Andreas Merkens: „Kritische politische Bildung und Pädagogik bei Antonio Gramsci“

Workshop

Wann? Samstag, 19.06.2010, 10.00 – 17.00 Uhr
Wo? Tübingen, Universitätskasse, Raum 111, Wilhelmstr. 26

“Die Außenwelt, die allgemeinen Verhältnisse zu verändern, heißt sich selbst zu potenzieren, sich selbst zu entwickeln.” (Gramsci)

Antonio Gramsci (1891-1937) war politischer Journalist, Aktivist der Turiner Rätebewegung und Mitbegründer der Kommunistischen Partei Italiens.1926 wurde er von den italienischen Faschisten inhaftiert und verstarb nach 10 Jahren Haft an den Folgen der Gefangenschaft. Seine postum veröffentlichten Gefängnishefte nehmen mittlerweile den Rang eines politischen und philosophischen Klassikers ein, der die internationale Debatte bis in die Gegenwart hinein prägt.

Der Workshop zielt nicht auf eine allgemeine Einführung in Gramscis Werk, vielmehr soll ein zentraler Aspekt seines Theoriegebäudes herausgegriffen werden: seine Beiträge zu einer emanzipatorischen politischen Bildung. Für Gramsci ist Emanzipation untrennbar an einen Prozess der kollektiven intellektuellen Selbstermächtigung der Subalternen gebunden. Das Ziel der politischen Bildung muss es daher sein, “die Regierten von den Regierenden intellektuell unabhängig zu machen” (Gramsci).

Doch kann ein solcher Prozess gelingen, ohne erneut in pädagogische Bevormundung und Fremdbestimmung umzuschlagen? Wie ist also das Verhältnis von Spontanität und pädagogischer Führung zu bestimmen? Wie kann politische Praxis zu einem integralen Bestandteil politischer Bildung werden und umgekehrt? Vor allem in seinen Überlegungen zum Alltagsverstand und seinen Entwürfen zur gesellschaftlichen Funktion der Intellektuellen, stellt sich Gramsci immer wieder diesen widersprüchlichen pädagogischen Voraussetzungen einer Umwälzung der gesellschaftlichen Verhältnisse.

Im Workshop sollen Passagen aus den Gefängnisheften studiert werden. In gemeinsamer Lesearbeit wird es dabei um die dialogische Aneignung der Kategorien und Denkansätze Gramscis gehen. Grundlage sind ausgewählte Abschnitte aus dem Werk, ergänzt um einschlägige Titel aus der Sekundärliteratur. Weiterhin soll in Form einer Ideenwerkstatt die Frage aufgegriffen werden, wie Gramscis Entwürfe heute weiterzudenken wären und welche Bereicherung sein Denken für eine politische Bildung und Pädagogik in der Linken darstellt.

Der Workshop richtet sich damit an Studierende der Geistes- und Sozialwissenschaften, Pädagogen/innen, Aktive aus der Jugend- und Erwachsenenbildung, aber auch an politisch Interessierte aus gesellschaftlichen Verbänden.
Vorkenntnisse sind nicht erforderlich.

Andreas Merkens ist Lehrbeauftragter an der Universität Hamburg. Er beschäftigt sich in seiner Dissertation insbesondere mit Antonio Gramscis Entwürfen zu Politik, Pädagogik und Hegemonie.

Ein Reader mit den wesentlichen Texten Gramscis und Hintergrundinformationen zu den Themen des Workshops wird bei Anmeldung zum Workshop zugestellt.

Anmeldungen bis zum 14.06. und Rückfragen bitte an: Alexander Schlager