Archiv für November 2015

Führung durch den Goldbacher Stollen des ehemaligen KZ Aufkirch

Die Dokumentationsstätte Goldbacher Stollen und KZ Aufkirch in Überlingen e.V. führt am Freitag, den 4. Dezember 2015 Interessierte ab 17 Uhr etwa zwei Stunden durch den KZ Stollen in Überlingen. Treffpunkt der Führung ist vor dem Tor des heutigen Eingangs in der Oberen Bahnhofsstraße 28.

Der Golbacher Stollen soll als Informationsbasis für alle dienen, die sich mit dem Überlinger bzw. dem Goldbacher Stollen in der Zeit der nationalsozialistischen Diktatur beschäftigen wollen. Die „Dokumentationsstätte Goldbacher Stollen“ vermittelt historische,militär- und wirtschaftshistorische Informationen, da diese Ereignisse einen Teil der Heimatgeschichte des Bodenseeraumes und der Stadt Überlingen darstellen.
Die aufklärende Absicht der Führungen soll dazu beitragen, neofaschistischen Tendenzen und der Meinung entgegenzutreten, dass mit Gewalt gesellschaftliche Probleme gelöst werden könnten.

Der mahnende Charakter wird deutlich, indem die Perspektive der Opfer ins Zentrum gerückt wird. Am Beispiel des Verlustes sämtlicher Freiheiten soll verdeutlicht werden, wie wertvoll die Freiheitsrechte- niedergelegt in der Verfassung unseres Staates, dem Grundgesetz- in unserem Staat und damit in einer Demokratie sind. Erinnerungen von Zeitzeugen, Sammeln von Archivmaterialien, eigene Veröffentlichungen und didaktisch und methodisch aufbereitete Führungen sind der Grundstock des Handelns des Vereins“ Gedenkstätte Goldbacher Stollen und KZ Aufkirch e.V.“.

Weitere Infos: www.stollen-ueberlingen.de

SONNWEND – eine szenische Lesung von Gerd Zahner

Am 4.12.2015 führt Gerd Zahner sein Stück „Sonnwend“ erneut auf, diesmal in der Singener Gems (20 Uhr)

Ludwig Finckh, Arzt und Schriftsteller und Hesse-Freund und Naturschützer und Nationalsozialist, ist eine der unaufgeklärten Figuren von Höri, Hegau und Bodensee. 1905 mit Hesse an den See gezogen, ins weltabgewandte Gaienhofen, feierte er als Schriftsteller Erfolge. Er knüpfte und verlor eine enge Freundschaft mit Hermann Hesse. Er verbündete sich mit dem Nationalsozialismus, galt für viele Nationalsozialisten mit den Büchern „Der Ahnenhorst“ und „Die Jakobsleiter“ als einer der Vordenker.

Der Schauspieler Josef Vossenkuhl, Kind der Stadt Singen, wird in einer szenischen Lesung dieser Frage auf den Grund gehen. und die Schatten, die Gerhard Zahner in seinem Stück „Sonnwend“ ausgelegt hat einer lebendigen Figur zufügen. Bei der Premiere war das Publikum tief beeindruckt von der schauspielerischen Kraft Vossenkuhls, umrahmt von der lyrischen Klarinette von Harro Eden.

Quelle: http://www.diegems.de

Gerd Zahner ist wohl der zur Zeit spannendste Regisseur der Bodenseeregion. Der hauptberufliche Rechtsanwalt aus Konstanz hat in den letzten Jahren zahlreiche hochinteressante Stoffe zur Aufführung gebracht, die nicht selten für heftige lokalgeschichtliche Debatten sorgten. Dazu zählen unter anderem, das Stück „Flüsterstadt“, das 2010 in Radolfzell eine jahrzehntelang totgeschwiegene SS-Vergangenheit thematisiert oder das Stück „Die Liste der Unerwünschten“, das 2014 mit Hans Robert Jauß, eine Koryphäe der Konstanzer Romanistik vom Sockel stieß.

Wie diese Woche zu erfahren war, arbeitet Gerd Zahner bereits wieder an einem neuen Stück zur Radolfzeller NS-Vergangenheit. Es geht um Alice Fleischel eine Jüdin, die im Oktober 1940 von Radolfzell in das französische Internierungslager Gurs deportiert wurde, wo sie am 26. April 1941 ums Leben kam. Über das Radolfzeller Wochenblatt sucht der Regisseur zusammen mit dem Historiker Markus Wolter nach „Zeitzeugen [], die Aussagen zum Umfeld von Alice Fleischel speziell in Radolfzell machen können.“ Ausserdem wird nach Erinnerungen zu ihrem damaligen Leben im Radolfzeller Hotel Schiff gefragt.

Zum ersten Mal wurde „Sonnwend“ im Juni 2015 in der Domäne Hohentwiel aufgefürt, also dort, wo auch heute noch der Ludwig Finckh Weg beginnt. Weitere Berichte zu Stücken von Gerd Zahner: Suche nach Gerd Zahner auf LinksRhein.

http://www.gerdzahner.de/

Lothar Galow-Bergemann: Unverstandener Nationalismus – Unverstandener Antisemitismus

Vortrag darüber, warum in Deutschland auch nach 70 Jahren noch viel zu lernen ist, am Montag, den 30.11.2015 um 19:30 Uhr in der vhs Konstanz

Der Referent wirft einen Blick auf Nationalsozialismus und Antisemitismus jenseits des herrschenden Mainstreams und zieht unbequeme Schlüsse, die zur Diskussion einladen.

Wie wenig der Nationalsozialismus entgegen allen Beteuerungen aufgearbeitet ist, zeigt sich nirgends deutlicher als im völligen Unverständnis des Antisemitismus, von dem man eigentlich nur weiß, dass er irgendwie schlecht ist. Hätte man ihn hingegen begriffen, müsste ein oberflächlicher und personalisierender Antikapitalismus, der von „den Gierigen, die uns alle aussaugen“ phantasiert, auf entschiedenen Widerstand stoßen. Doch ganz im Gegenteil, seit Beginn der Krise 2008 grassiert er. Und in obszöner Selbstgerechtigkeit meint man in Deutschland, ausgerechnet aus der Shoah mehr gelernt zu haben als die Juden. Deswegen sind zwar zwei Drittel der Deutschen davon überzeugt, vom jüdischen Staat gehe die größte Gefahr für den Weltfrieden aus, aber Antisemit will sich keiner von ihnen nennen lassen. Doch hinter dem verbreiteten „Man wird doch nochmal sagen dürfen“ verbirgt sich alter Antisemitismus in pflegeleichter Aufmachung: Niemand hat was gegen Juden, bewahre! Wir wollen doch alle nur Israel kritisieren.

Lothar Galow-Bergemann schreibt u. a. in konkret, Jungle World u. www.emafrie.de; er ist Vorstandmitglied der Deutsch-Israelischen Gesellschaft AG Stuttgart und Mittlerer Neckar

Organisiert von Deutsch-Israelische Gesellschaft Bodensee-Region + Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit Konstanz e.V., + Jüdische Gemeinde Konstanz e.V. + vhs

Sarah Diehl: Die Uhr, die nicht tickt- „Kinderlos glücklich“

Lesung von Sarah Diehl am Dienstag, den 1. Dezember 2015 um 19 Uhr im Konzil Konstanz

Sarah Diehl (Bild: Verbrecher Verlag)Immer mehr Frauen bleiben freiwillig kinderlos, nicht nur in Deutschland. Aber das Reden über die biologische Uhr ist so allgegenwärtig, dass Frauen sich selbst misstrauen, wenn sie die Uhr nicht ticken hören. Sie zweifeln ihre eigene Entscheidungsfähigkeit an, weil ihnen vermittelt wird, dass sie etwas anderes wollen müssen.
Geht es ums Kinderkriegen, wird unbeirrt festgehalten an der Vorstellung vom angeborenen Mutterinstinkt und an der Idee vom allein seligmachenden Glück der Kleinfamilie. Politik und Gesellschaft bauen demografische und biologistische Schreckgespenster auf, um an alten Familienkonzepten und Geschlechterhierarchien festhalten zu können. Kein Kind zu wollen, gilt als unnatürlich, egoistisch oder feige.

Sarah Diehl, Mitte 30 und selbst kinderlos, hat Frauen interviewt, die freiwillig keine Mütter sind. Sie hat erfahren, dass die Gründe vielfältig sind, Egoismus oder Narzissmus gehören nicht dazu. Ihr Buch ist das überfällige Plädoyer für eine vorurteilsfreie und zeitgemäße Einstellung zu weiblicher Identität und für neue Konzepte des solidarischen Zusammenlebens.

Vortragsreihe: „Leben im Imperativ oder was wir glauben sein zu müssen“

Organisiert vom AStA der Uni Konstanz und Input Konstanz

Tipp:

Film über Women on Waves mit Input von Sarah Diehl
12:00 Kino Xenix, Kanzleistrasse 52, 8004 Zürich

Diskussion mit Sarah Diehl
15:00 Volkshaus, Grüner Saal, Stauffacherstrasse 60, 8004 Zürich

NPD-Parteitag in Weinheim – Zensurversuch gegen Mobilisierungs-Webseite

Am kommenden Wochenende, den 21. und 22. November 2015, wird die NPD versuchen, ihren Bundesparteitag in der Stadthalle von Weinheim abzuhalten. Der Parteitag soll unter dem rassistischen Motto „Das Boot ist voll – Asylbetrüger abschieben!“ stattfinden. Schon jetzt wird von staatlicher Seite gegen diejenigen vorgegangen, die zu antifaschistischen Blockaden aufrufen.

Update 27.11.2015: Nach ihrem Einsatz beim Parteitag der NPD in Weinheim: Polizei steht weiter in der Kritik (beobachternews.de) und Wie ich gegen die NPD demonstrieren wollte – und stattdessen im Knast landete (fudder.de)

Update 22.11.2015: Berichte und Bildergalerien auf www.beobachternews.de und linksunten.indymedia.org

Update 21.11.2015: Live Ticker #blocknpd, #nonpdwhm

Wie von der neuen Mobi-Seite gegen den NPD-Bundesparteitag zu erfahren ist, hat die Staatsanwaltschaft bereits vor über einer Woche vom Politischen Provider „Blogsport“ verlangt, die bisherige Mobilisierungsseite aus dem Netz zu nehmen, was offensichtlich auch geschehen ist. Unter der bisherigen Adresse ist keine Webseite mehr anzutreffen. Ein Grund dafür war nicht erkennbar.

Der Provider Blogsport hostet übrigens auch LinksRhein. Das macht es nicht leichter, darüber zu berichten. Die Mobilisierung gegen den NPD-Bundespartei wird dadurch jedenfalls nicht verhindert, einerseits weil die Mobilisierungswebsite längst bei einem anderen Blogbetreiber untergekommen ist und dort fleissig weiter postet und anderseits, weil auf zu vielen verschiedenen Websites von Antifagruppen und alternativen Medien wie indymedia darüber berichtet wird.

Und die Gegen-Mobilisierung ist durchaus breit. Für Samstag, den 21. November 2015 ruft die Antifaschistische Initiative Heidelberg zur Demonstration „Gegen den NPD-Parteitag vorgehen! Rassismus und völkischem Nationalismus entgegentreten!“ auf. Auftakt ist ab 13 Uhr am Bahnhof Weinheim. Blockaden rund um die Stadthalle sind schon deutlich früher, ab Samstag 8 Uhr angekündigt. Die Initiative Nazifreies Weinheim hat sich zum Ziel gesetzt, den NPD-Bundesparteitag am 21. und 22. November 2015 nicht nur mit Protesten zu begleiten, sondern durch zivilen Ungehorsam zu verhindern. Darüberhinaus gibt es verschiedene Mahnwachen und Kundgebungen sowie ein „Guck hin! Aktionscamp“, das von „Weinheim gegen Rechts“ organisiert wird. Um bei all diesen Aktionen nicht den Ueberblick zu verlieren, ist diese Karte recht nuetzlich.

Busse aus dem Süden fahren aus Stuttgart, Karlsruhe, Tübingen, Villingen-Schwenningen, Lörrach, Freiburg, Achern, Bühl und Rastatt Richtung Weinheim. Weitere AntifaschistInnen treffen sich zur gemeinsamen Anreise per Zug z.b. ab Mannheim oder Ludwigshafen. Und sicher werden auch grössere Gruppen aus Hessen (Frankfurt, Wiesbaden, Darmstadt, Fulda, Giessen, etc.) anreisen. Wer eine Uebernachtungsmoeglichkeit sucht, kann sich an eine Pennplatzboerse wenden.

Links

Spezialprogramm über Flüchtlinge im Radio LoRa, Zürich

Mit einem Spezialprogramm vom Sonntag, 22. November bis am Freitag, 27. November 2015 beleuchtet das Zürcher Radio LoRa die Thematik aus verschiedenen Perspektiven. 17 Sendungsstunden werden weitgehend von Flüchtlingen und Migrant_innen und in neun verschiedenen Sprachen produziert.

Die Sendungen sind auch als Webradio zu empfangen!

Seit mehreren Monaten wird von einer sogenannten Flüchtlingskrise in Europa berichtet, viele Organi­sationen, Regierungen und Behörden haben verschiedenen Massnahmen unternommen, um das Ankommen der geflüchteten Menschen zu bewältigen. Es wird von Hunderttausenden von Menschen aus Syrien sowie aus Afghanistan, dem Irak oder Eritrea gesprochen. Die „Massen“ sind sich von Europas Aussengrenzen bis nach Zentraleuropa vorgedrungen und bedrohen das Grenzregime von Europa.

Wie wird darüber berichtet in den Medien? Diese Frage ist der Ausgangspunkt für unser Spezial­programm. Wir wollen aber uns mit der Vielfältigkeit der Situation beschäftigen: Nicht nur von den Sorgen und Ängsten Europas berichten, sondern auch aus der Perspektive der vergessenen Flücht­linge aus Palästina oder jener im Grenzegebiet von Somalia und Kenia oder jenen in Nordkurdistan (Türkei), die von kommunalen Selbstverwaltungen aufgenommen wurden. Auch selbstorganisierte Gruppen wie Refugees Radio Network aus Hamburg oder die Migrantinneninstitution Maiz aus Linz (A) und Refugees und Migrant_innen im Radio Lora kommen zu Wort.

Auftakt ist am Sonntag Abend mit einer Sendung von 18:00 – 20:00 Uhr in der zunächst das Spezialprogramm präsentiert wird.

Infos zum Programm (Flyer im PDF Format)

Quelle https://spezialprogramm.wordpress.com/2015/11/16/spezialprogramm-ueber-fluechtlinge-im-radio-lora/

http://www.lora.ch/

Das Ende der Legende von der „sauberen Wehrmacht“ und die neuen Legenden

Vortrag von Hannes Heer zu 70 Jahre Kriegsende und 20 Jahre Wehrmachtsausstellung am Freitag, den 20.11.2015 um 19:30 Uhr in der vhs Konstanz

Mit der Kapitulation der großdeutschen Wehrmacht vor 70 Jahren fand auch das Dritte Reich sein Ende. Europa und die Welt wurden vom Terror Nazi-Deutschlands befreit, der mindestens 40 Millionen unschuldiger Menschen das Leben gekostet hatte. Davon waren 6 Millionen Juden. An diesen Verbrechen waren 19 Millionen Soldaten der Wehrmacht und Hundertausende Angehörige von SS und Polizei beteiligt. Die Verantwortung für den Völkermord an den Juden hatte die erste Bundesregierung unter Konrad Adenauer schon 1952 übernommen und mit 3,4 Milliarden DM bezahlt. Aber es dauerte 50 Jahre, bis sich Deutschland auch der Schuld für den genozidalen Vernichtungskrieg der Wehrmacht in Polen, in der Sowjetunion und in Jugoslawien gestellt hat.

Im März 1995 präsentierte das Hamburger Institut für Sozialforschung erstmals die unter Leitung von Hannes Heer realisierte Ausstellung Vernichtungskrieg. Verbrechen der Wehrmacht 1941 bis 1944, die vier Jahre lang in 34 deutschen und österreichischen Städten zu sehen war und von fast einer Million Menschen besucht wurde. Die Präsentation löste einen Schock aus: Sie zerstörte eine der Gründungslegenden der Bundesrepublik, wonach ausschließlich die SS für alle Verbrechen verantwortlich gewesen, die Wehrmacht aber in Erfüllung ihrer militärischen Pflicht „sauber und anständig“ geblieben sei. Und sie erschütterte die Lebenslügen einer ganzen Generation.

Die Ausstellung rührte an drei Tabus: Sie wies nach, dass der Holocaust nicht in Auschwitz, sondern schon 1941 in der besetzten Sowjetunion begonnen hatte, mit den von der Wehrmacht unterstützten Massenerschießungen der SS-Einsatzgruppen hinter der Front; dass außer der Vernichtung der Juden auch die Dezimierung der als „minderwertig“ geltenden sowjetischen Bevölkerung geplant war und diese mit fast 30 Millionen Opfern genozidale Ausmaße erreicht hatte; dass nicht die SS und ein paar fanatische Nazioffiziere, sondern die Wehrmacht als Institution auf der Grundlage entsprechender Befehle und mit 10 Millionen Soldaten dafür verantwortlich gewesen war. Die Planung und Durchführung dieser beiden Großverbrechen wurde auch durch die Millionen Fotos, die die Landser im dreijährigen Einsatz geknipst hatten und die in einer Auswahl erstmals der Öffentlichkeit zugänglich gemacht wurden, beglaubigt.

Die Ausstellung spaltete das Land und provozierte eine alle Teile der Gesellschaft wie die Politik – Regierungen, Parteien und Parlamente – erfassende Debatte. Boykottaufrufe und Diffamierungskampagnen, Kontaktverbot für die Bundeswehr und Warnungen vor dem Besuch der Ausstellung für Schüler, Bombenattentate und Neonaziaufmärsche, aber auch ernsthafte Auseinandersetzungen in den Familien und zwischen den Generationen, Kritik an Geschichte und Traditionspflege der Bundeswehr und eine Neuorientierung der historischen Forschung waren die Folge. Um das Klima der Kämpfe und Debatten um die Ausstellung wieder in Erinnerung zu rufen, wird am Ende dieses Kapitels ein Ausschnitt aus Ruth Beckermanns in der Wiener Ausstellung 1995 gedrehter Dokumentarfilm Jenseits des Krieges gezeigt.
Im Oktober 1999 wurde die Ausstellung wegen angeblich gefälschter Fotos zurückgezogen. Ein Jahr später kam eine internationale Historikerkommission in ihrem Untersuchungsbericht zu dem Ergebnis, dass diese Vorwürfe unberechtigt und die Befunde der Ausstellungsmacher korrekt waren. Das Hamburger Institut präsentierte trotz dieser Rehabilitierung der alten 2001eine neue Ausstellung, in der die Tabus ausgespart und die Fotos der Landser nicht mehr vorkamen. Zu sehen waren Taten ohne Täter.

Der Vortrag wird abschließend zeigen, wie aus dieser Leerstelle die neuen Legenden ihren Ausgang genommen haben. In der wissenschaftlichen Literatur lässt sich das am Beispiel des Buches Soldaten von Sönke Neitzel/ Harald Welzer demonstrieren, in dem der Charakter von Hitlers „Weltanschauungskrieg“ im Osten geleugnet und dessen Soldaten zu „ganz normalen Kriegern“ umgedeutet werden. In den populären Medien zeigen Fernsehfilme wie der Blockbuster Unsere Mütter, unsere Väter, dass Hannah Arendts Warnung, statt des üblichen „Umschreibens der Geschichte“ sich an der „Tatsachenwahrheit“ selbst und deren „elementaren Daten“ zu vergreifen, längst Normalität geworden ist. Der neue deutsche Geschichtsfilm, das ist meine These, knüpft damit an die bundesdeutschen Kriegsfilme der 1950er und 1960er Jahre an. Er bedient wie diese das Genre des „Opferfilms“, erweitert es aber mit um eine bemerkenswerte Variante.

Organisiert von vhs + Bürgerbüro + Friedensinitiative KN, VVN-Bda KN-Singen

Kulturwille ist Lebenswille – Das Vermächtnis der Komponisten im KZ Theresienstadt

Vortrag von Ruth Frenk über Musik im KZ Theresienstadt am Donnerstag, den 19.11.2015 um 19:30 Uhr in der vhs Konstanz

Der Name Theresienstadt wurde zum Synonym für die größte Propagandalüge der Nationalsozialisten. In der Zwangsgemeinschaft dieses Konzentrationslagers war fast die gesamte jüdische Kulturelite versammelt. Zunächst war jede kulturelle Betätigung illegal und von Strafen bedroht. Als das Lager zum „jüdischen Siedlungsgebiet“ deklariert wurde, erhielten die Theresienstädter Künstler das zynische Privileg, bis zu ihrer Ermordung nicht nur zur Unterhaltung ihrer Leidensgenossen beitragen zu dürfen, sondern auch als Statisten in einem groß angelegten Täuschungsmanöver mitwirken zu müssen. Der Vortrag beschäftigt sich mit den Komponisten Viktor Ullmann, Hans Krasa, Pavel Haas, u. a. sowie mit den Kabaretttexten von u. a. Leo Strauss und Karel Svenk.

Die Sängerin und Gesangs Pädagogin Ruth Frenk wohnt seit 1974 in Konstanz. Sie ist Vorsitzende der Deutsch-Israelische Gesellschaft Bodensee -Region, im Vorstand der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit Konstanz e.V. und Vorstands Mitglied der Jüdischen Gemeinde Konstanz. Seit 1985 beschäftigt sie sich intensiv mit den Komponisten von Theresienstadt.

http://www.vhs-konstanz-singen.de/

Laugh up. Stand Up.

Rassismuskritisches Humorfestival vom 13. – 15. November 2015 in der Shedhalle Zürich


Fatima Moumouni

Das dreitägige Festival fragt nach dem Zusammenspiel von Humor und Rassismus– mit komischen Mitteln und der Lust dagegenzulachen. Das Festival will für rassistische Strukturen in Witz und Comedy sensibilisieren, rassismuskritische Positionen im Schweizer (Humor-) Diskurs entwickeln und Formen des Humors fördern, die bestehende Stereotype überwinden und den von rassistischer Ausgrenzung Betroffenen eine Stimme verleihen.

Stand-up Comedians, Poetry Slamer, Youtuber_innen, Performance Künstler_innen, Musiker_innen und Humorforscher_innen sind eingeladen, um mit dem Publikum in einen Dialog treten. Diskussionsrunden, Podien und Workshops vermitteln die verhandelten Themen und sollen zur Reflexion des eigenen Lachens anregen.

Programm, Künstler_innen und Tickets unter www.laughupstandup.ch

Das Festival ist eine Koproduktion der Shedhalle Zürich mit dem „Verein zur Förderung rassismuskritischer Öffentlichkeiten“.

http://www.shedhalle.ch

Zwei Kundgebungen, zwei Blockaden und zwei Antifa-Demos am 7.11.2015 in Donaueschingen

Kurzbericht von den heutigen Protesten gegen den Ex-SBH-Gida / Nein-zum Heim – Aufmarsch in Donaueschingen

Das Offene Antifaschistische Treffen Villingen-Schwenningen hatte zwei Kundgebungen in unmittelbarer Nähe zum Aufmarschort der von Nazis durchsetzten Ex-SBH-Gida / Nein-zum Heim – Organisation angemeldet. Die eine stand etwas höher vor der Stadtkirche, die andere etwas tiefer bei der Brücke über die Brigach. Allein die geschickte Wahl der Kundgebungsorte muss einigen Rechten die Anreise erschwert haben. So führte der direkte Weg vom Bahnhof zum Max-Rieple-Platz genau an diesen Kundgebungen vorbei (siehe Foto).


Südblockade in der Straße ‚An der Stadtkirche‘

Da sich kaum Rechte blicken ließen, entschied sich die Antifa-Blockade gegen 14 Uhr zu einer spontanen Demonstration durch Donaueschingen-Mitte und somit der Verlegung ihres Standorts in die Karlstraße (siehe das Foto unten). Bei der Absperrung mit Antifas, Transparenten, Polizeigattern und -fahrzeugen war weder für Passanten noch für rechte Demonstranten ein leichtes Durchkommen. Wer es nicht schaffte durchzukommen, musste lange Umwege in Kauf nehmen oder blieb einfach stehen, um die für Donaueschingen seltene Szenerie zu beobachten und den Reden am Lautsprecher lauschen.


Nördliche Blockade in der Karlstraße durch Antifas in unmitelbarer Nähe des ‚Nein-zum-Heim‘-Aufmarsches in Donaueschingen

Die Zahl der Rechten unter dem Label „Nein zum Heim“ blieb heute deutlich hinter früheren Teilnehmerzahlen unter dem Label „SBH-Gida“ in Villingen-Schwenningen zurück. Es war sozusagen ein mickriger Neuanfang nach dem Rausschmiß aus dem Pegida-Netzwerk. In der Presse ist von lediglich 90 TeilnehmerInnen die Rede. Ob das an den Blockaden oder der schwachen Mobilisierung der Rechten lag, kann dahin gestellt bleiben.

Tatsache ist jedenfalls, dass ihre Öffentlichkeitswirksamkeit sich heute praktisch dem Nullpunkt näherte. Der am Stadtrand gelegene Max-Rieple-Platz scheint eine mediale Eigenschaft zu besitzen, die den Rechten bei der Ameldung wohl nicht bekannt gewesen ist. Man sah und hörte sie schlicht nicht, selbst wenn man nur wenige Meter entfernt stand. Dicke Mauern trennten den Rest der Welt von dieser traurigen Rassistenversammlung.

Um so größer war die Außenwirkung der Antifas im Stadtbild von Donaueschingen. Über Stunden hinweg dröhnte fetzige Musik, wurden engagierte Redebeiträge gehalten und lautstarke Parolen wie „Alerta, alerta, antifascista“, „Es gibt kein Recht auf Nazipropaganda“ oder „Siamo tutti antifascisti“ skandiert. Nach Ende des Naziaufmarsches formierten sich die Antifas erneut hinter ihren Transparenten und zogen ein zweites Mal lautstark durch das Stadtzentrum. Keine Polizeieskorte setzte ihrem Bewegungsdrang Grenzen. Erst als ihr Weg sich zu sehr in Richtung Bahnhof und den sich dort noch in der Abreise befindlichen Nazis führte, entschied sich die Polizei zu einer Sperrung der Josefstraße.

Die Kundgebung von Ex-SBH-Gida / Nein-zum Heim konnte heute in Donaueschingen mangels Masse nicht verhindert werden, gleichwohl war ihr Impact auf der Straße stark eingeschränkt. Die Straße hat heute uns gehört! Die Antifa wertete den heutigen Aktionstag somit gut gelaunt als Erfolg und kündigte bereits ihr Wiederkommen in größerer Zahl an.

s.a. Gegen den SBH-Aufmarsch in Donaueschingen am 7.11.2015

„Hass schüren … und als Unfall verkaufen“?

Vortrag daüber wie Grauzone-Bands Pegida- und AfD-Inhalte verpacken. Am 9.11.2015 um 19 Uhr im Contrast, Joseph-Belli-Weg 11, Konstanz

Die Debatte klingt so 2013. Doch sie ist buchstäblich brandaktuell. In einem Interview distanzierte sich Frei.Wild-Frontmann Philipp Burger von den Anschlägen auf Asylbewerber*innenheime und verurteilte fremdenfeindliche Einlassungen seiner Fans, die häufig auch als PEGIDA- und AfD-Anhänger*innen in Erscheinung treten. Der Fortschritt: Frei.Wild hat erkannt, welches Publikum bei ihren Konzerten mitgröhlt. Das ist aber noch immer kein Grund, die Band zu mögen, denn ein entscheidender Schritt bleibt aus: Zu begreifen, dass es eben verstärkt der Inhalt der eigenen Texte sowie das öffentliche Auftreten um die Frage, ob die Band denn jetzt rechts sei oder nicht, den Boden für eine Fankultur bereitete, die völkisches und nationalistisches Gedankengut nicht als rechts begreift. Wer Frei.Wild medial dafür kritisierte, wurde als System- oder Lügenpresse abgetan. Eine Strategie, die aktuell bei Verschwörungstheoretiker*innen, Rassist*innen sowie der AfD und PEGIDA beliebt ist. Unser Referent geht darauf ein, wie Frei.Wild sowie andere Grauzonebands völkisches, rechtes Gedankengut bedienen und verdeutlicht, welche Gefahren es birgt, wenn jene Ideen, die in solcherlei Texten propagiert werden, ihren Weg in den Alltag finden.

Vortragsreihe: „Leben im Imperativ oder was wir glauben sein zu müssen“

Organisiert vom AStA der Uni Konstanz und Input Konstanz

Bundesweite Mahnwachen zum 9. November

Sowohl die Konstanzer als auch die Radolfzeller Stolpersteininitiativen nehmen dieses Jahr wieder an der bundesweiten Mahnwache zum Gedenken an die Reichspogromnacht am 9. November 1938 teil. Bei dieser Mahnwache werden am 9. November in der Zeit von 18.00 – 18.30 Uhr Stolpersteine in allen beteiligten Städten zeitgleich geputzt und zum Gedenken werden an jedem Stein Kerzen entzündet und Blumen niedergelegt. An vielen Stolpersteinen wird auch über die Biographie des Opfers informiert. Die Mahnwache steht unter dem Motto „Den Toten ehrendes Gedenken und Mahnung für heute!“.

Radolfzell

Um 18 Uhr treffen sich die Radolfzeller UnterstützerInnen auf dem Seetorplatz beim Gurs-Stein. Sie werden an die Opfer des 9. und 10. Novembers 1938 erinnern. Damals gingen von der ehemaligen Radolfzeller SS-Kaserne die Zerstörungen der Synagogen in Konstanz, den Landgemeinden der Höri und im Hegau sowie die Misshandlungen zahlreicher jüdischer Einwohner aus.

Danach schliesst sich die Radolfzeller Stolpersteininitiative der bundesweiten Mahnwache an und gedenkt aller Opfer des nationalsozialistischen Regimes mit einer öffentlichen Reinigung der 16 Stolpersteine, die im Juni 2014 und im September 2015 in Radolfzell verlegt wurden.

Wer sich hieran beteiligen möchte, kann sich zur besseren Koordinierung bei info @ stolpersteine-radolfzell.de anmelden.

Konstanz

Auch in Konstanz beginnt die Putzaktion um 18 Uhr und dauert etwa eine halbe Stunde. Angesichts der zahlreichen Konstanzer Stolpersteine wurde die Stadt in mehrere Bereiche aufgeteilt und verschiedenen Bezugspersonen zugeordnet, die jeweils in ihrem Bereich die PutzhelferInnen koordinieren.

Konstanz bietet zudem folgendes Rahmenprogramm:

  • 8.11. 10 – 12 Uhr: Führung „Spuren der NS-Gewaltherrschaft auf dem jüdischen Friedhof und dem Hauptfriedhof von Konstanz“
  • 9.11., 19:30 Uhr: Vortrag von Prof. Dr. Jürgen Klöckler: Radikalisierungsschübe ‚von unten‘. Die Rolle der Konstanzer Stadtverwaltung bei der Entrech­tung, Enteignung und Deportation der Juden im Nationalsozialismus. Kulturzentrum am Münster, Wolkensteinsaal.
  • 14.11., 19:30 Uhr: Lesung mit Helmut Straub. Kulturzentrum am Münster, Gewölbekeller. Finissage der Ausstellung zum Lager Gurs
  • 20.11., 14:30 Uhr. Stadtführungen zu ausgewählten Stolpersteinen anhand von Kurzbiografien mit Schwerpunkt „Jüdische Menschen in Konstanz“.

Video zur Mahnwache: https://www.youtube.com/watch?v=p5j_3DKzfT8

http://www.9ternovember.de

Quelle: http://stolpersteine-konstanz.de, http://stolpersteine-radolfzell.de

Gegen den SBH-Aufmarsch in Donaueschingen am 7.11.2015

In Donaueschingen plant die Initiative „Nein zum Heim in Schwarzwald-Baar-Heuberg“ am Samstag, den 7. November einen rassistischen Aufmarsch. Das Offene Antifaschistische Treffen Villingen – Schwenningen ruft zu Gegenaktionen auf.

Update 7.11.2015: Zwei Kundgebungen, zwei Blockaden und zwei Antifa-Demos am 7.11.2015 in Donaueschingen

Update 7.11.2015: Der naheliegendste Weg zwischen Bahnhof und Aufmarschort der Nazis und Rassisten (Max-Rieple-Platz) führt über die Josefstraße – An der Stadtkirche – Karlstraße – Max-Rieple-Platz und somit direkt an der Gegenkundgebung vor der Stadtkirche vorbei. Der Zugang zum Platz gelingt nur über die Nordseite. Es wird anreisenden Rechten somit einige Kopfzerbrechen bereiten, wie sie heil hin und wieder weg kommen. Die Proteste können übrigens in Sicht- und Hörweite zu den Nazis stattfinden, so ist es richtig. Seit laut und passt auf Euch auf!

Update 5.11.2015: Ein gegenüber dem Antifaschismus intolerantes, parteiübergreifendes Bürgerbündnis hat für Samstag eine Kundgebung „Für ein menschliches und tolerantes Miteinander“ angemeldet. Beginn ist um 15 Uhr am Hanselbrunnen. Anschließend ist eine Menschenkette angekündigt. Die Facebook-Gruppe NOpegidainVS plant eine Veranstaltung „Zusammen gegen Rechts“ ebenfalls um 15 Uhr auf dem Hengstlerplatz.

Update 3.11.2015: Proteste gegen den „Nein zum Heim“ / Ex-SBH-Gida Aufmarsch in Donaueschingen beginnen um 13 Uhr an der Stadtkirche

Update 2.11.2015: Jetzt wurde der Ort und der Zeitpunkt des SBH-Aufmarsches in Donaueschingen bekannt gegeben: Max Rieple-Platz bzw. Karlsstraße 40-45 um 15 Uhr. Es handelt sich um eine stationäre Kundgebung.

„Nein zum Heim SBH“ ist quasi die Nachfolgeorganisation der kürzlich aufgelösten Gruppe „SBH-Gida“, die in Villingen-Schwenningen bereits zehn Pegida-Aufmärsche organisiert hat. Nachdem selbst die deutschlandweiten Koordinatoren von Pegida, dem örtlichen Ableger wegen seiner Nähe zur faschistischen Bewegung untersagten, das Pegida-Label weiterhin zu nutzen, suchten diese Unterschlupf bei der Initiative „Nein zum Heim“.

Nach zehn Pegida-Aufmärschen in Villingen-Schwenningen versuchen die Rechten neue Anknüpfungspunkte zu finden. In Donaueschingen sind in einer Aufnahmestelle mit 2.000 Geflüchtete bei etwa 20.000 Einwohnern, verhältnismäßig viele Flüchtlinge untergebracht. Es liegt nahe, dass „Nein zum Heim SBH“ hier versucht Hetze zu betreiben und rassistische Ressentiments aufzugreifen.

Dass Faschisten aus der ganzen Region nach Donaueschingen kommen werden, ist warscheinlich, wenn man sich etwa die Zusammensetzung des letzten Pegida-Aufmarschs in Villingen anschaut. Von etwa 150 Rechten war zumindest die Hälfte eindeutig dem faschistischen Lager zuzurechnen.

Ob der Aufmarsch in Donaueschingen wie etwa in Villingen in der Innenstadt stattfinden soll oder gar vor einer Flüchtlingsunterkunft – das wäre ein Novum in Baden-Württemberg – ist noch nicht bekannt. Klar ist aber: Mit einem solchen Vorgehen wurden etwa in Freital Pogrome gegen Geflüchtete herbeigeführt. Dem gilt es entschieden entgegenzutreten.

Darum: Kommt am 7. November nach Donaueschingen zu den Gegenaktionen.
Achtet auf Ankündigungen!!!
Pogrome verhindern bevor es zu spät ist!

Offenes Antifaschistisches Treffen Villingen-Schwenningen
jeden ersten Mittwoch im Monat ab 19 Uhr im Linken Zentrum Mathilde Müller (Jahnstr. 47/1, Schwenningen, Eingang Karlstr.)
www.antifatreffenvs.wordpress.com

Quelle: https://linksunten.indymedia.org/de/node/157598