Archiv für November 2013

Tagung: Widersprüche des Hightech-Kapitalismus

Vorankündigung der XVIII. Internationalen InkriT-Tagung vom 19. bis 22. Juni 2014 im ver.di-Bildungs- und Begegnungszentrum „Clara Sahlberg“ in Berlin-Wannsee

Das Dachthema der XVIII. InkriT-Tagung schließt an die bei der letztjährigen Tagung geführten Diskussionen zur Finanz- und Wirtschaftskrise des transnationalen Hightech-Kapitalismus an. Beleuchtet werden soll die Zweideutigkeit vieler neuer Technologien im Widerspruch zwischen Produktivkräften und Produktionsverhältnissen.

Zugesagt haben bisher u.a. Raúl Rojas (Künstliche Intelligenz/Robotik am Beispiel „Fahrerloser Autoverkehr“), Niels Boeing (3D-Druck), Kâmil Uludağ (Hirnforschung), Andreas Umgelter (Organtransplantation). Weitere Themen: Gentechnologie, Hochfrequenz-Handel u.a.

Wie bei den früheren Tagungen geht es im zweiten Teil um die Diskussion von Artikelentwürfen für das Historisch-kritische Wörterbuch des Marxismus (HKWM).

Einzelheiten zum Programm und zur Anmeldung folgen bzw. können auf der Homepage des InkriT abgerufen werden.

Wie in den Vorjahren gibt es Stipendien für postgraduierte Studenten auf Antrag.

Kontakt für Fragen und weitere Informationen: tagungen@inkrit.org

Frigga Haug

Vortrag von Jutta Ditfurth: „Überbevölkerung – über das Verhältnis von Mensch und Natur“

Diskussion zur Kritik der „Ecopop“-Initiative

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16.12.2013, 20.00 Uhr
Volkshaus
Stauffacherstr. 60, Zürich

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Voraussichtlich 2015 kommt in der Schweiz die „Ecopop“-Initiative zur Abstimmung. Sie verbindet die Forderung nach einer nachhaltigen Produktions- und Existenzweise mit der kruden Behauptung, dass diese erstens durch eine Beschränkung der Einwanderung in die Länder des „Nordens“ erreicht werden könne, und zweitens durch Massnahmen gegen das angeblich zu starke Bevölkerungswachstum im „Süden“. Damit liegen ihr Vorstellungen zugrunde, die nahtlos an politische Programme rassistischer Parteien anschliessen.

Die InitiantInnen gehen von der These aus, dass es eine grundsätzlich Knappheit an natürlichen Ressourcen gebe, weshalb wir nicht mehr einfach auf Wachstum setzen könnten, wie es VertreterInnen von Wirtschaft und Parteien vorschlagen. Wachstum bedeutet für sie jedoch ausschliesslich evölkerungswachstum. Anstatt einen effizienteren Gebrauch von Ressourcen zu propagieren, führt der Verweis auf den hohen Pro-Kopf-Verbrauch in der Schweiz deshalb lediglich zu der Forderung, dass nicht auch weitere Menschen vom Lebensstandard hier profitieren sollen. Jene, die aufgrund ihrer Armut einen kleinen „ökologischen Fussabdruck“ haben, sollen also gefälligst so weiterleben wie bisher, während die Privilegien und Lebensweise der Besitzenden in der Schweiz unangetastet bleiben. Einen solchen Vorschlag kann nur machen, wer die für eine linke Politik grundlegende Frage nach der Verteilung von Ressourcen und Gütern aktiv ausklammern möchte.

Auch die zweite Forderung, die Unterstützung bevölkerungspolitischer Programme im „Süden“, ist alles andere als progressiv. Indem den Menschen vorgeschrieben werden soll, wie sie sich zu verhalten haben, missachtet die Initiative die Entscheidungsfreiheit und das Recht der Frauen über den eigenen Körper. Damit geht sie hinter alle entwicklungspolitischen Debatten der letzten Jahrzehnte zurück, ganz zu schweigen von der Tatsache, dass das Bevölkerungswachstum allgemein zurück geht. Die oberflächlich globale Perspektive der Initiative kann also nicht verbergen, dass sie sich grundsätzlich gegen feministische und wirklich solidarische Ansätze richtet.

Jutta Ditfurth, Sozialwissenschaftlerin, Politikerin und Publizistin, ist Mitbegründerin der Grünen Partei Deutschlands und der Ökologischen Linken. Einer der Gründe für ihren Ausstieg aus der Partei «Die Grünen» im Jahr 1991 war das zögerliche Vorgehen der Partei gegen ökofaschistisches und rechtsradikales Gedankengut innerhalb der eigenen Reihen

Uni Konstanz – Politische Bildung unterm „Schlapphut“?

Politische Bildung in Kooperation mit dem Verfassungsschutz?

Konstanz – Vom 15.-17.11.2013 findet an der Universität Konstanz unter dem Titel „‚National befreiter Schulhof‘ statt ‚Schule ohne Rassismus‘? Neonazistisches Denken und rechte Grauzonen an der Schule: Rechte Ideologie erkennen und erfolgreich intervenieren.“ ein Workshop statt. Trotz des ehrenwerten Ansinnens, antirassistische Bildungsarbeit in die Lehrer*innenbildung einfließen zu lassen, kommen wir nicht umhin, Kritik zu üben.

„Team meX“ an der Uni Konstanz

Einer der beiden Referenten ist freier Mitarbeiter der Landeszentrale für politische Bildung (LpB) und arbeitet dort im vielfach kritisierten Projekt „Team meX“ (www.team-mex.de). „Team meX“ ist ein Kooperationsprojekt der LpB mit dem Landesamt für Verfassungsschutz Baden-Württemberg (LfVBW). „Team meX“ soll mit „Zahlen und Fakten“ die Sicht der LpB und des LfVBW an den Mann und die Frau bringen. Es ist das Einfallstor der Geheimdienste in die öffentliche Bildung, ohne dass hierfür eine gesetzliche Grundlage besteht.

Für extrem problematisch halten wir, dass der AStA der Uni Konstanz Bildungsveranstaltungen mit einem Referenten organisiert, der mit Geheimdiensten kooperiert. Vom AStA erwarten wir eine klare Position für staatsunabhängige, demokratische Bildung. Nicht umsonst reklamieren Universitäten für sich die Freiheit von Wissenschaft, Forschung und Lehre, ungehindert von jeglicher staatlicher Einflussnahme.

Auch wenn bei „Team meX“ meist nicht die Beamtinnen und Beamten des Verfassungsschutzes selbst vor Schulklassen stehen, sondern junge, oft studentische Honorarkräfte, werden auf diesem Weg Deutungsmuster des Geheimdienstes zur politischen Lage im Land kolportiert und salonfähig gemacht. Personen, wie der genannte Referent, bilden, u.a. indem sie ihren Brötchengeber nicht offen nennen, lediglich das Feigenblatt für eine zutiefst antidemokratische Organisation.

Versagen der Öffentlichen Bildungspolitik und untauglicher Ersatz

Der Staat spart massiv bei den Bildungsausgaben, zwingt ausgebildete LehrerInnen in prekäre Beschäftigungsverhältnisse und stellt scheinselbständige LehrerInnen als „freie“ MitarbeiterInnen ein.

Auf dem „Markt“ der politischen Bildung verfährt dieser Staat nach dem Prinzip „teile und herrsche“. Jene Initiativen, die nicht bereit waren, unsägliche Selbstverpflichtungen über ihre Verfassungskonformität abzugeben, wurden und werden als extremistisch gebrandmarkt und somit vom „Markt“ gedrängt. Was demokratisch ist und was nicht, soll nicht der Staat, sondern die Gesellschaft bestimmen!

Politisch gefärbte Bildungsarbeit der Geheimdienste

Geheimdienste halten seit Jahren nahezu unbemerkt Einzug in der deutschen Bildungslandschaft. Im Jahr 2005 wurde die Landeszentrale für Politische Bildung von Niedersachsen geschlossen, in die Bresche sprang – wir ahnen es – der niedersächsische Verfassungsschutz. Er gestaltet nun dort, wo früher unabhängige und auch mal kritische Referent*innen ein Auskommen fanden, staatstragende Bildungsangebote. Er entwirft die politischen Planspiele für die 10. Klasse, druckt Hochglanzbroschüren und tendenziöse Comics für die Kleinsten. Die wissenschaftlich haltlose „Extremismusthese“, die von einer hufeisenförmigen Annäherung der politischen Gegensätze an ihren jeweiligen Enden fabuliert, ist der theoretische Ausgangspunkt dieser Bildungsarbeit.

Geheimdienste sind Teil des Problems

Verfassungsschutzämter der ganzen Republik sind in den letzten zwei Jahren massiv in die Kritik geraten, Führungspersonal musste versetzt werden, in Ruhestand gehen oder wurde abberufen. Was anfangs lediglich wie ein komplettes Versagen der staatlichen „Verfassungsschützer“ bei der neonazistische NSU-Mordserie aussah, entwickelte sich in kürzester Zeit zu einer schier unglaublichen Skandalserie. Die Versuche der NSU-Untersuchungsausschüsse, offene Fragen aufzuklären, wurden tatkräftig behindert (Stichwort: Aktenschreddern). Deutliche Hinweise der Opfer und Zeugen auf neonazistische Täter wurden bei den Ermittlungen vollständig ignoriert, statt dessen wurden die Opfer selbst beschuldigt und bespitzelt. Wir erfuhren staunend, wie Verfassungsschutzämter jahrelang Mitglieder der rechten Szene als V-Leute alimentierten und dass ganze Neonazistrukturen erst mit tatkräftiger Hilfe der Verfassungsschützer aufgebaut werden konnten. Leitende Figuren der Neonazis erhielten offenbar über Jahre hinweg staatliche Gelder, die sie wieder in die rechte Szene steckten. Rechte Straftäter wurden sogar aus den Ämtern heraus vor anstehenden Razzien gewarnt. Geheimdienste sind nicht nur unnütz, sondern sie sind Teil des Problems!

Eine Behörde, die mit intransparenten Mitteln, jenseits jeglicher öffentlicher Kontrolle, arbeitet, die bis heute rechte Strukturen verharmlost oder gar fördert, kann keine demokratische politische Bildung betreiben. Jugendliche und Erwachsene sollten nicht vom Geheimdienst „Demokratie“ erlernen, sondern von Akteurinnen und Akteuren der Zivilgesellschaft.

Antirassismus – aber bitte richtig

Antirassismus ist wichtiger denn je, gerade angesichts der seit Jahren gerade auch durch den deutschen Staat forcierten Abschottung der Festung Europa gegen die Flüchtlinge des globalen Südens mit vielen tausend Toten. Jeden Tag müssen Flüchtlinge in Deutschland menschenfeindliche Behördenpraxis durch Grenzschutzagenturen, Ausländerbehörden, in Asylunterkünften und Abschiebeknästen ertragen. Wer wie der Inlandsgeheimdienst „Verfassungsschutz“ für die Verteidigung dieses Status quo angetreten ist und antirassistische, antifaschistische und basisdemokratische Aktivist*innen unter dem ideologisierten Vorwurf des „Extremismus“ bespitzelt und verfolgt, kann kein Kooperationspartner für politische Bildung sein.

Wenn der AStA Referent*innen zum Thema „Schule ohne Rassismus“ oder „National befreite Zonen“ einladen will, muss er nicht auf das Personal des „Team meX“ zurückgreifen. Es gibt zahlreiche antirassistische Initiativen (z.B. aus dem Netzwerk von „Kein Mensch ist illegal“) oder kritische JournalistInnen, die die Naziszene und ihre menschenverachtenden Ideologien untersuchen (wir empfehlen die Referent*innennetzwerke der Rosa Luxemburg Stiftung, vom Duisburger Institut für Sprach und Sozialforschung und der antifaschistischen Informations-, Dokumentations- und Archivstelle Aida in München). Darunter befinden sich auch viele Referent*innen, die Workshops veranstalten und über eine Lehrer*innenausbildung verfügen.

Wer da nicht fündig wird, will nicht fündig werden.

Wir fordern daher den AStA der Uni Konstanz auf, seine Zusammenarbeit mit den genannten Referenten sofort zu beenden!

Keine Zusammenarbeit mit Schlapphüten und deren Gehilf*innen!

(====== Antifaschist*innen aus Konstanz ======)

Quelle: https://linksunten.indymedia.org/de/node/99433

Vgl.: http://www.asta.uni-konstanz.de/

Eine Sackgasse ohne Ausweg? Wohin führt der Aufstand in Syrien?

Syrien-Vortrag vom Konkret-Autor Ralf Fischer am Freitag, 15. November 2013, 20 Uhr im Treffpunkt Petershausen, Konstanz

Im März des Jahres 2011 hatten Kinder in der südsyrischen Stadt Daraa den im Arabischen Frühling in Tunesien und Ägypten verwendeten Slogan „Das Volk will den Sturz des Regimes“ an mehrere Wände geschrieben. Die Kinder wurden verhaftet und gefoltert. Daraufhin forderte die Teilnehmer auf einer ersten großen Demonstration in Daraa die Freilassung dieser Kinder. Eine weitere Demonstration am Freitag, den 18. März, wurde von Sicherheitskräften gewaltsam angegriffen, mindestens vier Menschen verloren ihr Leben. Bei den Begräbnissen der Toten wurde am Tag darauf ein weiterer Mensch von den syrischen Sicherheitskräften getötet. Die Proteste griffen im Weiteren auf andere Städte in Syrien über. Über zwei Jahr später, zwei UN-Beobachtermissionen, weit über zwei Millionen Flüchtlinge, abertausende Verhaftungen und 100.000 Tote später verhandelt die internationale Weltgemeinschaft nach wie vor über ein Ende der Gewalt.

Das Ergebnis ist immer dasselbe. Stillstand und gegenseitige Blockaden. Währenddessen gehen die syrischen Sicherheitskräfte gemeinsam mit iranischen Revolutionsgardisten und libanesischen Hizbollahkämpfern weiterhin brutal gegen die Opposition vor. Nicht weniger zimperlich verteidigen sich die Aufständischen unter Führung der Freien Syrischen Armee, vor allem die zahlreich eingesickerten Al-Qaida-Terroristen und andere sunnitischen Gotteskriegern. Die unmittelbaren Nachbarn Syriens reagieren mit großer Nervosität. Regionale Konflikte zwischen der Türkei sowie Saudi Arabien als selbsternannte Schutzmächte der Sunniten und dem Iran, der mit dem alawitischen Assad-Clan verbündet ist, weiten sich aus. Ethnische und konfessionelle Konfliktlinien innerhalb Syriens, wie z.B. zwischen den Kurden und den sunnitischen Arabern, erschweren die Konfliktlösung noch mehr.

Libanon und Jordanien stehen vor einer unbeschreiblichen Flüchtlingskatastrophe. Allein die Versorgung in den Camps mit ausreichend Trinkwasser ist äußerst prekär. In Deutschland solidarisieren sich Linke wie Rechte mit dem mörderischen Assad-Regime. Gleichzeitig bleibt bedauerlicherweise eine breite Unterstützung der zivilen Opposition aus. Desinteressiert schauen alle in die Röhre. Ganz nebenbei versucht die internationale Weltgemeinschaft zwar die chemische Kampfstoffe des Assad-Regimes zu vernichten. Das Schlachten geht davon aber ungestört weiter.

Der Referent Ralf Fischer ist freier Journalist aus Berlin und schreibt u.a. für das Monatsmagazin konkret und die Wochenzeitung Jungle World

Quelle: https://www.facebook.com/events/643928695659649/

Gesellschaft Macht Geschlecht

Aktionswochen gegen Sexismus und Homophobie vom 19. – 26. November 2013

19.11. – 19.30 Uhr – C421

Bilder von Sexarbeiter_Innen – Workshop von Emily Navina. Hure, Femme und Aktivistin

Emily Navina

Sexarbeit ist ein Begriff, der mit unterschiedlichsten Bildern verbunden wird. Sexarbeiter_Innen, Stricher, Masseure, Escort, Hure….Was denkst Du wenn du solche Bezeichnungen hörst? Wie hast Du Dir Deine Meinung gebildet? Wie sieht Deine Auseinandersetzung mit dieser Arbeit aus? Was ist Sexarbeit? Wer macht Sexarbeit? Wie sind die Arbeitsbedingungen von Sexarbeiter_Innen in Deutschland und anderswo? Welche Bilder und Vorstellungen tauchen in Deinem Kopf auf? Sind sie realistisch, sind es Stigmata? Sind es Vorurteile über die Personen oder uns, Ihre/unsere Wünsche und die Sexualität in unserem Kopf?

Es gibt unterschiedliche Erfahrungen mit Sexarbeit. Der persönliche Bezug zu dieser Arbeit ist so unterschiedlich wie in anderen Jobs auch. Sex ist ein gesellschaftliches Tabuthema und es gibt unterschiedliche Auffassungen von Sexarbeit.

Falls Ihr Interesse an diesem Thema habt oder in der Sexarbeit tätig werden wollt ist der Workshop ein Raum in dem Ihr Eure Fragen loswerden könnt. Wenn Du dich ausserhalb der stigmatisierenden Stereotypen über Sexarbeit aufhälst und die Möglichkeit suchst, dich mit diesem Thema auseinandersetzen bist du herzlichst willkommen!

21.11. – 20 Uhr – Radioraum

Film + Gespräch: House of Shame / Chantal All Night Long

Jackie Baier

Fast ein monumentaler Historienschinken – die Vorgeschichte der Party mitgerechnet umgreift der Film einen Zeitraum von 30 Jahren, fast das Leben einer Generation, fast der Soundtrack einer Generation, fast die ganze Gewalt und die ganze Leidenschaft …

Fast ein Road Movie, ständig unterwegs auf der Flucht durch die Nacht, fast ein Film Noir – man kommt kaum heraus aus den betonierten Kellern und den unterirdischen Gängen der Stadt; und ganz die Geschichte eines Lebens, Chantals, und ihres trotzigen Traums vom Leben.
Ein sehr persönlicher Film.

House of Shame ist eine Queer-Party in Berlin, die in jeder Donnerstagnacht Disco Dancing und Live Acts bietet. Jeden Donnerstag einen anderen. Und das seit 10 Jahren.

22.11 – 19.00 Uhr – Radioraum (Beyerlestr. 1, Hintereingang DGB-Haus)

„Sexuell verführerisch und hexenhaft“. Einführendes über Entstehung, Bilder und geschlechtsspezifische Aspekte des Antiziganismus.

Patrick Bredl

Die Entstehung des Antiziganismus wird vor dem Hintergrund der Durchsetzung territorialstaatlicher und (früh-)kapitalistischer Verhältnisse rekonstruiert. Deshalb wird Antiziganismus nicht isoliert betrachtet (z. B. um das „Wesen“ „der Zigeuner“ erfahrbar zu machen), sondern als Form negativer Vergesellschaftung. Im Laufe der Zeit kristallisiert sich „der Zigeuner“ zum „mythischen Gegentypus des bürgerlichen Subjektes“ (F. Maciejewski). Dieses muss sich im „Fortschritt“ mehrmals unterwerfen: Unter die Zwänge territorialer Eingrenzung, kultureller Integration und sozialer Anpassung. „Die Zigeuner“ dagegen gelten als fremd, faul und frei. Im Vortrag soll neben der historischen Entwicklung, der psychologische Kern des Antiziganismus betrachtet werden bevor wir schließlich das Bild der „Zigeunerinnen“ als sexuell verführerisch und/ oder hexenhaft ausführlich analysieren und diskutieren werden.

23.11 – Einlass: 19 Uhr bis 19.20 Uhr – Cafe Einblick

Queer und (Anti-)Kapitalismus – Vorstellung des Buches von Heinz-Jürgen Voß und Salih Alexander Wolter

Dr. Heinz-Jürgen Voß

Die ‚Erfolgsgeschichte‘ der bürgerlichen Homo-Emanzipation in den westlichen Industriestaaten fällt mit der neoliberalen Transformation der Weltwirtschaft zusammen. Während vor allem weiße schwule Männer Freiheitsgewinne verbuchen, kommt es zu einem entsolidarisierenden Umbau der Gesellschaft, verbunden mit zunehmend rassistischen Politiken im Innern; zugleich dient der «Einsatz für Frauen- und Homorechte» als Begründung für militärische Interventionen im globalen Süden. Dabei waren es schon 1969 in der New Yorker Christopher Street „[S]chwarze und Drag Queens/Transgender of colour aus der Arbeiterklasse“, die den Widerstand gegen heteronormative Ausgrenzung und Gewalt trugen und „sich in Abgrenzung zu weißen Mittelklasse-Schwulen und [-]Lesben ‚queer‘ nannten, lange bevor deren akademische Nachfahren sich diese Identität aneigneten“ (Jin Haritaworn). Doch auch hierzulande sind es die queer People of Color, die aktivistisch wie theoretisch gesamtgesellschaftliche Perspektiven jenseits des gängigen Homonationalismus entwickeln. Hierauf aufbauend diskutieren Voß und Wolter die Veränderungen der Geschlechter- und sexuellen Verhältnisse der Menschen unter zeitlich konkreten kapitalistischen Bedingungen.

25.11 – 15.15 Uhr – C427

Workshop: Männlichkeiten jenseits der „Norm“– von Tunten, Trans*, Dragkingz und Anderen

Marco Kammholz & Jonathan Rafael Balling

Ständig begegnen uns Vorstellungen und Bilder vermeintlich „echter Männlichkeit“. In unserem Workshop wollen wir den Blick auf die Brüche innerhalb dieser hegemonialen Männlichkeitskonzepte legen und die Spiel- und Möglichkeitsräume alternativer Männlichkeitskulturen und -identitäten jenseits eines zweigeschlechtlichen Ordnungsprinzips aufzeigen. Von Tunten, trans*, drag kingz, butches, Lederkerlen… und anderen Lichtblicken in der heteronormativen Einöde.

Im Workshop werden wir kurze Inputs zur Konstruktion von Geschlecht, trans* und lgbt*tiq¹ geben. Ansonsten ist unser Workshop praxisorientiert: Wir arbeiten in Kleingruppen oder erproben Methoden der Sexualpädagogik der Vielfalt². .

¹ lesbian, gay, bisexual, trans*, trans*, transgender, inter*, queer

² Sexualpädagogik der Vielfalt: Praxismethoden zu Identitäten, Beziehungen, Körper und Prävention für Schule und Jugendarbeit, Edition Sozial, Juventa, 2008

25.11 – 19.00 Uhr – G201

Antimuslimischer Rassismus und Homophobie in der Wissenschaft und Zivilgesellschaft

Dr. Zülfukar Çetin

Spätestens seit dem 11. September 2001 erfahren wir in den westlichen Ländern, u.a. auch in der BRD, sichtbare Veränderungen in der Sexual- und Geschlechterpolitik, die einerseits einen zivilisierten Westen und andererseits unzivilisierte „Andere“ konstruiert. In diesem Vortrag wird nicht auf jenseits des Westens eingegangen. Vielmehr wird diskutiert, wie im Westen, v.a. in der BRD, die Menschen, die als Muslim_innen markiert werden, durch zugeschriebene Merkmale, die sie nicht unbedingt besitzen müssen, zum anderen gemacht werden. Anhand der Analyse von ausgewählten Studien, die in den letzen zehn Jahren durchgeführt wurden, werden die folgenden Fragen gestellt und beantwortet: Was ist eigentlich Homophobie? Wer ist eigentlich homophob? Welche Zusammenhänge gibt es zwischen Homophobie und Antimuslimischem Rassismus? Welche Rolle spielen Wissenschaft, Zivilgesellschaft und Staat bei der Queer- und Migrant_innenpolitik? Welche sozialen
Auswirkungen haben diese Politiken auf die Einwanderungsgesellschaft in Deutschland?

26.11 – 21 Uhr – Contrast

Party -> Labor goes Queer* <-

*Party mit *bunterbowle* und Urinella-Bastel-Workshop*

Sexistische, homophobe, trans*phobe und andere gruppenbezogene diskriminierende Einstellungen sind hier prinzipiell unerwünscht und jegliche Grenzverletzung, dumme Anmachen oder Sprüche werden nicht geduldet. Wer das nicht kapiert, fliegt raus!

Vom Alltagsverstand zum Widerstand – Krise, Alltagsverstand, Klassenbewusstsein und Hegemonie bei Antonio Gramsci

Gramsci-Seminar mit Leo Mayer am Samstag, den 9.11.2013 von 13 – 17.30 Uhr in Moos

Am 27. April 2012 jährte sich zum 75. Mal der Todestag von Antonio Gramsci. Das gewachsene Interesse an diesem bedeutenden marxistischen Politiker und Theoretiker hängt mit dem originellen Beitrag Gramscis zum Marxismus und zur kommunistischen Politik seiner Zeit zusammen und mit den Herausforderungen für die marxistischen Kräfte, die Krise des heutigen Kapitalismus, die heutigen Widersprüche und Gefahren besser zu verstehen und zu bewältigen.

Natürlich dürfen wir dabei den historischen Rahmen, in dem Gramsci seine Überlegungen entwickelt hat, nicht aus dem Auge verlieren. Gramsci selbst sprach vom Historizismus der Philosophie der Praxis. Um aus seinen Gedanken Nutzen zu ziehen, müssen wir uns also bemühen, sie in die Gegenwart zu übersetzen.

Gramsci hat uns Grundgedanken einer Theorie des Kampfes für die gesellschaftliche Umgestaltung in Zeiten des “Stellungskrieges” im hochentwickelten Kapitalismus gegeben. Er gibt wichtige Anregungen für die “Herausbildung eines neuen Kollektivwillens” und fordert uns auf, zu “erforschen, wie sich genau die dauerhaften Kollektivwillen herausbilden, … wie entwickelt sich ihre organisierte und sie zu gesellschaftlichem Einfluss befähigende Kraft usw.” (A. Gramsci)

Ein weiterer Grund sich mit Gramsci zu beschäftigen, liegt im zeitgeschichtlichen Zusammenhang von Gramscis Werk mit der großen Krise in den 30er-Jahren, der die Niederlage der Arbeiterbewegung und der Demokratie sowie der Machtantritt des Faschismus bald folgte.

Referent ist Leo Mayer vom isw München: http://www.isw-muenchen.de/

Veranstalter: Marxistischer Gesprächskreis Konstanz-Singen

Kontakt: mannherz @ stb-mannherz.de