Vortrag in Ravensburg: Rohstoffe kapitalistischer Regulation der Arbeit

Am Donnerstag den 25.11.2010 findet um 19 Uhr im Rhizom (Ravensburg) die Veranstaltung mit Bernd Roettger: „Zwischen Furcht und Zorn“ im Rahmen der Veranstaltungsreihe zu neoliberaler Hegemonie statt.

»In Erwägung, dass ihr uns dann eben / Mit Gewehren und Kanonen droht / Haben wir beschlossen, nunmehr schlechtes Leben / Mehr zu fürchten als den Tod. « (Bertolt Brecht, Resolution der Kommunarden)

Dass die arbeitende Klasse nichts zu verlieren hätte, als ihre Ketten, war nicht nur eine politische Losung aus den Anfängen der Arbeiterbewegung im 19. Jahrhundert, sondern begründete auch die Gewissheit, dass aus der »doppelt freien Lohnarbeit« der Totengräber kapitalistischer Lohnknechtschaft erwachsen würde. Solidarisierung der Klasse und Organisation der Bewegung rangen aber dem Kapital, das nun um sein Eigentum bangen musste, zunehmend Konzessionen ab. Die »institutionelle Arbeiterbewegung« des 20. Jahrhunderts und ihre Erfolge in der Durchsetzung sozial- und wohlfahrtsstaatlicher Regulationen der Lohnarbeit veränderte die Existenzbedingungen der lebendigen Arbeit genauso einschneidend, wie die mit der Hartz-Gesetzgebung verknüpften Reformen der Arbeitsmarktpolitik. Konzessionen werden heute vor allem der lebendigen Arbeit abverlangt, weil die Furcht der Arbeitenden überwiegt, auf »die Pflaster der Straße« geworfen zu werden.

Die Geschichte der Arbeit, ihrer Widerständigkeit, ihrer Kanalisierung in Kompromisse und ihrer akzentuierten Unterjochung unter das Kapital, lässt sich als Ergebnis wechselhafter Beziehungen von Furcht und Zorn schreiben. Die Tendenz des Kapitals, lebendige Arbeit in einem Prozess »freier Menschenverwüstung« (Marx) zur Produktion von Mehrwert zu vernutzen, führt immer wieder zu neuen Formen der Widerständigkeit der Arbeit, die sich aus dem Zorn der in Unwürde gesetzten lebendigen Arbeit speisen. Der Vortrag skizziert diese wechselhafte Geschichte, in der mit den Rohstoffen Furcht und Zorn Arbeitspolitik gemacht wird und beleuchtet — im Zeichen einer »großen Krise« des Kapitalismus — aktuelle Widerstandspotenziale.

Dr. Bernd Röttger, geb. 1961, Dipl.-Pol, Dr. rer. pol., arbeitete an verschiedenen Universitäten und Forschungsinstituten zur politischen Ökonomie des Kapitalismus, zur Entwicklung der Arbeit und vor allem zur Gewerkschaftspolitik. Er lebt heute als freier Sozialwissenschaftler, Bildungsarbeiter und Autor in Braunschweig. Er ist Lehrbeauftragter an der Universität Wien und Redakteur der Zeitschrift Das Argument. Zeitschrift für Philosophie und Sozialwissenschaften.

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