Archiv für Juli 2010

Schon wieder Selbstmord in Abschiebehaft

Am Freitag, 2. Juli 2010 erhängte sich der 58-jährige Slawik C. in der Justizvollzugsanstalt (JVA) Langenhagen bei Hannover. Dies ist in diesem Jahr der bereits dritte bekannt gewordene Selbstmord in Abschiebehaft allein in Deutschland. Für viele Menschen ist dies die letzte Möglichkeit des Widerstandes gegen ihre Deportation.

Medienberichten zufolge wurde Slawik C. am späten Abend des 2. Juli von Wachbeamten tot in seiner Zelle gefunden. Ein Sprecher des niedersächsischen Justizministeriums gab am Montag, 5. Juli, an, dass sich der Mann mit dem Kabel eines Wasserkochers am Fensterkreuz erhängt habe. Bei der Aufnahme des Gefangenen in die Abschiebehaft hätte es keine Hinweise auf Selbstmordgefahr gegeben.

Dem 58-Jährige Mann, der um Asyl ansuchte, drohte nach elf Jahren Aufenthalt in Deutschland die Abschiebung nach Armenien. Seiner Frau droht ebenfalls die Abschiebung nach Armenien, sein Sohn verfügt laut Medienberichten über einen Aufenthaltstitel in Deutschland.

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Kein Einzelfall

Der Selbstmord von Slawik C. in der JVA Langenhagen, mit dem dieser eine der radikalsten Formen des Widerstandes gegen die rassistische Abschiebepolitik wählte, ist der mindestens dritte an die Öffentlichkeit gedrungene Selbstmord in der Abschiebehaft in Deutschland in diesem Jahr.

Am 16. April erhängte sich die 34jährige Yeni P. mit einem Gürtel in der Teilanstalt für Frauen der JVA Hahnöfersand.

Der 17-jährige David M. starb am 7. März im Hamburger Gefängniskrankenhaus. Nachdem er bereits tagelang jegliche Nahrung verweigert hatte, ohne dass die Behörden auf seinen Widerstand reagierten, erhängte er sich.

Quelle und ausführlicher Artikel: http://no-racism.net/article/3424