6 Tage Veranstaltungen gegen Sexismus und Homophobie in Konstanz!

Sieben Veranstaltungen an sechs Tagen: im Rahmen der bundesweiten Aktionswoche gegen Sexismus und Homophobie veranstaltet das Referat für Gleichstellung des U-AStAs der Uni Konstanz ein anspruchsvolles Programm mit Vorträgen und Workshops. Die Teilnahme ist stets kostenlos und erfordet keine Anmeldung.

Vortrag „‘Mit scharrenden Füßen und Pfiffen begrüßt‘ – 100 Jahre Frauenstudium in Deutschland“

Die Durchsetzung des Rechtes auf ein Studium für Frauen erforderte einen mehrdimensionalen Kampf: gegen den formaljuristischen Ausschluss während des 19. Jahrhunderts, gegen gesellschaftlich vorherrschende Vorstellungen eines dem „theoretischen Denken“ widersprechenden „natürlichen“ weiblichen Wesens und gegen die patriarchalische „innere Geschäftsordnung der Wissenschaft“. Gisela Notz beschreibt den langen und mühsamen Weg. Dr. Gisela Notz ist Sozialwissenschaftlerin und Historikerin, sowie promovierte Philosophin. Sie ist Lehrbeauftragte an verschiedenen Universitäten und Mitglied im Bund demokratischer WissenschaftlerInnen.

Dr. Gisela Notz, Montag, 7.11. 19:00 Uhr, Uni Senatssaal V1001

Vortrag „Intersexualisierung und Queer Theory“

Caster Semenya, Mittelstreckenläuferin, wurde nach dem Gewinn einer Goldmedaille in 2009 einem „gender verification test“ unterzogen; IAAF-Generalsekretär Pierre Weiss teilte danach der Presse mit: „Es ist klar, dass sie eine Frau ist, aber vielleicht nicht zu 100 Prozent“. Was ist passiert? In diesem Vortrag geht Lena Eckert dem Prozess der Intersexualisierung in den USA seit 1950 nach und befragt ihn nach seinen Auswirkungen auf das Verständnis von Geschlecht. Von Hermaphroditismus über Intersexualität hin zu „Disorders of Sexual Development“ sind Begriffe im wissenschaftlichen Diskurs aufgetaucht, die Geschlecht entlang der Paramter von Normalität verorten. Die Korrigierbarkeit von äußeren Genitalien ist beim sogenannten „intersex-management“ oft ausschlaggebender Faktor für eine Geschlechtszuweisung bei Neugeborenen. Das Wohl des Kindes wird als Grund für eine möglichst rasche Geschlechtszuweisung angegeben, jedoch finden sich im Prozess der Intersexualisierung oft auch andere Motive. Mit Hilfe der Queer Theory wird diesen Motiven nachgegangen.

Dr. Lena Eckert hat in Gender Studies promoviert. Sie ist wissenschaftliche Mitarbeiterin am Lehrstuhl für europäische Medienkultur an der Bauhaus Universität Weimar.

Dr. Lena Eckert, Dienstag, 8.11. 19:00 Uhr, Café Einblick (Hofhalde 11)

Workshop „Ein queerer Workshop zu Arschficker_innen und Kampflesben“

Alle sind total queer: Berlin, Kurt Beck, Antifa und Asta. Im ersten Teil des Workshops sollen Begriffe und queer-theoretische Ansätze näher gebracht werden: Was hat es auf sich mit dem _ ? Wofür steht denn bitte LGBTIQ? Was meint trans * ? Und warum eigentlich Kritik an den Kategorien „Mann“ und „Frau“ äußern? Im zweiten Teil wollen wir uns durch verschiedene Übungen “Trans*- und Homophobie” zuwenden. Haben Lesben, Schwule, Bi’s, queers und trans* überhaupt noch Probleme? Was schreiben wir wem zu und wer ist wann eingeschränkt oder kategorisiert? Und warum dürfen und können wir längst noch nicht so leben, wie wir wollen? Marco Kammholz arbeitet in der Kinder-, Jugend- und Familienhilfe, versteht sich als Queer-Aktivist, undogmatischer Linker, subversiver Traumtänzer und bei Gelegenheit als Terror-Tunte.

Marco Kammholz, Mittwoch, 9.11. 16:00 Uhr – 18 Uhr, Raum wird noch auf www.asta.uni-konstanz.de bekanntgegeben

Vortrag „Ist djihadistisch das neue schwul?“

Im Vortrag werden Grundannahmen, Erkenntnispotentiale und Probleme der Queer Theory am Beispiel der „Homonationalismus“-These diskutiert. Nach dieser haben Homosexuelle in Zeiten des „War on Terror“ als Feindbilder ausgedient; die Rolle des als krankhaft, pervers und unproduktiv ausgeschlossenen Anderen werde heute von djihadistischen Selbstmordattentäter_innen erfüllt. Westliche LGBTQI-Organisationen, die Homophobie unter Muslimen kritisieren, werden entsprechend des Rassismus und der Islamophobie bezichtigt, während Islamist_innen in Schutz genommen werden. Floris Biskamp promoviert im Moment zum Thema „Orientalismus und Wahrheit. Die Debatten um ‚Islamophobie‘ vor dem Hintergrund Kritischer Theorie und postkolonialer Dekonstruktion“ an der Universität Gießen.

Floris Biskamp, Mittwoch, 9.11. 19:00 Uhr, Café Einblick (Hofhalde 11)

Vortrag „Das Elend der Männlichkeiten – Homophobie im Fußball“

Im Vortrag wird dargelegt, wie sich Konstruktionen von Männlichkeit, Homophobie und Sexismus im Fußball bis heute entwickelt haben. Hierzu ist es wichtig, Fußball auch als herrschaftsstabilisierendes Element zu betrachten und Blicke in die Geschichte des Fußballs zu wagen. Seit Beckham und der deutschen WM-Elf 2006 um Schweini und Poldi gesellt sich eine scheinmodernisierte Form von Männlichkeit zu den anderen Formen, um das Produkt Fußball langfristig offen und zugänglich für alle Kundengruppen zu gestalten. Parallel können althergebrachte Formen von Maskulinität weiter existieren und an anderen Orten und Zeiten auftreten. Und wenn es gegen Diskriminierung geht, dann stehen Homophobie und Sexismus noch entscheidend weiter unten auf der Rangliste. So tarnt und scheinmodernisiert sich Heteronormativität. Was wir dadurch besser? Wo sind Grenzen, aber auch Optionen für eine queer-feministische, evtl. gleichzeitig anarchistische Perspektive? Das könnte diskutiert werden. Gerd Dembowski ist als Sozialwissenschaftler seit 1995 im Bündnis Aktiver Fußballfans (BAFF) aktiv. Dembowski war lange Sprecher für das Netzwerk Football Against Racism in Europe (FARE) und bis 2011 in der AG Fandialog des DFB und der DFL aktiv.

Gerd Dembowski, Donnerstag, 10.11. 19:00 Uhr, Jugendclub Contrast (Joseph-Belli-Weg 11, neben Kula)

Workshop „Evolutionäre Psychologie – Endlich letzte Antworten auf Fragen zur Natur der Geschlechterdifferenz?“

Die evolutionäre Psychologie hat in den letzten Jahrzehnten versucht, geschlechterdifferentes Verhalten biologisch zu erklären und sich dabei umfassend mit Phänomenen wie Schuhe kaufen, Einparken, räumlichem Vorstellungsvermögen, Attraktivitätspräferenzen und vielem mehr beschäftigt. Im ersten Teil des Workshops wird zunächst kritisch erläutert, durch welche empirischen Methoden und Argumentationen Geschlechterdifferenz und sexuelle Orientierung in der Biologie als „naturgegeben“ vorausgesetzt werden. Im zweiten Teil gibt es für die Teilnehmenden Gelegenheit anhand von Texten und Abbildungen aus der Biologie eigene Analysen durchzuführen und für sich selbst einen kritischen Blick auf naturwissenschaftliche Tatsachenbehauptungen einzuüben. Prof. Dr. Kerstin Palm hat Biologie, Philosophie und Germanistik studiert und in Biologie promoviert. An der Universität Basel hat sie eine Gastprofessur für Geschlecht und Naturwissenschaften inne.

Prof. Dr. Kerstin Palm, Freitag, 11.11. 14:00 Uhr, Uni Raum D432

Workshop „Eine gerechte Gesellschaft gestalten: Queer und Kapitalismuskritik“

„Kein biologisches […] Schicksal bestimmt die Gestalt, die das weibliche Menschenwesen […] annimmt.“ Simone de Beauvoir zeigte klar, dass in der Gesellschaft Ungleichbehandlungen, Diskriminierungen und Gewalt entlang der Kategorie Geschlecht stattfinden und geschlechtliche Unterschiede nicht „naturgegeben“ sind, sondern durch Ungleichbehandlung entstehen. Frauen sind häufiger benachteiligt und erfahren auch öfter direkte physische Gewalt als Männer. Mit Verweisen auf die „Natürlichkeit“ der Unterschiede zwischen Frauen und Männern werden von Konservativen nach wie vor Ungleichbehandlungen von Menschen begründet und zementiert. Karl Marx war sich indes der Gesellschaftlichkeit des Menschen in all (!) seinen Merkmalen sehr bewusst. So wie aus Marx‘ Analysen zu Produktionsweisen Folgerungen für eine bessere Gesellschaft gezogen werden sollten, so sollte auch die Kategorie „Geschlecht“ einer genauen Analyse unterzogen und Ableitungen für Veränderung in der Gesellschaft erarbeitet werden. Kapitalismuskritik braucht queere Perspektiven, genau wie zu Queer unbedingt Kapitalismuskritik gehört. Das Thema, ausgehend von dem Begriff „Queer“ bis hin zur Kapitalismuskritik, wird gemeinsam mit den Teilnehmenden erarbeitet. Dr. Heinz-Jürgen Voß forscht und lehrt zu Geschlecht, Biologie und Queer. Buch zum Thema: „Geschlecht“ (Reihe theorie.org); vorbereitender Text als Input:schwule-seite.de/Ansaetze_fuer_eine_queere_Kapitalismuskritik.pdf

Dr. Heinz-Jürgen Voss, Samstag, 12.11. 15:00 Uhr, Uni Raum D432

Quelle: http://gegensexismus.blogsport.de