„Die Flüsterstadt“: Ein Theaterstück über die ehemalige SS-Kaserne in Radolfzell

Die Uraufführung des Theaterstücks von Gerd Zahner „Die Flüsterstadt“ findet am 9. April um 20 Uhr im Scheffelhof von Radolfzell statt. Weitere Aufführungen: 10. und 11. April, 1. und 2. Mai, jeweils 20 Uhr. Kartenvorverkauf: Südkurier Radolfzell

Über die Geschichte der SS-Kaserne und des KZ-Außenlagers von Dachau in Radolfzell haben wir berichtet.

Das Stück hat in der Stadt Radolfzell hohe Wellen geschlagen: Der Kulturausschuss des Gemeinderates machte für seine bescheidene Förderung von 5000 Euro für dessen Realisierung erhebliche Auflagen. Achim Fenner, Archivar der Stadt Radolfzell, kritisierte das Stück inhaltlich und wollte dem Autor in seinen künstlerischen Ausdruck hineinreden. Einzelne Gemeinderäte machten den Vorschlag, dass Fenner vor jeder Aufführung des Stücks einen Prolog mit inhaltlichen Richtigstellungen halten sollte – letztlich wurde daraus ein Beiblatt im Programmheft. Änderungen an seinem Stück lehnte der Autor mit Verweis auf seine künstlerische Freiheit ab.

Fenner monierte laut Singener Wochenblatt in der genannten Sitzung des Kulturausschusses , es „sei nur ein Todesfall durch die SS in der Kaserne ermittelt worden. Kein Häftling sei hier standrechtlich erschossen worden. Nur ein Deserteur sei auf der Flucht durch ein böses Spiel mit einer gedachten Linie und einer verpflichtenden Mütze auf dem Kopf erschossen worden.“ (SW 12.1.2010). Fenner fürchtet offenbar – wie bereits bei seinem eigenen Vortrag zu diesem Thema im April 2008 – um den guten Ruf der Stadt und begab sich auf das dünne Eis des Relativierens der Gräueltaten rund um die Radolfzeller SS-Kaserne.

Gerd Zahner hatte im Jahr 2008 bereits ein Stück aufgeführt, das die Geschichte einer nach Singen deportierten Zwangsarbeiterin aus Osteuropa erzählt, die dort im Zwangsarbeitslager „Gütterli“ für das Unternehmen Maggi schuften musste.