Die ganze Welt in Zürich – Das 3. Zürcher Hafenforum

Unter dem Motto „Wir machen Stadt“ findet am Samstag, den 6. Februar 2016 von 12 – 18:30 Uhr im Rahmen des Projekts „Die ganze Welt in Zürich“ eine Debatte um die Teilhabe Aller statt.


Ankunft beim Hafenforum in der Shedhalle Zürich

Ein Viertel aller BewohnerInnen der Schweiz sind von politischer und rechtlicher Mitbestimmung ausgeschlossen, weil sie keinen Schweizer Pass besitzen. Vielen von ihnen wird auch der Zugang zu sozialen Dienstleistungen, zu Bildung, Arbeitsplätzen, öffentlichen Institutionen und anderen Räumen erschwert. Über Migration wird als Problem gesprochen und über zahlreiche MigrantInnen als angebliche Konfliktquelle Bescheid gewusst, während sie aus Entscheidungspositionen ausgeschlossen bleiben. Diese Ungleichheit liesse sich durch den Zugang zu sozialen Rechten und Ressourcen für Alle, die an einem Ort leben, ausgleichen.

„Urban Citizenship“ knüpft das Recht auf (soziale) Rechte und den Zugang zu Ressourcen an den Lebensmittelpunkt, nicht an die StaatsbürgerInnenschaft. Das dialogische Kunstprojekt „Die ganze Welt in Zürich. Konkrete Interventionen in die Schweizer Migrationspolitik“ (seit Oktober 2015 in der Shedhalle Zürich) fragt: Wie kann eine solche StadtbürgerInnenschaft in Zürich aussehen? Welche konkreten Interventionen in die Schweizer Migrationspolitik braucht es dazu? Das Projekt zielt darauf ab, mit den Mitteln der Kunst die politische Machbarkeit konkreter Vorschläge einer StadtbürgerInnenschaft für Zürich auszuloten, diese Vorschläge hinsichtlich ihrer Umsetzbarkeit in Zürich zu überprüfen und öffentlich vorzuschlagen. Zudem schafft es einen Ort, an dem über Sachzwänge hinaus, im Sinne einer sozialen Utopie gemeinsam nachgedacht, verhandelt und politisch agiert werden kann.

Das 3. Zürcher Hafenforum „Die Ganze Welt in Zürich. Wir machen Stadt.“ bietet Raum, die Fragestellungen und Ansprüche des Projekts aus Perspektive politischer Theorie, Stadtforschung, Kunsttheorie und Vermittlung zu durchleuchten und öffentlich zu diskutieren.
Kann ein Kunstprojekt gleichzeitig eine konkrete politische Intervention sein? Welchen Begriff des „Politischen“ braucht es in Auseinandersetzungen um gleiche Rechte für alle StadtbewohnerInnen? Wie können neue Formen des gemeinsamen, solidarischen Agierens gefunden werden? Und: Wie sehen ähnliche Debatten und Kämpfe andernorts aus?

Das Hafenforum ist das dritte in einer Reihe von vier. Während in nicht-öffentlichen so genannten „Hafengesprächen“ die Umsetzung des Projekts konkretisiert wird, bieten die „Hafenforen“ die Möglichkeit der öffentlichen Debatte und Involvierung.

Programm:

12:00
Begrüßung

12:10
Martin Krenn (Künstler) und Katharina Morawek (Kuratorische Leiterin, Shedhalle) sowie Beteiligte des Projekts / „Die Ganze Welt in Zürich. Konkrete Interventionen in die Schweizer Migrationspolitik“, anschließend Fragen und Diskussion.

13:00
Mary Jane Jacob / Sozial engagierte Kunst und das Beispiel „Die Ganze Welt in Zürich“, anschließend 20 min. Fragen & Diskussion

14:00
Kaffeepause

14:15
Oliver Marchart / Minimale Politik und der Begriff des „Politischen“, anschließend 20 min. Fragen & Diskussion

15:15
Mittagspause (Suppe & Co.)

16:00
Nora Sternfeld / Von einander lernen. Der Aspekt der Vermittlung, anschließend 20. min Fragen & Diskussion

17:00
Henrik Lebuhn / Urban Citizenship: aktuelle Debatten und Kämpfe, anschließend 20 min. Fragen & Diskussion

18:00
Abschlussdebatte, Ausblick

Mit englisch/deutscher Simultanübersetzung! Translation english/german will be provided!

Zu den Vortragenden:

Mary Jane Jacob ist Kuratorin, Autorin und Vermittlerin. Sie ist Professorin an der School of the Art Institute of Chicago. Sie war Chefkuratorin am Museum of Contemporary Art in Los Angeles und im Museum of Contemporary Art in Chicago. Seit 1990 arbeitet sie als Pionierin in den Bereichen der sozial engagierten Kunst, der ortspezifischen Kunst sowie der Kunst im öffentlichen Raum.

Oliver Marchart ist politischer Philosoph und Soziologe. 2012 ist er Professor für Soziologie an der Kunstakademie Düsseldorf. Marchart prägte den Begriff des Postfundamentalismus und diskutiert in seiner Arbeit die unterschiedlichen Gründungsversuche von Politik, dem Politischen und der Gesellschaft in Soziologie, Philosophie und politischer Theorie.

Nora Sternfeld ist Professorin für Curating and Mediating Art an der Aalto University in Helsinki. Sie ist Gründungsmitglied des Wiener Büro trafo.K, das an Forschungs- und Vermittlungsprojekten an der Schnittstelle von Wissensproduktion und Bildung arbeitet. Darüber hinaus ist sie im Leitungsteam des ecm – educating/curating/managing. masterlehrgang für ausstellungstheorie und praxis an der Universität für angewandte Kunst Wien und im Kernteam von schnittpunkt. ausstellungstheorie & praxis.

Henrik Lebuhn ist wissenschaftlicher Mitarbeiter am Lehrbereich Stadt- und Regionalsoziologie der Humboldt Universität Berlin und Redakteur von PROKLA – Zeitschrift für kritische Sozialwissenschaft. Er arbeitet zu Fragen von Urban Citizenship, Migration und Grenzen in der Stadt, sozialen Bewegungen und partizipativer Politik.

Projektwebsite: www.whole-world-in-zurich.net