Archiv für Oktober 2015

Radikalisierungsschübe ‚von unten‘. Die Rolle der Konstanzer Stadtverwaltung bei der Entrechtung, Enteignung und Deportation der Juden im Nationalsozialismus

Vortrag von Dr. Jürgen Klöckler am Montag, 9. November 2015 um 19:30 Uhr im Kulturzentrum am Münster, Wessenbergstr. 43, Konstanz

„Juden raus!“ lautete die Maxime kommunaler Politik nach 1933. Das umgehend von der Konstanzer Stadtverwaltung betriebene Marktverbot für jüdische Händler, die Aufstellung eines „Stürmer-Kastens“, das Nutzungsverbot für die städtischen Bäder, alle diese Beispiele legen eine antisemitische Initiative „von unten“ offen. Kommunalverwaltungen haben in der Regel ohne Zeitverzug den vom NS-Regime eingeforderten Antisemitismus in administrative Normalität umgewandelt, um – wie es zeitgenössisch hieß – dem „Führer entgegen zu arbeiten“. Auch die Konstanzer Verwaltung wurde zum Nutznießer und Profiteur von Emigration bzw. Deportation der Juden. Die Stadt eignete sich Grundstücke an, wie etwa den Synagogenplatz oder die Erweiterungsfläche des jüdischen Friedhofs, und wurde selbst zum „Arisierungsgewinner“. Sie agierte zusammen mit der Landkreisverwaltung und dem Finanzamt bei der Verwertung der Wohnungen und der öffentlichen Versteigerung des jüdischen Hausrats im „Konzil“. Die deutschen Kommunalverwaltungen waren in Zusammenspiel mit dem NS-Verfolgungsapparat wichtige Akteure antisemitischer Politik und zwar als Antreiber und nicht nur als Getriebene.

Veranstalter: Initiative Stolpersteine für Konstanz – Gegen Vergessen und Intoleranz

Mitveranstalter: Aktion Sühnezeichen Friedensdienste – Regionalgruppe, Amnesty International – Gruppe Konstanz, Arbeitskreis Regionalgeschichte Bodensee, Deutsch-Israelische Gesellschaft Bodensee-Region, Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit Konstanz e.V. – Bodensee, Katholische Hochschulgemeinde Konstanz, Konstanzer Friedensinitiative, Kulturbüro der Stadt Konstanz, Synagogengemeinde Konstanz, vhs Konstanz-Singen e.V., VVN-BdA – Kreisvereinigung Konstanz

Die ganze Welt in Zürich – Konkrete Interventionen in die Schweizer Migrationspolitik

Das Projekt „Die ganze Welt in Zürich“ fragt nach rechtlicher, politischer, sozialer und kultureller Teilhabe und erforscht, wie das Konzept einer StadtbürgerInnenschaft für alle in Zürich lebenden Menschen konkretisiert und umgesetzt werden könnte.

Projektzeitraum: Oktober 2015 – Februar 2016
Eröffnung: Do, 22. Oktober 2015 mit Schiffsfahrt
Treffpunkt Steg Bürkliplatz: 19:00, Abfahrt: 19:30
Ankunft Hafen Wollishofen: 20:30, danach Party in der Shedhalle
Erstes Hafenforum: Sa, 24. Oktober, 10:00 – 18:00

Programm des 1. Hafenforums

Projektwebsite: http://www.whole-world-in-zurich.net

Ein Viertel aller BewohnerInnen der Schweiz sind weitgehend von rechtlicher, sozialer, wirtschaftlicher und kultureller Teilhabe an Stadt und Gesellschaft ausgeschlossen, weil sie keine Schweizer StaatsbürgerInnen sind. Das Projekt „Die ganze Welt in Zürich“ zielt darauf ab, konkrete Interventionen in die Migrationspolitik zu entwickeln, diese Vorschläge hinsichtlich ihrer Umsetzbarkeit in Zürich zu überprüfen und öffentlich vorzuschlagen. Zudem schafft es einen Ort, an dem über Sachzwänge hinaus, im Sinne einer sozialen Utopie gemeinsam nachgedacht, verhandelt und politisch agiert werden kann.

Das Projekt verortet sich in der Tradition sozial engagierter Kunst. Dafür hat die Shedhalle den Künstler Martin Krenn eingeladen, der das Projekt zusammen mit Katharina Morawek (kuratorische Leitung der Shedhalle) und einer transdiziplinären Arbeitsgruppe entwickelt und umsetzt.

Urban Citizenship

Das Projekt bezieht sich auf das Konzept der Urban Citizenship. Gemeint ist damit eine „Stadtbürgerschaft“ oder auch „Wohnbürgerschaft“.
Während der Begriff „StaatsbürgerInnenschaft“ fundamentale Rechte an die Grenzen eines Nationalstaats, an Mobilitätskontrolle und Sesshaftigkeit bindet, meint StadtbürgerInnenschaft die Anpassung politischer Instrumentarien an die vielfältige Normalität moderner (Gross-)Städte. In Konzepten um StadtbürgerInnenschaft wird demzufolge nicht Migration, sondern die ungleiche Verteilung sozialer Rechte und damit der ungleich verteilte Zugang zu Ressourcen als Problem adressiert.
siehe auch „Städte(n) statt Staaten“

Formate

Wesentlich für das Projekt ist sein experimenteller Charakter. Es versucht mit den Mitteln der Kunst die politische Machbarkeit eines konketen, umsetzbaren Vorschlags, wie eine StadtbürgerInnenschaft in Zürich aussehen könnte, auszuloten.

Zentral für das Projekt „Die ganze Welt in Zürich“ ist das Bild eines Hafens, das verschiedene Bilder evoziert: Mobilität, Globalität, Handeln und Aushandeln, Ankunft, vor Anker gehen, Vielfalt und Weltoffenheit. Teils ruft diese Metapher auch widersprüchliche oder problematische Bilder hervor, die das Projekt aufgreift und bearbeitet.

Während des gesamten Projektzeitraums werden insgesamt sieben so genannte Hafengespräche stattfinden. Die Hafengespräche stellen einen dialogisch-ästhetisch gestalteten Raum dar, an dem Mitglieder der Arbeitsgruppe sowie VertreterInnen von Interessensgruppen, EntscheidungsträgerInnen, StadtpolitikerInnen, MitarbeiterInnen öffentlicher Einrichtungen usw. teilnehmen. Die Hafengespräche selbst werden in der Shedhalle dezidiert unter Ausschluss der Öffentlichkeit stattfinden, die Shedhalle fungiert so als ein geschützter Raum.

In drei öffentlichen Hafen-Foren, die jeweils 1 Tag dauern, werden lokale und internationale AkteurInnen aufeinandertreffen und Debatten führen, aber auch Erfahrungen austauschen und voneinander lernen. Der Anspruch, Debatten auf Augenhöhe zu ermöglichen, findet seine Entsprechung in einer bewusst dafür angelegten Ausstellungsarchitektur.

Das 1. Hafen-Forum zu Urban Citizenship wird am 24. Oktober 2015 (zwei Tage nach Projekt-Eröffnung) stattfinden und soll einen Einblick in aktuelle Debatten, Konflikte und Auseinandersetzungen bieten sowie konkrete Anknüpfungen an die Zürcher Gegebenheiten ermöglichen.

Die Ausstellung

Das Projekt wird von einer Ausstellung zur Geschichte und Praxis der socially engaged art in der Shedhalle begleitet. Die Ausstellung rahmt das Projekt und stellt den Zusammenhang zu ähnlichen, historischen und aktuellen Projekten her.
Einen weiteren Teil der Ausstellung bildet die Ausstellungsarchitektur, welche dialogische Gesprächsräume für die Hafengespräche, Hafenforen und Arbeitsgruppensitzungen schafft und die sich an der Hafenmetapher des Projekts orientieren.

Shedhalle Zürich: http://shedhalle.ch

Vortragsreihe: „Leben im Imperativ oder was wir glauben sein zu müssen“

Schlank und schön und gesund. Hetero. Begehrt. Gute Noten. Immer gut drauf. Monogam. Karriere machen. Kinder haben. Normal, aber besonders. Auffallend, aber nie störend…

Unter dem Titel „Leben im Imperativ oder was wir glauben sein zu müssen“ organisieren der AStA der Uni Konstanz und Input Konstanz dieses Wintersemester spannende Vorträge. Sie wollen sich mit den Imperativen, den Normen und Normalitäten beschäftigen, die unsere Leben prägen und uns zu Anpassungen zwingen, die uns gar nicht richtig passen. Sie wollen Klischees entlarven, enge Stirnen weiten, aus gedanklichen Schubladen Ozeane machen.

Die Veranstaltungen beginnen immer um 19 Uhr und finden in der Regel dienstags statt.

Veranstaltungsüberblick

Quelle: http://www.asta.uni-konstanz.de/aktuelles/news/vortragsreihe-leben-im-imperativ…

Wie geht es den Roma-Familien?

Bericht einer Reise nach Mazedonien und Serbien“ von Monika Schickel und Jürgen Weber am Montag, 19. Oktober 2015 um 19 Uhr im Treffpunkt Petershausen, Konstanz

Jürgen Weber und Monika Schickel haben Roma-Familien besucht, die aus Konstanz abgeschoben oder zur „freiwilligen Ausreise“ gezwungen worden waren. Sie konnten einige Sach- und Geldspenden übergeben. Ihre Begegnungen waren sehr herzlich aber in der Sache bedrückend. Die Perspektive ist in der Regel wenig hoffnungsvoll. Es gibt große Schwierigkeiten in der Sozial- und Gesundheitsversorgung, beim Schulbesuch und selbst bei der Unterbringung sowie durch fehlende Infrastruktur wie bei Brennholz und Strom.

Wer sich schon vorab informieren möchte, kann sich im Internet einen groben Überblick verschaffen:

- Familie Kazimov im Juni 2015 aus der Steinstraße zurück gekehrt

- Familie Selimi im Juni aus der Steinstraße und Familie Saciri aus Hilzingen zurück gekehrt

- Familie Osmanov aus der Steinstraße (abgeschoben im Mai 2014)

- Insgesamt zur Delegationsreise

Sie werden auf der Veranstaltung auch über ihre Begegnungen mit syrischen und anderen Flüchtlingen auf ihrer Flucht durch die Balkan-Staaten berichten und den neuen Roma-Fonds im Landkreis Konstanz kurz vorstellen.

Quelle: http://www.juergenweber.eu