Archiv für September 2009

Nazi-Demo in Friedrichshafen vorerst verboten

Der Oberbürgermeister von Friedrichshafen, Brand (Freie Wähler), will die Neonazidemo gerichtlich verbieten lassen.

Entsprechende Äusserungen wurden über die Pressestelle nach aussen kommuniziert, die Begründung ist das Gefahrenpotential einer solchen Demo, mitgemeint sind natürlich eventuelle Gegenproteste.

Es ist offen, ob und wann ein solcher Verbotsantrag eingereicht wird, ob die Veranstalter der Neonazis dagegen klagen werden und welche Erfolgsaussichten eine solche Klage vor Gericht hat.

Es ist davon auszugehen, dass die antifaschistischen Gruppen ihre Gegenmobilisierung fortsetzen, da sich immer wieder gezeigt hat, dass die Gerichte solche Verbote meist wieder kassieren.

Trotzdem ist festzuhalten, dass OB Brand mit diesem Verbot andere Wege beschreitet als sein Vorgänger Büchelmeier, dessen untaugliches Vogel-Strauß-Konzept des „engagierten Ignorierens“ der Jahre 2005 bis 2007 Nazis geradezu einlud immer wieder in Friedrichshafen aufzumarschieren.

vhs-Vortrag: Stolpersteine, Arbeitskreis (29.09.2009)

Ort: vhs- Konstanz, Raum 2.8
Zeit: 19:30 – 22:00 Uhr
Eintritt frei

Michael Nathanson wurde 1938 in Berlin als Sohn einer katholischen Mutter und eines jüdischen Vaters geboren. Um der Verfolgung durch die Nationalsozialisten zu entgehen, emigrierte die Familie 1939 in die damals internationale Stadt Shanghai, einer der letzten Zufluchtstätten für jüdische Flüchtlinge. Seit 1982 lebt der ehemalige Elektroingenieur in Schmieheim, wo er einen biologischen Bauernhof mit seiner Frau betreibt. Michael Nathanson ist Vorstandsmitglied des Fördervereins ehemalige Synagoge Kippenheim.

Eine Kooperation von Deutsch-Israelischer Gesellschaft Bodenseeregion, Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit und vhs Konstanz-Singen e.V.

http://www.vhs-konstanz-singen.de/

3.10: Neonazidemo in Friedrichshafen den Weg abschneiden

am 3. Oktober 2009 steht wieder einmal eine Neonazidemo in Friedrichshafen an. Unter dem Motto „20 Jahre deutsche Einheit: Mauer fiel. Überwachung bleibt“ wird am 3. Oktober um 13 Uhr an den Franziskusplatz mobilisiert.

Zur Demo rufen folgende Gruppen auf: Junge Nationaldemokraten Landesverband Baden Württemberg, NPD Kreisverband Bodensee / Konstanz, Aktionsgruppe Schwaben, Freie Kräfte Hegau Bodensee, Freie Kräfte Lörrach, Partei Nationalorientierter Schweizer Sektion Berner Oberland, Kameradschaft Bodensee.

Hier zeigt sich, dass die Zusammenarbeit zwischen Parteistrukturen der NPD und den sogen. „Freien Kräften“ in der Region Bodensee/Oberschwaben wie in den Jahren zuvor offensichtlich funktioniert. Mit den „Freien Kräften Lörrach“ ist eine Gruppe unter den Aufrufern, deren Gruppenführer Thomas Horst Baumann ist. Er ist zugleich JN Stützpunktleiter von Lörrach und z.Z. wegen versuchtem Bombenbau inhaftiert.

Auch die bereits in den Jahren zuvor gepflegten Beziehungen zur Schweizer PNOS sind immer noch aktiv. (Wir erinnern uns: 2007 war eine Vortragsveranstaltung der NPD mit dem früheren PNOS Kader und Holocaustleugner Bernhard Schaub in Radolfzell geplant, die jedoch verhindert werden konnte; darüber hinaus haben einige Aktivisten der Freien Kräfte rund um den Bodensee immer wieder an Schweizer Neonazianlässen teilgenommen und dort offensichtlich auch Vernetzungsarbeit betrieben).

Eine Genehmigung der Demonstration ist laut Angaben der Neonazis bei der Stadt FN bereits eingereicht, es ist allerdings noch unklar, wie sich die Stadt FN mit neuem Bürgermeister A. Brandt (CDU) verhalten wird. Nach unserer Information ist der Stadt FN seit mindestens Mitte August bekannt, dass diese Neonaziaktivität in FN stattfinden soll, obwohl bis jetzt noch keinerlei Informationen an die Presse dazu gegeben wurden.

Soweit die aktuellen Infos, bitte verbreitet sie weiter und sorgt dafür, dass Neuigkeiten, die sich dazu ergeben, an die interessierte antifaschistische Öffentlichkeit verteilt werden. Achtet auf aktuelle Informationen auf antifaschistischen Seiten aus der Region.

vhs-Vortrag: Antisemitismus im Sport (22.10.2009)

Ort: vhs Konstanz, Astoria-Saal
Zeit: 19:30 – 21:00 Uhr
Eintritt frei

In Berlin grölt bei einem Kreisligaspiel eine Gruppe Rechtsradikaler unentwegt antisemitische Parolen, und weil der Schiedsrichter sie geflissentlich überhört, verlassen die Spieler des jüdischen Klubs Makkabi schließlich unter Protest den Platz. In Wurzen verwandeln Jugendliche ein Jugendfußballspiel am „Vatertag“ in eine Neonazi-Demonstration. In Halle rufen einheimische Zuschauer mehrfach in beleidigender Absicht „Juden Jena“ in Richtung der Gästespieler; auch hier bleibt der Schiedsrichter untätig. In den Niederlanden beschimpfen Fans von Feyenoord Rotterdam das Präsidium des Clubs als „Judenvorstand“; bei Spielen des als „Judenclub“ verunglimpften Erstligisten Ajax Amsterdam imitieren gegnerische Anhänger mit Zischgeräuschen das Ausströmen von Gas. In Ankara werfen türkische Zuschauer bei einem internationalen Basketballspiel mit Schuhen, Feuerzeugen und Wasserflaschen nach den Spielern des israelischen Vereins Bnei Hasharon. Schon bei der Ankunft der Mannschaft am Spielort hatten sie „Tod den Juden“ und „Israel, Mörder“ gerufen.

Und das sind nur einige wenige Beispiele dafür, dass der Antisemitismus im Sport regelrecht grassiert. Doch er kommt nicht nur in Beleidigungen und Ausschreitungen zum Ausdruck, sondern auch auf eine andere Art und Weise: Immer wieder sind Sportler und Mannschaften aus Israel von Boykotten oder Boykottaufrufen betroffen, insbesondere dann, wenn ihre Gegner aus arabischen Ländern kommen. So weigerte sich beispielsweise der iranische Judo-Weltmeister Arash Miresmaeili, bei den Olympischen Sommerspielen 2004 gegen den Israeli Ehud Vaks anzutreten. Gelegentlich können israelische Sportler sogar nicht einmal an Wettkämpfen teilnehmen, weil ihnen die Einreise verweigert wird – wie unlängst der Tennisspielerin Shahar Pe‘er, die von den Behörden im Emirat Dubai kein Visum erhielt. Hinzu gesellen sich immer wieder merkwürdige Entscheidungen der Sportverbände, durch die israelischen Athleten klare Wettbewerbsnachteile entstehen.

Alex Feuerherdt macht in seinem Vortrag anhand von zahlreichen Fallbeispielen deutlich, dass der Antisemitismus im Sport nach wie vor ein höchst akutes Problem ist. Dabei wird er auch der Frage nachgehen, wie der Sport zum Vehikel für antisemitische und antiisraelische Ressentiments werden konnte und inwiefern die Sportverbände bisweilen eher Teil des Problems als Teil der Lösung sind.

Alex Feuerherdt (39) ist Lektor und freier Autor. Er lebt in Bonn und schreibt u. a. für die Jüdische Allgemeine, KONKRET, den Tagesspiegel und die Jungle World zu politischen und sportlichen Themen.

Kooperation der Deutsch-Israelische Gesellschaft Bodensee Region, Gesellschaft für Christlich -Jüdische Zusammenarbeit, Jüdische Gemeinde Konstanz und VHS Konstanz-Singen.