Archiv für April 2014

Gedenkfeier auf dem KZ-Friedhof Birnau am Samstag, 10. Mai um 17 Uhr

Auf dem KZ-Friedhof Birnau an der B 31 (Nähe Basilika Birnau) liegen die sterblichen Überreste von 97 italienischen und slowenischen KZ-Häftlingen begraben. Sie mussten in den Molassefels bei Goldbach-Überlingen einen Stollen graben, in dem die Rüstungsindustrie von Friedrichshafen gegen Ende 1944 bombensicher untergebracht werden sollte. Rund 800 Häftlinge des KZ-Dachau gruben und sprengten die Stollen in den Fels. Etwa 180 starben an den unmenschlichen Arbeitsbedingungen und bei Bombenangriffen oder verhungerten im Überlinger KZ-Außenlager Aufkirch. Die Toten wurden in einem Massengrab verscharrt bzw. einige im Konstanzer Krematorium verbrannt. Auf Geheiß der französischen Militärregierung mussten die Toten 1945 ausgegraben und auf dem KZ-Friedhof Birnau bestattet werden.

Das Gedenken richtet sich nicht nur auf die historischen Opfer, sondern es ist auch Anlass vor aktuellen Neonazistischen Aktivitäten zu warnen. Das Gedenken steht unter dem Motto „Nie wieder Faschismus! Nie wieder Krieg! Neofaschismus ist ein Verbrechen – Für Toleranz im friedlichen Miteinander der Völker!“

Der Stollen kann am 10. Mai geführt besichtigt werden. Treffpunkt 14 Uhr am Stolleneingang in Goldbach, Obere Bahnhofstraße neben dem „Wirtshaus zum Felsen“.

Veranstalter:
IG Metall Friedrichshafen und Singen, DGB Süd-Württemberg, ver.di Oberschwaben und Konstanz, Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes Konstanz / Singen / Oberschwaben, Initiative Stolpersteine für Konstanz – Gegen Vergessen und Intoleranz; Initiative Stolpersteine in Radolfzell

Arabischer Antisemitismus – (auch) ein NS – Exportartikel

Vortrag von Matthias Küntzel am Donnerstag, 15.05.2014, 19:30 Uhr in der vhs Konstanz, Astoriasaal

Die irrige Annahme, dass Antisemitismus in der arabischen Welt ausschließlich auf Existenz und Verhalten Israels zurückzuführen sei, ist weit verbreitet. Das Gegenteil lässt sich belegen am Beispiel der Person des Großmufti von Jerusalem, Al-Husseini, der ab Anfang der 1920er Jahre zum autoritären Führer der arabischen Seite im Palästinakonflikt aufstieg, indem er alle Vertreter auf palästinensischer Seite, die ein „zusammen“ mit den jüdischen Nachbarn befürworteten, eliminierte. Bald schon lässt sich die erschütternde Nähe zum NS-Regime und dessen Ideologie nachweisen.

vhs + Deutsch-Israelische Gesellschaft Bodensee, Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit e.V.

Eintritt frei

Das Massaker von Santʹ Anna di Stazzema – ein ungesühntes Verbrechen

Veranstaltung mit Enrico Pieri und Jürgen Weber (Journalist) am Montag, 19. Mai 2014 um 19:30 Uhr, im Konstanzer Kulturzentrum am Münster, Wessenbergstraße 43, Wolkensteinsaal.

Am 12. August 1944 wurde das kleine toskanische Bergdorf Santʹ Anna di Stazzema von Einheiten der 16. SS-Panzerdivision praktisch ausgelöscht. Bei einem der größten Massaker wurden über 560 Menschen, überwiegend Frauen, Kinder und alte Menschen ermordet. Nur wenige überlebten. Einer davon ist der damals 10 Jahre alte Enrico Pieri, er verlor seine ganze Familie. Enrico Pieri erhielt im November 2013 stellvertretend für alle Überlebenden und das Dorf Santʹ Anna den Stuttgarter Friedenspreis. Sein besonderes Engagement für Versöhnung ist ungebrochen, obwohl seine Klage gegen die letzten noch lebenden Täter des Massakers von der Stuttgarter Staatsanwaltschaft eingestellt wurde.

Moderiert und eingebettet in Hintergrundinformationen wird dieser außergewöhnliche Mensch, Enrico Pieri, über die grausame Geschichte seines Dorfes, über sein Leben und seinen Wunsch nach Versöhnung sprechen.

Veranstalter: Initiative Stolpersteine für Konstanz, VVN-BdA Kreisvereinigung Konstanz, Friedensinitiative Konstanz, Kulturbüro Konstanz, vhs Konstanz-Singen e.V.

Weitere Informationen auf:
www.espresso-blog.eu

Von Paris bis Budapest und Athen – Die extreme Rechte in Europa vor den Wahlen

Vortrag von Bernhard Schmid am Samstag, 10. Mai, 14 Uhr, im Hotel „Graf Zeppelin“, Konstanz.

Achtung: Der Termin wurde um eine Stunde auf 14 Uhr vorverlegt!

Vor den Europaparlamentswahlen, die u.a. in Deutschland und Frankreich am 25. Mai dieses Jahres stattfinden (auf den britischen Inseln am Donnerstag zuvor), sind rechtsextreme Kräfte in der Offensive. Nicht zuletzt die Wahl in Ungarn vom 6. April, bei der die offen faschistische Partei Jobbik stattliche 20,7 % der Stimmen erhielt, belegt die Gefahr. Ihr Ergebnis zeigt, welche starke Stellung solche „Bewegungen“ inzwischen vielerorts erreicht haben.

Während im krisengeschüttelten Griechenland Neonazis von der Partei „Goldene Morgenröte“ mit offener Gewalt gegen Einwanderer und politische Gegnerinnen vorgehen und Morde verüben, setzen andere Rechtsextreme auf unterschiedliche Strategien. Sie reichen von der Selbstdarstellung als Saubermannpartei in Schlips und Kragen bis zum Versuch, sich als „soziale Bewegung“ darzustellen – und die Wut von Lohnabhängigen, Arbeitslosen, Verlierer/inne/n der Umverteilung von unten nach oben auf ihre Mühlen zu lenken. In Deutschland zum Beispiel reicht die Spannbreite vom Auftreten der ,Alternative für Deutschland‘ (AfD) bis zu dem der neonazistischen NPD; beide machen sich Hoffnungen auf den Einzug ins Europaparlament.

Welche Gefahren wohnen diesen politischen Kräften inne? Was haben sie miteinander gemeinsam, aber was unterscheidet sie auch? Immerhin finden sich unter ihnen ehemalige Regierungsparteien ebenso wie politische Kräfte, die sich als „Fundamentalopposition“ aufführen. Ebenso, wie manche dieser Parteien – oder auch Strömungen in ihrem Inneren – offen wirtschaftsliberal argumentieren, andere dagegen eher eine „national-soziale“ Agitation betreiben. Manche ihrer Vertreter geben sich als glühende Israel-Anhänger, andere wiederum sind Israelhasser aus antisemitischen Motiven. Welche Zugkraft besitzen ihre Argumente auch in den sozialen Unterklassen, wenn sie u.a. mit protektionistischen Anliegen daherkommen und behaupten, damit Schutz vor den Stürmen der Globalisierung zu bieten? Erlaubt es der „Populismus“begriff, diese Parteien wirklich angemessen zu beschreiben? Nicht zuletzt aber: Was können wir versuchen, dagegen zu tun?

Bernhard Schmid, geboren und aufgewachsen in Radolfzell, lebt seit zwanzig Jahren in Paris. Er arbeitet als promovierter Jurist bei einer antirassistischen Organisation, nebenberuflich ist er freier Journalist und Autor mehrerer Bücher, darunter „Die europäische extreme Rechte nach Oslo“ (Edition assemblage, Münster). Bernhard Schmid konzentriert sich auf die Themengebiete extreme Rechte in Frankreich und Europa, Algerien und französischsprachiges Afrika sowie Gewerkschaften und soziale Bewegungen in Frankreich.

Veranstaltet von DIE LINKE.Kreisverband Konstanz und DKP Hochrhein-Bodensee

Radiocamp vom 28. Mai bis 1. Juni 2014 in Markelfingen

Direkt am Bodensee gibt es einmal im Jahr ein Camp, das seit nunmehr 19 Jahren freie Radioaktive zum Kreativ-Werden, zum Lernen, zum Plaudern, zum Kontakte knüpfen und zum Produzieren einlädt: das Radiocamp auf dem DGB-Gelände in Markelfingen.

Vom 28. Mai bis 01. Juni 2014 werden unterschiedlichste Radioworkshops angeboten: ob nun redaktionell, technisch oder theoretisch interessiert, Neues zu erfahren gibt es auf allen Gebieten. Und da die Workshops noch mit kulturellem Programm, von verschiedenen Freizeitaktivitäten und wunderschöner Umgebung umschmückt sind, wird nicht nur die Wissbegier von Radio-Neulingen und Radio-Fortgeschrittenen gestillt, sondern auch das Kontakte knüpfen, Neue-Leute-Kennenlernen, Spaß haben und Diskutieren kommt nicht zu kurz.

Workshops Donnerstag 29. Mai

Was ist und wie mache ich Freies Radio
Einführungsworkshop
Mit Timo Stadler
Querfunk Karlsruhe

Eine praktische Einführung ins Freie Radiomachen:

Anschließend seid ihr natürlich noch keine perfekten Radiojournalist_innen, aber ihr werdet die Grundkenntnisse haben, um eine Sendung zu gestalten und auch etwas über das Selbstverständnis der Freien Radios wissen.

„Ich? Ich hab doch keine Vorurteile (mehr)!“ – Einführung in die Anti-Bias-Perspektive, und was das mit Freien Radios zu tun hat
Mit Nora Strehlitz
Radio RUM Marburg

„[…] die Redaktionen sind sich darin einig, dass jede rassistische, sexistische und soziale Diskriminierung von Personen ausgeschlossen ist.“ (Aus der Selbstdarstellung von Radio Corax Halle e.V.)

„Wir sind uns der gesellschaftlichen Wirkung von Sprache bewusst und wollen eine vorurteilsfreie Sprache verwenden.“ (Aus der inhaltlich-redaktionellen Plattform von Radio Unerhört Marburg)

„Der Anti-Bias-Ansatz geht davon aus, dass jede*r Vorurteile hat. Im Lernprozess […] nehmen [wir] die eigenen Rollen in komplexen Systemen wahr und entwickeln gemeinsam alternative Verhaltensweisen.“ (Anette Kübler: Was ist Anti-bias?)
Im Workshop möchte ich euch über kurze Inputs und selbstreflexive Übungen die Anti-Bias-Perspektive erfahrbar machen und anschließend gemeinsam überlegen, was der Ansatz für unsere Arbeit im Freien Radio bedeuten kann – redaktionell und in der Zusammenarbeit.

Musik im Freien Radio – mehr als eine Frage des guten Geschmacks
Mit Katja Röckel
Radio Blau, Leipzig

Musik hat nicht nur im freien Radio einen hohen Stellenwert.

Aber wie präsentiere ich Musik „richtig“? Wie vermeide ich, nur den Titel und die Band zu nennen? In diesem praktisch orientierten Workshop sprechen wir darüber wie Ihr bisher Musik im Radio nutzt und was man daran noch ändern kann. Im zweiten Teil gibt es kleine praktische Übungen an konkreter Musik.

Bitte Lieblings-CD mitbringen!

Nachrichten im Freien Radio
Mit Niels Wätzel
RDL Freiburg
Workshoplänge: Halber Tag

Themen setzen und Diskurse brechen!

Was können Nachrichten im Freien Radio bringen? Wie sollten sie sich von denen im Öffentlich-Rechtlichen unterscheiden? Und wie können wir uns gemeinsam organisieren?

Im Workshop besprechen wir Auswahl, Aufbau und Sprache von Nachrichten sowie mögliche Gestaltungsmittel.
Ziel wäre ein gemeinsames Nachrichtenportal, aus dem die einzelnen Radios schöpfen können.

Abend-Veranstaltung:

NSU: Blick in den Abgrund
Anti-demokratische Inlandsgeheimdienste, unkontrolliertes V-Mann-Unwesen, Nazi-Terror-Szene, rassistische Ermittlungen und Staatsversagen: Zwingende Konsequenzen aus dem NSU-Komplex
Mit Friedrich Burschel
Radio Lotte Weimar, NSU-Watch, Rosa Luxemburg Stiftung Berlin

Hinter dem Agieren des NSU und seines wohl mehrere Hundert Personen umfassenden Unterstützer_innen-Netzwerks öffnete sich das Panorama des wohl größten Geheimdienstskandals der Geschichte der BRD und eines unvorstellbaren behördlichen Rassismus‘ in den Mordermittlungen. Gegen die Familien und das soziale Umfeld der Opfer und die Ermordeten selbst wurde über Jahre mit kruden Vorwürfen und rassistischen Anschuldigungen ermittelt. Für die betroffenen Familien eine bis zu einem Jahrzehnt währende Demütigung ohne das je auch nur ansatzweise Spuren ins Nazi-Milieu verfolgt worden wären. Wie weit staatliche Verstrickung in das Geschehen gegangen ist, ist bis heute nicht ansatzweise geklärt, im Gegenteil: ein beispiellos dreister Vertuschungs- und Obstruktionsskandal der unter Verdacht stehenden Behörden (Polizei, Inlandsgeheimdienst „Verfassungsschutz“, Bundesnachrichtendienst (BND), Militärischer Abschirmdienst (MAD) usw.) überschattet(e) selbst die Aufklärungsbemühungen Parlamentarischer Untersuchungsausschüsse (im Bundestag, in den Landesparlamenten von Thüringen, Sachsen und Bayern und des NSU-Prozesses vor dem Oberlandesgericht in München (seit 6.5.2013). Da werden Informationen vorenthalten und manipuliert, Akten geschreddert oder zurückgehalten und eine Aufklärung des Komplexes der Geheimdienst-Informant_innen (sog. V-Leute) hintertrieben. Viele ungeklärte Fragen und haarsträubende Ungereimtheiten sind nach wie vor offen. Welche nationalen Netzwerke mit dem und internationalen Verbindungen zum NSU nachweisbar sind, ebenso.

Aber auch eine kritische und linke Öffentlichkeit hat von dem mörderischen Agieren des NSU keine Kenntnis genommen und sich von den Medien, die die Polizeiversionen ungeprüft und auflagensteigernd skandalisiert übernahmen, den Bären der kriminellen Machenschaften im „Ausländermilieu“ aufbinden lassen: niemand hat gegen die Etikettierung der grausamen Hinrichtungen als „Döner-Morde“ je lautstark protestiert oder auch nur Zweifel angemeldet. Auch nachdem in Kassel, nach der Ermordung des jungen Internetcafé-Betreibers Halit Yozgat am 6. April 2006, tausende Menschen migrantischen Hintergrunds unter dem Motto „Kein 10. Opfer“ demonstrierten, wachte die Öffentlichkeit – mit den rassistischen Erklärungen offenbar einverstanden – nicht auf.

Imme rnoch verhalten und erst langsam artikuliert sich ein Aufschrei, der all das nicht mehr zu akzeptieren bereit ist und beginnt, eine öffentliche Diskussion der Skandale, des behördlichen und gesellschaftlichen Rassismus und der enormen Gefahren für das Gemeinwesen, die von den unkontrollierbaren (Inlands-)Geheimdiensten ausgehen, zu erzwingen.

Workshops Freitag 30. Mai

Geschlechtergerechtes Sprechen im Radio
Mit Tina Tusch
Berlin
Workshoplänge: Halber Tag

Die Art wie im Radio gesprochen wird beinhaltet immer auch eine geschlechtliche Positionierung, ob das beabsichtigt ist oder nicht. Wie damit umgegangen wird ist für jede_n Sprecher_in unterschiedlich. In den freien Radios gibt es die unterschiedlichsten Umgangsweisen mit diesem Thema, von der Benutzung einer eigens entwickelten geschlechtergerechten Grammatik über die Verwendung des Gender Gap oder Unterstrichs bis hin zur Verwendung des generischen Maskulinums, und bei Live-Sendungen wird am liebsten geredet wie der jeweilige Schnabel gewachsen ist. Und nicht nur die Sprache sagt in diesem Zusammenhang viel über die Sprechenden aus, sondern auch die Art wie die Stimme eingesetzt wird.
In diesem Workshop werden unterschiedliche Ansätze einer geschlechtergerechteren Sprache vorgestellt, mit einer besonderen Berücksichtigung einer trans*-sensiblen Sprache. Aber ganz unabhängig von der Sprache ist auch der Stimmeinsatz der Sprechenden im Radio entscheidend für die Wirkung des Gesendeten. Wie spreche ich, und wie wirkt das? Nehme ich mich stimmlich eher zurück, oder wirke ich dominant und sicher, und welche Rolle spielt mein Geschlecht dabei? Möchte ich daran etwas ändern oder meine stimmlichen Ausdrucksmöglichkeiten in diesem Zusammenhang vergrößern? Für alle die sich mit diesen Fragen beschäftigen wollen ist dieser Workshop.
Die jeweiligen Schwerpunkte sind dabei vom Interesse der Teilnehmenden abhängig, nicht alles passt in 3 Stunden.
Die Workshopleiterin Tina Tusch ist Diplompädagogin und Logopädieschülerin, und beim Berliner transgenderRadio aktiv. Gelegentlich veranstaltet sie Workshops zum Thema Stimmbildung, insbesondere für queere und trans* Menschen.


„Über Menschen mit behinderungen berichten“

Workshop für Journalistinnen und Journalisten
Mit Lili Masuhr von den Sozialhelden/Leidmediem.de

„Trotz ihrer Behinderung, meistert sie ihr Leben.“ oder „Der Wissenschaftler leidet an Muskelschwund und ist an den Rollstuhl gefesselt.“ solche Formulierungen lassen negative Bilder im Kopf entstehen, die das öffentliche Bild von Menschen mit Behinderungen prägen. Ob diese Floskeln aus Zeitmangel oder Unsicherheit verwendet werden – Journalistinnen und Journalisten kommt eine besondere Verantwortung zu. denn Medien schaffen Wirklichkeit und viele behinderte Menschen fühlen sich diskriminiert, wenn sie als „Opfer“ oder „Helden“ wahrgenommen werden. das wirkt dem Ansatz der UN-Behindertenrechtskonvention entgegen, die weltweit ein inklusives Leben ermöglichen möchte. Das Bild von Stereotypen und Vorurteilen zu befreien ist gerade in Deutschland wichtig, wo Menschen mit und ohne Behinderungen zu oft noch in getrennten Welten leben, lernen und arbeiten.
Wie es in der Berichterstattung auch anders gehen könnte, wollen wir von „leidmedien.de“ mit ihnen in einem Workshop diskutieren. Aus der Sicht von Medienschaffenden mit und ohne Behinderungen haben wir Tipps für eine Berichterstattung aus einer anderen Perspektive und ohne Klischees zusammengestellt.
„leidmedien.de“ ist ein Projekt der SOZIALHELDEN in Kooperation mit der Aktion Mensch.
In unserem Workshop geht es um den Austausch von Ideen und Tipps für:
- verwendete Begriffe und Formulierungen über behinderte Menschen
- Perspektiven in Fotografie und TV auf behinderte Menschen
- barrierefreie Kommunikation in der Online-Präsenz
- Interviews mit behinderten interviewpartnerinnen und -partnern

Das Feature – gemeinsam hören, diskutieren und ein Gefühl für das Genre bekommen: learning by analyzing
Mit Jeldrik Geraedts

Radio kann mehr sein als das gesprochene Wort. Es kann von akustischen Welten erzählen, Geschichten erlebbar und emotionale Zusammenhänge verständlich machen – ohne dabei Effekthascherei zu betreiben. Eine radiojournalistische Form, die einem dabei denkbar viel Raum lässt, ist das Feature. Im Gegensatz zu vielen anderen radiojournalistischen Formen, die sich vor allem durch Aktualität auszeichnen, ist das Feature hintergründig. Es lässt sich Zeit, nimmt sich Ruhe, nutzt die volle Bandbreite der akustischen Möglichkeiten: Autor_innentexte, literarische Zitate, O-Töne, Atmo, Effekte und Fiktion.
In diesem Workshop werden gemeinsam einzelne Stücke (ausschnittsweise) gehört, diskutieren und überlegt, ob und wie das Feature auch in den Freien Radios einen Platz findet. Neben der Diskussion auf der Metaebene sollen dabei immer wieder Blicke auf die Praxis der Freien Radios werfen und Ideen entwickelt werden, wie aus dem gebauten Beitrag ein Feature werden kann.

Keine gute Radiosendung ohne gute Interviewführung
Mit Heike Demel
Radio Z Nürnberg

Es kommt in vielen Sendungen vor: das Interview. Ob es gelingt, hängt nicht nur von passenden Interviewpartner_innen ab, sondern auch von einer guten Vorbereitung und Gesprächsführung.
Wie erreiche ich, dass mein Interview nicht wie eine reine Abhakliste oder belanglose Plauderei klingt? Wie gestalte ich mein Interview spannend, informativ und hörenswert? Welche Fragearten setze ich wofür ein?
Der Workshop vermittelt zunächst die Grundlagen für ein gutes Interview und erprobt sie am Nachmittag in echten Interviewsituationen.

Radio in Zeiten des Internets:
Streamen, Podcasts – und Programmerstellung
Mit Friederike Maier
Journalistin und Medientrainerin, Hannover

Neben dem Streamen des Radioprogramms im Internet und dem Bereitstellen von Podcasts lässt sich das Internet auch zur Programmerstellung nutzen. Interviews übers Internet können eine deutlich bessere Qualität erzielen als herkömmliche Telefon- oder Handyinterviews. Mit WebRTC steht ein neues Echtzeitprotokoll fürs Internet bereit, was auch für Radiozwecke gut genutzt werden kann.
Vormittags: Grundlagen wie kommt der Ton möglichst wohlklingend ins Internet. Vom Mikro, Mischpult, Kompressor über die Digitalisierung in der Soundkarte bis zur Komprimierung, um das Audiomaterial auf eine anständige Größe zu bekommen. Mit vielen Hörbeispielen und Übungen wird das Thema anschaulich dargestellt um ein möglichst gut klingendes Signal ins Netz zu bekommen. Dabei werden neben der praktischen Anwendung auch die physikalischen Hintergründe thematisiert.
Nachmittags: Vorstellung und ausprobieren verschiedener Programme, die den Radioalltag vereinfachen können:
- WebRTC: Kommunizieren in Echtzeit im Internet
- Mumble: Eine wohlklingende alternative zu Skype mit Aufnahmebutton
- Airtime: Opusfähiges streamen mit Sendeautomation

Abend-Veranstaltung:
Entstehung und Entwicklung der „Alternative für Deutschland“ AfD
Mit Andreas Kemper

Die „Alternnative für Deutschland“ hat scheinbar aus dem Nichts fast den Sprung in den Bundestag geschafft. Nicht nur ins Europaparlament kann sie am 25. Mai 2014 Abgeordnete entsenden, sondern auch bei Landtagswahlen in Sachsen, Brandenburg und Thüringen im Sommer 2014 würde die AfD nach den Hochrechnungen der letzten Monate einziehen.
Seit einigen Monaten gibt es erhebliche innerparteiliche Richtungskämpfe zwischen nationalliberalen und neoliberalen Kräfte, in denen es auch darum geht, welche Rolle hierbei Rechtspopulist*innen einnehmen.
Neben einer Darstellung der Daten und Forderungen der Partei wird der Soziologe Andreas Kemper auf die maßgebenden Gruppen und Einzelpersonen in den aufeinander folgenden Entstehungsphasen der AfD der letzten zehn Jahre eingehen. Dabei werden auch aktuelle Auseinandersetzungen (bspw. Bildungsplan 2015 und die Demonstrationen in Stuttgart) thematisiert.
Nach dem Vortrag wird ausreichend Zeit für Nachfragen und kontroverse Diskussionen sein.

Workshops Samstag 31. Mai

Was ist Critical Whiteness?
Mit Katrin Dietrich
fernsicht im iz3w Freiburg

Im einführenden Workshop nähern wir uns tastend den Konzepten der Critical Whiteness Studies an. Ausgehend von der Geschichte des Kolonialismus und seinem Fortwirken, diskutieren wir über ‚weiße‘ Privilegien und Machtpositionen. Aber wer ist eigentlich weiß – und wer ist schwarz? Sind manche Menschen weißer als andere? Können Weiße überhaupt AntirassistInnen sein… ? Für die gemeinsame Diskussion dieser Fragen, der Praxistauglichkeit des Konzeptes und seiner Umsetzung in der Radioarbeit wird im Workshop genügend Raum und Zeit gegeben.

Die Stimme: entspannt, klangvoll und ausdauernd
Atem- und Stimmtraining
Mit Henrike Mayer
Karlsruhe
(Sängerin, funktionale Stimmbildnerin und Atempädagogin AFA®)

Unser Körper ist unser Stimme-Instrument und der Atem der Antrieb, sie beeinflussen sich gegenseitig. Ist das Instrument gestimmt, stimmt auch die Stimme.
Durch gezielte Körper- und Atemübungen (Middendorfsche Tradition) nehmen wir unseren Körper bewusster wahr, Spannungen lösen sich, die Haltung lockert sich und die Atembewegung bekommt mehr Bewegungsfreiheit und Raum. Dadurch erlangt die Stimme mehr Klang, Ausdruckskraft, Stabilität und Präsenz.
In dem Workshop wird Bewegung mit dem Atem verbunden und mit Lauten, Sprache und Artikulationsübungen gearbeitet. Im Vordergrund steht das eigene achtsame, körperliche und stimmliche Erleben, die Offenheit, das ein oder andere gewohnte Atem-und Stimmmuster zu verlassen und Neues auszuprobieren. Darüber hinaus besteht die Möglichkeit, einzeln an individuell gewählten Texten zu arbeiten.
Bitte bequeme Kleidung und Socken mitbringen, sowie selbstgewählte Texte!

experimentelles radio mit strategien aus klangkunst, experimenteller musik und lautpoesie den radioalltag aufmischen!
Mit Antje Meichsner
coloRadio Dresden

wir hören uns werke aus dem spannungsfeld zwischen radiofeature, hörspiel, musik, lyrik, sound art und fieldrecordings an, analysieren sie und extrahieren uns einen baukasten an künstlerischen strategien, die uns andere perspektiven als bisher auf das radiomachen einnehmen lassen. doch das wichtigste ist: die probieren wir dann auch gleich mal aus, um die grenzen eurer alltäglichen radioroutine zu dehnen.
voraussetzung: du kannst audioschnitt. im idealfall bringst du dein laptop mit deinem lieblingsschnittprogramm und dein aufnahmegerät/mikro mit.
wenn ihr sowas habt, bringt eure radiowerkzeuge, musikinstrumente und texte mit – egal ob experimentell, journalistisch oder tagebuchförmig!


Basis-Workshop Recherche

Mit Benedikt Strunz
Hamburg

Der Kurs vermittelt grundlegende Kenntnisse über Möglichkeiten und Methoden (investigativer) Recherche. Der Workshop richtet sich an AnfängerInnen. Unter anderem soll es um konkrete Methoden der Internet-Recherche gehen (Facebook Graph-Search und systematische google-Suchen) sowie um die Möglichkeiten von Anfragen (Informationsfreiheitsgesetz, Landespresserechte, etc.). Das Ganze mit Platz für Übungen und Zeit für eure konkreten Fragen.


Zip-FM

Mit Wera Morawietz

Einfacher wird es nicht für die Freien Radios, Info-Schienen mit möglichst aktuellen und vielseitigen Themen aus der ganzen Welt zu gestalten. Hier bekommt ein Radio weniger Geld, hier mehr, dort weniger Sendezeit, woanders fangen plötzlich sehr Aktive einen Vollzeitjob ausserhalb des Radios an und eine ganze Infoschiene bricht zusammen… Um trotzdem zuverlässig ein Nachrichtenmagazin ausstrahlen zu können, gibt es Zip-FM. Produziert von einer überregionalen Redaktion Dienstag bis Freitag, jeweils 30 Minuten.
Doch auch in dieser Nachrichtenredaktion aus dem deutschsprachigen Raum gibt es Veränderungen, und diese wollen gestaltet werden.
In dem Workshop soll sich das Zip-FM Team sowohl durch Selbstkritik weiterentwickeln als auch inhaltliche Schwerpunkte diskutieren, abhängig von den politischen Ereignissen in der nächsten Zeit.
Doch nicht nur die bisherige Redaktion soll sich hier treffen – jedeR Interessierte ist herzlich eingeladen, produktiv das Zip-FM zu gestalten.

Quelle + Anmeldung: http://www.aff-bawue.org/radiocamp14.htm

Vortrag: Die Krise und der Euro – Kann die EU reformiert werden?

Veranstaltung mit Lucas Zeise am Samstag, 26. April, 15 Uhr im Hotel „Graf Zeppelin“, Konstanz

Die Eurokrise ist nicht vom Himmel gefallen. Die Europäische Union und die Euro-Währung sind vielmehr so konstruiert worden, dass ein Wettbewerb der Staaten um die Gunst des Kapitals resultieren musste.

Wir diskutieren zusammen mit dem Autor und Journalisten Lucas Zeise unter anderem folgende Fragen: Welche Möglichkeiten gibt es, der Krise zu entkommen? Welche Rolle spielen das Finanzkapital und seine Banken? Ist ein Schuldenschnitt die Lösung? Kann die EU sozial, demokratisch und friedlich werden?

Lucas Zeise (Jahrgang 1944), Autor mehrerer Bücher zur Weltwirtschaftskrise, hat als Journalist mehr als zwanzig Jahre lang für verschiedene Zeitungen über Banken und Finanzmärkte geschrieben. Er war unter anderem Mitbegründer der „Financial Times Deutschland“. Heute erscheinen seine Kommentare in linken und gewerkschaftlichen Publikationen. In der Tageszeitung „junge Welt“ schreibt Zeise wöchentlich eine Kolumne zu Wirtschaftsthemen. Der Titel seines letztes Buchs lautet „Euroland wird abgebrannt“.

Veranstalter: DIE LINKE.Kreisverband Konstanz und DKP Hochrhein-Bodensee