Archiv für November 2010

Demo gegen Rassismus und die SVP-Initiative am 28.11. in Zürich

Vortrag in Ravensburg: Rohstoffe kapitalistischer Regulation der Arbeit

Am Donnerstag den 25.11.2010 findet um 19 Uhr im Rhizom (Ravensburg) die Veranstaltung mit Bernd Roettger: „Zwischen Furcht und Zorn“ im Rahmen der Veranstaltungsreihe zu neoliberaler Hegemonie statt.

»In Erwägung, dass ihr uns dann eben / Mit Gewehren und Kanonen droht / Haben wir beschlossen, nunmehr schlechtes Leben / Mehr zu fürchten als den Tod. « (Bertolt Brecht, Resolution der Kommunarden)

Dass die arbeitende Klasse nichts zu verlieren hätte, als ihre Ketten, war nicht nur eine politische Losung aus den Anfängen der Arbeiterbewegung im 19. Jahrhundert, sondern begründete auch die Gewissheit, dass aus der »doppelt freien Lohnarbeit« der Totengräber kapitalistischer Lohnknechtschaft erwachsen würde. Solidarisierung der Klasse und Organisation der Bewegung rangen aber dem Kapital, das nun um sein Eigentum bangen musste, zunehmend Konzessionen ab. Die »institutionelle Arbeiterbewegung« des 20. Jahrhunderts und ihre Erfolge in der Durchsetzung sozial- und wohlfahrtsstaatlicher Regulationen der Lohnarbeit veränderte die Existenzbedingungen der lebendigen Arbeit genauso einschneidend, wie die mit der Hartz-Gesetzgebung verknüpften Reformen der Arbeitsmarktpolitik. Konzessionen werden heute vor allem der lebendigen Arbeit abverlangt, weil die Furcht der Arbeitenden überwiegt, auf »die Pflaster der Straße« geworfen zu werden.

Die Geschichte der Arbeit, ihrer Widerständigkeit, ihrer Kanalisierung in Kompromisse und ihrer akzentuierten Unterjochung unter das Kapital, lässt sich als Ergebnis wechselhafter Beziehungen von Furcht und Zorn schreiben. Die Tendenz des Kapitals, lebendige Arbeit in einem Prozess »freier Menschenverwüstung« (Marx) zur Produktion von Mehrwert zu vernutzen, führt immer wieder zu neuen Formen der Widerständigkeit der Arbeit, die sich aus dem Zorn der in Unwürde gesetzten lebendigen Arbeit speisen. Der Vortrag skizziert diese wechselhafte Geschichte, in der mit den Rohstoffen Furcht und Zorn Arbeitspolitik gemacht wird und beleuchtet — im Zeichen einer »großen Krise« des Kapitalismus — aktuelle Widerstandspotenziale.

Dr. Bernd Röttger, geb. 1961, Dipl.-Pol, Dr. rer. pol., arbeitete an verschiedenen Universitäten und Forschungsinstituten zur politischen Ökonomie des Kapitalismus, zur Entwicklung der Arbeit und vor allem zur Gewerkschaftspolitik. Er lebt heute als freier Sozialwissenschaftler, Bildungsarbeiter und Autor in Braunschweig. Er ist Lehrbeauftragter an der Universität Wien und Redakteur der Zeitschrift Das Argument. Zeitschrift für Philosophie und Sozialwissenschaften.

http://www.pumuck.de/

Gastvortrag von Prof. Dr. Moshe Zimmermann

Moshe Zimmermann hält im Rahmen des Konstanzer Kolloquiums zur Erinnerungsforschung den Vortrag „‚The Good German‘– deutsche Geschichte im Spielfilm“.

Der Vortrag findet am 23.11.2010, 16.15-17.45 Uhr in R 511 statt.

Moshe Zimmermann ist Professor für deutsche Geschichte und Direktor des Richard-Koebner-Zentrums für Deutsche Geschichte an der Hebräischen Universität Jerusalem sowie Träger u. a. des Humboldt-Forschungspreises.

2005 wurde Zimmermann vom Bundesminister des Auswärtigen Joschka Fischer in eine internationale Historikerkommission berufen, die die Geschichte des Auswärtigen Dienstes im Nationalsozialismus und den Umgang mit dieser Vergangenheit nach 1945 eingehend untersuchte. (wikipedia)

Wikipedia: Moshe Zimmermann

Seminar in Tübingen: „Die Politik und das Politische. Ansätze zu einer Theorie radikaler Demokratie“

Lange Zeit dominierte in der politischen Theorie der Versuch, demokratische Herrschaft durch Rückgriff auf transzendentale Vernunft- und Rechtsprinzipien zu legitimieren. In der Logik der Repräsentation konnte die Selbstherrschaft des demos nur in der externen Figur des Souveräns zusammengefasst gedacht werden. Die repräsentative Demokratie erscheint so als Endpunkt der demokratischen Selbstermächtigung der Bürgerinnen und Bürger.

Dieses Modell wird praktisch in Frage gestellt. Die Auseinandersetzungen um “Stuttgart 21” sind das bekannteste Beispiel, an dem sich die Unzufriedenheit vieler mit einem System zeigt, das die Kluft zwischen Regierenden und Regierten immer größer werden lässt und in dem der demokratische Anspruch auf eine „Legitimation durch Verfahren“ zusammen schrumpft.

Noch radikaler wird das traditionelle Modell politischer Repräsentation in aktuellen Entwürfen kritischer Sozialphilosophie und politischer Theorie in Frage gestellt. Unter Rückgriff auf republikanische Denktraditionen etwa bei Hannah Arendt und die Immanenzphilosophie Spinozas stellen radikaldemokratischer AutorInnen wie Claude Lefort, Ernesto Laclau, Chantal Mouffe, Etienne Balibar oder Jacques Rancière diesem ein Verständnis des Politischen entgegen, das die konstituierende Macht der sich frei versammelnden Individuen in den Mittelpunkt stellt. Demokratie wird so als unabschließbare Aufgabe verstanden, die sich nicht in Institutionen stillstellen lässt, sondern auf praktischer Ebene nach einer ständigen Demokratisierung von Bürokratie, Wirtschaft, Bildung und Wissenschaft, nach einer Erweiterung von Partizipationschancen sowie nach einer Politik größtmöglicher Inklusivität verlangt.

Im Seminar wollen wir anhand ausgewählter Originaltexte uns mit diesem Denken auseinandersetzen und nach seiner praktischen Relevanz fragen. Das Seminar soll durch die TeilnehmerInnen aktiv gestaltet werden. In Arbeitsgruppen sollen die Texte in Gruppenarbeit vorbereitet und anschließend im Plenum präsentiert und diskutiert werden.

Vorkenntnisse sind keine nötig.

Die Seminartexte und der Seminarplan werden den TeilnehmerInnen bei
Anmeldung kostenlos zur Verfügung gestellt.

Seminarort: Tübingen | Alte Archäologie, Übungsraum | Nauklerstr. 2

Seminarzeiten: Fr., 10.12., 17 – 20 Uhr | Sa., 11.12., 10 – 13 Uhr und 14
– 18 Uhr | So., 12.12., 10 – 13 Uhr

Anmeldung:
bis zum 06. Dezember an Alexander Schlager:
schlager@rosalux.de | Tel. 0711 99 79 70 90 | Fax 0711 99 79 70 91

Gemeinsame Veranstaltung mit dem DGB-Hochschulinformationsbüro Reutlingen/Tübingen

Rosa Luxemburg Stiftung Baden-Württemberg
Forum für politische Bildung und Kultur e.V.
Ludwigstr. 73A | 70176 Stuttgart
Tel. 0711 99 79 70 -90 | Fax -91 | Mobil 0176 21 62 39 91
www.rls-bw.de | www.rosalux.de | post@rls-bw.de

Initiative zum Offenen Gedenken der NS-Geschichte in Radolfzell


Bild: Screenshot der Virtuellen Geschichtswerkstatt zu Radolfzell im Nationalsozialismus

http://radolfzell-ns-geschichte.von-unten.org/

Rechtzeitig zum Volkstrauertag 2010 in Radolfzell geht eine Austauschplattform zum Offenen Gedenken rund um den Komplex „Radolfzell zur Zeit des Nationalsozialismus“ an den Start. Im Anschluß an die Feierlichkeiten des Volkstrauertags auf dem Luisenplatz wurden heute Flyer verteilt, die diese Initiative vorstellen und zum mitmachen aufrufen.

Mitmachen ist in verschiedenster Weise möglich:

  • sich auf eine Mailingliste der Initiative setzen lassen
  • an der im Entstehen begriffenen Wiki-Seite
    http://radolfzell-ns-geschichte.von-unten.org/ mitarbeiten
  • Zeitzeugengespräche organisieren
  • Infotafeln oder Gedenkstelen installieren
  • Informationsveranstaltungen durchführen
  • Gedenkstätten erschließen und pfegen
  • Fakten zusammentragen und gefundenes Material archivieren
  • und vieles mehr

Eine Kontaktaufnahme mit der Initiative ist möglich über deren Kontaktformular.

Aktionstage gegen Sexismus und Homophobie

Von Montag, 8. November 2010 bis Freitag, 12. November 2010

Täglich werden wir auch in den Hochschulen am offensichtlichsten über Werbung, Zeitschriften und Lehrmaterialien mit sexistischen und homophoben Darstellungen und Texten konfrontiert. Dabei sind Sexismus und Homophobie die Konsequenzen einer patriachalen und heteronormativen Gesellschaft.

Die Veranstaltungen der Aktionswoche gegen Homophobie und Sexismus versuchen gesellschaftliche Unterdrückungsverhältnisse zu hinterfragen und greifen dabei unter anderem auf Ansätze der Queer Theory zurück (für eine inhaltliche Auseinandersetzung siehe bitte den langen Aufruftext).

Die bundesweite Woche soll ein Zeichen setzen gegen Ungleichbehandlung und Ungerechtigkeit und für eine Welt in der Geschlechtlichkeit keine Rolle mehr spielt, wenn es um die Gestaltung unseres Lebens geht.

Veranstaltungsplan Aktionstage gegen Sexismus und Homophobie
«GESELLSCHAFT MACHT GESCHLECHT»

1. Workshop an der Universität Konstanz Raum A703; Termin: Freitag, 12/11/2010 12:00 h

Vortragende: Katrin Ebert (Berlin)

Einführung in die Theorie Judith Butlers

Kritik der Identitätspolitik

Judith Butler ist eine der bedeutendsten Querdenker_innen feministischer Wissenschaft. Ihre Werke waren richtungsweisend für die Etablierung der „Gender Studies“ an deutschen Hochschulen. In diesem Vortrag wollen wir uns ihrer Kritik am Identitätskonzept sozialer Bewegungen, speziell des Feminismus, annähern. 

In ihrem Werk „Gender Trouble“ untersucht Judith Butler die Bedeutung des Subjekts ‚Frau‘ für die Frauenbewegung. Damit nimmt sie eine Form der Politik in die Kritik, die vielen von uns als Selbstverständlichkeit gilt – Politik auf Grundlage von Identität. Wir wollen einen kurzen Überblick über Butlers Kernaussagen geben und einen kritischen Blick auf die aus ihren Ideen resultierenden Praxen wie den Queerfeminismus werfen. Dabei könnte sich herausstellen, dass mit Butlers Theorie nicht nur etwas verloren geht – die scheinbare Selbstverständlichkeit politischer Subjekte, sondern auch etwas entsteht – Möglichkeiten neuer Bündnisse und neue Formen politischer Handlungsfähigkeit.

2. Workshop an der Universität Konstanz Raum A703; Termin: Freitag, 12/11/2010 14:00 h

Vortragende: Tove Soiland (Zürich)

Queer Identity und Neoliberalismus

Seit einiger Zeit ist in der Geschlechterforschung ein allgemeiner Trend zu einer Rückbesinnung und Standortbestimmung zu beobachten. Titel wie „Was kommt nach der Genderforschung?“ (Casale/Rentroff 2008) oder „Alles Gender?“ (Buchmayr
2008) scheinen dabei einer gewissen Ernüchterung Ausdruck zu verleihen, dass auch nach der weitgehenden Akzeptanz und Durchsetzung des gender-Paradigmas viele Fragen offen geblieben sind. Dass nach bald vierzig Jahren feministischer
Theoriebildung das Bedürfnis nach einer Reflexion auf die eigenen theoretischen Grundlagen entstand, ist dabei nicht weiter verwunderlich. Bemerkenswert allerdings ist, dass gegenwärtig von verschiedener Seite die Frage aufgeworfen
wird, ob sich der Feminismus samt der dazugehörigen Theoriebildung möglicherweise ohne es zu wollen in den Dienst gesamtgesellschaftlicher Prozesse gestellt hat, denen einst explizit seine Kritik galt. Dabei betrifft diese
Problematisierung in erster Linie eine theoretische Entwicklung, die etwa Mitte der 1980er Jahre im Zuge des so genannten Cultural turn einsetzte und damit in der Tendenz zeitgleich mit dem Mauerfall. [Einleitung aus: „‚Gender’:
Kontingente theoretische Grundlagen und ihre politischen Implikationen“ Tove Soiland]

Im Workshop soll nach Leerstellen im Diskurs der Kritik der Zweigeschlechtlichkeit gefragt werden: wie werden soziale Ungleichheiten darin sichtbar? Finden sich Anschlussstellen in den Identitätskonzeptionen der queer theory zu neoliberalen Anrufungen?

Weitere Termine:

Mittwoch, 10/11/2010

  • 10 – 16 Uhr Infostand mit Büchertisch an der Universität Konstanz, Marktplatz
  • 20 Uhr Filmvorführung und Infoladen im Radioraum (DGB-Haus am Zähringerplatz, Beyerlestr. 1, Konstanz)

Zehntausende gegen Castortransport

Glaubt man den Einschätzungen aus der Anti-Atombewegung so steht am Ende dieser Woche der schwierigste Castortransport seit 33 Jahren bevor. Noch nie zeichnete sich im Vorfeld eines Transports eine so breite Beteiligung unter AtomkraftgegnerInnen ab. Mittlerweile sind über 300 Busse aus ganz Deutschland angemeldet, die zur großen Auftaktdemo am 6.11.2010 nach Dannenberg im Wendland fahren – Tendenz steigend. Die Rede ist mal von 20.000, mal von 50.000 AktivistInnen, die sich den Castoren Ende der Woche entgegenstellen werden.


Das Wendland zw. Dannenberg und Gorleben am kommenden Wochenende

Wie kann das sein? Wer oder was mobilisiert die AtomkraftgegnerInnen dieses Jahr in so großen Mengen?

Nachdem die rot-grüne Koalition Ende der 90er Jahre der Atomwirtschaft noch Jahrzehnte längere Laufzeiten für ihre Atommeiler bescherte, meinte die CDU/CSU-FDP Regierung im Jahr 2010, sie könne das auch und legte nochmal drauf: Statt im Jahr 2025 soll das letzte AKW jetzt erst im Jahr 2040 vom Netz gehen.

Das bedeutet:

  • Jahrzehnte lang wird die Atomwirtschaft dadurch jeden Tag 1 Mio. Euro zusätzlich verdienen – ein unverhofftes Riesengeschenk vom Steuerzahler, der dazu gar nicht erst gefragt wurde. Laut einer Studie der Landesbank Baden-Württemberg aus dem Jahr 2009 würden die Stromversorger bei einer Laufzeitverlängerung von acht bis zehn Jahren mindestens 119 Milliarden Euro zusätzlich einnehmen, falls die Strompreise auf aktuellem Niveau verharren. Bei steigenden Strompreisen beliefen sich die Mehreinnahmen auf 233 Milliarden Euro. (wikipedia)
  • Jahrzehnte, in denen die maroden Atomanlagen und ihre Sicherheitssysteme weiter von Teilchen bombardiert werden und in denen jeder Tag mit einem Supergau einhergehen könnte. Schwere Störfälle bis hin zu Kernschmelzen gab es bereits zu genüge: Z.B. 1957 in Windscale/Sellafield (GB), 1979 in Three Miles Island (USA), 1986 in Tschernobyl und 2006 hatte in Fosmark (Schweden) nicht viel gefehlt.
  • Und last but not least: Jahrzehnte, in denen jeden Tag strahlender Atommüll anfällt, für den bis heute nirgends auf der Welt eine Lösung für die zig Jahrtausende erforderliche Aufbewahrung existiert. Die Enthüllungen des letzten Jahres rund um die als „Forschungsbergwerk“ getarnte Atommülldeponie Asse, in der seit Mitte der 60er Jahre Atommüll eingelagert wurde, hat vielen Menschen die Augen geöffnet, angesichts der Verantwortungslosigkeit mit der der Staat und die Atomwirtschaft den Müll verbuddeln. Das Bergwerk Asse ist gerade dabei abzusaufen und zusammenzubrechen. Der gesamte Atommüll muss nun aufwändig wieder herausgeholt und umgelagert werden, was 10 Jahre dauern und Milliarden kosten wird. Der Atommüll ist die Achillesverse der Atomindustrie.

Das Maß war also voll. Die Antiatombewegung hat schon seit Beginn des Jahres enormen Zulauf.
Doch noch ein weiterer Aspekt hat zu der gegenwärtigen Massenmobilisierung beigetragen: Eine neue Kampagne „Castor Schotttern“ wurde ins Leben gerufen. Sie plant die Übernahme eines bei G8-Gipfel-Protesten erfolgreich eingesetzten Prinzips des massenhaften, zivilen Ungehorsams: die sog. 5-Fingertaktik, die ein Durchfluten und Umgehen der Polizeikräfte meint. Mir ihr soll es möglich werden – eine breite Beteiligung vorausgesetzt – zigtausende von AktivistInnen quasi zeitgleich auf kilometerlange Schienen-Abschnitte der Castor-Transportstrecke zu lotsen, wo sie, einmal angekommen, unverzüglich beginnen dort das Gleisbett zu unterhöhlen, mit dem Ziel, die Strecke für Castoren unbefahrbar zu machen. Die Kampagne macht es sich zu Nutze, dass selbst bei dem zu erwartenden Einsatz von 10 oder 20 tausend PolizistInnen, unmöglich die viele Kilometer lange Transportstrecke überall geschützt werden kann. Ein breite Beteiligung konnte die Kampagne durch Betonung der Legitimität der Aktion (s.o.), nieder schwellige Teilnahmeangebote (wer Steine wegtragen kann, kann mitmachen), Unterstützung durch Prominente sowie medial breit gestreute Selbst-Erklärungen von AktivistInnen erreichen. Versuche, hunderte UnterzeichnerInnen der Selbsterklärungen, als „Aufrufer zu Straftaten“ zu kriminalisieren, oder Mobilisierungsseiten im WWW zu schließen, führten nur zu mehr Aufmerksamkeit für die Kampagne und noch mehr Selbsterklärungen. Noch immer rufen Umweltorganisationen, Bürgerinitiativen, Parteien, Gewerkschaften, Kirchen, Antiatom-Gruppen, Linke und AntifaschistInnen zur Großdemonstration am Samstag, den 6.11. in Dannenberg und den anschließenden Sabotageaktionen am Gleiskörper auf.

Keinesfalls sollte man den Fehler machen, nur die Aktionen der Kampagne „Castor Schottern“ im Blick zu haben. Der Widerstand im Wendland ist traditionell vielfältig und besitzt eine breite Palette von Aktionsformen – das macht seine Stärke aus. Getragen werden die Proteste von einer in langen Jahren eingespielten Struktur von Unterkünften/Camps sowie Transport- und Informationsmöglichkeiten. Die Hochtechnologie in Form von Videoberichterstattung, Liveradio und Internettickern, die per Handy oder WLAN zu empfangen sind, ist mittlerweile ebenso dabei wie die traditionellen Infopunkte, geheizten Zelte, professionellen Großküchen oder Erste Hilfe Stationen. Kurz vor Beginn des Castortransports wurden übrigens einzelne der seit Monaten genehmigten Campinfrastrukturen wieder verboten oder durch Verlegungen behindert.

Bereits seit Tagen bewegen sich die ersten Behälter auf der Straße zum Verladebahnhof in Valognes, von wo aus sie sich dann am 5.11. abends auf ihre mehrtägige Reise durch Frankreich und Deutschland begeben. Laut durchgesickertem Zeitplan soll der Transport am Samstag Mittag auf der Höhe von Karlsruhe (z.B. bei Lauterbourg) die Grenze nach Deutschland überqueren. Hier trifft er dann auf die sog. Südblockade, eine Großaktion, zu der die süddeutsche Antiatombewegung seit wenigen Tagen mobilisiert. Hat der Castortransport die Blockade überwunden, ist für die AktivistInnen im Süden noch genug Zeit, um mit Bussen den Castor zu überholen und vor ihm ins Wendland zu gelangen – genau rechtzeitig für die für Samstag Nachmittag und Sonntag geplanten Aktionstrainings und echten Aktionen von „Castor Schottern“. Frühestens am Sonntag ist mit der Ankunft der Castoren in Dannenberg zu rechnen, wo sie in einer mehrstündigen Prozedur von der Schiene wieder auf Laster umgeladen werden müssen. Für die letzten 30 Kilometer auf der Straße gibt es dann nur noch genau zwei Routen, die zur Auswahl stehen: die Nordroute über Quickborn und Langendorf oder die Südroute über Splietau und Gusborn. Bei vergangenen Castortransporten gelang es den AktivistInnen im Wendland typischerweise stets eine der beiden Routen für Castoren unpassierbar zu machen.

Wir werden sehen, wie gut oder wie schlecht der Castortransport durchkommt und wieviel Repression für dessen Durchsetzung gegen den Willen der Mehrheit der Bevölkerung eingesetzt wird.

Passt auf Euch auf!

No pasaran!

Informiert Euch selbst!

- http://radioforum.terminal21.de, Live Stream Radio Freies Wendland

- indymedia Feature

- http://www.castor-suedblockade.de/

- http://www.castor-camps.net/

- Karte vom Wendland

- Mitfahrbörse

- mehr Links bei www.castor2010.de