Archiv für September 2013

Stadtführung: Aspekte jüdischer Geschichte in Überlingen

Stadtführung von und mit dem Historiker Oswald Burger im Rahmen der 4. Jüdischen Kulturtage in Überlingen. Die Führung beginnt am Sonntag, 13.10.2013, 14:00 Uhr. Treffpunkt ist vor dem Gebäude der heutigen Überlinger Bauverwaltung (Bahnhofstr. 4)

Die mittlerweile traditionelle Stadtführung zu Aspekten jüdischer Geschichte in Überlingen beginnt in diesem Jahr am 13.10. um 14:00 Uhr vor der heutigen Überlinger Bauverwaltung (Bahnhofstr. 4). Der Historiker Oswald Burger führt die Teilnehmer/innen von dort aus über Münsterstraße, Aufkircher Straße, Friedhof und St. Ulrich-Straße zum Städtischen Museum.

Das Gebäude der heutigen Überlinger Bauverwaltung war früher Sitz des Badischen Bezirksamtes bzw. des Landratsamtes. Hier lebte und arbeitete bis 1930 der hoch geschätzte jüdische Landrat Wilhelm Levinger mit seiner Familie. Stolpersteine erinnern heute an die ehemaligen Bewohner des Hauses.

Vor dem einstigen Wohn- und Geschäftshaus der Familie Levi an der Münsterstraße 12 berichtet der Historiker Oswald Burger von der angesehenen jüdischen Familie, die 1939 von den Nationalsozialisten aus der Stadt gedrängt wurde. Ab Mai 2014 werden auch hier Stolpersteine an jüdisches Leben erinnern.

Anschließend geht der Weg in die Aufkircher Straße, wo der Schuhmacher Josef Banschik wohnte und seine Werkstatt hatte, bis die Nationalsozialisten ihm und seiner Familie 1939 durch Berufsverbot die Lebensgrundlage entzogen und in die städtische Armenfürsorge trieben.

Auf dem Überlinger Friedhof zeigt Oswald Burger den Teilnehmer/innen eine Reihe jüdischer Gräber, u. a. der Familie Levinger, der Familie Haas und von Else Weill sowie das neu errichtete Grab mit mittelalterlichen Gebeinen.

In der St. Ulrich-Straße erinnert der Historiker an ein spätmittelalterliches Judenpogrom, das zum Ausgangspunkt einer lokalen Heiligenlegende wurde.

Den Schluss der Stadtführung bilden die mittelalterlichen jüdischen Grabmale im Garten des Städtischen Museums. Sie zählen zu den ältesten und kostbarsten Zeugnissen ihrer Art in Baden-Württemberg.

4. Jüdischen Kulturtage Überlingen 2013

Vom 10. bis 13.10.2013 finden die diesjährigen jüdischen Kulturtage in Überlingen statt. Das unglaublich umfangreiche und vielfältige Kulturprogramm bietet Fotoausstellungen, Klezmer-Konzerte, Kammermusik, Gesangs-Workshops, Filmvorführungen, Vortragsveranstaltungen und Lesungen. Einige Events finden in der Schule statt, für andere sind Einladungen erforderlich. Das gesamte Programm mit ausführlichen Beschreibungen findet sich unter Programm der 4. Jüdischen Kulturtage in Überlingen.

„Griechenland ist überall“

Veranstaltung mit Giorgos Chondros, SYRIZA
Dienstag, 8. Oktober, 19 Uhr, Konstanz, Hotel Barbarossa

Die Bevölkerung Griechenlands wehrt sich verbissen dagegen, das Versuchskaninchen für die „Schocktherapie“ zu werden, die die wirtschaftlichen und politischen Eliten in den mächtigsten europäischen Ländern nach und nach auf die restlichen EU-Mitgliedsländer ausdehnen wollen. Die Streiks in den vergangenen Wochen können deshalb durchaus als Vorboten eines heißen Herbstes angesehen werden. Beschäftigte und ihre Gewerkschaften legten dabei Teile des öffentlichen und privaten Sektors lahm; neben Schulen und Hochschulen blieben auch Behörden und sogar Gerichte geschlossen.

Giorgos Chondros, Mitglied der griechischen Linkspartei SYRIZA, wird über die aktuelle politische Situation in Griechenland und die Vorschläge seiner Organisation für einen sozialen und demokratischen Weg aus der Krise informieren. Chondros berichtet dabei nicht nur über das Ausmaß des Desasters und der humanitären Katastrophen, sondern auch von den verschiedenen Aktivitäten der sozialen Solidarität, die von der Bevölkerung Griechenlands entwickelt wurden. Eine Massenbewegung des Widerstandes und der Solidarität ist in den vergangenen Monaten unter der Losung „Niemand wird in der Krise allein gelassen“ entstanden. Diese Solidaritätsbewegung ist ein integraler Bestandteil des Kampfes für ein Ende der Austeritätspolitik, die der Bevölkerung Griechenlands von der Troika und den verschiedenen Regierungen der letzten Jahre aufgezwungen wurde.

Nach dem anfänglichen Versuch, die wichtigsten Notwendigkeiten zum Überleben und zur kollektiven Organisierung anzugehen und nur einzelne gesellschaftliche Bereiche (wie Gesundheit, Ernährung und Bildung) zu bearbeiten, hat sich die Bewegung schrittweise in eine mächtige Triebfeder der gesellschaftlichen Transformation entwickelt, die sich immer neue Arbeitsfelder erschließt. In diesem Rahmen wurde auch das Bündnis „Solidarität für Alle“ entwickelt, das sich in den Kampf für ein Leben ohne Spardiktate, Armut, Ausbeutung, Faschismus und Rassismus einbringt und danach strebt, die Voraussetzungen für einen radikalen Politikwechsel und eine soziale Transformation zu schaffen.

Giorgos Chondros lebt in der griechischen Stadt Trikala, ist Leitungsmitglied von Syriza sowie einer der Koordinatoren für das Projekt „Solidarity for all“, verantwortlich für den deutschsprachigen Raum. Giorgos hat in seinem elterlichen Bergdorf selbst eine Volksküche organisiert und weiß, wie die Bevölkerung in Griechenland nach dem Niederriss des Sozialstaats ihr Leben organisiert, welche politischen Konsequenzen damit verbunden sind; das Überlebens-Projekt „Solidarität für alle“ macht unterdessen Schule in Europa und führt zu vielfältiger Kooperation, grenzüberschreitenden Ärzteprojekten, sozialen und Partnerschaftsinitiativen verschiedener Art.

Veranstalter: DIE LINKE Kreisverband Konstanz, DKP Bodensee-Hochrhein, Internetmagazin Seemoz