Archiv für Oktober 2008

Anarchistische Veranstaltungsreihe in Zürich

Vom 22.10. bis 1.11. gibt es in Zürich eine anarchistische Veranstaltungsreihe. Infos gibt es unter www.zuercher-anarchistinnen.ch.vu

Programm „Anarchie – zwischen Utopie und Alltag“
eine Veranstaltungsreihe in Zürich, 22. Oktober – 1. November 2008

Was ist Anarchie? (und andere grosse Fragen …)
Mi. 22.10. Volkshaus (Helvetiaplatz), Gelber Saal, 19.30
Mitglieder der ZA – Zürcher Anarchistlnnen

Anarchie: Ein grosses Wort, welches auch heute noch polarisiert wie wenige andere – Für die Einen bedeutet es die Utopie einer herrschaftsfreien Welt, eine Ethik für die nicht-unterdrückerische, emanzipatorische Gestaltung des Alltags, während es für Andere gleichbedeutend ist mit Unordnung, Angst und Schrecken, Gewalt und Terror.
Was meinen diejenigen mit ‚Anarchie‘, welche es auf ihre Fahne schreiben – die AnarchistInnen? Und wer sind diese überhaupt? Ist die anarchistische Bewegung ein „Irrtum der Geschichte“, dazu verdammt einer unerreichbaren Illusion nachzuträumen? Ewig pubertierende Punks, ungekämmt aber harmlos? Oder doch fanatische Bombenwerfer und Gefahr für die Grundwerte der bürgerlichen Gesellschaft?
Mit dem Vortrag versuchen wir, uns dem Verständnis der Anarchie und ihren verschiedenen Aspekten anzunähern, so wie es von der anarchistischen Bewegung entwickelt wurde. Dabei werden auch die wichtigsten Strömungen sowie die historische und aktuelle Bedeutung der Bewegung angeschnitten.

Anarchismus und Schweiz / Schweiz und Anarchismus in der Jahrhundertwende
Do. 23.10. Volkshaus (Helvetiaplatz), Zimmer 22 , 19.30
Nino Kühnis, Zürich

Das Strohballenhaus von Lausanne – eine temporär autonome Zone
Fr. 24.10. Kasama (Militärstr. 87a – Innenhof), 19.30
Mitglieder des Kollektivs „Straw d‘la bale“, Lausanne
Am 24. August 2007 besetzt ein Kollektiv ein Gelände im Zentrum von Lausanne und baut dort in wenigen Tagen ein Haus aus Strohballen und Bauabfällen. Dies ist der Beginn einer 4-monatigen Kraftprobe mit den Behörden: Hunderte Menschen besuchen und unterstützen den illegalen Bau, die „grüne“ Stadtregierung weiss nicht, was sie tun soll. Das Experiment findet am 21. Dezember ein abruptes Ende mit einem absichtlich gelegten Brand, welcher zwei Personen in Lebensgefahr brachte. Aber die öffentliche Debatte um autonome Lebensräume, radikale Ökologie, Urbanismus, Selbst-bau und (Il-)Legalität, welche das „maison de paille“ ausgelöst hat, geht weiter…
Siehe auch: http://autoconstruction-en-paille.over-blog.com

Einführung in die Kapitalismuskritik und Vorstellung des Handbuchs des BgKN
Sa. 25.10. Kasama (Militärstr. 87a – Innenhof), 19.30
Mitglieder des Bündnis gegen Kapital und Nation (BgKN)

Anhand der Broschüre „Handbuch Kapitalismuskritik“ werden die BesucherInnen des Workshops in die Kapitalismuskritik eingeführt. Die Mechanismen des Staats und des Kapitals werden analysiert und die Kritik daran formuliert.

Anarchismus und freie Software. Adhémar Schwitzguébel und Richard
Stallman – Einführung und offene Diskussion.
So. 26.10. Kasama (Militärstr. 87a – Innenhof), 19.30
Olivia, Zürich

Eine ideelle Verwandtschaft zwischen Adhémar Schwitzguébel, Uhrmacher aus dem Jura des 19.Jh., und Richard Stallman, Begründer der GNU-Lizenz aus den USA der Gegenwart, fordert auf, darüber nachzudenken, inwiefern uns freie Software eine Möglichkeit gibt, ein anderes System als das kapitalistische zu nutzen und ob die anarchistischen Grundgedanken der Hacker-Ethik heute überhaupt noch aktuell und relevant sind.
„Der wichtigste Unterschied zwischen dem politischen Denken innerhalb und ausserhalb der digitalen Welt ist, dass in der Netz-Gesellschaft Anarchismus (oder genauer besitz-ablehnender Individualismus) eine bedenkenswerte politische Philosophie darstellt.“ Eben Moglen

Die Industrial Workers of the World (IWW)im 21. Jahrhundert
Mo. 27.10. Volkshaus (Helvetiaplatz), Zimmer 22 , 19.30
Lutz Gentschmann, Sekretär IWW-Glamroc, Frankfurt a.M.

Die Industrial Workers of the World (IWW, deren Mitglieder oft auch als Wobblies bezeichnet werden) sind eine weltweite Gewerkschaft, deren Einfluss sich auf USA, Großbritannien, Kanada und Australien konzentriert. In Großbritannien, der größten Regionalstruktur in Europa, zählt die IWW im Jahr 2008 rund 400 Mitglieder. Im deutschsprachigen Raum (Deutschland, Österreich, Schweiz, Luxemburg) existiert eine eigenständige Sektion der IWW, die im Dezember 2006 in Köln gegründet wurde (IWW-GLAMROC – German Language Area Members Regional Organising Commitee / Regionales Organisations-komitee der IWW-Mitglieder im deutschsprachigen Raum).
Lutz Gentschmann, Sekretär des regionalen Organisierungs-komitees Glamroc, berichtet über konkrete Aktionen der IWW sowie über deren Organisierungsansatz.

Anarchistischer Stammtisch (wie jeden Dienstag) – offenes Diskutieren mit (an-)alkoholischen Getränken
Di. 28.10. Mars Bar, (Neufrankengasse 15), ab 19.00

Die Karakök-Autonome und der Anarchismus in der Türkei
Mi. 29.10. Volkshaus (Helvetiaplatz), Zimmer 22 , 19.30
Mitglieder von Karakök-Autonome, CH/TR

Zorn und Aufstand im Mittelalter
Do. 30.10. Kalkbreitestrasse 4, 19.30
Averr, Karakök-Autonome, Zürich

Scheich Bedrettin und Fra Dolcino, zwei Persönlichkeiten aus Morgenland und Abendland, zwei Geschichten des Zornes und Aufstandes im späten Mittelalter – ‚Averr‘ hat zwei Lieblingsbeispiele aus seiner üppigen Tumult- und Aufruhr-Kollektion ausgewählt, um zu illustrieren: Die Macht wurde immer in Frage gestellt, und: „Man muss Gott die Zähne zeigen, alles Andere hilft nichts.“
Averr stürzte vor 34 Jahren kopfüber aus dem Schoss der Mutter, nur damit er im Blut wieder lande. Da schon sein Anfang aus Abwasser bestand, erspar dir, auf Reinheit zu hoffen. Seitdem ist er zornig auf der Suche nach Gott, um gegen ihn zu kämpfen.
(adaptiert nach dem „Buch des Leidens“ des persischen Dichters Faridoddin Attar)

Macht oder Ohnmacht?
Fr. 31.10. Kasama (Militärstr. 87a – Innenhof), 19.30
Lisa J. Giftig, Zürich

„Wir wollen keine Sklaven und keine Herren“, etwa, lautet eine populäre, anarchistische Formel. In diesem Vortrag beleuchtet Lisa J. Giftig den Zusammenhang von Macht und Freiheit, Ohnmacht und Sklaverei unter Verwendung von wissenschaftlichen, erotischen und philosophischen Konzepten. Dabei werden für populär AnarchistInnen aber auch Durch-schnitts – DemokratInnen höchst verwirrende Zusammenhänge freigelegt.
Ziel ihrer Überlegungen ist es den Kampf für die Anarchie auf die besonderen Herausforderungen der Mediengesellschaft vorzubereiten, indem sie aufzeigt welche Wege Herrschaft und Macht beim Aufbau ihrer Systeme gehen können und welche Wege genutzt werden, diese Pläne zu durchkreuzen.

Anarchafeminismus – Ein Ansatz der noch ausgearbeitet werden muss.
Sa. 1.11. Kasama (Militärstr. 87a – Innenhof), 14.00
AG Anarchafeminismus der Libertären Aktion Winterthur

Maria Mattéo stellte in ihrem Beitrag zum Kongress „Ungleichheit der Geschlechter“ 1987 in Lyon fest, dass der libertäre Feminismus bislang lediglich eine Hypothese sei, die erst noch ausgearbeitet werden müsse. Bis heute sind uns die Vertreterinnen des Anarchafeminismus eine solche Ausarbeitung schuldig geblieben.
Was ist eigentlich Anarchafeminismus? In einem ersten Teil werden in diesem Vortrag historische Ansätze aufgezeigt, indem bekannte Anarchafeministinnen wie Emma Goldman, Louise Michel oder die Gruppe Mujeres Libres, aber auch unbekanntere Frauen wie Virginie Barbet oder Andrée Leo vorgestellt werden. In einem zweiten Teil werden neuere Ansätze (vorwiegend aus den 80er Jahren), wie zum Beispiel von Rossella di Leo oder Janet Biehl aufgegriffen, und offene Fragen aufgezeigt. Und nicht zuletzt soll ein Exkurs zu Judith Butler die Perspektive auf neuere feministische Diskussionen eröffnen.
Siehe auch: www.anarchafeminismus.ch.vu

Konzert & Party: kämpferische Lieder, seltsame Electronica
Sa. 1.11. (Ort wird bekannt gegeben), 20.00 – open end
- Niels van der Waerden, Protestlieder und Schnulzen

Musikkabarettist aus Zürich. In seinen Programmen verquirlt er Schmachtfetzen, Galgenlieder und Protestsongs aus allen erdenklichen Epochen und Stilen zu einem gesellschaftstheoretischen Liedersalat.

- Susi Morte, Songs und Chansons
- H5N1, Chansons Révolutionnaires
- PlattenLegerOrganisation „aromath“,
sub-urbane Pop-Dekonstruktion
Ausserdem: MIRZLEKID‘S MINZEBAR

Der Eintritt zu allen Veranstaltungen ist frei (Spenden willkommen) – Sponsoring von Firmen, staatlichen und religiösen Organisationen wird abgelehnt

Info: www.zuercher-anarchistinnen.ch.vu

Marx neu entdecken

Unter dem Motto „Marx neu entdecken“ lädt DIE LINKE.SDS zur großen Auftaktveranstaltung zum Kapital-Lesekreis ein.

Wolfgang Fritz Haug, einer der bekanntesten Marxisten unserer Zeit, wird
die Auftaktveranstaltung zum Lesekreis einläuten.

Wann: Mittwoch 29.10.08 Beginn 18:00Uhr
Wo: Uni Konstanz, Raum A704

Siehe: Wolfgang Fritz Haug kommt Ende Oktober nach Konstanz

Zur Einstimmung: Sonntag, 19.10.2008 von 18-20 Uhr Radio LoRa hören!
In der Sendung „Offener Politkanal“ beim ältesten freien Radio der Schweiz, Radio LoRa aus Zürich, stellen wir Wolfgang Fritz Haug und sein Buchprojekt vor: Das HKWM, das Historisch-Kritische Wörterbuch des Marxismus, das im Hamburger Argumentverlag verlegt wird und zahllose Schlüsselbegriffe marxistischen Denkens erläutert. Wir laden euch ein, dieses spannende Projekt kennenzulernen.
(wird am kommenden Donnerstag von 10.00 – 12.00 Uhr wiederholt)
Einfach Livestream anklicken und reinhören!

IMI-Kongress 8./9. November 2008: Kein Frieden mit der NATO!

Datum: 8./9. November 2008
Ort: Schlatterhaus Tübingen, Österbergstraße 2

Seit dem Ende des Kalten Krieges hat sich die NATO von einem –
wenigstens formal – auf die Landesverteidigung ausgerichteten Bündnis
in eine global agierende Interventions- und Besatzungsarmee
verwandelt. Verschleiert hinter humanitären Motiven, geht die NATO
zur Durchsetzung der Interessen ihrer Mitgliedstaaten immer
aggressiver vor. In Europa hat sie bis an die Grenzen Russlands die
Armeen nach ihren Vorgaben umstrukturiert und aufgerüstet. Das nach
Moskau orientierte Jugoslawien hat sie bombardiert und einige
verbleibende Kleinstaaten als Protektorate der EU-Herrschaft
unterstellt. In Afghanistan führt sie eine aggressive
Aufstandsbekämpfung durch, die zu immer mehr Gewalt und weniger
Sicherheit für die Bevölkerung führt. Die NATO hat auch das
Mittelmeer zum Kriegsgebiet gegen den internationalen Terrorismus
erklärt und ihre Marine ist ständig vor der arabischen Halbinsel
präsent. Mit dem Raketenabwehrschild in Polen und Tschechien
befördert sie ein neues Wettrüsten und in Georgien riskiert das
Bündnis einen neuen Kalten Krieg.

Deutschland ist Mitglied der NATO, verstrickt sich immer tiefer in
den Krieg in Afghanistan und stellt dem Bündnis neben Soldaten auch
wichtige Infrastruktur zur Verfügung: Zum Beispiel mit dem Flughafen
Halle/Leipzig ein wichtiges Logistikdrehkreuz für die weltweiten
Einsätze des Militärbündnisses, mit der NATO-Schule in Oberammergau
und dem Marshall Center in Garmisch zentrale Einrichtungen zur
strategischen Planung. Ganz Deutschland ist von einer NATO-Pipeline
für Kerosin durchzogen und der Oberbefehlshaber der NATO ist in
Stuttgart stationiert.

Die deutsche Stadt Kehl wird im Frühjahr 2009 zudem gemeinsam mit
Straßburg Schauplatz der Feierlichkeiten zum 60jährigen Jubiläum der
Allianz. Die Friedensbewegung und viele weitere Gruppen planen
Massenproteste gegen die Feierlichkeiten, in deren Rahmen die NATO
eventuell sogar ihr Neues Strategisches Konzept vorlegen und mit
diesem eine weitere Forcierung ihrer aggressiven Expansionspolitik
beschließen wird.

Der diesjährige Kongress der Informationsstelle Militarisierung soll
zur Mobilisierung zu diesen Protesten beitragen und die Forderung
nach der längst überfälligen Auflösung der NATO inhaltlich
unterfüttern.

Vorveranstaltung am Freitag, 7.11.08:
Krieg ist Frieden: NATO-Propaganda rückwärts gelesen
Multimedialer Vortrag mit Volxküche ab 19:00 in der Hausbar der
Schellingstrasse 6

Samstag, 8.11.2008:

12:00 Kongresseröffnung

12:30-14:00 Die Waffe des Westens – Strukturen und Strategien der
NATO
(Tobias Pflüger)

14:30-16:00 Zivil-militärische Aufstandsbekämpfung in Afghanistan:
Prototyp einer neuen NATO-Strategie
(Jürgen Wagner)

16:30-18:00 Die Kolonialpolitik der NATO auf dem Balkan
(Christoph Marischka)

19:30-21:00 Kameraden im Kaukasus: NATO und EU im Schulterschluss für
eine neue Weltordnung
(Martin Hantke)

Sonntag, 9.11.2008

09:15-10:30 Kanonenboote und Piraten: Die NATO als Seemacht
(Claudia Haydt)

10:45-12:00 Schild und Schwert: Aggressive Atompolitik und
Raketenabwehr der NATO
(Arno Neuber)

12:00-14:00 Lokale Einrichtungen für globale Kriege: Kein Friede mit
der NATO in Deutschland
(mit Franz Iberl, Jens Rüggeberg, Tobias Pflüger und Mitgliedern des
Regionalen Aktionsbündnisses gegen den NATO-Gipfel)

Der Kongress wird unterstützt von: Friedensplenum/Antikriegsbündnis
Tübingen, Rosa Luxemburg Forum Baden-Württemberg, DFG-VK Tübingen und
Attac Tübingen

www.imi-online.de