Archiv für Juli 2008

Rechte im Film – Filme gegen rechts?

Die Darstellung von Neonazis in Spiel- und Dokumentarfilmen. Vortrag mit Filmbeispielen von Jule Stegmann (Zürich/Berlin). Im Contrast / Konstanz, Joseph Belli Weg 11, Donnerstag den 31.07.08, 20 Uhr

Zum Thema Rechtsextremismus gibt es unzählige Spiel- und Dokumentarfilme. Einige Filme versuchen dabei, über Rechtsextremismus aufzuklären. Sie werden in Schulen und zur politischen Bildungsarbeit gezeigt. Meistens steht ein psychologisches Porträt eines männlichen Filmhelden im Zentrum, dem im Verlauf des Filmes der Ausstieg aus der rechtsextremen Szene gelingt. Die politischen Hintergründe rechtsextremer Gewalt und ihre Verbindung zum alltäglichen Nationalismus, Antisemitismus und Rassismus der „Mehrheitsgesellschaft“ bleiben dagegen in fast allen Filmen weitgehend unbeleuchtet.

Jule Stegmann wird in ihrem Vortrag mit zahlreichen Filmbeispielen der Konstruktion des Feldes „Rechtsextremismus“ nachspüren und nach den politischen Aussagen dieser Filme fragen. Wie konstruieren populäre Filme „Rechtsextremismus“, wie verorten sie ihn in der Mehrheitsgesellschaft und worüber schweigen sie sich aus?

Jule Stegmann (Zürich/Berlin) ist Filmwissenschaftlerin und arbeitet zurzeit an einer Dissertation zum Thema „Die Wiederkehr des scheinbar „Bewältigten – alte und neue Nazis in Filmen aus und über Deutschland“. Sie ist seit etlichen Jahren in verschiedenen politischen Projekten engagiert, zuletzt war sie an der Konzeption und Realisation der Ausstellung «fascho! berichte aus dem alltag» in der Shedhalle Zürich maßgeblich beteiligt.

Veranstaltet von Contrast / JugendKultur e.V.
und dem antifaschistischen Freundeskreis Konstanz

Radiosoliparty am 18.7.08 mit den GENIALEN TANTEN

http://radio-wellenbrecher.de

Anti-G8 Demo letzten Samstag in Lindau


Bild: indymedia

Am letzten Samstag, den 5. Juli 2008, fand in Lindau eine Demonstration statt, parallel zu den Protesten gegen den G8-Gipfel in Japan. Laut indymedia beteiligten sich ca. 60 Personen. Nachfolgend wird das auf der Demo verteilte Flugblatt dokumentiert.

Lindau Stuttgart


Das Recht, dagegen zu sein

Die Geschichte der G8-Treffen ist auch die Geschichte des Widerstands und seiner Unterdrückung. Die Selbstinszenierung der wichtigsten MachthaberInnen des Planeten als Wohltäter der Menschheit duldet keine kritischen Töne.

Bereits im Vorfeld des G8-Gipfels wurden in Japan Gewerkschaftsbüros durchsucht und über 40 Personen aus dem gewerkschaftlichen und linksradikalen Spektrum festgenommen. Die Polizei kann sie 23 Tage lang ohne Haftprüfung festhalten, d. h. ohne sich dafür in irgendeiner Weise rechtfertigen zu müssen! Lediglich in einem Fall kam es nach internationalen Protesten zur Freilassung, die anderen sollen offensichtlich aus dem Verkehr gezogen werden, bis der Gipfel vorbei ist. So hofft die Regierung offensichtlich, den Widerstand unterbinden zu können. Zudem werden Proteste propagandistisch mit Terrorismus gleichgesetzt.

Auch ausländische AktivistInnen, die zum Gipfel reisen, sind von der Repression betroffen. Bereits im März wurde einem deutschen Historiker die Einreise verweigert; er hing wochenlang zwischen Japan und Russland fest. Menschen, die Ende Juni / Anfang Juli nach Japan wollten, berichten von Durchsuchungen, Verhören und Einreiseprozeduren von bis zu 12 Stunden Dauer. Verweigert wurde die Einreise beispielsweise dem italienischen Philosophen Antonio Negri und koreanischen GewerkschafterInnen; Journalisten aus Hongkong und ein US-Sozialwissenschaftler wurden am Flughafen verhaftet. Auch vom Korrespondenten von at.indymedia.org ist seit Tagen nichts mehr zu lesen, was zu Befürchtungen Anlass gibt.

Das BKA ist fleißig mit dabei: Es hat die japanischen Behörden über die Gruppen und Netzwerke des G8-Widerstands 2007 ausführlich informiert und sogar in Berlin japanische Polizisten geschult. Beim G8 2007 hatte die Polizei einen umfangreichen Datenbestand mit Fotos und Fingerabdrücken aufgebaut, in dem vermutlich alle 1.800 Festgenommenen gespeichert sind. Obwohl letztlich nur wenige rechtskräftig verurteilt wurden, werden diese Daten nicht gelöscht. Wieviel von diesen Daten nach Japan übermittelt wurde, ist unklar; BKA-Präsident Ziercke hat jedenfalls zugesagt, „alle erforderlichen Daten“ weiterzugeben. So schützt der deutsche Staat seine BürgerInnen…

Aber warum sollte es in Japan anders laufen als letztes Jahr in Deutschland? Auch hier wurde vor dem Gipfel 2007 das ganze Frühjahr hindurch der Widerstand gegen die G8 kriminalisiert, mit (nachträglich für rechtswidrig erklärten) Großrazzien, dem Missbrauch von Anti-Terror-Gesetzen, um der Polizei ansonsten verbotene Methoden im Kampf gegen friedliche Proteste zu erlauben und selbst der Repression gegen Proteste gegen die Repression. Erst kürzlich wurde in Karlsruhe der Anmelder der bundesweiten Anti-Repressions-Demo wegen angeblicher Auflagenverstöße verurteilt! Viele Aktionen in und um Rostock wurden verboten, und die genehmigten waren mit unglaublichen Schikanen konfrontiert.

Weitere Beispiele sind der brutale Polizeieinsatz beim G8 2001 in Genua oder der berühmte „Münchner Kessel“ 1992 (als die G8 noch die G7 waren), wo fast 500 Menschen, darunter auch zahlreiche Unbeteiligte (wie einkaufende Omas oder der Sportreporter der Bild-Zeitung) stundenlang festgehalten wurden. In Genua wurde am 20. Juli 2001 Carlo Giuliani erschossen, und es gab brutale Polizeiübergriffe auf friedliche DemonstrantInnen. Beim Überfall auf die Diaz-Schule, die den DemonstrantInnen von der Stadt als Quartier zur Verfügung gestellt worden war, wurden schlafende Menschen verprügelt und mussten teilweise noch in ihren Schlafsäcken ins Krankenhaus eingeliefert werden. Hunderte wurden in der Polizeikaserne Bolzaneto tagelang gefoltert. Es hat Jahre gedauert, um wenigstens einige der Verantwortlichen vor Gericht zu bringen; das Urteil wird für Ende Juli erwartet. Möglicherweise wird das Verfahren aber auch durch das Moratoriums-Gesetz, mit dem sich Silvio Berlusconi in seinem Korruptionsverfahren über die Verjährungsgrenze retten möchte, noch zum Platzen gebracht, da dieses Gesetz alle Straftaten betrifft, die vor Mitte 2002 begangen wurden.

Dass aber Unterdrückung die einzige Antwort ist, die den Mächtigen auf die Kritik der Protestierenden einfällt, zeigt, wie berechtigt diese Kritik ist. Und wie in Heiligendamm, wo Tausende trotz Demonstrationsverbot den Gipfel blockierten, haben auch in Japan Demonstrationen, Gegenkonferenzen und Protestcamps begonnen. Der Widerstand findet statt, ob er nun von der Obrigkeit geduldet wird oder nicht. Denn der Kaiser ist nackt — die Lösungen der G8 für Armut und Hunger, Klimawandel und Umweltzerstörung, Krieg und Terror taugen nichts. Darum werden sich immer und überall Menschen, die das merken, zusammenfinden und für tatsächliche, andere Lösungen kämpfen — für eine bessere Welt, ohne G8!

[Der erwähnte Korrespondent scheint übrigens auf freiem Fuß zu sein, das Feature auf https://at.indymedia.org/node/10656 wurde am Montag, 7.7., endlich aktualisiert. Halt die Ohren steif und pass auf Dich auf!]

Quelle: http://de.indymedia.org/2008/07/221628.shtml