Archiv für Juli 2013

Vortrag: Antiziganismus- das Problem heisst Rassismus

Das Aktionsbündnis Abschiebestopp Konstanz veranstaltet einen Vortrag mit Videoimpressionen & Diskussion mit Michael Reibetanz (Usti nad Labem, CZ)

Nicht erst seit den rassistischen Pogromen der letzten Jahre in Ungarn und Bulgarien ist Antiziganismus mehr ins Blickfeld der bundesdeutschen Medien gerückt. Zu Beginn des 21. Jahrhunderts existieren europaweit noch immer starke Vorbehalte gegen Menschen, die sich selber als (Sinti und) Roma bezeichnen. In der Veranstaltung soll ein kurzer Blick in die Geschichte des Antiziganismus in den deutschsprachigen Ländern geworfen werden. Im Anschluss daran werden am Beispiel der Tschechischen Republik struktureller, institutioneller aber auch Alltags-Rassismus anhand von Ereignissen der letzten Jahre aufgezeigt bzw. erläutert. Dabei wird im Besonderen auf die unterschiedlichen Vorurteilsstrukturen, welche sich Rassist_innen zu eigen machen, eingegangen.

In Konstanz: Dienstag, 23. Juli 2013, 19:30 Uhr, Treffpunkt Petershausen, Konstanz

In Singen: Mittwoch, 24. Juli 2013, um 19.00 Uhr in der Singener Teestube statt.

http://abschiebestoppkn.blogsport.de/

Begleitprogramm zur Konstanzer Stolpersteinverlegung mit Schwerpunkt Sinti und Roma

Als Rahmen für die Stolpersteinverlegung am 9. September 2013 führt die Konstanzer Initiative drei Veranstaltungen zum Schwerpunkt Sinti und Roma durch. Zusätzlich findet vom 7.9. – 29.9. in der Rathaus Galerie eine Ausstellung des Verbandes Deutscher Sinti und Roma Baden-Württemberg statt.

09.09.2013 19:30 Uhr Astoriasaal

Übergabe der Stolpersteine an die Stadt Konstanz

Offizielle Übergabe der Steine an die Stadt Konstanz.

Konstanzer Schüler stellen ihr Projekt „Erinnere Dich – vergiss es nicht“ vor, im Rahmen dieses Projekts wurden im Laufe des letzten Schuljahres u.a. auch die Biographien von sieben jüdischen Opfern aus Konstanz recherchiert, für die heute Steine verlegt werden konnten.

Im Anschluss

Die Verfolgung von Sinti und Roma im Dritten Reich

Vortrag des Historikers Dr. Arnulf Moser

Der Vortrag des Historikers Arnulf Moser behandelt die Ausgrenzung der Gruppe der Sinti und Roma als Fremdrassige und Asoziale und die zwangsweise Sesshaftmachung. Sinti und Roma wurden nach rassenpolitischen Kriterien erfasst und waren im Krieg von Deportation oder Zwangssterilisation bedroht. Verdeutlicht wird diese Entwicklung an Beispielen aus der Region. Einbezogen wird auch die langwierige Auseinandersetzung um eine Entschädigung in der Nachkriegszeit.

12.09.2013 19.30 Uhr Wolkensteinsaal

Zeitzeuge Hugo Höllenreiner berichtet über seine Lebensgeschichte: Ein Sinto Kind in Auschwitz-Birkenau

Hugo Höllenreiner wurde 1933 in München geboren. Im Alter von neun Jahren wurde er mit seinen Eltern und Geschwistern, sowie zahlreichen weiteren Angehörigen in das „Zigeuner-Lager“ nach Auschwitz-Birkenau deportiert. Dort wurde er selber Opfer brutalster medizinischer Experimente. Nach einer weiteren Odyssee durch die Konzentrationslager Ravensbrück, Mauthausen und Bergen-Belsen wurde er im April 1945 befreit.
Viele Jahre hat Hugo Höllenreiner über seine schrecklichen Erlebnisse geschwiegen. Grund dafür waren auch Diffamierungen und die offene Ablehnung, der er als Sinti-Angehöriger im Nachkriegsdeutschland weiterhin ausgesetzt war.
Erst Ende der 90er Jahre hat Hugo Höllenreiner begonnen seine Lebensgeschichte zu erzählen, die Anja Tuckermann in der Biografie „Denk nicht wir bleiben hier!“ Die Lebensgeschichte des Sinto Hugo Höllenreiner 2005 veröffentlichte.

26.09.2013 19.30 Uhr Astoria-Saal

„Sündenbock“ Roma in Osteuropa – Hatz auf eine Opfergruppe des Nationalsozialismus

Annähernd jeder Angehörige der Volksgruppe der Roma in Osteuropa und auf dem Balkan hat direkte Vorfahren in den Konzentrationslagern des Nazi-Regimes verloren. Zu den rund 500.000 Opfern der europäischen Sinti und Roma, die auf Erlass des Reichsführer SS, Heinrich-Himmler ab Dezember 1942 deportiert und ermordet wurden kamen viele Zehntausende aus den heutigen Balkanstaaten.
Die aktuellen Berichte von Menschenrechtsorganisationen und des UN-Flüchtlingshilfswerk UNHCR machen deutlich, dass dieser Opfergruppe des Nationalsozialismus im heutigen Europa nicht etwa besonderer Schutz zu Teil wird, sondern dass Roma erneut in erschreckendem Maße ausgegrenzt, diskriminiert und erfolgt werden. Die stereotypen Merkmale, welche „den“ Roma zugeschrieben werden decken sich dabei häufig mit denen im Nationalsozialismus geschürten Vorurteilen.
Der Konstanzer Journalist und Autor Jürgen Weber hat 2012 ein ungarisches Dorf besucht, welches zuvor durch Pogrome an der Roma-Bevölkerung über die Landesgrenzen hinaus Schlagzeilen machte. Seine Recherche in osteuropäischen Staaten hat er mit Gesprächen von in Deutschland lebenden Flüchtlingen vom Balkan ergänzt. An den Beispielen Ungarn und Serbien beschreibt er die Stimmung in Gesellschaft und Politik sowie die Diskriminierung der Roma und deren Fluchtgründe.
Jürgen Weber geht der Frage nach, wie es sein kann, dass die Enkel und Urenkel der in Auschwitz ermordeten Sinti und Roma wieder einer institutionellen und vielerorts aggressiven Diskriminierung ausgesetzt sind und die Europäische Union diesen Teil ihrer Bürgerinnen und Bürger nicht ausreichend schützt und fördert.

Für diese drei Veranstaltungen ist der Veranstalter die „Initiative Stolpersteine für Konstanz – Gegen Vergessen und Intoleranz“ in Zusammenarbeit mit der VHS Konstanz – Singen e.V.

Weitere Veranstaltungen der Initiative Stolpersteine für Konstanz – gegen Vergessen und Intoleranz in Zusammenarbeit mit der VHS Konstanz-Singen e.V.

7.9. – 29.9. in der Rathaus Galerie

Typisch „Zigeuner“? Mythos und Wirklichkeiten

Eine Ausstellung des Verbandes Deutscher Sinti und Roma Baden-Württemberg

Am 15. März 2013 jährte sich zum siebzigsten Mal die große Deportation der Sinti und Roma aus Württemberg und Baden. Die Schergen des mörderischen Regimes verschleppten sie in das sogenannte „Zigeunerlager“ Auschwitz-Birkenau. Nahezu die Hälfte dieser Deportierten waren Kinder unter 16 Jahren. Diese Deportation war Bestandteil der rassistischen Vernichtungspolitik der Nazis, die nur etwa zehn Prozent der seit Jahrhunderten in Mitteleuropa ansässigen Sinti und Roma überlebten.
Dennoch wurde nach dem Untergang des NS-Regimes weder das begangene Unrecht gesühnt noch gab es Wiedergutmachung. Vielmehr wurden die Sinti und Roma weiterhin diskriminiert und verfolgt – teilweise von denselben Beamten, die zuvor schon an ihrer Verfolgung mitgewirkt hatten.
In Konstanz wird am 9. September 2013 erstmals ein Stolperstein für einen Angehörigen dieser Opfergruppe verlegt. In Erinnerung an diese oft „vergessene“ Opfergruppe, plant die Initiative Stolpersteine für Konstanz in diesem Jahr verschiedene Begleitveranstaltungen zu dem Thema, auch ein Überlebender der Deportation, der Sinto Hugo Höllenreiner, wird nach Konstanz kommen und von der Verfolgungsgeschichte seiner Familie berichten. Er selber überlebte als Kind die Konzentrationslager Auschwitz-Birkenau, Ravensbrück, Mauthausen und Bergen-Belsen.
Diese Ausstellung soll vor allem auch Schulklassen die Möglichkeit geben, sich vertiefend mit dem Thema zu beschäftigen. Denn das Thema ist von erschreckender Aktualität:
In weiten Teilen Europas werden Sinti und Roma noch immer diskriminiert, vertrieben und verfolgt. In Ungarn, Rumänien, Tschechien und im Kosovo fehlen ihnen die Lebensgrundlagen und der Schutz von Behörden und Öffentlichkeit. Aus Frankreich werden sie verjagt, in Italien isoliert. Die Zugewanderten werden in Deutschland, wo sie Schutz und Arbeit suchen, unter Missachtung elementarer Menschenrechte abgeschoben.

Quelle: http://www.juergenweber.eu/