Archiv für Dezember 2015

Konferenz: Widersprüche des Nationalen

Das Institut für kritische Theorie (InkriT) lädt ein zu seiner XX. Jahrestagung vom 19. bis 22. Mai 2016 im Ver.di Bildungs- und Begegnungszentrum Clara Sahlberg in Berlin-Wannsee. Dachthema sind die „Widersprüche des Nationalen“.

Die Aktualität des Dachthemas ist buchstäblich brennend in einem Land, in dem Unterkünfte für Kriegsflüchtlinge in Brand gesteckt werden, während eine andere – immer noch bürgerliche – Zivilgesellschaft sich offen zeigt, aber mit der betreuenden Erstversorgung der Flüchtlinge zunehmend an ihre Grenzen stößt. Noch ist die Finanzkrise und damit auch die sich vertiefende Spaltung zwischen Defizit- und Überschussökonomien nicht ausgestanden, da laboriert Europa angesichts der »Flüchtlingskrise« an der Grenze zum Zerfall. In den Nationalstaaten macht sie sich als Überforderung der durch die Austeritätspolitik seit langem geschwächten Einrichtungen öffentlicher Verwaltung und sozialer Vorsorge und Versorgung sowie als staatlicher Kontrollverlust über Mensch und Situation spürbar – solidarische, internationalistische Aktivitäten von unten können dies nicht wettmachen. Die Zerreißproben, denen Europa unterliegt, brüten Nationalismen, Separatismen und Rechtsradikalismen.

So lautet das dramatisch klingende Intro des Aufrufs zur Teilnahme an der 20. InkriT-Jahrestagung. Sie findet zwar erst im Mai kommenden Jahres statt, dennoch kommt die Ankündigung nicht verfrüht. Die Tagung basiert auf der kritischen Mitarbeit der TeilnehmerInnen und die Mitarbeit beginnt bereits Wochen im Vorfeld der Tagung.

Kern der Tagung ist nicht etwa die Debatte (tages-)politischer Entwicklungen sondern ein eher langfristiges Vorhaben: Die Fertigstellung eines historisch-kritischen Wörterbuchs des Marxismus (HKWM) – ein sämtliche Dimensionen sprengendes Wörterbuch-Projekt, das Anfang der 80er Jahre begonnen wurde1, zuletzt im Jahr 2015 den Band 8/II („Links/Rechts bis Maschinenstürmer“ ) herausbrachte und somit bei etwas mehr als der Hälfte des Alphabets angelangt ist.

Wenn vom 19. bis 22. Mai 2016 Marxisten aus aller Welt zusammen kommen, werden sie in den Wörterbuchwerkstätten die Artikelentwürfe zu Band 9 des HKWM (Maschinerie bis naturwüchsig) bearbeiten.2 Geplant sind Werkstätten zu Maschinerie (Kaan Kangal, Nanjing), altchinesischer Materialismus (Jiaxen Zhou, Nanjing), mechanischer Materialismus (Peter Jehle, Potsdam), praxisphilosophischer Materialismus (Wolfgang Fritz Haug, Esslingen u. Los Quemados), Melancholie (Antje Géra, Hamburg), Metropolen (Ruth May, Berlin), multinationale Arbeiterklasse (Gerhard Hetfleisch, Innsbruck), multinationale / transnationale Konzerne (Hanns Wienold, Münster), Mystifikation (Isabelle Garo, Paris), Nation (Michael Löwy, Paris), nationale Befreiung (Samir Amin, Dakar), nationale Besonderheit (Mohamed Moulfi, Oran), nationaler Weg zum Sozialismus (Werner Schmidt, Stockholm), Nichtregierungsorganisationen (Uli Brand, Wien) u.a.

Zufall oder nicht – trotz dieser wissenschaftlichen Grundlagenarbeit bleibt die Tagung, deren diesjähriger Schwerpunkt um die Begriffe der Nation und des Nationalen kreist, hochaktuell und spannend. Und so endet der Aufruftext mit folgenden drängenden Fragestellungen:

Wie ist das Verhältnis von Nation, Transformation und Revolution in Vergangenheit und Gegenwart? Wie stellt sich das Verhältnis von Nation und Nationalstaat heute dar? Wie das Problem der ›Nationen‹ ohne eigenen Staat? Hat ›Befreiungsnationalismus‹ noch eine Perspektive? Welche Handlungsspielräume bestehen auf der Ebene der Nationalstaaten? Gibt es Alternativen zum Nationalen als Bedingung politischer Handlungsfähigkeit? Wie steht es mit dem Kosmopolitismus? Die Bearbeitung solcher und weiterer Probleme, die emanzipatorisches Denken in der Tradition von Marx im transnationalen Hightech-Kapitalismus mit neuen Widersprüchen konfrontieren, soll sich praktisch in einem Zuwachs an politischer Handlungsfähigkeit, aber auch theoretisch im einschlägigen Begriffsfeld in Band 9 des Historisch-kritischen Wörterbuchs des Marxismus niederschlagen.

Links

Fußnoten

  1. Das HKWM ist ein von über 800 WissenschaftlerInnen kooperativ erstelltes Wörterbuch zu ca. 1200 marxistischen Begriffen. Nach 10-jähriger Planungszeit erschien 1994 der erste Band („Abbau des Staates“ bis „Avantgarde“). [zurück]
  2. Bei den Werkstätten geht es darum, in gemeinsamer Anstrengung die Autorinnen und Autoren durch weiterführende Vorschläge, konkrete Hilfen, Ermutigung und Kritik auf den Weg zu guten Artikeln zu bringen. Wer sich anmeldet, muss sich für einzelne Workshops eintragen und läuft Gefahr, um ein sog. Votum gebeten zu werden: Unter „Votum“ wird ein fachlich-kritischer Beitrag verstanden, der schriftlich und im o.g. Sinne auf einen Artikelentwurf reagiert. [zurück]

Filmfestival „Horizontale“ vom 21.-24.1.2016 im scala Konstanz

Das Filmfestival „Horizontale“ holt das Thema Prostitution in die Innenstadt. Ganz im Zeichen der Imperia, der imposante Hübschlerin, die sich im Hafen vor dem Konzilgebäude zeigt.

Vier Tage lang beleuchten vielfältige Spielfilme, Dokumentationen und ein kritisches Rahmenprogramm das Thema.

Veranstaltet wird das Festival von der Konzilstadt Konstanz gemeinsam mit dem Scala-Kinocenter und dem Verein Hydra, der Berliner Beratungsinstanz für Prostituierte.

Highlights sind die Weltpremiere der Dokumentation „Sexarbeiterin“ und der in Marokko produzierte und dort verbotene Spielfilm „Much Loved“, der in Konstanz noch vor Bundesstart zu sehen sein wird.

Einzelticket: 8€; 5-Sterne-Ticket mit 5 Eintritten: 32,50€

Programmübersicht: (auch als PDF)

Donnerstag, 21.01.16

19 Uhr: Eröffnung des Festivals
Peeping Tom – Erregungsproduktion haptisch und optisch
Impulsreferat von Dr. Albert Kümmel-Schnur

20 Uhr: Sexarbeiterin (Weltpremiere)
Dokumentation, 2016, Deutschland, 96 Min., FSK 18, Regie: Sobo Swobodnik
Im Anschluss Fragerunde mit dem Filmteam und Premierenfeier

Freitag, 22.01.16

17 Uhr: Jung & schön
Spielfilm, 2013, Frankreich, 94 Min., FSK 16, Regie: François Ozon
Im Anschluss Expertengespräch

20 Uhr: Traumland
Spielfilm, 2014, Schweiz, 99 Min., FSK 12; Regie: Petra Volpe
Im Anschluss Expertengespräch

Samstag, 23.01.16

14 Uhr: Lilja 4-ever
Spielfilm, 2003; Schweden, Estland; 109 Min., FSK 12, Regie: Lukas Moodysson
Im Anschluss Diskussion „Sexarbeit 2016″

17.30 Uhr: Princesas
Spielfilm, 2005, Spanien, 113 Min., FSK 16, Regie: Fernando León de Aranoa
Im Anschluss Expertengespräch

20.30 Uhr: Much Loved
Spielfilm, 2015, Marokko, 108 Min., Regie: Nabil Ayouch
Mit Einführung vor dem Film

23 Uhr: Festivalparty im K9
Eintritt: 5 € / 3 € mit Kinoticket von Much Loved

Sonntag, 24.01.16

11 Uhr: Das Mädchen Rosemarie
Spielfilm, 1958, Deutschland 101 Min., FSK 12, Regie: Rolf Thiele
Im Anschluss Gespräch zu Film und Kriminalfall

14 Uhr: Frauenzimmer
Dokumentation, 2010, Deutschland, 74 Min., FSK 12, Regie: Saara Aila Waasner
Im Anschluss Fragerunde mit dem Filmteam

16.30 Uhr: Haus der Sünde
Spielfilm, 2012, Frankreich, 125 Min., FSK 16, Regie: Bertrand Bonello
Im Anschluss Diskussion „Von der Hübschlerin zur´Sexarbeiterin“

20.30 Uhr: Irina Palm
Spielfilm, 2007; Belgien, Luxemburg, Großbritannien, Deutschland und Frankreich, 103 Min., FSK 12, Regie: Sam Garbarski
Mit Festivalrückblick vor dem Film

Quelle: http://www.cinestar.de/de/kino/konstanz-scala-kinocenter/veranstaltungen/horizontale-filmfestival-zu-prostitution/

Rudi Dutschke – Geschichte ist machbar!

Vortrag von Michaela Karl am Montag, 11. Januar 2016 um 19:30 Uhr in der Aula der HTWG Konstanz

Am 7. März 2015 wäre Rudi Dutschke 75 Jahre alt geworden. Als er am Heiligabend 1979 an den Spätfolgen des Attentats vom 11. April 1968 verstarb, verlor die westdeutsche Linke eine ihrer herausragenden Persönlichkeiten, einen unbeirrbaren Vordenker und Vorkämpfer für Freiheit und Sozialismus jenseits des realexistierenden Sozialismus – einen Mann, den am Ende seines Lebens allerdings sogar die ehemaligen Genossen einen Träumer nannten.
Der charismatische Dutschke, der in der DDR nicht studieren durfte und 1968 in West Berlin zum Studentenführer avancierte, war Aktivist und Revolutionstheoretiker, Protestikone und Hassfigur. Der »deutsche Che Guevara« wollte nichts weniger als die Welt verändern und blieb der Revolution treu, auch als die Barrikaden von 1968 längst abgebaut waren. Sein berühmter Satz vom »langen Marsch durch die Institutionen« ist oft als Reformprogramm missverstanden worden. Doch Dutschke ging es nie um die Verbesserung des Systems, sondern immer um die Alternative.

Referentin:
Michaela Karl studierte Politikwissenschaften, Geschichte und Psychologie in Berlin, München und Passau. 2001 Promotion über Rudi Dutschke an der FU Berlin. Danach Lehraufträge an der Universität der Bundeswehr in Neubiberg und der Hochschule für Politik in München mit Themenschwerpunkt »Sozialismus und Revolutionsforschung«. Neben Büchern zur Sozialgeschichte verfasst sie vor allem Biografien. Jüngste Veröffentlichungen »›Noch ein Martini und ich lieg unterm Gastgeber.‹ Dorothy Parker. Eine Biografie« (2010), »Ladies and Gentlemen, das ist ein Überfall! Die Geschichte von Bonnie und Clyde« (2013).

Der Vortrag findet im Rahmen der HTWG-Vortragsreihe »Diese Wirtschaft tötet« – Über Gesellschafts- und Kulturkritik: Ideen und Figuren, Geschichte und Aktualität statt.

Quelle: http://www.htwg-konstanz.de/WS15-16.8064.0.html

Kaboom! Afrikanische Comics im Fokus

Ausstellung zu Comics aus und über Afrika vom 5.01. – 22.01.2016 jeweils 16 – 19 Uhr; Sa, 14 – 17 Uhr in den Basler Afrikabibliografien

Diese Ausstellung bietet einen Querschnitt durch die Comic-Kultur Afrikas südlich der Sahara, wie auch den Blick von ‚aussen’, dargestellt in europäischen und US-Comics.

Die Abenteuer von Tim und Struppi im Kongo kennen wohl die meisten. Aber kennst du auch Comics aus Afrika? In dieser Ausstellung findest du beides: Einen Querschnitt durch die Comic-Kultur Afrikas südlich der Sahara, wie auch den Blick von ‚aussen’, dargestellt in europäischen und US-Comics. Zudem werden Comics als Gegenstand der historischen Forschung analysiert und die Eigenheiten des Mediums – wie z.B. das Zusammenspiel von Bild und Wort – erarbeitet. Während zwei Semestern haben sich Studierende der Uni Basel und MitarbeiterInnen der Basler Afrika Bibliographien (BAB) mit diesem Thema auseinandergesetzt. Kaboom! Aus dem Interessantesten, Wichtigsten, Lustigsten, Erstaunlichsten und Spannendsten haben sie diese Ausstellung auf die Beine gestellt: Hier stehen afrikanische Comics im Fokus.

Quelle: http://baslerafrika.ch/

Die Antrittsvorlesung – der Film

Die Film-Dokumentation des szenischen Dramas „Die Liste der Unerwünschten“ (Gerd Zahner, 2015) ist auf DVD erschienen.

Szenisches Drama, Ton: DD 5.1 / 2.0 Stereo, Bildformat: 16:9 / 1:1,85Version: PAL, s/w, Laufzeit: 60 Minuten, Produktionsjahr 2015 – DVD

Am 19. November 2014 wurde im Audimax der Universität Konstanz die szenische Lesung von Gerd Zahner mit dem Titel „Die Liste der Unerwünschten“ aufgeführt. Und die hatte es in sich. Die Inszenierung handelte von der Waffen-SS-Vergangenheit des berühmten Konstanzer Literaturwissenschaftlers und Romanisten Hans Robert Jauß.

Didi Danquart führte damals Regie. Jetzt hat Danquart einen Dokumentarfilm herausgebracht, der auf diesem Bühnenstück basiert.

„Die Liste der Unerwünschten“ wird übrigens am 27. Januar 2016, dem 71. Jahrestag der Befreiung von Auschwitz, in Berlin aufgeführt.

Quelle: http://www.didi-danquart.de/antrittsvorlesung.html

Demo gegen das rassistische Migrationsregime am 12.12. in Zürich

Kommt alle an die Demo am 12.12.15 um 14 Uhr auf dem Helvetiaplatz in Zürich!

Aktionsbündnis „Stacheldraht zu Altmetall“

Quelle: http://ch.indymedia.org/de/2015/12/96287.shtml

Alles eine große Verschwörung?

Vortrag von Hans-Peter Büttner am Mittwoch, den 9.12.2015 um 19:30 Uhr im Bildungszentrum Konstanz (am Münsterplatz) über Verschwörungstheorien und was von ihnen zu denken ist.

Ob die Russische Oktoberrevolution, die Ermordung John F. Kennedys, der 11. September 2001 oder die Mondlandung vom 21. Juli 1969: Große Ereignisse werfen große Schatten und zahlreiche Fragen auf. Verschwörungstheoretiker konzentrieren sich hierbei auf die Frage nach mächtigen, konspirativen Zirkeln, die aus dem Hintergrund heraus Unheil stiften und zum Schaden der Allgemeinheit ihre ganz eigenen Interessen verfolgen. Das Internet bietet mittlerweile zahlreichen Verschwörungstheoretikern eine ideale Plattform für die Verbreitung ihrer Thesen. Der Vortrag behandelt die Frage, was denn Verschwörungstheorien so attraktiv macht, nach welchen Prinzipien sie funktionieren und anhand welcher Kriterien sie sinnvoll beurteilt werden können.

Quelle: http://www.bildungszentrum-konstanz.de

Hans-Peter Büttner lebt in Konstanz und ist Dipl. Sozialpädagoge, Lehrkraft und Dozent in der Erwachsenenbildung sowie Schulsozialarbeiter. Er hat zahlreiche Texte zum Marxismus und zur Kritik der Politischen Ökonomie veröffentlicht.