Radolfzell genehmigt Stolpersteinverlegungen

In seiner öffentlichen Sitzung vom 13.2.2014 hat der Kulturausschuss des Radolfzeller Gemeinderats über den Verlegungsantrag der Stolperstein-Initiative beraten und zugestimmt.

Der Kulturausschuss hatte über den Antrag zur grundsätzlichen Genehmigung der Verlegung von Stolpersteinen nach dem Gedenkkonzept des Kölner Künstlers Gunter Demnik zu beschließen. Der Antrag war von der sehr aktiven Radolfzeller Initiative „Stolpersteine in Radolfzell“ gestellt worden. Zusammen mit dem Antrag übergab die Initiative den Gemeinderäten die Recherchen zu ersten 13 Stolpersteinbiografien. Der Initiative wurde für die bisher geleistete Arbeit gedankt und ausführlich Gelegenheit gegeben, ihr Projekt und die Methoden der Recherche vorzustellen. Etwa 40 Minuten war der Kulturausschuss mit diesem Tagesordnungspunkt befasst.

Die Entscheidung der Stadt Radolfzell war durchaus mit Spannung erwartet worden. Hatte doch erst im November letzten Jahres der Gemeinderat von Villingen-Schwenningen zum zweiten Mal mit knapper Mehrheit gegen die Verlegung von Stolpersteinen gestimmt. Doch das Votum im Radolfzeller Kulturausschuss war überraschend einstimmig.

Die Kosten für die Verlegung der Gedenksteine werden von engagierten Bürgerinnen und Bürgern getragen die dazu sog. Steinpatenschaften übernehmen. Schon im Sommer 2014 ist mit den ersten Verlegungen zu rechnen.

Die Namen der ersten 13 Personen, für die in Radolfzell Stolpersteine verlegt werden sollen, lauten:

  • Josef Paul Bayer
  • Lotte und Josef Bleicher
  • Alma und Ludwig Deuring
  • Carl Diez
  • Alice Fleischel
  • Julius Fuchs
  • Ernst Gnirß
  • Georg Alfred Grein
  • Hermann Klein
  • Ernst Ludwig Kreer
  • Gustav Troll

Exemplarisch sollen hier Auszüge aus der Stolperstein-Biografie von Josef Paul Bayer wiedergegeben werden:

Josef Paul Bayer

Wegen „staatsfeindlicher Betätigung“ wurde der damals 21-jährige Arbeiter Josef Paul Bayer im April 1935 von der Gestapo in Radolfzell verhaftet, in „Schutzhaft“ genommen und ins Konzentrationslager Kislau bei Bruchsal verschleppt. Vorgeworfen wurde ihm seine Mitgliedschaft in der Kommunistischen Jugend (KJ).

Josef Bayer konnte aus dem Kozentrationslager fliehen, wurde aber 1937 in Radolfzell erneut verhaftet, kam in das Gefängnis Heidelberg und wurde am 9. Juni 1938 in das Konzentrationslager Dachau überstellt. Er erhielt die Häftlingsnummer 15643.

In der Folge überstand Josef Bayer Aufenthalte im KZ Mauthausen, im Dachauer KZ-Außenkommando Weißsee sowie im KZ Buchenwald/Kommando Langensalza und wurde schließlich als Häftling des Konzentrationslagers Buchenwald durch die amerikanische Armee befreit.

Josef Bayer lebte nach dem Krieg wieder in Radolfzell. Er starb 1982, nachdem er viele Jahre und bis zu seiner Rente bei einem Radolfzeller Baugeschäft gearbeitet hatte.

Für Josef Paul Bayer soll im Jahr 2014 ein Stolperstein verlegt werden.

Recherche: Markus Wolter (Historiker)

Quelle: Initiative Stolpersteine in Radolfzell (http://stolpersteine-radolfzell.de)