Die ganze Welt in Zürich – Konkrete Interventionen in die Schweizer Migrationspolitik

Das Projekt „Die ganze Welt in Zürich“ fragt nach rechtlicher, politischer, sozialer und kultureller Teilhabe und erforscht, wie das Konzept einer StadtbürgerInnenschaft für alle in Zürich lebenden Menschen konkretisiert und umgesetzt werden könnte.

Projektzeitraum: Oktober 2015 – Februar 2016
Eröffnung: Do, 22. Oktober 2015 mit Schiffsfahrt
Treffpunkt Steg Bürkliplatz: 19:00, Abfahrt: 19:30
Ankunft Hafen Wollishofen: 20:30, danach Party in der Shedhalle
Erstes Hafenforum: Sa, 24. Oktober, 10:00 – 18:00

Programm des 1. Hafenforums

Projektwebsite: http://www.whole-world-in-zurich.net

Ein Viertel aller BewohnerInnen der Schweiz sind weitgehend von rechtlicher, sozialer, wirtschaftlicher und kultureller Teilhabe an Stadt und Gesellschaft ausgeschlossen, weil sie keine Schweizer StaatsbürgerInnen sind. Das Projekt „Die ganze Welt in Zürich“ zielt darauf ab, konkrete Interventionen in die Migrationspolitik zu entwickeln, diese Vorschläge hinsichtlich ihrer Umsetzbarkeit in Zürich zu überprüfen und öffentlich vorzuschlagen. Zudem schafft es einen Ort, an dem über Sachzwänge hinaus, im Sinne einer sozialen Utopie gemeinsam nachgedacht, verhandelt und politisch agiert werden kann.

Das Projekt verortet sich in der Tradition sozial engagierter Kunst. Dafür hat die Shedhalle den Künstler Martin Krenn eingeladen, der das Projekt zusammen mit Katharina Morawek (kuratorische Leitung der Shedhalle) und einer transdiziplinären Arbeitsgruppe entwickelt und umsetzt.

Urban Citizenship

Das Projekt bezieht sich auf das Konzept der Urban Citizenship. Gemeint ist damit eine „Stadtbürgerschaft“ oder auch „Wohnbürgerschaft“.
Während der Begriff „StaatsbürgerInnenschaft“ fundamentale Rechte an die Grenzen eines Nationalstaats, an Mobilitätskontrolle und Sesshaftigkeit bindet, meint StadtbürgerInnenschaft die Anpassung politischer Instrumentarien an die vielfältige Normalität moderner (Gross-)Städte. In Konzepten um StadtbürgerInnenschaft wird demzufolge nicht Migration, sondern die ungleiche Verteilung sozialer Rechte und damit der ungleich verteilte Zugang zu Ressourcen als Problem adressiert.
siehe auch „Städte(n) statt Staaten“

Formate

Wesentlich für das Projekt ist sein experimenteller Charakter. Es versucht mit den Mitteln der Kunst die politische Machbarkeit eines konketen, umsetzbaren Vorschlags, wie eine StadtbürgerInnenschaft in Zürich aussehen könnte, auszuloten.

Zentral für das Projekt „Die ganze Welt in Zürich“ ist das Bild eines Hafens, das verschiedene Bilder evoziert: Mobilität, Globalität, Handeln und Aushandeln, Ankunft, vor Anker gehen, Vielfalt und Weltoffenheit. Teils ruft diese Metapher auch widersprüchliche oder problematische Bilder hervor, die das Projekt aufgreift und bearbeitet.

Während des gesamten Projektzeitraums werden insgesamt sieben so genannte Hafengespräche stattfinden. Die Hafengespräche stellen einen dialogisch-ästhetisch gestalteten Raum dar, an dem Mitglieder der Arbeitsgruppe sowie VertreterInnen von Interessensgruppen, EntscheidungsträgerInnen, StadtpolitikerInnen, MitarbeiterInnen öffentlicher Einrichtungen usw. teilnehmen. Die Hafengespräche selbst werden in der Shedhalle dezidiert unter Ausschluss der Öffentlichkeit stattfinden, die Shedhalle fungiert so als ein geschützter Raum.

In drei öffentlichen Hafen-Foren, die jeweils 1 Tag dauern, werden lokale und internationale AkteurInnen aufeinandertreffen und Debatten führen, aber auch Erfahrungen austauschen und voneinander lernen. Der Anspruch, Debatten auf Augenhöhe zu ermöglichen, findet seine Entsprechung in einer bewusst dafür angelegten Ausstellungsarchitektur.

Das 1. Hafen-Forum zu Urban Citizenship wird am 24. Oktober 2015 (zwei Tage nach Projekt-Eröffnung) stattfinden und soll einen Einblick in aktuelle Debatten, Konflikte und Auseinandersetzungen bieten sowie konkrete Anknüpfungen an die Zürcher Gegebenheiten ermöglichen.

Die Ausstellung

Das Projekt wird von einer Ausstellung zur Geschichte und Praxis der socially engaged art in der Shedhalle begleitet. Die Ausstellung rahmt das Projekt und stellt den Zusammenhang zu ähnlichen, historischen und aktuellen Projekten her.
Einen weiteren Teil der Ausstellung bildet die Ausstellungsarchitektur, welche dialogische Gesprächsräume für die Hafengespräche, Hafenforen und Arbeitsgruppensitzungen schafft und die sich an der Hafenmetapher des Projekts orientieren.

Shedhalle Zürich: http://shedhalle.ch