Radikalisierungsschübe ‚von unten‘. Die Rolle der Konstanzer Stadtverwaltung bei der Entrechtung, Enteignung und Deportation der Juden im Nationalsozialismus

Vortrag von Dr. Jürgen Klöckler am Montag, 9. November 2015 um 19:30 Uhr im Kulturzentrum am Münster, Wessenbergstr. 43, Konstanz

„Juden raus!“ lautete die Maxime kommunaler Politik nach 1933. Das umgehend von der Konstanzer Stadtverwaltung betriebene Marktverbot für jüdische Händler, die Aufstellung eines „Stürmer-Kastens“, das Nutzungsverbot für die städtischen Bäder, alle diese Beispiele legen eine antisemitische Initiative „von unten“ offen. Kommunalverwaltungen haben in der Regel ohne Zeitverzug den vom NS-Regime eingeforderten Antisemitismus in administrative Normalität umgewandelt, um – wie es zeitgenössisch hieß – dem „Führer entgegen zu arbeiten“. Auch die Konstanzer Verwaltung wurde zum Nutznießer und Profiteur von Emigration bzw. Deportation der Juden. Die Stadt eignete sich Grundstücke an, wie etwa den Synagogenplatz oder die Erweiterungsfläche des jüdischen Friedhofs, und wurde selbst zum „Arisierungsgewinner“. Sie agierte zusammen mit der Landkreisverwaltung und dem Finanzamt bei der Verwertung der Wohnungen und der öffentlichen Versteigerung des jüdischen Hausrats im „Konzil“. Die deutschen Kommunalverwaltungen waren in Zusammenspiel mit dem NS-Verfolgungsapparat wichtige Akteure antisemitischer Politik und zwar als Antreiber und nicht nur als Getriebene.

Veranstalter: Initiative Stolpersteine für Konstanz – Gegen Vergessen und Intoleranz

Mitveranstalter: Aktion Sühnezeichen Friedensdienste – Regionalgruppe, Amnesty International – Gruppe Konstanz, Arbeitskreis Regionalgeschichte Bodensee, Deutsch-Israelische Gesellschaft Bodensee-Region, Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit Konstanz e.V. – Bodensee, Katholische Hochschulgemeinde Konstanz, Konstanzer Friedensinitiative, Kulturbüro der Stadt Konstanz, Synagogengemeinde Konstanz, vhs Konstanz-Singen e.V., VVN-BdA – Kreisvereinigung Konstanz