen, schlägt der Vortrag von Professor Wiehn den Bogen zur Gründung der Israelitischen Gemeinde Konstanz 1863 bzw. 1866.

Die neue Gemeinde wuchs stetig, und ihre Mitglieder trugen zur kulturellen, sozialen, wirtschaftlichen und politischen Entwicklung der Stadt bei. Gemeinde und Stadt feierten am 1883 die Einweihung der Synagoge in der Sigismundstraße 19. Jedoch spätestens ab 1933 wurde die Israelitische Gemeinde rasch dezimiert durch zahlreiche und sich ständig steigernde judenfeindliche Maßnahmen und die erzwungene Emigration.

Die erstmals 1936 geschändete Synagoge wurde am 10. November 1938 endgültig zerstört. Mit der barbarischen Deportation der letzten 112 Jüdinnen und Juden am 22. Oktober 1940 nach Gurs im südwestlichen Frankreich wurde die Israelitische Gemeinde vernichtet.

Doch schon kurz vor Ende des Zweiten Weltkriegs 1945 befanden sich erneut viele junge Juden – befreite KZ-Häftlinge – in Konstanz, und auch erste Gottesdienste gab es hier bereits wieder 1945. Der kleine Konstanzer Betsaal am Ort der früheren großen Synagoge Sigismundstraße 19 wurde von Familie Nissenbaum eingerichtet und im Sommer 1966 eingeweiht.

Im Jahr 2016 soll mit dem Bau einer neuen Synagoge begonnen werden.

Quelle: http://stolpersteine-konstanz.de/