Vortrag von Jutta Ditfurth: „Überbevölkerung – über das Verhältnis von Mensch und Natur“

Diskussion zur Kritik der „Ecopop“-Initiative

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16.12.2013, 20.00 Uhr
Volkshaus
Stauffacherstr. 60, Zürich

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Voraussichtlich 2015 kommt in der Schweiz die „Ecopop“-Initiative zur Abstimmung. Sie verbindet die Forderung nach einer nachhaltigen Produktions- und Existenzweise mit der kruden Behauptung, dass diese erstens durch eine Beschränkung der Einwanderung in die Länder des „Nordens“ erreicht werden könne, und zweitens durch Massnahmen gegen das angeblich zu starke Bevölkerungswachstum im „Süden“. Damit liegen ihr Vorstellungen zugrunde, die nahtlos an politische Programme rassistischer Parteien anschliessen.

Die InitiantInnen gehen von der These aus, dass es eine grundsätzlich Knappheit an natürlichen Ressourcen gebe, weshalb wir nicht mehr einfach auf Wachstum setzen könnten, wie es VertreterInnen von Wirtschaft und Parteien vorschlagen. Wachstum bedeutet für sie jedoch ausschliesslich evölkerungswachstum. Anstatt einen effizienteren Gebrauch von Ressourcen zu propagieren, führt der Verweis auf den hohen Pro-Kopf-Verbrauch in der Schweiz deshalb lediglich zu der Forderung, dass nicht auch weitere Menschen vom Lebensstandard hier profitieren sollen. Jene, die aufgrund ihrer Armut einen kleinen „ökologischen Fussabdruck“ haben, sollen also gefälligst so weiterleben wie bisher, während die Privilegien und Lebensweise der Besitzenden in der Schweiz unangetastet bleiben. Einen solchen Vorschlag kann nur machen, wer die für eine linke Politik grundlegende Frage nach der Verteilung von Ressourcen und Gütern aktiv ausklammern möchte.

Auch die zweite Forderung, die Unterstützung bevölkerungspolitischer Programme im „Süden“, ist alles andere als progressiv. Indem den Menschen vorgeschrieben werden soll, wie sie sich zu verhalten haben, missachtet die Initiative die Entscheidungsfreiheit und das Recht der Frauen über den eigenen Körper. Damit geht sie hinter alle entwicklungspolitischen Debatten der letzten Jahrzehnte zurück, ganz zu schweigen von der Tatsache, dass das Bevölkerungswachstum allgemein zurück geht. Die oberflächlich globale Perspektive der Initiative kann also nicht verbergen, dass sie sich grundsätzlich gegen feministische und wirklich solidarische Ansätze richtet.

Jutta Ditfurth, Sozialwissenschaftlerin, Politikerin und Publizistin, ist Mitbegründerin der Grünen Partei Deutschlands und der Ökologischen Linken. Einer der Gründe für ihren Ausstieg aus der Partei «Die Grünen» im Jahr 1991 war das zögerliche Vorgehen der Partei gegen ökofaschistisches und rechtsradikales Gedankengut innerhalb der eigenen Reihen