Radolfzeller SS-Kaserne: Belege für Tötung eines weiteren KZ-Häftlings

Jüngste Forschungsergebnisse des Historikers Markus Wolter belegen die Tötung eines weiteren KZ-Insassen im Außenkommando Radolfzell

Recherchen im Archiv des International Tracing Service (Bad Arolsen) ergaben, dass im Jahr 1943 der Häftling Fritz Klose von einer SS-Wache umgebracht worden war. Der Häftling war zu dem Zeitpunkt 39 Jahre alt und hatte zuvor schon die Konzentrationslager Sachsenhausen und Dachau überstanden. Der Historiker vermutet, dass die Tat auf dem Gelände des SS-Schießstandes stattgefunden hat, wo die etwa 120 Häftlinge zu Sklavenarbeit unter unmenschlichen Bedingungen gezwungen wurden.

Lange war man in Radolfzell lediglich von der Tötung eines KZ-Häftlings, Jacob Dörr, ausgegangen. Er wurde im November 1941 ebenfalls auf dem SS-Schießstand willkürlich erschossen. Jacob Dörr wurde laut Über­lie­fe­rung die Mütze ab­ge­ris­sen und hin­ter die Pos­ten­li­nie der Wach­mann­schaf­ten ge­wor­fen. Als er dem Be­fehl, die Mütze zu holen, nach­kam, wurde er „auf der Flucht er­schos­sen“. Nach Jacob Dörr ist heute eine Straße auf dem früheren Kasernengelände benannt.

Weitere Erschießungen von Häftlingen sind im Zusammenhang mit gescheiterten Fluchtversuchen aus dem Nebenlager Radolfzell bekannt geworden. Die Hinrichtung zweier abgestürzter Piloten durch SS-Angehörige führte zu einem Prozess. In den letzten Kriegstagen wurden darüber hinaus Exekutionen an (vermeintlichen) Deserteuren durchgeführt. Die Kampfgruppe Groß, ein aus der Radolfzeller Unterführerschule hervorgegangenes SS-Regiment, erschoß noch am 23. April 1945 in Stockach fünf Angehörige der französischen Streitkräfte sowie 20 Zwangs­ar­bei­ter und Kriegsgefangene.

Die Frage, wieviele Tote im Zusammenhang mit der SS-Kaserne und dem KZ-Außenlager zu beklagen sind, ist in Radolfzell ein Politikum. Zuletzt wurde anlässlich der Aufführung des Theaterstücks „Die Flüsterstadt“ darüber diskutiert.

Fakten zu diesem Komplex werden seit dem Jahr 2010 im Wiki „Radolfzell zur NS-Zeit“ der Initiative zum Offenen Gedenken in Radolfzell zusammengetragen. Unter der Überschrift „Verbrechen, die von der SS ausgingen“ kann man eine Ahnung von den tatsächlichen Dimensionen bekommen.

Links: