Archiv für Dezember 2012

Demonstration „Abschiebung stoppen! Auch in Konstanz!“

Mobilisierungsaufruf des Aktionsbündnis „Abschiebestopp Konstanz“ gegen die Verletzung der Menschenrechte von Flüchtlingen in Konstanz und anderswo.

Derzeit finden in Baden-Württemberg wie auch in ganz Deutschland zahlreiche Abschiebungen statt. Entgegen vorangegangener Versprechungen, setzt die grün-rote Landesregierung Baden-Württembergs die Abschiebung von Roma in den Kosovo fort. Ebenso werden nach Serbien, Mazedonien und in andere Balkanstaaten Roma trotz massiver Diskriminierung und Menschenrechtsverletzungen abgeschoben.

Auch in Konstanz wurden in den vergangenen Monaten mehrere Familien und Einzelpersonen abgeschoben. Weitere sind im Moment akut davon bedroht und leben in Angst, weil sie Anfang Januar ausgewiesen werden sollen.

Anlässlich dieser Situation rufen wir zu einer Demonstration am 18. Dezember auf! Wir wollen die deutsche Abschiebepolitik und -praxis sowie alle anderen alltäglichen Menschenrechtsverletzungen, die die Mehrheit der Flüchtlinge und Migrant*innen in diesem Land zu erleiden haben, verurteilen. So werden unter anderem das Recht auf Arbeit (durch Arbeitsverbot), Recht auf Freizügigkeit (durch Residenzpflicht), und das Recht auf Selbstbestimmung missachtet.

Unsere Forderungen sind:

  • Sofortiger Abschiebe- und Rückführungsstopp: Wer bleiben will, soll bleiben
  • Anerkennung von Asylsuchenden als humanitäre Flüchtlinge und keine Diskriminierung als angebliche „Sozialschmarotzer“
  • Menschliche Behandlung von geflüchteten Menschen in Konstanz und überall
  • Abschaffung der Sammellager, Arbeitsverbote, der Residenzpflicht und des Systems der Essensmarken
  • Keine Diskriminierung von Menschen aufgrund zugeschriebener Gruppenzugehörigkeiten und – charakterisierungen

Wir rufen alle Antirassist*innen, Flüchtlinge und Migrant*innen sowie Verteidiger*innen der Menschenrechte dazu auf, gemeinsam gegen die menschenverachtenden Praktiken zu demonstrieren.

Wir verlangen von der Politik alle Abschiebungen und Rückführungen zu stoppen, egal wohin! Wir fordern einen bedingungslosen Schutz für alle nach Deutschland geflohenen Menschen!


Demo:
Dienstag, 18.12.2012, 16.30 Uhr
Telekomplatz1

Für die Demonstration ist folgende Route vorgesehen:

16.30 Uhr: Beginn der Demonstration mit einer Kundgebung auf dem Telekomplatz (Ecke Moltkestraße mit Theodor-Heuss-Straße)

17.00 Uhr: Loslaufen des Demonstrationszuges

17.45 Zwischenkundgebung vor der Ausländerbehörde (beim Bürgerbüro)

18.30 Uhr: Abschlusskundgebung am Münsterplatz

19.00 Uhr: Ende der Demonstration

V.i.S.d.P.: Alfons Beck (Bodanstraße 8, 78462 Konstanz)

Quelle: http://www.fluechtlingsrat-bw.de/files/Dateien/Dokumente/Veranstaltungen/2012/2012-12-18%20Flyer_Demo_Konstanz.pdf

  1. Ecke Moltkestraße, Theodor-Heuss-Straße [zurück]

Offener Brief wegen Sammelabschiebung nach Serbien und Mazedonien

Offener Brief

- an alle Landtagsabgeordneten von Baden-Württemberg
- an alle Kreisverbände der GRÜNEN und der SPD

Sehr geehrte Damen und Herren,

am kommenden Dienstag den 11. Dezember 2012, sollen in den frühen Morgenstunden etwa 100 Personen, darunter viele Roma, durch eine bundesweit organisierte Polizeiaktion zum Flughafen Karlsruhe Baden-Baden (Baden-Airpark) gebracht und unter Polizeikontrolle mit einem Sammelflug nach Serbien und Mazedonien abgeschoben werden. Die staatliche Aktion richtet sich gegen Menschen, die in Serbien und Mazedonien einer umfassenden Diskriminierung ausgesetzt sind (laut dem 3. Bericht der EU-Kommission zur Visa-Liberalisierung).

Etwa 60 Prozent der geschätzten 450.000 Roma in Serbien leben in unsicheren und unhygienischen Lebensverhältnissen:

- 30 Prozent haben keinen Zugang zu Trinkwasser;

- 70 Prozent keinen Zugang zur Kanalisation.

Roma-Kinder sind – sofern sie eine Schule besuchen – in Sonderschulen deutlich überrepräsentiert, mit einem Anteil von mehr als 30 Prozent. Die serbische Gleichstellungsbeauftragte Nevena Petrušić sagte am 10. April 2012, dass Roma in Serbien immer wieder das Ziel von rassistischen Übergriffen und Hassreden sind.

„In unserem Land gibt es Schulen, die Rassentrennung betreiben. Roma-Kinder finden sich in separaten Schulgebäuden wieder. In vielen Städten gibt es widerwärtige Graffiti und Hakenkreuze an den Wänden,“ so der Balkan Courir.

Laut der Europäischen Kommission gegen Rassismus und Intoleranz (ECRI) lebt die Mehrheit der Roma in Serbien von Gelegenheitsjobs wie beispielsweise dem Sammeln von Altmetall. Ein Zugang zu regulärer Arbeit ist kaum möglich. In Mazedonien sind mehr als 70 Prozent arbeitslos. Roma aus dem Kosovo haben in der mazedonischen Gesellschaft so gut wie keine Chance.

Wie Roma-Organisationen selbst berichten, sind Roma häufig Opfer von Polizeimisshandlungen sowie Belästigungen, Gewalt und erniedrigender Behandlung durch andere Gesellschaftsgruppen. Berichte über körperliche Misshandlungen von Roma in Polizeigewahrsam sind alarmierend häufig. Serbien wurde vom ungarischen Helsinki Komitee wie auch im August vom UNHCR als „nicht sicherer Drittstaat“ eingestuft.

Der illegitime Druck der EU auf Serbien und Mazedonien führte zu Ausreisekontrollen im Wege des „ethnic profilings“. Zerstörung der Pässe, Anhörungen an der Grenze, Ausreiseverbote, Stempel in die Pässe, wonach die Roma als „falsche Asylbewerber“ gekennzeichnet werden, sind Alltag. In Mazedonien gilt die Unterstützung von „falschen Asylbewerbern“ mittlerweile als Straftat, in Serbien liegt ein entsprechender Gesetzentwurf dem Parlament vor. Roma werden durch den Druck der EU in den serbischen und mazedonischen Medien als „Asylbetrüger“ pauschal herabgewürdigt und dadurch zusätzlich stigmatisiert. Nach verschiedenen Berichten sollen Asylsuchende aus Mazedonien, die nach Mazedonien abgeschoben wurden, von der Sozialhilfe und dem freien Zugang zur staatlichen Gesundheitsversorgung ausgeschlossen werden.

Die Vorschläge von Bundesinnenminister Friedrich, Serbien und Mazedonien als sichere Herkunftsländer einstufen zu lassen, die Sozialleistungen auf ein Minimum abzusenken, die Asylanträge der Betroffenen als „Missbrauch“ zu bezeichnen und sie in einem Schnellverfahren zu behandeln sowie die Visa-freiheit für Serbien und Mazedonien auszusetzen, sind unerträglich.

Wir fordern die volle Anwendung der Qualifikationsrichtlinie und der Kriterien zur Diskriminierung, so wie sie vom UN-Flüchtlingswerks 2011 formuliert wurden. Danach stellt eine rassistische Diskriminierung eine der deutlichsten Menschenrechtsverletzung dar und muss folglich bei der Festlegung des Flüchtlingsstatus berücksichtigt werden.

Wir fordern:

- Schluß mit der Hetze gegen Minderheiten!

- den sofortigen STOPP der ABSCHIEBUNGEN!

Regionales Bündnis gegen Abschiebungen Baden-Württemberg

Aktionswochen gegen Sexismus und Homophobie in Konstanz

„Gesellschaft macht Geschlecht“ ist das Motto der Aktionswochen gegen Sexismus und Homophobie vom 21.11. bis 21.12.2012 in Konstanz. Die ambitionierte Veranstaltungsreihe des Referats für Gleichstellung des U_AStAs läuft bereits seit mehreren Wochen, bietet aber auch noch im Dezember Interessantes.

Donnerstag, 6.12.2012

Gabriele Dietze

Vortrag: Zusammenhang zwischen Sexismus und Rassismus – Whiteness und Gender

Fußball ist das einzige (säkulare) gesellschaftliche Feld, in dem ein Bekenntnis zur
Homosexualität unmöglich scheint und nach Auffassung wichtiger Protagonisten zu
unabsehbaren Schwierigkeiten führen könnte. Der Vortrag wird am Beispiel der (west)deutschen
Nationalmannschaft entwickeln, wie im Laufe der Zeit unterschiedliche Intersektionalitäten
von Rassismus, Homophobie und Sexismus wirksam wurden und immer noch wirksam sind. Im
Weiteren wird es um Verbindungen von Homophobie und der Konstruktion von (hegemonialer)
Männlichkeit gehen, der Unsichtbarkeit von ‚Whiteness‘ in der Vorstellung von Nation und den
komplexen Unterschieden zwischen Homophobie und Sexismus.

18:15 Uhr – 19:45 Uhr, D436 Uni Konstanz

Samstag, 8.12.2012

Chris Kurbjuhn

Workshop: All you need is … – Zum ambivalenten Verhältnis von romantischer Liebe und Emanzipation

Als vereinzelte Einzelne begeben wir uns in der verwalteten Welt des Kapitalismus auf
die Suche nach dem einen Menschen, der uns ganz macht: vom Single zur Romantischen
Zweierbeziehung (RZB). „Du und ich – in Ewigkeit (d.h. bis zur nächsten RZB), amen.“ Doch
die romantische Liebe, die wir suchen, steht mitnichten außerhalb kapitalistischer und
geschlechtlicher Herrschaftsverhältnisse, sondern beruht selbst auf warenförmigen und
sexistischen Organisationsprinzipien. Im Kurs soll die Vermachtung romantischer Liebe
thematisiert werden, ohne die ihr zugrunde liegende Sehnsucht nach einem „besseren
menschlichen Zustand“ (Horkheimer) zu suspendieren. Anschließend werden wir uns mit
alternativen Ansätzen zwischenmenschlicher Beziehungen (z.B. Polyamory) auseinandersetzen
und diese kritisch nach ihrem emanzipatorischen Gehalt befragen.

17 – 19 Uhr, Café Einblick (Hofhalde 11)

Montag, 10.12.2012

Heinz-Jürgen Voss

Biologische Geschlechtertheorien und ihre gesellschaftliche Herstellung

Werden wir als „Frauen“ und „Männer“ geboren oder werden wir dazu gemacht? Welche
Rollen spielen dabei Biologie, Medizin und Gesellschaft? Diesen und anderen Fragen wollen
wir auf den Grund gehen und dabei die angebliche „Natürlichkeit“ der Zweigeschlechterordung
hinterfragen. „Wichtig ist gerade der genaue Blick: So ziehen sich Argumentationen
der Vorgegebenheit und Unabänderlichkeit – wurden sie nun von einem ‚Gott‘ oder der
‚Natur‘ begründet – wie ein roter Faden durch die Betrachtungen von Geschlecht.“

19:00 Uhr – 21:00 Uhr, Radioraum (Beyerlestr. 1, Eingang zum Keller, hinterm Haus)

Dienstag, 11.12.2012

Christof Rolker

Vortrag: Sodomiten, Hermaphroditen und Tribaden: Sexuierte und sexualisierte Körper im späten Mittelalter und Früher Neuzeit

Die Problematisierung des intersexuellen Körpers als pathologisch, als Zeichen göttlichen Zorns
oder auch „nur“ als Objekt voyeuristischer Aufmerksamkeit hat eine lange Geschichte. Foucault
folgend, wird oft von der Verbrennung von Hermaphroditen im Mittelalter und der allmählichen
Überwindung dieses Aberglaubens in der Frühen Neuzeit ausgegangen. In
meinem Vortrag werde ich argumentieren, dass diese Erzählung unhaltbar ist und die Frage
nach der sexualisierten Wahrnehmung uneindeutiger Körper im Mittelalter und Früher Neuzeit
neu gestellt werden muss.

19:00 Uhr – 20:30 Uhr, F428, Uni Konstanz

H. Bastian

Workshop: „Wir brechen immer schöner“

Repetition trifft auf Irritation in performativen Akten. [Nach Möglichkeiten Turnschuhe
mitbringen.] Es werden mehrere Versuche unternommen Herstellungen von Identität in ihrer
Theatralität zu beobachten und auszuprobieren.

19:00 Uhr – 20:30 Uhr, D432 Uni Konstanz

Samstag, 15.12.2012

J. Jackie Baier

Slide Show: „THE MIRROR CRACK‘D“

THE MIRROR CRACK‘D von J.Jackie Baier ist eine Slide Show mit Live-Kommentar.
In ca. 400 bisher größtenteils unveröffentlichten Bildern aus verschiedenen Werkgruppen
reflektiert Baier Grundlagen und Entwicklung ihrer Arbeit mit und in den Medien Phtotographie,
Film und Fernsehen. Im Zentrum steht dabei Baiers zehnjährige Arbeit an dem Dokumentarfilm
JULIA, einem “Langzeitportrait” der jungen Transsexuellen Julia aus Litauen, die
seit 12 Jahren in Berlin auf der Straße arbeitet und (bisweilen buchstäblich) lebt.

19:00 Uhr – 21:00 Uhr, Radioraum (Beyerlestr. 1, Eingang zum Keller, hinterm Haus)

Montag, 17.12.2012

Gudrun Rath, Eva Blome

Subalterne Stimmen, Korrespondenzen und Divergenzen zwischen Gender und Postcolonialism

19:00 Uhr – 20:30 Uhr, D 433 Uni Konstanz

Donnerstag, 20.12.2012

Caroline Lafitte

Gespräch und Diskussion: Zwischen Satire, Sex und Styling: Eine kleine Geschichte der Frauenzeitschriften

Beim Wort „Frauenzeitschriften“ denken die meisten von uns intuitiv an Diät-, Mode- und
Schönheitstipps, gedruckt auf Hochglanzpapier, vierziert mit gefotoshopten Models. Intellektuell
ansprechend finden sie wohl die Wenigsten; verstohlen greift man nach einem Exemplar,
um beim Arztbesuch die Wartezeit zu verkürzen. Und doch waren Frauenzeitschriften einmal
– und manche von ihnen sind es immer noch – ein mutiges, gar gewagtes Unterfangen von
Frauen für Frauen.

19:00 Uhr – 21:00 Uhr, Contrast (Joseph-Belli-Weg 11)

Referat für Gleichstellung, mit freundlicher Unterstützung des fzs. Zum gemeinsamen Aufruf der bundesweiten Aktionswochen: http://www.kein-sexismus.de/aufruf/index.html

Kontakt: asta(via)uni-konstanz.de