Archiv für Mai 2011

Off_pride Festival vom 27. – 29.5.2011 in Zürich

Vom 27.‐29. Mai 2011 findet in Zürich im Dynamo die zweite off_pride statt. Das alternative Queerfest setzt sich mit (gender‐) queeren und trans*‐Lebensweisen auseinander, ist unkommerziell, subversiv, offen und stellt Spontaneität und Austausch vor Konsum und Event. Queer_feministisch, antirassistisch, burlesque, glücklich, freaky, pervers…

* open to all genders *

http://www.offpride.ch

An drei Tagen gibt es Workshops zu queeren, trans*‐, politischen und sonstigen Themen. Dazu ein Programm aus öffentlichen Diskussionen, Aktionen, Filmen, Konzerten, Ausstellung und natürlich Parties mit aufregenden Shows. “

Die Workshops

Open Space

Open Space – Ein offener Raum (drinnen oder draussen) für spontane Diskussionen, Workshop-Ideen und Aktionen. Die Besucher_innen sind die Akteur_innen und bestimmen das Thema, den vorhandenen Raum oder den Ort. Ihr könnt euren Workshop direkt während der off_pride an einer Infotafel im Infocafé, im Eingangsbereich des Jazzhaus, posten.

Sprache: unbestimmt
Anzahl Teilnehmende: unbegrenzt
Tag: Samstag und Sonntag
Zeit: 10h – 22h
Ort: unbestimmt

WS 1: Polyamory

Loving who you want, how you want, and as many people as you like, isn‘t always easy. a workshop on how to love freely while still maintaining your personal integrity, respecting your partners, and communicating from a place of consent.

Sprache: Deutsch/English
Tag: Samstag
Zeit: 14h – 16h
Ort: Jazzhaus 2

WS 2: Let’s Talk About Consent (Baby)

What is Consent and why is it important? How to communicate consent in sexual/non-sexual relations. Verbal and Non-verbal consent. Boundary awareness. Checking in. Making consent sexy.

Sprache: Deutsch/English
Tag: Freitag
Zeit: 14h – 16h
Ort: Jazzhaus 2

WS 3: This Is What A Man Sounds Like

A discussion about an anti-patriarchal self reflection group for male socialised people that happened in Wien. Male experiences of the patriarchy. Healing and support. Discussion about the forming of a Menz group.

Sprache: Deutsch/English
Tag: Sonntag
Zeit: 14h – 16h
Ort: Jazzhaus 1

WS 4: Trans* und Psychologie

Diskussion

Trans* Lebensweisen und Perspektiven lassen sich kaum jenseits psychologischer Begriffe (wie z.B. „Geschlechtsidentität“) beschreiben. Manchmal sind solche Konzepte hilfreich für Auseinandersetzungen mit Geschlecht, Identität, Geschlechtsveränderung. Jedoch bieten sie wenig Platz für Trans* zwischen oder jenseits der Zwei-Geschlechter-Norm. Nach einem kurzen (!) Input zur Geschichte und aktuellen Diskussion um psychologische Trans* Konzepte gibt es Raum zur Diskussion über Aneignungen und Abgrenzungen, über Erfahrungen mit und Wünsche/Forderungen an psychologische Auseinandersetzungen mit Trans*, zur Veränderung bisheriger Konzepte der Behandlung und Begutachtung und über Ideen und Aktivitäten zur Entpathologisierung…

Jannik Franzen, Berlin
Sprache: Deutsch
Tag: Samstag
Zeit: 16h – 18h
Ort: Jazzhaus 2

WS 5: Queer Burlesque

Der Workshop wird versuchen, sich Burlesque als erweitertem Striptease anzunähern. Erweitert im Sinne, dass die Frage von Sichtbarkeit und Unsichtbarkeit, Ent- und Verhüllen in ihrer Komplexität aufgegriffen wird.

Kai Stoeger, Berlin
Sprache: Deutsch/English
Zeit: Freitag: 14-20h, HAZ 1
Samstag: 14-18h, Galerie

WS 6: Shibari-Bondage Workshop

Japanische Fesselkunst:

  • Grundkenntnisse der Anatomie beim Bondage
  • Materialkunde
  • kleine Knotenkunde
  • Ästhetik, Empathie, Körperlichkeit, Kommunikation, Erotik
  • erste Schritte der Fesselung (im Prinzip des Vormachens und Nachmachens)

falbala, Berlin
Sprache: Deutsch/English/Français/Italiano
Anzahl Teilnehmende: max 20
Zeit: Samstag 16h-18/19h & Sonntag 13h-15/16h
Ort: Tanzdach

WS 7: Drag Kinging: Geschlecht anders gestalten

Vortrag und Diskussion

Uta Schirmer hat für ihre Doktorarbeit Drag Kings in Berlin und Köln interviewt und sich damit beschäftigt, wie durch Drag Kinging (nicht nur als Bühnen-, sondern auch als Alltagspraxis) andere, nicht strikt zweigeschlechtliche Wirklichkeiten entstehen können. Dabei wird deutlich, wie in subkulturellen Praxen Geschlecht anders gestaltet und erfahren werden kann.

Uta Schirmer, Frankfurt a.M.
Sprache: Deutsch
Tag: Samstag
Zeit: 14h – 16h
Ort: Jazzhaus 1

WS 8: Orientalismus der (Homo-Sexualität)

Vortrag und Diskussion

Plötzlich interessieren sich auch Konservative für die Probleme von Homosexuellen – nämlich wenn diese Opfer von Gewalt werden, die von „Fremden“ ausgeht. Diese werden von ihnen einer „rückständigen“ und „andersartigen“ Kultur zugeordnet, von der sie sich selbst abheben möchten. Selbst Linken gilt „der Westen“ als Quelle sexueller Emanzipation schlechthin und „der Islam“ wiederum als monokausal verantwortlich für sexualrepressive Zustände und die Verfolgung von „Schwulen“ im Nahen Osten. Der Referent dekonstruiert diesen kulturalistischen Mythos. Er umreißt eine Geschichte der Heteronormalisierung der muslimischen Länder als einen von Europa inspirierten Modernisierungsprozess, der in der Übernahme von psychiatrischen Kategorien, sexuellen Identitäten und nationalistischen Praktiken bestand. Auch wird thematisiert, wie das Konstrukt der „islamischen Homophobie“ als politisches Instrument Verwendung findet.

Georg Klauda, Berlin
Anzahl Teilnehmende: unbegrenzt
Sprache: Deutsch
Tag: Samstag
Zeit: 16h – 18h
Ort: Jazzhaus 1

WS 9: Queeropedia

Queeropeedia ist ein queeres Lexikonprojekt. Es geht darum, queere (Begriffs)vielfalt sichtbar zu machen und einen Schritt weit auch in einen Lexikon-Kanon einzuschreiben. Queeropedia zeigt sich in vielen Gesichtern, unter anderem als Homepage, Taschenbuch „queeropedia [print]“, Textilien (T-Shirts, Taschen), Ausstellungen, Performance etc. Beim off_pride-Workshop machen die Teilnehmenden in Echtzeit ein Queeropedia (queeres Lexikon) – ein kreativer, aktiver Mitmach-Workshop.

Persson, Wien
Sprache: Deutsch/English spoken
Tag: Freitag
Zeit: 16h – 19h
Ort: Jazzhaus 1

WS 10: ʺWeiblichmännlichʺ, ʺmännlichweiblichʺ: aktuelle biologische Geschlechtertheorien

Vortrag mit Diskussion

Biologisches Geschlecht ist gesellschaftlich hergestellt. Menschen werden in Gesellschaft hineingeboren und lernen in ihr; ihr Denk- und Sagbares ist damit durch Gesellschaft (u.a. Sprache) beschränkt. Das gilt auch für „biologisches Geschlecht“. Die Annahme, dass „biologisches Geschlecht“ außerhalb von Gesellschaft betrachtbar wäre, ist zu verwerfen. Auch bzgl. „biologischen Geschlechts“ geht es um Theorien – und diese wandeln sich, u.a. nach gesellschaftlichen Erfordernissen. So werden mittlerweile biologisch viele Geschlechter denkbar, statt nur zwei oder drei. Das wird in diesem Input deutlich und soll zur Diskussion anregen.

Findet schon am Donnerstag Abend statt!

Heinz-Jürgen Voß
Anzahl Teilnehmende: max 40
Sprache: Deutsch
Tag: Donnerstag Abend
Zeit: 20h – 22h
Ort: Tonstudio

WS 11: Lesbenszene und Trans*

Die Entwicklung von FrauenLesbenTrans*Räumen: Ein- und Ausschlüsse auf der Grundlage von Identität

Auf manchen Flyern stehen Texte wie: „Party for women – gay & trans welcome“; „Alle Gender willkommen“; „All gender is Dreck“; „Workshop beschränkt auf als Mädchen sozialisierte Lesben“ u.s.w.

Was für Diskussionen stecken hinter diesen Ein- und Ausschlüssen unterschiedlicher Identitätsgruppen? Warum sind Frauen-Lesben-Räume entstanden und was sind heutzutage die Kontroversen bezüglich dieser Räume in Bezug auf Transfrauen, Transmänner bzw. Trans*? Wann sind Ausschlüsse berechtigt? Welche sind transfeindlich?

Anna und Jacky, München
Sprache: Deutsch
Tag: Samstag
Zeit: 18h – 20h
Ort: Jazzhaus 2

WS 12: fantasmen_parcruise

eine abenteuerliche, feuchtfröhliche, queere nanoreise durch die tiefen sowie untiefen der menschlichen körperlichkeit bzw. kommunikation, als einen absurden ausdruck der normalität. zwischen macht und ohnmacht der täglichen medienflut – jenseits genormter verhaltensregeln, entwickeln wir eine subversive, anstelle einer suggestiven wahrnehmung des eigenen körpers und dessen vielfältigen ausdrucksmöglichkeiten. busen

Wer:
Anzahl Teilnehmer_innen: unbeschränkt
Sprache: deutsch/en francais/english
Tag: Samstag
Zeit: 20h – 23h, Einlass bis 22h
Ort: Tanzdach

WS 13: Die LGBTQ-Bewegung in der Türkei

Vortrag mit Diskussion

Zwei LGBTQ-Aktive aus Ankara und Istanbul werden über die LGBTQ-Bewegung in der Türkei informieren. Das Hauptaugenmerk liegt auf folgenden Punkten: wie ist die LGBTQ-Bewegung in der Türkei entstanden? Welche Themen und Aktivitäten beschäftigten sie bisher, bzw. aktuell? Wie organisiert man sich? Im Anschluss an die Vorträge besteht die Möglichkeit, Fragen zu stellen, bzw. zu spezifischen Themen zu diskutieren (je nach Wunsch der Teilnehmer_Innen).

Zwei LGBTQ-Aktive aus Ankara und Istanbul
Anzahl Teilnehmende: unbegrenzt
Sprache: Englisch
Tag: Samstag
Zeit: 12h – 14h
Ort: Jazzhaus 1

WS 14: Are you perverted_?_: BDSM-Theorie

Self-Reading und Diskussions – Workshop mit dem Text: Woltersdorff, Volker: „Doppelt pervers? Über schwule, lesbische und trans-queere SM-Sozialität“ in: Andreas Hill u.a. (Hg.): Lust-voller Schmerz: Sadomasochistische Perspektiven, Gießen: Psychosozial 2008, S. 113-126.

falbala, Berlin
Sprache: Deutsch
Tag: Samstag
Zeit: 12h – 14h
Ort: Jazzhaus 1

WS 15: BDSM 101

An introductory workshop, about figuring out what you want as well as how to ask for it and even a bit about how to do it. We will cover a bit about safety as well as how to play well with others. Knowing what to ask for. How to talk about it.

Yisha, Artist, Berlin
tufania, München
Sprache: English und Deutsch
Tag: Samstag
Zeit: 18h – 20h
Ort: Jazzhaus 1

WS 16: BDSM: Role Play _ D/S-Play

role play

Power dynamics.
What are they and how to do it. You will have a chance to explore these aspects of bdsm. In a participatory practical workshop.

Yisha, Artist, Berlin
tufania, München
Sprache: English, Deutsch
Tag: Sonntag
Zeit: 16h – 18h
Ort: Jazzhaus 1

WS 17: Lindy Hop Crashkurs

Lindy Hop ist ein Tanzstil, der in den 1930er-Jahren in den grossen Ballsälen New Yorks zur Musik der Big Bands entstand. Das Lindy Hop Fieber erfasste damals alle Bevölkerungsschichten und Hautfarben. Heute erlebt der Tanz ein Revival. Lindy Hop ist ein Paartanz, der nicht auf vorgeschriebenen Schrittfolgen basiert, sondern auch sehr von der Improvisation der Tänzer und Tänzerinnen lebt. Ein witziger, flirtiger Tanzstil, dem Rock‘n'Roll ähnlich, aber mehr „low“, mehr in den Boden getanzt. Der Crashkurs findet vor der Party statt, und zu Beginn der Party können die ersten Tanzschritte gleich zu Swing-Musik ausprobiert werden!

Bice, Tanzschule Downtownswing Zürich
Sprache: Deutsch/English/Français
Tag: Freitag
Zeit: 18h30 – 20h
Ort: Vorraum Tonstudio

WS 18: Queer Western Linedance Crashkurs

wild wild west

Beim Linedance wird in der Gruppe in Reihen bzw. Linien miteinander getanzt. Justin Time von Berlin Rodeo leitet Choreografien an, die auch für völlig Tanz-Unerfahrene einfach zu lernen sind: Ausdruckstänzer_innen und Tanzstundenhasser_innen sind gleichermaßen gut aufgehoben, denn in erster Linie geht es um Spaß, und Chaos macht das Leben schöner. Cowboys, Cowfemmes, Cowtrans*, Cowkings – Cow*s aller Art sind herzlich eingeladen, zu Country & Western über die Tanzfläche zu hoppeln. Marlboro Man goes gay!

Justin Time, Queer Rodeo Berlin
Sprache: Deutsch/Englisch
Tag: Samstag
Zeit: 18h30 – 20h
Ort: Vorraum Tonstudio

WS 19: Bad Feelings – Queer Negativity – ein Deko_Workshop

Heather Love hat ein Buch geschrieben über feeling backward, über Gefühle wie Bitterkeit, Selbsthass, Passivität, Verzweiflung, Scham, Rückzug, Ressentiment, Nostalgie, Reue, Miesmacherei, Weltflucht, Einsamkeit. Love will diese bad feelings nicht beheben und weiss auch gar nicht für was sie gut sind. Doch sie stellt fest, dass viele sie kennen und es schwierig ist, darüber zu sprechen, weil der Wortschatz dafür klein ist, weil die Gefühle individualisiert werden und weil sie sich verdoppeln: Ich schäme mich für meine Scham = Scham2.

Bettina Stehli
Sprache: deutsch/english
Tag: Samstag
Zeit: 17h – 19h
Ort: Foyer, Dynamo

WS 20: Menschenrechtssituation von LGBT(I)Q weltweit

Im Workshop von Queeramnesty geht es u.a. um folgende Themen:

  • Überblick Situation heute
  • Koloniales Erbe
  • Regionen mit und ohne Bewegungen
  • Was macht Amnesty heute?
  • Internationale Solidarität
  • Asyl und Migration (in die EU, in die CH) bis hin zur Flüchtlingsbetreuung.

Zielpublikum: Leute, die international vernetzt sind, Leute die sich für eines der Themen interessieren.

Queer Amnesty
Sprache: deutsch/english
Tag: Freitag
Zeit: 14h – 16h
Ort: Jazzhaus 1

reframe the re-words: revolution & regress in „middle east“

Eine Veranstaltungsreihe zur Diskussion um die Situation im „Nahen Osten“ und nördlichen Afrika

Seit Beginn des Jahres sorgen Aufstände und Umbrüche im »Nahen Osten« und nördlichen Afrika für Schlagzeilen. Während viele Interpretationen im bürgerlich-liberalen Spektrum »demokratische Revolutionen« analog zur Implosion des Ostblocks von 1989 sehen, verweisen andere auf die Gefahr einer islamistischen Vereinnahmung der Proteste vergleichbar mit der »iranischen Revolution« 1979.

Doch lassen sich die Umbrüche und Aufstände als Aufbegehren nach Demokratie und Marktwirtschaft westlichen Typs verstehen? Ist der Antisemitismus ein zentrales, wenn nicht gar die Bewegungen einigendes Moment?

Wir möchten mit dieser Veranstaltungsreihe eine Diskussion anregen jenseits von Eurozentrismen und rassistischen Ressentiments, ohne dabei jedoch einen emanzipatorischen Anspruch aufzugeben. Wir fragen nach dem Verhältnis von Revolution und Regress – nach Ansätzen, die progressiv über das Bestehende hinausweisen ebenso wie nach regressiven Momenten in den Umbrüchen, wie etwa dem Antisemitismus als reaktionärem Verarbeitungsmuster gesellschaftlicher Krisen. Die Thematisierung wirtschaftlicher und politischer Interessen in Deutschland, die weiterhin zur Unterstützung autoritärer Regimes weltweit führen und der Verbreitung menschenverachtender Einstellungen hierzulande soll dabei im Spiegel der Umbrüche ebenso beitragen zu einer Kritik deutscher Zustände.

Die Vorträge:

STEPHAN GRIGAT

Donnerstag – 26/05/2011 – 19:30h – Ort: Schwarze Katz (Katzgasse 8, 78462 Konstanz)

„Das iranische Regime, der arabische Aufbruch und die Bedrohung Israels“

In dem Vortrag sollen Charakteristika der iranischen Diktatur aus Ajatollahs und Pasdaran skizziert und die Bedrohungssituation für Israel dargestellt werden. Die deutsche Unterstützung für das Regime in Teheran wird ebenso beleuchtet wie die globale Bündnispolitik von Ahmadinejad und Khamenei. Zudem soll die Bedeutung der aktuellen Entwicklungen in den arabischen Ländern für die Sicherheit Israels einerseits und für die Expansionsbestrebungen des iranischen Regimes andererseits diskutiert werden.

Stephan Grigat ist Lehrbeauftragter für Politikwissenschaft an der Universität Wien, wissenschaftlicher Mitarbeiter des Bündnisses www.stopthebomb.net und Mitherausgeber von „Der Iran. Analyse einer islamischen Diktatur und ihrer europäischen Förderer“ (Studienverlag 2008) und „Iran im Weltsystem. Bündnisse des Regimes und Perspektiven der
Freiheitsbewegung“ (Studienverlag 2010).

SOLALE SCHIRASI

Mittwoch – 01/06/2011 – 18h – Ort: Universität Konstanz, Raum R 512

„Aktuelle Situation der Frauenbewegung im Iran“

Im Iran läuft eine starke Demokratiebewegung, die das diktatorische System verändern möchte. Die Frauenbewegung, die schon seit Jahren auf verschiedene Weise gegen die Herrschaft der Mollas kämpft, spielt in der jetzigen Situation eine wichtige Rolle. Wie sieht dieser Kampf aus und wie wird es in der Zukunft sein? Darüber möchte dieser Vortrag informieren.

Solale Schirasi absolvierte ein Hochschulstudium in Teheran und wurde Lehrerin für Mathematik. 1975 wurde sie aufgrund ihrer politischen Aktivitäten zusammen mit ihrem Mann verhaftet und zwei Jahre später dank der Intervention von Amnesty International und des Internationalen Komitees des Roten Kreuzes freigelassen. Nach der Revolution erhielt sie ein Berufverbot. 1987 – nachdem ihr Mann aus dem Gefängnis der Mollas fliehen konnte – verließ sie mit ihm und ihren Kindern den Iran. Seither veröffentlicht sie Artikel über die Situation der Frauen im Islam und speziell im Iran und hält Vorträge und Lesungen. Seit 1991 ist sie Dozentin an der Universität Konstanz. Im Jahr 2004 hat sie gemeinsam mit ihrem Mann das Buch „Weder Kopftuch noch Handgranate“ verfasst.

JÖRG FINKENBERGER

Mittwoch – 08/06/2011 – 19h – Ort: Schwarze Katz (Katzgasse 8, 78462 Konstanz)

„Der Mittlere Osten und die Revolution“

Vor einem Jahr hätten es die wenigsten für möglich gehalten, dass die Länder Nordafrikas und des Mittleren Osten vor tief greifenden Umwälzungen stehen. Sie schienen stabil, sogar stagnierend. Die von den Regimes erzwungene Unterentwicklung erschien manchen Freunden des Rückständigen im Westen als Äußerung einer besonderen „arabischen“ Kultur. Der Aufstand im Iran, und die Welle von Aufständen in der arabischen Welt, die folgte, haben diese Ansicht blamiert. Heute kann niemand mehr so tun, als hätten die Verhältnisse, die viel zu lange geherrscht haben, die Zustimmung der Bevölkerung. Die Geschichte wird, wie sich zeigt, tatsächlich von den Menschen selbst gemacht, wenn auch nicht aus freien Stücken. Diese verleugnete Realität meldet sich zurück. Wie die Geschichte ausgeht, ist, wie immer, völlig offen. Der Referent versucht, anhand der Entwicklung und der Vorgeschichte dieser Auseinandersetzungen aufzuzeigen, was aus dieser Entwicklung an Gefahren und Perspektiven herauszulesen sein wird, über die gesamte Entwicklung der Dinge im Mittleren Osten; über den israelisch-arabischen und den israelisch-iranischen Konflikt; über die Lage der unteren Schichten, der Frauen, der unruhigen Jugend und der Minderheiten in den Gesellschaften; über den Islamismus und die Bedingungen, aus denen er erwächst; und über die
Perspektiven, die sich aus ihnen für die Befreiung der Menschheit ergeben.

Jörg Finkenberger (Würzburg/Freiburg) ist Autor und Mitherausgeber der Zeitschrift ehemals „Letzter Hype“, jetzt “ In The Absence Of Truth“.

HANNES BODE

Mittwoch – 15/06/2011 – 19h – Ort: Schwarze Katz (Katzgasse 8, 78462 Konstanz)

- organisiert in Zusammenarbeit mit dem U-ASTA Konstanz und im Rahmen des festival contre le racisme -

„Emanzipation oder Regression im Nahen Osten? Warum diese Frage mit eurozentrischen und kulturalistischen Erläuterungen zu den Arabern und dem Islam nicht beantwortet werden kann“

Als in Tunesien und bald darauf in Ägypten zahllose Massendemonstrationen und Straßenschlachten zum Sturz der dortigen Regime führten, entdeckte das hiesige Feuilleton – mit einiger Verzögerung – den Nahen Osten wieder. Während dieser zuvor nur als bauliche orientalische Pracht in den Reisebeilagen oder als politisch-strategischer Partner ab und an im Politikteil auftauchte, entfachte nun seine Bevölkerung die Begeisterung bürgerlicher Liberaler. Einige kritisierten westliche Staaten, die ja ihrem eigentlichen Anspruch nicht gerecht worden wären, und frohlockten über markige Ansagen von Politikern an bereits gestürzte Despoten, ohne zu bemerken, dass anderswo mit ebenso despotischen Regimes auch weiterhin beste Beziehungen bestehen und dass nicht individuelle Inkonsequenz, sondern kapitalistische Konsequenz das Problem ist. Die blumige Jasmindemonstration wurde zum Widergänger der „demokratischen Wende“ 1989, das „Volk“ auf den Straßen war authentisch und jeder wusste irgendwie das Geschehen zu kommentieren. Während so genannte Islamkritiker sich plötzlich auffällig zurückhielten, wollten verschiedene Kulturalisten endlich den Beweis gefunden haben, dass *die* Araber *den *Islam mit *der* Demokratie vereinbaren können. Und überhaupt kreiste die Debatte rund um die Uhr um die Frage, ob jetzt Muslimbrüder an die Macht kommen oder ein zweites 1979 vor der Tür stehen würde, ob *die* Araber jetzt endlich modern seien und ob sich der Reformislam durchsetzen würde. Diese Kommentare zum Geschehen im Nahen Osten waren meist unbeholfen und lagen oft daneben. Denn der wirkmächtige Araberstereotyp und die Determinante Islam sind nutzlos, wenn man gesellschaftliche Prozesse analysieren will, und soziale und politische Kämpfe ausgetragen werden. Wer über Moderne und Emanzipation, über Öffentlichkeit und Individualität reden will, muss den Blick auf gesellschaftliche Verhältnisse und Subjekte richten, und nicht ideologischen Konstrukten und identitären Zuschreibungen aufsitzen. Um Geschichte und Gegenwart des Nahen Ostens zu verstehen, braucht man nicht zuerst Koran oder Al-Ghazali, sondern Marx und Habermas oder Hobsbawm.

Die Themen Religion, Öffentlichkeit und Emanzipation sollen mit einigen historischen und aktuellen Beispielen angesprochen werden, um zuletzt auch die Frage diskutieren zu können, was er denn nun ist, der Nahe Osten nach dem Umbruch.

Hannes Bode hat an der Universität Halle Islamwissenschaft und Geschichte studiert. Er beschäftigt sich mit gesellschaftlichen Entwicklungen und der Rolle der Religion im Nahen Osten seit dem 18. Jahrhundert, der Frage nach
Tradition und Moderne sowie den aktuellen politischen Entwicklungen in der Region. Er schrieb u.a. für die politische Wochenzeitung Jungle World.

Islamische Republik Iran – bald Republik Iran?

Vortrag von Ali Schirasi an der VHS Konstanz am Donnerstag, den 12.05.2011 um 19:30 Uhr, über den Iran zwei Jahre nach dem Wahlbetrug

Der Bild-Vortrag von Ali Schirasi befasst sich mit der Innen- und Außenpolitik des Iran, der Menschenrechtslage und der Unterstützung des Terrorismus. Dabei wird er auf die Männer und Institutionen im Hintergrund eingehen, die die Macht im Iran tatsächlich in den Händen halten, ebenso auf aktuelle Themen wie die Aufhebung der Subventionen und die schon im Vorfeld davongaloppierende Inflation, die Folgen der Wahlfälschung im Juni 2009 und den Atombombenpoker, der vor allem dazu dient, die Islamische Republik als Herrschaftssystem zu erhalten. Der Referent wird schildern, wie die iranische Bevölkerung reagiert, wie sie sich gegen dieses System zur Wehr setzt, was das Regime unternimmt, um den Widerstand zu brechen. In diesem Zusammenhang kommt auch die Lage der Menschenrechte im Iran zur Sprache, ebenso wie die verschärften Konflikte unter den Herrschenden selbst.

http://alischirasi.blogsport.de