Archiv für November 2011

Zwischen Versammlungsfreiheit & staatlicher Repression

Veranstaltung mit MdB Richard Pitterle am 5.12.2011 um 18 Uhr an der Uni Konstanz

Stuttgart 21 aus CDU-Sicht: Protokoll einer Veranstaltung in Radolfzell

Vortrag von MdL Ulrich Müller (CDU)1 über die Volksabstimmung zu Stuttgart 21 am 27.11.2011. Ort: RIZ (Radolfzeller Innovationszentrum), 10.11.2011, 20-22 Uhr. Der Veranstaltungsort liegt am Rand von Radolfzell an der Straße nach Eigeltingen, der letzte Bus im Umkreis fährt um 22:12 ab, danach kein öffentliches Verkehrsmittel mehr vorhanden. Deshalb kamen fast alle mit dem Auto.4
Moderiert wurde der Vortrag des CDU-MdL Müller von Herrn Reuther, nach eigenem Bekunden 12 Jahre bei der Bundeswehr.

Ein Tipp noch vorab: das Beste steckt in den Fussnoten!

Jetzt sind wir am Zug!

Am Mittwoch, den 23.11.2011, fuhr um Stunden verspätet ein Castor-Transport mit atomarem Müll von der Plutoniumfabrik La Hague in Valognes, Frankreich, los. Nach mehr als 5 Tagen traf er im Atommülllager von Gorleben ein. Dieses Lager überschreitet damit seine maximale Strahlungsemission, für die es zugelassen ist – eine Klage gegen die somit rechtswidrige Einlagerungsgenehmigung liegt vor. Tausende AtomkraftgegnerInnen in Frankreich und Deutschland hatten immer wieder versucht, den Transportzug zu blockieren, was ihnen an dutzenden Stellen gelang. 3000 französische und 19.000 deutsche Polizisten prügelten den Transport letztlich durch die AKW-GegnerInnen hindurch und sorgten für zahllose Verletzte.

Update 28.11.: Nach über 5 Tagen und 6 Stunden fährt der Castor-Transport auf das Gelände des Zwischenlagers von Gorleben. Geplant war eigentlich eine Fahrzeit von 38 Stunden. Noch niemals wurde ein Transport dieser Art so häufig und so lange aufgehalten. Bemerkenswert war das Scheitern der Polizeitechniker an der Pyramidenkonstruktion die auf der Höhe von Hitzacker im Gleisbett stand. Die vier angeketteten AktivistInnen beendeten nach über 15 Stunden ihre Blockade, weil sie sich zunehmend durch die „Befreiungsaktionen“ der Polizei gefährdet sahen, die, mittlerweile nervös und unter Zeitdruck, Verletzungen der Angeketteten in Kauf nahm.

Update 27.11.: Von korrektem polizeilichen Vorgehen kann im Wendland schon lange nicht mehr die Rede sein. Willkürliche Übergriffe, offener Rechtsbruch und exzessive Gewalt mit großer Gefahr für Leib und Leben sind an der Tagesordnung. Die Schienenblockierer bei Harlingen wurden geräumt und in eine Art Wagenburg auf offenem Feld verfrachtet, wo sie rechtswidrig stundenlang ihrer Freiheit beraubt wurden. Alle gerichtlichen Überprüfungen gaben den ProtestiererInnen Recht, was die Polizei nicht daran hinderte, mit dieser Praxis fortzufahren. Ungewöhnlich komplizierte und widerstandsfähige Betonkonstruktionen, an die sich CastorgegnerInnen festgekettet hatten (Vastorf, Hitzacker), hielten den Castor praktisch den gesamten Tag auf. Die geschotterten Schienenbereiche mussten von dem Castorzug voraus fahrenden Reparaturzügen wieder instand gesetzt werden.

Update 26.11.: Während der Castor-Transport sich mit großer Verspätung und auf Umwegen Lüneburg näherte, wurde in Dannenberg eine Großdemonstration abgehalten. Die OrganisatorInnen sprechen von 23.000 TeilnehmerInnen und tausenden weiteren AktivistInnen, die zeitgleich Aktionen rund um die Transportstrecke durchführten. In der Nacht von Samstag auf Sonntag stoppte der Castor viele Stunden im Bahnhof Maschen bei Hamburg. In der Nacht wurde von der Gruppe Widersetzen bei Harlingen eine riesige Schienenbesetzung durchgeführt, an der tausende Menschen teilnahmen. Mehrere Ankettaktionen auf der Schienenstrecke zwischen Lüneburg und Dannenberg beschäftigten Spezialkräfte der Polizei über viele Stunden.

Update 25.11.: Die OrganisatorInnen der Südblockade ziehen eine positive Bilanz. Obwohl der Castor-Transport angesichts der starken Proteste in Lauterbourg / Wörth die Ausweichsroute über Saarbrücken nahm, gelang es ca. 200 AktivistInnen darauf zu reagieren und auch dort eine Blockade durchzuführen, die den Zug mehrere Stunden aufhielt. Zahlreiche Blockaden auf der weiteren Castorstrecke ließen den Atommüllzug nur im Schneckentempo vorankommen.

Update 24.11.: Der Castor – Transport ist aufgrund der Blockaden in Volognes um Stunden verspätet losgefahren und wurde auf der Fahrt durch Frankreich mehrfach zum Halten gebracht. Er steht derzeit seit Stunden bei Rémilly, Frankreich. Es gibt Gerüchte dass der Grenzübertritt nach Deutschland erst am Freitag stattfinden soll – wo ist jedoch unklar. Strahlenmessungen an den Castoren ergaben besorgniserregende Werte: 37µSv/h in in 2m Abstand. Zum Vergleich: in Fukushima City strahlt es mit 1,6µSv/h, schon in ca. 10 h würde die empfohlene maximale Jahresdosis für eine Person überschritten!

Update 23.11.: Die Kundgebung und Demonstration in Berg unter dem Titel „Atomausstieg geht anders: Nein zum 13. Castortransport nach Gorleben“ wurde um einen Tag vorverlegt auf Donnerstag, 24.11., 09:00 Uhr (!)

Überraschend wurde der Abfahrttermin der Castoren also um einen Tag vorverlegt. Frühestens, d.h. wenn keine grösseren Blockaden den Castor-Transport in Frankreich aufhalten, ist mit dem Grenzübertritt am Freitag vormittag bei den Städtchen Berg und Lauterbourg in der Nähe von Karlsruhe zu rechnen.

Dort wird der Castor-Transport auf die AktivistInnen der „Südblockade“ stoßen. Auch sie werden – so wie die zahlreichen CastorgegnerInnen im Wendland – mit ihrer Auftaktkundgebung und ihren Aktionen einen Tag früher dran sein.

Die OrganisatorInnen der Großdemo in Dannenberg, dort wo die Castoren stunden später von der Schiene auf Tieflader umgeladen werden müssen, belassen es allerdings bei dem bisherigen Startzeitpunkt von 12:30 Uhr am Samstag. Doch auch sie wollen flexibel bleiben für den Fall, dass der Transport vor Demonstrationsbeginn in Dannenberg einfährt.

Letzteres ist jedoch alles andere als wahrscheinlich. Die Erfahrung der letzten Jahre hat gezeigt, dass die Transporte mit der gefährlichen Atomlast von der ersten Minute bis zur letzten Minute den entschlossenen Blockadeversuchen von AtomkraftgegnerInnen ausgesetzt sind, was stets zu erheblichen Verspätungen im Fahrplan führt. Dieses Jahr besteht sogar ein erstes internationales Blockadecamp in Valognes selbst – vermutlich der Grund warum der Castor-Transport diesmal einen Tag früher losfährt.

Links

Jüdische Filmwochen 2011 in Vorarlberg

Vom 16.–30. November 2011 finden in Vorarlberg die Jüdischen Filmwochen statt. Hier das spannende Programm:

Ajami – Stadt der Götter

Regie: Scandar Copti und Yaron Shani | Israel/D 2009 | OF (arabisch und hebräisch) mit dt. UT | 124 min | DarstellerInnen: Shahir Kabaha, Ibrahim Frege, Fouad Habash, u.a.

Mi 16.11.2011, 20.00 Uhr | Fr 18.11.2011, 22.00 Uhr | Filmforum Bregenz

Vom palästinensischen Filmemacher Scandar Copti mit dem Israeli Yaron Shani geschrieben und inszeniert, verbindet der Film fünf Geschichten von Juden und Arabern, Christen und Muslimen in Ajami, einem Stadtteil von Jaffa. Der Palästinenser Malek, der illegal in Israel arbeitet, um die Krankenhauskosten für seine Mutter zu finanzieren, gehört ebenso zum Viertel wie der jüdische Polizist Dando, der seinen vermissten Bruder sucht, sowie der wohlhabende Palästinenser Binj, der von einem glücklichen Leben mit seiner jüdischen Freundin träumt.

Alle Rollen sind mit fantastischen LaiendarstellerInnen aus Jaffa und Tel Aviv besetzt. Aus verschiedenen Blickwinkeln und auf unterschiedlichen Zeitebenen wird von einer schier ausweglosen Situation erzählt, in der sich die Lebenswirklichkeiten fast zwangsläufig tragisch miteinander verbinden.

Oscar Nominierung (bester ausländischer Film), Caméra d‘Or in Cannes, und zahlreiche andere Auszeichnungen
www.ajami-film.de

Meduzot / Jellyfish – Vom Meer getragen

Regie: Shira Geffen und Etgar Keret | F/IL 2007 | OF mit dt. UT | 78 min | FSK ab 6 | DarstellerInnen: Sarah Adler, Naama Nissim, Manenita De Latorre, Bruria Albek, u.a.

Do 17.11.2011, 20.00 Uhr | Sa 19.11.2011, 22.00 Uhr | Filmforum Bregenz

Keren, Batya und Joy – drei Frauen zwischen Traum und Realität im heutigen Tel Aviv. Keren bricht sich auf ihrer Hochzeitsfeier ein Bein und kann damit die Reise in die Karibik vergessen. Stattdessen verbringt sie ihren Urlaub in verschiedenen Hotelzimmern der Heimatstadt, wo sie auf eine schöne und geheimnisvolle Dichterin trifft. Batya findet am Strand ein merkwürdiges Mädchen, das aus dem Meer zu kommen scheint. Während sie sich um dieses kümmert, kehrt ihre eigene Kindheitserinnerung zurück und weckt sie aus ihrem traumgleichen Zustand auf. Die Philippinin Joy arbeitet als Pflegerin, um sich die Rückkehr in ihre Heimat zu finanzieren. Unbeabsichtigt führt sie bei einer alten Dame eine Versöhnung mit ihrer exzentrischen Tochter herbei.

Diese drei lediglich locker miteinander verknüpften Episoden über so unterschiedliche Frauen, die alle in einer sogartigen Melancholie dahin treiben, zeichnen sich vor allem durch ihre durchlässigen Dimensionen zwischen Traum, Imagination und Realität aus, die eine schwer fassbare Welt konstruieren, deren komplexe Zwielichtigkeit auf schlichte, starke Bilder trifft, was dem Film eine symbolträchtige Atmosphäre verleiht, die den Zuschauer auf eine sehr emotionale Art berührt, ohne die gängigen Klischees über das Leben und seine Tiefen wie Untiefen überzustrapazieren.

Camera d‘Or in Cannes 2007

http://en.wikipedia.org/wiki/Jellyfish_%28film%29

Lebanon – Tödliche Mission

Regie: Samuel Maoz | Israel/D/F/Libanon 2009 | OF mit dt. UT | 93 min | FSK ab 16 | DarstellerInnen: Yoav Donat, Itay Tiran, Oshri Cohen, Michael Moshonov u.a.

Mi 23.11.2011, 20.30 Uhr | Fr 25.11.2011, 20.30 Uhr | Spielboden Dornbirn

Regisseur Maoz verarbeitete hier seine eigene Teilnahme am Libanon-Krieg von 1982 und konzentriert sich dabei auf die Besatzung eines Panzers im Einsatzgebiet… Sommer 1982 – Der erste Tag im Libanon-Krieg: Ein Panzer wird zu einer Routinemission abkommandiert. Die vierköpfige Besatzung, Shmulik, Hertzel, Jigal und ihr Kommandant Assi, hat den Befehl in feindlichem Gebiet eine Siedlung auszukundschaften, die zuvor von der israelischen Luftwaffe bombardiert wurde.

Was anfangs als ein ungefährlicher Einsatz gedacht war, gerät nach und nach außer Kontrolle. Völlig unvorbereitet finden sich die jungen Männer innerhalb kürzester Zeit in einem Albtraum wieder. Nur noch ihrer Angst und ihrem Instinkt gehorchend, versuchen die Vier im Chaos des Krieges zu überleben. Verzweifelt bemühen sie sich, ihre Kampf-Maschine durch die zerbombte Stadt zu navigieren, doch der Panzer droht für die eigene Besatzung zur tödlichen Falle zu werden.

Goldener Löwe in Venedig 2009 (bester Film)

www.lebanon.senator.de

A Serious Man

Regie: Joel und Ethan Coen | USA 2009 | OF mit dt. UT | 106 min | FSK ab 6 | DarstellerInnen: Michael Stuhlbarg, Richard Kind, Fred Melamed, Sari Lennick, u.a.

Do 24.11.2011, 20.30 Uhr | Mi 30.11.2011, 20.30 Uhr | Spielboden Dornbirn

Man schreibt das Jahr 1967. Eigentlich lebt Larry Gropnik ein beschauliches Leben in einer kleinen jüdischen Gemeinde im Mittleren Westen der USA. Er ist ein liebender Ehemann, fürsorglicher Vater und erfolgreicher Physikprofessor. Aber irgendwie läuft plötzlich nichts mehr so wie gewohnt. Seine Frau Judith verlangt plötzlich die Scheidung, um mit ihrem neuen Liebhaber zusammenleben zu können. Sohn Danny schwänzt die Schule, Tochter Sarah bestiehlt ihn. Und als ob die Familie nicht schon genügend Probleme bereiten würde, gerät auch noch seine Karriere ins Trudeln: Anonyme Briefschreiber verbreiten falsche Anschuldigungen, und außerdem versucht ein Student, ihn zu bestechen. Larry sucht Hilfe und hofft, diese bei einem Rabbi zu finden. Doch auch das ist leichter gesagt als bekommen …

Mit großartig entlarvenden Kameraeinstellungen von Roger Deakins, haarsträubend komisch-lakonischen Pointen, einer präzisen Balance von Tragik und Komik sowie einem perfekt gecasteten Personal liefern die Coens eine liebevolle Leinwand-Hommage ans Jüdischsein.

www.seriousman.de

Le concert – Das Konzert

Frankreich, Italien, Rumänien, Belgien, Russland 2009 | 122 min | OmU |
Regie: Radu Mihaileanu | DarstellerInnen: Alexeï Guskow, Dmitri Nazarov, Mélanie Laurent, François Berléand, Miou-Miou, Valeri Barinov, Anna Kamenkova Pavlova, Lionel Abelanski

Sa 26.11.2011, 20.30 Uhr | Di 29.11.2011, 20.30 Uhr | Spielboden Dornbirn

Vor zwanzig Jahren fiel Andreï Filipov, Stardirigent des weltberühmten Bolshoi Orchesters in Moskau, in Ungnade weil er sich geweigert hatte, jüdische Musiker aus dem Orchester zu werfen. Zwar arbeitet er auch heute noch am Bolshoi, allerdings als Reinigungskraft. Als er eines Abends ein Büro aufräumt, flattert ihm ein Fax vor die Füße: eine Einladung eines Pariser Theaters an das Bolshoi Orchester. Und Andreï hat eine wahnwitzige Idee: Er unterschlägt das Fax, trommelt das Ensemble von einst zusammen und plant „seine“ Reise nach Paris.

Es gelingt ihm sogar, die französische Stargeigerin Anne-Marie Jacquet für seinen Auftritt zu verpflichten. Natürlich bringen die Vorbereitungen haarsträubende Verwicklungen mit sich, aber Andreï ist wild entschlossen, sein Vorhaben umzusetzen. Denn der Auftritt in Paris soll nicht nur seiner Rehabilitation als Künstler dienen. César 2010 (beste Filmmusik und bester Ton)

www.konzert-derfilm.de

Eine gemeinsame Veranstaltung von: Spielboden Dornbirn, Filmforum Bregenz und Jüdischem Museum Hohenems

Veranstaltungsorte und Kartenreservierung:

  • Spielboden Dornbirn, Färbergasse 15, 6850 Dornbirn, Tel. 0043 (0)5572 21933, Eintritt: € 7,-/4,-, http://www.spielboden.at
  • Filmforum Bregenz im Metrokino Bregenz, Rheinstr. 25, 6900 Bregenz, Tel. 0043 (0)5574 71843, Eintritt: € 7,-, http://www.filmforum.at

Quelle: http://www.jm-hohenems.at

6 Tage Veranstaltungen gegen Sexismus und Homophobie in Konstanz!

Sieben Veranstaltungen an sechs Tagen: im Rahmen der bundesweiten Aktionswoche gegen Sexismus und Homophobie veranstaltet das Referat für Gleichstellung des U-AStAs der Uni Konstanz ein anspruchsvolles Programm mit Vorträgen und Workshops. Die Teilnahme ist stets kostenlos und erfordet keine Anmeldung.

Vortrag „‘Mit scharrenden Füßen und Pfiffen begrüßt‘ – 100 Jahre Frauenstudium in Deutschland“

Die Durchsetzung des Rechtes auf ein Studium für Frauen erforderte einen mehrdimensionalen Kampf: gegen den formaljuristischen Ausschluss während des 19. Jahrhunderts, gegen gesellschaftlich vorherrschende Vorstellungen eines dem „theoretischen Denken“ widersprechenden „natürlichen“ weiblichen Wesens und gegen die patriarchalische „innere Geschäftsordnung der Wissenschaft“. Gisela Notz beschreibt den langen und mühsamen Weg. Dr. Gisela Notz ist Sozialwissenschaftlerin und Historikerin, sowie promovierte Philosophin. Sie ist Lehrbeauftragte an verschiedenen Universitäten und Mitglied im Bund demokratischer WissenschaftlerInnen.

Dr. Gisela Notz, Montag, 7.11. 19:00 Uhr, Uni Senatssaal V1001

Vortrag „Intersexualisierung und Queer Theory“

Caster Semenya, Mittelstreckenläuferin, wurde nach dem Gewinn einer Goldmedaille in 2009 einem „gender verification test“ unterzogen; IAAF-Generalsekretär Pierre Weiss teilte danach der Presse mit: „Es ist klar, dass sie eine Frau ist, aber vielleicht nicht zu 100 Prozent“. Was ist passiert? In diesem Vortrag geht Lena Eckert dem Prozess der Intersexualisierung in den USA seit 1950 nach und befragt ihn nach seinen Auswirkungen auf das Verständnis von Geschlecht. Von Hermaphroditismus über Intersexualität hin zu „Disorders of Sexual Development“ sind Begriffe im wissenschaftlichen Diskurs aufgetaucht, die Geschlecht entlang der Paramter von Normalität verorten. Die Korrigierbarkeit von äußeren Genitalien ist beim sogenannten „intersex-management“ oft ausschlaggebender Faktor für eine Geschlechtszuweisung bei Neugeborenen. Das Wohl des Kindes wird als Grund für eine möglichst rasche Geschlechtszuweisung angegeben, jedoch finden sich im Prozess der Intersexualisierung oft auch andere Motive. Mit Hilfe der Queer Theory wird diesen Motiven nachgegangen.

Dr. Lena Eckert hat in Gender Studies promoviert. Sie ist wissenschaftliche Mitarbeiterin am Lehrstuhl für europäische Medienkultur an der Bauhaus Universität Weimar.

Dr. Lena Eckert, Dienstag, 8.11. 19:00 Uhr, Café Einblick (Hofhalde 11)

Workshop „Ein queerer Workshop zu Arschficker_innen und Kampflesben“

Alle sind total queer: Berlin, Kurt Beck, Antifa und Asta. Im ersten Teil des Workshops sollen Begriffe und queer-theoretische Ansätze näher gebracht werden: Was hat es auf sich mit dem _ ? Wofür steht denn bitte LGBTIQ? Was meint trans * ? Und warum eigentlich Kritik an den Kategorien „Mann“ und „Frau“ äußern? Im zweiten Teil wollen wir uns durch verschiedene Übungen “Trans*- und Homophobie” zuwenden. Haben Lesben, Schwule, Bi’s, queers und trans* überhaupt noch Probleme? Was schreiben wir wem zu und wer ist wann eingeschränkt oder kategorisiert? Und warum dürfen und können wir längst noch nicht so leben, wie wir wollen? Marco Kammholz arbeitet in der Kinder-, Jugend- und Familienhilfe, versteht sich als Queer-Aktivist, undogmatischer Linker, subversiver Traumtänzer und bei Gelegenheit als Terror-Tunte.

Marco Kammholz, Mittwoch, 9.11. 16:00 Uhr – 18 Uhr, Raum wird noch auf www.asta.uni-konstanz.de bekanntgegeben

Vortrag „Ist djihadistisch das neue schwul?“

Im Vortrag werden Grundannahmen, Erkenntnispotentiale und Probleme der Queer Theory am Beispiel der „Homonationalismus“-These diskutiert. Nach dieser haben Homosexuelle in Zeiten des „War on Terror“ als Feindbilder ausgedient; die Rolle des als krankhaft, pervers und unproduktiv ausgeschlossenen Anderen werde heute von djihadistischen Selbstmordattentäter_innen erfüllt. Westliche LGBTQI-Organisationen, die Homophobie unter Muslimen kritisieren, werden entsprechend des Rassismus und der Islamophobie bezichtigt, während Islamist_innen in Schutz genommen werden. Floris Biskamp promoviert im Moment zum Thema „Orientalismus und Wahrheit. Die Debatten um ‚Islamophobie‘ vor dem Hintergrund Kritischer Theorie und postkolonialer Dekonstruktion“ an der Universität Gießen.

Floris Biskamp, Mittwoch, 9.11. 19:00 Uhr, Café Einblick (Hofhalde 11)

Vortrag „Das Elend der Männlichkeiten – Homophobie im Fußball“

Im Vortrag wird dargelegt, wie sich Konstruktionen von Männlichkeit, Homophobie und Sexismus im Fußball bis heute entwickelt haben. Hierzu ist es wichtig, Fußball auch als herrschaftsstabilisierendes Element zu betrachten und Blicke in die Geschichte des Fußballs zu wagen. Seit Beckham und der deutschen WM-Elf 2006 um Schweini und Poldi gesellt sich eine scheinmodernisierte Form von Männlichkeit zu den anderen Formen, um das Produkt Fußball langfristig offen und zugänglich für alle Kundengruppen zu gestalten. Parallel können althergebrachte Formen von Maskulinität weiter existieren und an anderen Orten und Zeiten auftreten. Und wenn es gegen Diskriminierung geht, dann stehen Homophobie und Sexismus noch entscheidend weiter unten auf der Rangliste. So tarnt und scheinmodernisiert sich Heteronormativität. Was wir dadurch besser? Wo sind Grenzen, aber auch Optionen für eine queer-feministische, evtl. gleichzeitig anarchistische Perspektive? Das könnte diskutiert werden. Gerd Dembowski ist als Sozialwissenschaftler seit 1995 im Bündnis Aktiver Fußballfans (BAFF) aktiv. Dembowski war lange Sprecher für das Netzwerk Football Against Racism in Europe (FARE) und bis 2011 in der AG Fandialog des DFB und der DFL aktiv.

Gerd Dembowski, Donnerstag, 10.11. 19:00 Uhr, Jugendclub Contrast (Joseph-Belli-Weg 11, neben Kula)

Workshop „Evolutionäre Psychologie – Endlich letzte Antworten auf Fragen zur Natur der Geschlechterdifferenz?“

Die evolutionäre Psychologie hat in den letzten Jahrzehnten versucht, geschlechterdifferentes Verhalten biologisch zu erklären und sich dabei umfassend mit Phänomenen wie Schuhe kaufen, Einparken, räumlichem Vorstellungsvermögen, Attraktivitätspräferenzen und vielem mehr beschäftigt. Im ersten Teil des Workshops wird zunächst kritisch erläutert, durch welche empirischen Methoden und Argumentationen Geschlechterdifferenz und sexuelle Orientierung in der Biologie als „naturgegeben“ vorausgesetzt werden. Im zweiten Teil gibt es für die Teilnehmenden Gelegenheit anhand von Texten und Abbildungen aus der Biologie eigene Analysen durchzuführen und für sich selbst einen kritischen Blick auf naturwissenschaftliche Tatsachenbehauptungen einzuüben. Prof. Dr. Kerstin Palm hat Biologie, Philosophie und Germanistik studiert und in Biologie promoviert. An der Universität Basel hat sie eine Gastprofessur für Geschlecht und Naturwissenschaften inne.

Prof. Dr. Kerstin Palm, Freitag, 11.11. 14:00 Uhr, Uni Raum D432

Workshop „Eine gerechte Gesellschaft gestalten: Queer und Kapitalismuskritik“

„Kein biologisches […] Schicksal bestimmt die Gestalt, die das weibliche Menschenwesen […] annimmt.“ Simone de Beauvoir zeigte klar, dass in der Gesellschaft Ungleichbehandlungen, Diskriminierungen und Gewalt entlang der Kategorie Geschlecht stattfinden und geschlechtliche Unterschiede nicht „naturgegeben“ sind, sondern durch Ungleichbehandlung entstehen. Frauen sind häufiger benachteiligt und erfahren auch öfter direkte physische Gewalt als Männer. Mit Verweisen auf die „Natürlichkeit“ der Unterschiede zwischen Frauen und Männern werden von Konservativen nach wie vor Ungleichbehandlungen von Menschen begründet und zementiert. Karl Marx war sich indes der Gesellschaftlichkeit des Menschen in all (!) seinen Merkmalen sehr bewusst. So wie aus Marx‘ Analysen zu Produktionsweisen Folgerungen für eine bessere Gesellschaft gezogen werden sollten, so sollte auch die Kategorie „Geschlecht“ einer genauen Analyse unterzogen und Ableitungen für Veränderung in der Gesellschaft erarbeitet werden. Kapitalismuskritik braucht queere Perspektiven, genau wie zu Queer unbedingt Kapitalismuskritik gehört. Das Thema, ausgehend von dem Begriff „Queer“ bis hin zur Kapitalismuskritik, wird gemeinsam mit den Teilnehmenden erarbeitet. Dr. Heinz-Jürgen Voß forscht und lehrt zu Geschlecht, Biologie und Queer. Buch zum Thema: „Geschlecht“ (Reihe theorie.org); vorbereitender Text als Input:schwule-seite.de/Ansaetze_fuer_eine_queere_Kapitalismuskritik.pdf

Dr. Heinz-Jürgen Voss, Samstag, 12.11. 15:00 Uhr, Uni Raum D432

Quelle: http://gegensexismus.blogsport.de