Archiv für Juli 2011

Radolfzeller SS-Kaserne: Belege für Tötung eines weiteren KZ-Häftlings

Jüngste Forschungsergebnisse des Historikers Markus Wolter belegen die Tötung eines weiteren KZ-Insassen im Außenkommando Radolfzell

Recherchen im Archiv des International Tracing Service (Bad Arolsen) ergaben, dass im Jahr 1943 der Häftling Fritz Klose von einer SS-Wache umgebracht worden war. Der Häftling war zu dem Zeitpunkt 39 Jahre alt und hatte zuvor schon die Konzentrationslager Sachsenhausen und Dachau überstanden. Der Historiker vermutet, dass die Tat auf dem Gelände des SS-Schießstandes stattgefunden hat, wo die etwa 120 Häftlinge zu Sklavenarbeit unter unmenschlichen Bedingungen gezwungen wurden.

Lange war man in Radolfzell lediglich von der Tötung eines KZ-Häftlings, Jacob Dörr, ausgegangen. Er wurde im November 1941 ebenfalls auf dem SS-Schießstand willkürlich erschossen. Jacob Dörr wurde laut Über­lie­fe­rung die Mütze ab­ge­ris­sen und hin­ter die Pos­ten­li­nie der Wach­mann­schaf­ten ge­wor­fen. Als er dem Be­fehl, die Mütze zu holen, nach­kam, wurde er „auf der Flucht er­schos­sen“. Nach Jacob Dörr ist heute eine Straße auf dem früheren Kasernengelände benannt.

Weitere Erschießungen von Häftlingen sind im Zusammenhang mit gescheiterten Fluchtversuchen aus dem Nebenlager Radolfzell bekannt geworden. Die Hinrichtung zweier abgestürzter Piloten durch SS-Angehörige führte zu einem Prozess. In den letzten Kriegstagen wurden darüber hinaus Exekutionen an (vermeintlichen) Deserteuren durchgeführt. Die Kampfgruppe Groß, ein aus der Radolfzeller Unterführerschule hervorgegangenes SS-Regiment, erschoß noch am 23. April 1945 in Stockach fünf Angehörige der französischen Streitkräfte sowie 20 Zwangs­ar­bei­ter und Kriegsgefangene.

Die Frage, wieviele Tote im Zusammenhang mit der SS-Kaserne und dem KZ-Außenlager zu beklagen sind, ist in Radolfzell ein Politikum. Zuletzt wurde anlässlich der Aufführung des Theaterstücks „Die Flüsterstadt“ darüber diskutiert.

Fakten zu diesem Komplex werden seit dem Jahr 2010 im Wiki „Radolfzell zur NS-Zeit“ der Initiative zum Offenen Gedenken in Radolfzell zusammengetragen. Unter der Überschrift „Verbrechen, die von der SS ausgingen“ kann man eine Ahnung von den tatsächlichen Dimensionen bekommen.

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Märtyrerkult, Opfermythos, Antisemitismus – Entstehung, Entwicklung und Elemente islamistischer Ideologie

Märtyrerkult, Opfermythos, Antisemitismus – Entstehung, Entwicklung und Elemente islamistischer Ideologie

„Es ist also eindeutig, dass die schlimmsten Feinde der islamischen Gesellschaft die Juden sind, die sie von ihrem Glauben wegführen, die sie von Allahs Weg abbringen wollen und die sie über die Realität ihrer Feinde und deren ultimative Ziele täuschen.“
(Sayyid Qutb: „Unser Kampf mit den Juden“, 1950)

Bei einer Kundgebung in Hamburg versammelt der Salafist und radikal-islamistische Prediger Pierre Vogel über 1000 Menschen. Zum sogenannten „Al-Quds–Tag“, 1979 vom iranischen Revolutionsführer Khomeini ins Leben gerufen, demonstrieren Islamist_Innen weltweit jährlich für die „Zerschlagung des imperialistischen Geschöpfes Israel“. Auf youtube zeigen Videoaufnahmen enthusiastische junge Männer, die stolz dem Jihad und ihrem Märtyrertod entgegen sehen – als Teil der „universalistische Bewegung“ gegen den „Weltzionismus“, die die Hamas propagiert.

Aus dem Eindruck heraus, dass sich die Reaktionen der deutschen Mehrheitsgesellschaft zwischen rassistisch-kulturalistischen Zuschreibungen und dem Ausleben des eigenen Antisemitismus über Dritte bewegen; die sogenannte radikale Linke sich zu dieser Thematik meist entweder gar nicht verhält oder offen mit Islamist_Innen sympathisiert bis zusammenarbeitet (s.„Gaza-Flotilla“), sich bestenfalls aber völlige Ratlosigkeit im Umgang mit dem Thema eingestehen muss – aus diesem Eindruck heraus will der Vortrag zur Auseinandersetzung mit der Thematik anregen und beitragen.

Die Veranstaltung wird die Anfänge des Politischen Islam in Form der ägyptischen Muslimbruderschaft beleuchten und Entwicklungslinien beispielsweise zur Hamas nachzeichnen. Anhand verschiedener Beispiele werden die Merkmale des Islamismus herausgestellt und dabei insbesondere auf Antisemitismus als zentrales Element islamistischer Ideologie eingegangen.

Der Vortrag soll eine Einführung in die Kritik des Islamismus bieten und deutlich machen, warum aus einer Perspektive, die eine befreite Gesellschaft als freie Assoziation freier Individuen denkt, die konsequente Kritik am Islamismus und all seiner Anhänger_Innen und Apologet_Innen selbstverständlich sein sollte.

Wann? Donnerstag, 21. Juli 2011 – 20:00., 20 Uhr
Wo? RadioRaum (Beyerlestr. 1 / DGB Haus / Hintereingang)
Von? Die Falken Konstanz

Brigadistas – ein Dokumentarfilm von Daniel Burkholz

Wann: Dienstag, 19. Juli 2011, 19:30 Uhr

Wo: Konstanz, Treffpunkt Petershausen, Georg-Elser-Platz 1

Veranstalter: DIE LINKE. Konstanz, Marxistischer Gesprächskreis Konstanz-Singen, SeeMoZ, VVN-BdA Kreisverband Konstanz