Armut und Verelendung – Griechenland organisiert sich von unten

Vortrag von Alexandra Pavlou am 29. April 2015 um 19 Uhr, Hörsaal A 701 an der Universität Konstanz

„Die Kälte ertrage ich, aber den Hunger ertrage ich nicht“, dieses Plakat hält ein Rentner in den Straßen Athens Anfang des Jahres in die Höhe. Er bettelt nicht, er protestiert damit für ein Leben in Würde. Diese Szene ist vielleicht auch symptomatisch für die neugewählte griechische Links-Regierung SYRIZA. Armut, keine Gesundheitsversorgung, keine Heizung, kein Strom, Wohnungsaufgaben und Zusammenleben mit Verwandten auf engem Raum oder gar Hunger, Obdachlosigkeit oder ein Leben im abgemeldeten Auto – solche Folgen haben nach den „Sparmaßnahmen“ und Auflagen der sogenannten Institutionen – vormals Troika – weite Teile der Bevölkerung Griechenlands zu ertragen. Eine Zahl dazu: Über 40% der Griechinnen und Griechen leben mittlerweile ohne Zugang zur Gesundheitsversorgung. Alles dafür, dass der griechische Staat Geld aufnehmen kann, um das Bankensystem am Leben zu erhalten, nicht aber seine Bevölkerung.

Alexandra Pavlou aus Athen, bis zur Kapitalmarkt- und Bankenkrise selbstständige Übersetzerin und nun selbst von der Arbeitslosigkeit betroffen, gibt Einblicke in die griechische Gesellschaft und den Alltag der Menschen. Der nahezu vollständige Rückzug des Staates aus der sozialen Grundversorgung hat Selbstorganisation in der Bevölkerung hervorgebracht. So arbeitet sie in verschiedenen Stadtteilinitiativen in Exarchia, nahe des Athener Zentrums. Sie hilft dabei Nahrungsmittel für mittellose Familien zu besorgen, die Stromversorgung illegal wieder herzustellen, wo der Strom abgestellt wurde oder eine sogenannte Sozialklinik zu betreiben, in der Menschen ohne Gesundheitsversorgung ärztlich und mit Medikamenten versorgt werden.

Veranstalter: AStA Uni Konstanz

Das ist ein Vortrag der Reihe „Die Politik in der Krise? Auf der Suche nach Ursachen und Folgen der Finanz- und Wirtschaftskrise“ der Universität Konstanz