Aktionstage gegen Sexismus und Homophobie

Von Montag, 8. November 2010 bis Freitag, 12. November 2010

Täglich werden wir auch in den Hochschulen am offensichtlichsten über Werbung, Zeitschriften und Lehrmaterialien mit sexistischen und homophoben Darstellungen und Texten konfrontiert. Dabei sind Sexismus und Homophobie die Konsequenzen einer patriachalen und heteronormativen Gesellschaft.

Die Veranstaltungen der Aktionswoche gegen Homophobie und Sexismus versuchen gesellschaftliche Unterdrückungsverhältnisse zu hinterfragen und greifen dabei unter anderem auf Ansätze der Queer Theory zurück (für eine inhaltliche Auseinandersetzung siehe bitte den langen Aufruftext).

Die bundesweite Woche soll ein Zeichen setzen gegen Ungleichbehandlung und Ungerechtigkeit und für eine Welt in der Geschlechtlichkeit keine Rolle mehr spielt, wenn es um die Gestaltung unseres Lebens geht.

Veranstaltungsplan Aktionstage gegen Sexismus und Homophobie
«GESELLSCHAFT MACHT GESCHLECHT»

1. Workshop an der Universität Konstanz Raum A703; Termin: Freitag, 12/11/2010 12:00 h

Vortragende: Katrin Ebert (Berlin)

Einführung in die Theorie Judith Butlers

Kritik der Identitätspolitik

Judith Butler ist eine der bedeutendsten Querdenker_innen feministischer Wissenschaft. Ihre Werke waren richtungsweisend für die Etablierung der „Gender Studies“ an deutschen Hochschulen. In diesem Vortrag wollen wir uns ihrer Kritik am Identitätskonzept sozialer Bewegungen, speziell des Feminismus, annähern. 

In ihrem Werk „Gender Trouble“ untersucht Judith Butler die Bedeutung des Subjekts ‚Frau‘ für die Frauenbewegung. Damit nimmt sie eine Form der Politik in die Kritik, die vielen von uns als Selbstverständlichkeit gilt – Politik auf Grundlage von Identität. Wir wollen einen kurzen Überblick über Butlers Kernaussagen geben und einen kritischen Blick auf die aus ihren Ideen resultierenden Praxen wie den Queerfeminismus werfen. Dabei könnte sich herausstellen, dass mit Butlers Theorie nicht nur etwas verloren geht – die scheinbare Selbstverständlichkeit politischer Subjekte, sondern auch etwas entsteht – Möglichkeiten neuer Bündnisse und neue Formen politischer Handlungsfähigkeit.

2. Workshop an der Universität Konstanz Raum A703; Termin: Freitag, 12/11/2010 14:00 h

Vortragende: Tove Soiland (Zürich)

Queer Identity und Neoliberalismus

Seit einiger Zeit ist in der Geschlechterforschung ein allgemeiner Trend zu einer Rückbesinnung und Standortbestimmung zu beobachten. Titel wie „Was kommt nach der Genderforschung?“ (Casale/Rentroff 2008) oder „Alles Gender?“ (Buchmayr
2008) scheinen dabei einer gewissen Ernüchterung Ausdruck zu verleihen, dass auch nach der weitgehenden Akzeptanz und Durchsetzung des gender-Paradigmas viele Fragen offen geblieben sind. Dass nach bald vierzig Jahren feministischer
Theoriebildung das Bedürfnis nach einer Reflexion auf die eigenen theoretischen Grundlagen entstand, ist dabei nicht weiter verwunderlich. Bemerkenswert allerdings ist, dass gegenwärtig von verschiedener Seite die Frage aufgeworfen
wird, ob sich der Feminismus samt der dazugehörigen Theoriebildung möglicherweise ohne es zu wollen in den Dienst gesamtgesellschaftlicher Prozesse gestellt hat, denen einst explizit seine Kritik galt. Dabei betrifft diese
Problematisierung in erster Linie eine theoretische Entwicklung, die etwa Mitte der 1980er Jahre im Zuge des so genannten Cultural turn einsetzte und damit in der Tendenz zeitgleich mit dem Mauerfall. [Einleitung aus: „‚Gender’:
Kontingente theoretische Grundlagen und ihre politischen Implikationen“ Tove Soiland]

Im Workshop soll nach Leerstellen im Diskurs der Kritik der Zweigeschlechtlichkeit gefragt werden: wie werden soziale Ungleichheiten darin sichtbar? Finden sich Anschlussstellen in den Identitätskonzeptionen der queer theory zu neoliberalen Anrufungen?

Weitere Termine:

Mittwoch, 10/11/2010

  • 10 – 16 Uhr Infostand mit Büchertisch an der Universität Konstanz, Marktplatz
  • 20 Uhr Filmvorführung und Infoladen im Radioraum (DGB-Haus am Zähringerplatz, Beyerlestr. 1, Konstanz)