Archiv für April 2008

Gedenkbuch – Opfer der Verfolgung der Jüdinnen und Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland online

Seit Freitag, dem 14.12.2007, ist das „Gedenkbuch – Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945″ auf der Internetseite des Bundesarchivs unter http://www.bundesarchiv.de/gedenkbuch zugänglich.

Gut eineinhalb Jahre nach der Veröffentlichung des Gedenkbuches in seiner 2., wesentlich erweiterten Auflage vom Frühjahr 2006 (und 21 Jahre nach der 1. Auflage von 1986) sind nun die Namen der Opfer im Internet recherchierbar.

Mit Hilfe eines individuell zu nutzenden Suchfeldes und verschiedener Suchoptionen (Name, Vorname, Geburtsname, Geburtsdatum, Geburtsort, Wohnort, Deportationsdatum und Deportationsort) kann in der nunmehr fast 159 000 Personen umfassenden Datenbank gesucht werden. Anhand der Trefferliste können die biographischen Einträge zu den jeweiligen Opfern und ihrem Schicksal ausgewählt werden.

Neben dem zentralen Namenverzeichnis und der Suchfunktion stehen die Texte der Druckauflage, die Chronologie der Deportationen sowie die Auswahlbibliographie zur Verfügung.

Die Startseite informiert über die geleistete Arbeit seit der Veröffentlichung im Jahr 2006. Erstmals enthält das Gedenkbuch auch die Namen der Personen, die 1938/1939 nach Polen abgeschoben wurden.

Die Internetnutzer werden gebeten, Ergänzungen und Korrekturen direkt an das Bundesarchiv unter gedenkbuch (@) barch.bund.de zu richten, um die laufenden Arbeiten daran zu unterstützen.

Claudia Zenker-Oertel und Undine Völschow
(Bundesarchiv Berlin und Koblenz)

Ehemalige SS-Kaserne in Radolfzell und das KZ Außenlager von Dachau

Dieser Vortrag wurde von Stadtarchivar Achim Fenner am 16.04. im Radolfzeller Juze gehalten. Eingeladen hatte das „Bündnis für Toleranz“, eine Initiative, die es sich u.a. zur Aufgabe gemacht hat, eine Gedenktafel im Bereich der Kaserne anzubringen, die an die Nazivergangenheit in Radolfzell erinnert, die droht in Vergessenheit zu geraten.

Der ausgesprochen detailreiche Vortrag ging über drei Stunden und erreichte ein Publikum von ca. 30 aufmerksamen ZuhörerInnen. Er gliederte sich in einen ersten Teil, der vor allem die Entstehungsgeschichte der SS-Kaserne und die von den stationierten SS-Einheiten ausgehenden Greuel (Synagogensprengungen, Deportationen von Juden und Jüdinnen, Kriegseinsätze) betraf sowie in einen zweiten Teil, der sich vorwiegend der Darstellung der Kasernenfunktion als Außenlager des KZ Dachaus und den Berichten von Überlebenden widmete.

[Anmerkung: Passagen in Klammern sind Ergänzungen, die nicht auf den Vortragenden zurückgehen.]

Die Stadt strebt selbst nach der SS-Kaserne

Die Initiative zum Bau der Kaserne ging von der Stadt und speziell von ihrem OB Eugen Speer aus. Speer hatte als NDSAP – Kreisleiter und Gauinspekteur die Voraussetzungen, um 1934 zum Oberbürgermeister ernannt zu werden. Als Kreisleiter wusste er von den Wünschen der SS, im Süden Deutschlands, in Württemberg, in Hohenzollern oder am Bodensee eine Kaserne zu bauen. Die Stadt Radolfzell bot dem Reich sodann den Bau einer SS-Kaserne an und setzte sich letztlich gegen die Konkurrenz anderer Standorte durch. Sie versprach sich hierdurch Arbeitsplätze, Mieteinnahmen und Aufträge [sicher spielte das Prestige hier auch eine wichtige Rolle]. Bauherr wurde später jedoch das Reich, und Firmen in Radolfzell konnten sich nur einen kleinen Teil der Aufträge sichern, da die Kaserne im Wesentlichen von einem Konsortium von Unternehmen aus dem Ruhrgebiet und Berlin gebaut wurde.

Einzug der Waffen-SS – Pogrome und Deportationen

Am 31. Juli 1938 bezog das 3. Bataillon der SS-Germania (Verfügungstruppe), ein Bestandteil der Waffen-SS, mit 27 Offizieren, 175 Unteroffizieren, 586 Mannschaften und 89 Pferden die Kaserne. [Aufgabe der SS – Verfügungstruppen war die Garantie der inneren Sicherheit sowie die Verfolgung und Vernichtung der Opposition im 3. Reich.] Von dem pompös mit Trommeln und Trompeten inszenierten Anmarsch über Singen sowie der Aufstellung auf dem Radolfzeller Marktplatz existieren noch fotografische Dokumente. Der Empfang war herzlich. Die Kaserne und ihre Besatzung kamen gut bei der Bevölkerung an und man machte sich zusätzlich mit Volksküchen, Winterhilfswerk, Sonnwendfeiern, Mittagessen für Kinder und Beteiligung an der Fastnacht, beliebt. Daran änderte sich auch nichts, als die Radolfzeller SS-Verbände sich an der Besetzung der Sudetendeutschen Gebiete (1938), der Zerschlagung der Tschechoslowakei (1938+1939), dem Überfall auf Polen (1939) sowie Pogromen gegen und Deportationen von Jüdinnen und Juden beteiligten.

[Vom 9. auf den 10. Oktober 1938 fand in Deutschland und Österreich die von der SA und SS organisierte Reichspogromnacht statt. In dieser Nacht wurden mindestens 400 Juden und Jüdinnen von Nazi-Schergen umgebracht, in den folgenden Tagen wurden ca. 30.000 Jüdinnen und Juden in die Konzentrationslager Dachau, Buchenwald und Sachsenhausen deportiert, wo hunderte weitere den Tod fanden. Praktisch alle der über 1400 Synagogen und Gebetshäuser in Deutschland wurden zerstört.] Die Radolfzeller SS-Germania wurde zur Sprengung der Konstanzer Synagoge gerufen, als es den Konstanzer SS nicht gelang zusammen mit der Feuerwehr die Synagoge niederzubrennen. Die Synagogen auf der Höri ( Gailingen, Wangen/Öhningen) und näheren Umgebung (Gottmadingen/Randegg,) wurden ebenfalls von der Radolfzeller SS gesprengt.

SS-Totenkopf-Verband – Deportationen nach Gurs

Mitte Dezember 1939 hielt das SS-Totenkopf-Infanterie-Ersatz-Bataillon aus Breslau für ein Jahr Einzug in die Radolfzeller Kaserne. Ursprüngliche Aufgabe der SS-Totenkopf-Verbände war die Bewachung der Konzentrationslager im 3. Reich. In die Zeit des Radolfzeller Totenkopf-Verbands fällt die Deportation von 234 Jüdinnen und Juden aus der Umgebung von Radolfzell (vor allem von der Höri) in das Konzentrationslager Gurs. Die Jüdin Alice Fleischel*, die -bereits auf der Flucht – in einem Gasthaus logierte, wurde aus Radolfzell deportiert. Die Radolfzeller Totenkopf-SS fuhr mit Transportlastern auf die Dörfer oder trieb die Menschen zu Fuß zum Singener Bahnhof.

Dies geschah im Rahmen einer riesigen, ganz Baden und Teile des Saarlands betreffenden Aktion (vgl. Bürckel-Wagner-Aktion), der 6.538 Jüdinnen und Juden zum Opfer fielen. Aus dem Landkreis Konstanz kamen 314 Personen aus 11 Orten (Überlingen, Waldshut, Konstanz, Bohlingen, Gailingen, Hilzingen, Radolfzell, Randegg, Tiengen, Waldshut, Wangen). Der Reichsstatthalter von Baden und glühende Antisemit Robert Wagner meldete am 23. Oktober 1940 nach Berlin, sein Gau sei als erster Gau des Reiches „judenrein“.

SS-Unterführerschule ab 1941 und KZ-Außenlager von Dachau

Nach dem Abzug der SS-Totenkopfverbände, d.h. in der Zeit, in der die SS-Unterführerschule in der Radolfzeller Kaserne stationiert war, wurde der Radolfzeller Schießstand mit Hilfe von 115 Insassen des Konzentrationslagers Dachau ausgebaut. Die Radolfzeller Kaserne wurde von 1941 bis 1945 zu einem Aussenlager des KZ Dachau. Die Unterbringung, Verpflegung und Behandlung war trotz Vorteilen gegenüber den Bedingungen im KZ Dachau, unmenschlich und schikanös. Ein typischer Arbeitstag bedeutete für die Häftlinge um 6 Uhr in der Früh geweckt zu werden, 6:15 Uhr war Appell auf dem Kasernenhof, 6:30 Abmarsch zum Schießstand, von dem sie abends um 18 Uhr zurückkehrten. In der Zeit von 6:30 bis 18 Uhr wurden für Frühstück und Mittagessen insgesamt gerade mal 30 Minuten Pause zugestanden. Die Arbeit auf dem Schießstand war laut Berichten von KZ-Insassen qualvoll und man wurde dabei geschlagen. Im November 1941 kam es zu der willkürlichen Erschießung des Häftlings Jakob Dörr. Ihm wurde laut Überlieferung seine Mütze abgerissen und hinter die Postenlinie der Wachmannschaften geworfen. Als er dem Befehl, die Mütze zu holen, nachkam, wurde er „auf der Flucht erschossen“.

Überlebende und Fluchtgeschichten

Hans Gasparitsch überlebte das Radolfzeller KZ-Aussenlager und wurde am 11. April 1945 von den amerikanischen Truppen aus dem KZ Buchenwald befreit. Er gehörte einer kommunistischen Jugendwiderstandsgruppe („Gruppe G“) an und war im Jahr 1935 bei einer Aktion in Stuttgart verhaftet worden. Nach seiner Aburteilung wurde er wg. „Vorbereitung zum Hochverrat“ zu 2,5 Jahren Gefängnis verurteilt. Im Jahr 1937 nach dem Ende seiner Haftzeit wurde er jedoch nicht entlassen, sondern weiter in sog. „Schutzhaft“ gehalten und gelangte im Jahr 1941 nach Radolfzell.

Leonhard Oesterle, nach einer Denunziation ebenfalls wegen „Vorbereitung zum Hochverrat“ verurteilt und danach weiter in „Schutzhaft“ genommen, überlebte ebenfalls mehrere deutsche Konzentrationslager. Im Jahr 1941 in das Außenlager Radolfzell verlegt, gelang ihm 2 Jahre später zusammen mit einem Mithäftling die Flucht über den See in die Schweiz. Die Geschichte seiner Zeit im Radolfzeller KZ kann in dem Buch „Glücksvogel: Leos Geschichte“ von S. E. Kluwe nachgelesen werden, das 1990 im Signal Verlag erschienen, mittlerweile aber vergriffen ist.

Leonhard Oesterle berichtet über eine weitere Flucht aus dem Radolfzeller KZ: Drei Tschechen hatten die Wachen überwältigt und rannten in die Nacht davon. Einer von ihnen wurde erschossen zurückgebracht, ein weiterer konnte ebenfalls gefasst werden, für den dritten vermutet Oesterle, dass er es geschafft haben könnte, auch wenn die SS mitteilte, er sei tot aufgefunden worden. Für die übrigen Häftlinge waren so lange, bis die Flüchtlinge wieder gefasst wurden, extreme Schikanen angeordnet worden: Sie mussten die ganze Nacht und den folgenden Tag auf dem Kasernenhof in Reih und Glied strammstehen, in der prallen Sonne, ohne Essen, ohne Trinken und ohne auf die Toilette gehen zu können.

[Ein weiteres schreckliches Kapitel betrifft die Zeit kurz vor dem Kriegsende im April 1945. Die Franzosen hatten die Stadt Stockach besetzt und zogen weiter, nur einen kleinen Trupp zurücklassend. Dies nutzte die Radolfzeller SS unter dem Oberbefehl von General Hans Schmid, aus, kam mit rund 100 SS-Männer nach Stockach und brachte 15 „Fremdarbeiter“ um. (Quelle: Wochenblatt)]

Die Diskussion

Besonderes Interesse rief in der Diskussion der Hinweis des Stadtarchivars Achim Fenner auf die jahrelangen Treffen der HIAG im Radolfzell der Nachkriegszeit hervor. [HIAG steht für den „Bundesverband der Soldaten der ehemaligen Waffen-SS e.V. – Hilfsgemeinschaft auf Gegenseitigkeit“ ein Sammelbecken für unverbesserliche Altnazis, Holocaustleugner oder Verherrlicher der Nazigreuel. Nach anfänglichen grossen Mitgliederzahlen und Vertretern in allen Parteien ging ihr Einfluß in den letzten Jahrzehnten immer mehr zurück. Die in Jahrzehnten aufgebauten Netzwerke der HIAG und anderer »Traditionsverbände« werden heute von aktiven neonazistischen Gruppierungen genutzt, vermutlich auch in finanzieller Hinsicht.] Die Stadt Radolfzell hat diese Treffen anfangs mit Wohlwollen aufgenommen, erst in den 70 Jahren kam es zu Protesten seitens der Bevölkerung. Bemerkenswert war an dieser Stelle auch, dass in der Liste der gefallenen Ortseinwohner des Radolfzeller Kriegerdenkmals auch die Gefallenen der Waffen-SS aufgeführt sind, obwohl sie offiziell keine Einwohner der Stadt Radolfzell waren.

Kritisiert wurde in der Diskussion die teilweise relativierenden oder „unglücklichen“, wie eine Frau es nannte, Formulierungen des Referenten, dem es mitunter ein Anliegen zu sein schien, dass Radolfzell nicht allzusehr unter dem Makel, der Standort einer SS-Kaserne oder eines KZ-Außenlagers gewesen zu sein, zu leiden hat. So strich Achim Fenner z.B. immer wieder die nach seiner Wahrnehmung im Vergleich zum KZ Dachau deutlich humaneren Bedingungen für Häftlinge im Radolfzeller Außenlager heraus, nannte die lebensgefährlichen Fluchtversuche von Häftlingen töricht oder versäumte es, die klar nazistische Ausrichtung der HIAG zu benennen.

Achim Fenner muss man jedoch seine jahrelange akribische Recherchearbeit hoch anrechnen. Respekt verdienten auch seine Reflexionen hinsichtlich der Weitergabe von überliefertem Wissen und sein Selbstverständnis, die Pflicht zur Weitergabe von historischem Wissen höher einzustufen als den Wunsch publizistische Ehren des Erstveröffentlichers für sich zu reservieren. Und es gelang ihm in seinem Vortrag, den ehemaligen Insasssen des Radolfzeller KZ-Außenlagers von Dachau ein Gesicht zu geben – was nicht wenig ist.

Offene Fragen

Es bleiben nach diesem dreistündigen Vortrag ein Menge interessanter Fragen, für die es sich lohnt, Antworten zu suchen:

  • Wie gestalteten sich die Beziehungen zwischen der Stadt Radolfzell und den diversen SS-Einheiten, die in der Kaserne stationiert waren?
  • Welche Verbrechen sind von den hier stationierten SS-Einheiten vor allem in Osteuropa begangen worden? Wo waren die SS-Verbände eingesetzt, an welchen Massakern waren sie beteiligt?
  • Wie wurde während und nach dem 3. Reich darüber in Radolfzell – und nicht nur bei den Treffen der HIAG – gesprochen?

*) Alice Fleischel, geb. Rossin wurde 1873 in Hamburg geboren. Vor dem Zweiten Weltkrieg lebte sie in München. Alice starb im Lager von Gurs. Quelle dieser Informationen: Liste von Opfern aus Deutschland, Gedenkbuch. Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945, Bundesarchiv, Koblenz 1986. siehe: Eintrag in der Yad Vashem Datenbank

1. Mai in der Rhein-Neckar-Region

Hallo AntifaschistInnen, hallo GenossInnen

wir möchten euch hiermit einen kleinen Überblick über den 1. Mai 2008 in der Rhein-Neckar-Region geben und euch bitte, gemeinsam mit uns gegen die Naziaufmärsche und für einen revolutionären 1. Mai zu mobilisieren. Alle wichtigen Infos finden sich auch online unter
http://akantifa-mannheim.de
http://1mai08.blogsport.de

Mittwoch, 30. April
- 19 Uhr Antifa-Straßenfest in Heidelberg, Uniplatz Altstadt

Donnerstag, 1. Mai
- ab 10 Uhr Kaiserslautern, Bahnhof, Aktionen gegen den Naziaufmarsch
- ab 14 Uhr Neustadt, Marktplatz, Aktionen gegen den Naziaufmarsch
- ab 19 Uhr Mannheim, Paradeplatz, Antikapitalistische Kundgebung
- danach Aftershow Parties in Mannheim (JUZ) und Landau (Fatal)

Naziaufmärsche in Kaiserslautern und Neustadt

Nazis von NPD und „Aktionsbüro Rhein-Neckar“ haben eine „Doppeldemo“ in den zwei Pfälzer Städten Kaiserslautern und Neustadt an der Weinstraße angekündigt. Ordnungsämter und Polizei haben angekündigt die Aufmärsche unter Auflagen zu genehmigen und gegen den zu erwartenden antifaschistischen Protest durchzusetzen. Die Deutsche Bahn stellte den Nazis in den vergangenen Jahren Sonderzüge zur Verfügung und wird das in diesem Jahr vermutlich wieder tun. Unser antifaschistischer Protest richtet sich daher nicht nur gegen die Nazis sondern auch ihre HelferInnen von Stadt, Polizei und Deutsche Bahn. Für legale Anlaufpunkte, Ermittlungsausschuss, Infotelefon etc. ist gesorgt. Wir mobilisieren in diesem Jahr unter dem Motto „Nazi- und Bullenaufmärsche zum Desaster machen! Für die soziale Revolution!“

Antikapitalistische Kundgebung in Mannheim

Um den 1. Mai inhaltlich nicht den Nazis zu überlassen, findet am Abend des 1. Mai in Mannheim eine antikapitalistische Kundgebung statt. Verschiedene Mannheimer Gruppen und Einzelpersonen rufen dazu auf und mobilisieren auf 19 Uhr zum Paradeplatz in der Innenstadt.

Mobilisierung

Es wird in Kürze umfangreiches Mobilisierungsmaterial zur Verfügung stehen. Es gibt Aufkleber, Flyer, verschiedene Plakate und Aufrufe. Um die Kosten nicht auf wenige Gruppen abzuwälzen, würden wir Euch bitten, selbst die Druckvorlagen auszudrucken(zu finden auf den oben angegebenen websites), zu kopieren und zu verteilen. Insbesondere Aufkleber können natürlich bestellt werden. Gerne schicken wir Mobilisierungsmaterial auch an Gruppen mit kleinem Geldbeutel. Ansonsten würden wir Euch bitten, die Termine auf Euren Internetseiten zu veröffentlichen und über Eure Mail-Verteiler zu bewerben.

Termine drumherum

Wie jedes Jahr findet am Vorabend des 1. Mai in Heidelberg das Antifa-Straßenfest statt. Dort gibt es Infostände, Live-Konzert, Aktionen gegen Burschi-Umtriebe und vieles mehr. Das Thema in diesem Jahr sind linke Freiräume. Treffpunkt am 30 April ist der Uniplatz in der Heidelberger Altstadt ab 18 Uhr. Am Abend des 1. Mai gibt es für alle, die auch nach der Kundgebung noch in Mannheim bleiben die Möglichkeit, ein Punk Konzert im JUZ zu besuchen. Mehr dazu auf der Seite des JUZ http://juz-mannheim.de

Für Fragen bezüglich der Mobilisierung stehen wir und das Team der Mobilisierungsseite zur Verfügung (gerne auch verschlüsselt). Kontaktdaten auf den Seiten
http://akantifa-mannheim.de
http://1mai08.blogsport.de

Für einen revolutionären und antifaschistischen 1. Mai!
AK Antifa Mannheim

AK Antifa Mannheim c/o Jugendzentrum in Selbstverwaltung Postfach 12 19 65 68070 Mannheim akantifa @t juz-mannheim.de http://www.akantifa-mannheim.de

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Einladung zu einem Vortrag über Radolfzell während der Nazidiktatur

Bericht siehe: Ehemalige SS-Kaserne in Radolfzell und das KZ Außenlager von Dachau

Am 16.04.08 wird in der Radolfzeller Bahnkantine (vom Bahnhof aus Richtung ALDI 200m an den Gleisen entlang, Gebäude auf der linken Staßenseite) ein Vortrag über Radolfzell während der Zeit der NS-Diktatur stattfinden.

Über dieses Thema wird in Radolfzell normalerweise nicht viel gesprochen und wenn, dann nur sehr einseitig. In der Innenstadt und den umliegenden Dörfern gibt es einige Denkmäler, die den im Krieg gefallenen Soldaten gedenken.

Was zum Teil aber ganz außer Acht gelassen wird ist, dass Radolfzell im Dritten Reich ein wichtiger strategischer Stützpunkt war. In der Nordstadt steht eine alte SS-Kaserne, aus der heute ein blühendes Industriezentrum entstanden ist. Aber nirgendwo Denkmäler oder dergleichen.

Schockierend ist, dass in dieser Kaserne ein Stützpunkt der „Totenkopf-SS“ und ein Vorlager des Konzentrationslager Dachau eingerichtet war. Von hier aus wurden mehrere Hundert Juden, Antifaschisten, Kommunisten und alle anderen, die nicht in das menschenverachtende Leitbild der Nationalsozialisten passten, deportiert und umgebracht.

Wir wollen diese Geschehnisse entgültig publik machen und laden euch deshalb am Mittwoch, den 16.04.08 um 20:00 Uhr in die Bahnkantine Radolfzell ein.

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Gründungstreffen zu einem neuen Indymedia Projekt im Südwesten am 23.-25. Mai 2008 in Freiburg

Liebe MedienaktivistInnen,

wir laden euch mit dieser Mail zum Gründungstreffen von linksunten.indymedia.org ein, einem Independent Media Centre für
Südwestdeutschland. Das Treffen findet vom 23.-25. Mai 2008 im Autonomen Zentrum KTS Freiburg statt. Vorher gibt es am 25. April ab 20 Uhr eine Infoveranstaltung im Café Gegendruck in Heidelberg. Falls ihr euch am Projekt aktiv beteiligen oder es politisch unterstützen wollt, bitten wir euch eine Mail an af-imc-linksunten-kontakt at listi.jpberlin dot de zu schreiben. Wir
organisieren den Gründungsprozess offen und transparent. Infos findet ihr unter: http://autonome-antifa.org/imc

Spread the word!

Woher kommen wir?

Die erste globale unabhängige Medienberichterstattung gab es 1999 anlässlich des globalen Aktionstages gegen Kapitalismus parallel zum G8-Gipfel in Köln: June 18th. Hier wurde zum ersten Mal Berichterstattung von unten über einen globalen sozialen Kampf via Piratensender, Internet, Foto, Audio und ein wenig Video in die Praxis umgesetzt: don‘t hate the media, become the media. Ein halbes Jahr später, am 30. November 1999, folgten die Proteste gegen die WTO-Konferenz in Seattle. Die Ideen und Erfahrungen von J18 wurden in Seattle zum ersten Mal im großen Stil umgesetzt, die Rolle der Medien in einer Bewegung im Widerstand wurde durch Indymedia neu geschrieben. Die Motivation für eine Berichterstattung von linksunten ist geblieben, aber die technischen Möglichkeiten haben sich verbessert. Die Bedeutung Indymedias liegt jedoch nicht mehr in der technischen Innovation begründet sondern in dem sozialen und politischen Netzwerk der Independent Media Centres (IMC).

Wohin wollen wir?

Wir wollen eine freiere Gesellschaft, in der grundlegende Widersprüche wie Sexismus, Kapitalismus und Antisemitismus, Faschismus, Rassismus und Umweltzerstörung, sowie Obskurantismus und Spießigkeit bekämpft werden. In unserer Mediengesellschaft bedarf es einer Gegenöffentlichkeit, um solche Kämpfe bekannt zu machen. Die Handelnden brauchen eine Möglichkeit ihren lokalen Kampf in einen globalen Kontext zu setzen und sich mit anderen sozialen Bewegungen zu vernetzen. Nur so ist gegenseitige Hilfe und Bildung von unten möglich, beides wichtige Voraussetzungen einer egalitären und solidarischen Gesellschaft. Aber auch unsere Niederlagen müssen wir im Kampf um eine bessere Zukunft dokumentieren. Bewegungen müssen Spuren ihrer Leidenschaft für zukünftige Generationen hinterlassen, denn vergessene Kämpfe sind verlorene Kämpfe.

Wo stehen wir?

Es sind finstere Zeiten für soziale Bewegungen zu Beginn des 21. Jahrhunderts, der Zeitgeist ist kapitalistisch. In unserer Gesellschaft verstärken sich rechte Tendenzen und der Staat wird zunehmend autoritärer. Doch unsere Ideen sind noch immer lebendig, unser Widerstand ist nicht gebrochen. Im letzten Jahrzehnt haben sich als Teil dieses Widerstandes neben den freien Radios, linken Printmedien und Filmkollektiven insbesondere im Internet alternative Medienprojekte gegründet. Zwar ermöglicht das Netz vielfältige und einfache Mittel der Meinungsäußerung von unten, doch gerade unter dieser Vielfalt leidet die Übersichtlichkeit der Informationen. Indymedia als strömungsübergreifendes Netzwerk hat das Potential die alten und neuen Projekte zusammenzuführen und dadurch ihre Außenwirkung zu multiplizieren.

Was war bisher?

Indymedia Deutschland ist eines der größten IMCs weltweit, es hat den größten potenziellen Kreis an NutzerInnen. Einerseits ist es dadurch möglich soziale Kämpfe bundesweit in einen Zusammenhang zu stellen, aber andererseits gehen lokale Ereignisse häufig in der Flut an Informationen unter. In den letzten Jahren hat sich de.indymedia.org als zu unflexibel und zu statisch für eine Anpassung an die vielen verschiedenen lokalen Bedürfnisse und Wünsche erwiesen. Im Gegensatz zu vielen anderen Ländern hat sich das Indymedia Netzwerk in Deutschland bisher nicht dezentralisiert. Es gibt viele Gegenden, in denen Moderationskollektive lokale Aktivitäten medial begleiten und unterstützen könnten, in denen die NutzerInnen vor Ort momentan jedoch keinen oder kaum direkten Kontakt zu IndymoderatorInnen haben. Zu den seltenen bundesweiten Treffen kommen nur wenige AktivistInnen, um die Zukunft von Indymedia in Deutschland zu gestalten.

Wie wollen wir vorgehen?

Wir wollen die Dezentralisierung von Indymedia in Deutschland beginnen und dafür ein neues Independent Media Centre für Südwestdeutschland aufbauen: linksunten.indymedia.org. Unsere Organisationsphilosophie beruht auf Autonomie, Dezentralisierung und Solidarität. Wir wollen teilnehmend beobachten, nicht hierarchisch anleiten. Das neue IMC soll auf die Bedürfnisse der sozialen Bewegungen reagieren und ihnen solidarische Hilfe anbieten: Von den Bewegungen für die Bewegungen.

Warum gerade jetzt?

Im März 2008 wurde das Freiburger Moderationskollektiv von de.indymedia.org ausgeschlossen. Nach neun Monaten Moderationsarbeit mit vielen Streits wird für uns damit eine Neuorientierung im Indynetzwerk notwendig. Eine Dezentralisierung nach dem Vorbild von Indymedia UK (United Kollektives), also ein gemeinsames IMC mit getrennten Bereichen für die lokalen Kollektive und einer gemeinsamen Startseite, wurde von den verbliebenen ModeratorInnen abgelehnt. Aus diesem Grund werden wir ein von de.indymedia.org unabhängiges neues IMC gründen.


Worauf müssen wir achten?

Auch in dezentralen Netzen setzen sich Menschen mit mehr Kenntnissen durch, deshalb bedarf es einer Kultur des Austausches von Fähigkeiten und Kenntnissen als notwendige Voraussetzung für den Abbau informeller Hierarchien und der Verhinderung von Machtkonzentration auf wenige Menschen. Auch muss die dezentrale Struktur sensibel geplant werden, denn eine zu schnelle zu starke Dezentralisierung ohne ausreichende lokale Verankerung führt zum Scheitern von Projekten und damit zu Frustration und Niederlage.

Wie schützen wir uns?

Dezentralisierung führt zu mehr Knoten im Indynetz, wodurch die Gefahr von Angriffen auf einzelne Knotenpunkte steigt. Doch gerade die dezentrale Struktur Indymedias hat sich in der Vergangenheit als Stärke erwiesen. Die Beschlagnahme von Indyservern im Oktober 2004 durch das FBI konnte wie die Sperrung von Indymedia Istanbul im März 2008 durch das solidarische Netzwerk aufgefangen werden. Redundanz und Solidarität sind starke Waffen im Kampf gegen Repression.

Was wollen wir?

Wir wollen einen Prozess zur Gründung eines neuen IMCs in Südwestdeutschland beginnen. Wir laden alle Interessierten zu einem ersten Treffen vom 23.-25. Mai 2008 in das Autonome Zentrum KTS Freiburg ein, um mit uns die Zukunft von linksunten.indymedia.org zu gestalten. Wir streben eine Verankerung vor Ort durch lokale Indykollektive an, deshalb rufen wir zu einer breiten Beteiligung und lokaler Organisierung auf.

Think globally, act locally: Dezentralisierung jetzt!

Einige MedienaktivistInnen von Linksunten

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12. Internationale InkriT-Tagung in Esslingen

Vom 22.-25. Mai 2008 findet die 12. internationale InkriT-Tagung in Esslingen statt. InkriT steht für das Berliner Institut für kritische Theorie dessen wichtigste Aufgabe in der Herausgabe des Historisch-Kritischen Wörterbuchs des Marxismus (HKWM) besteht.

Das HKWM ist die derzeit ambitionierteste wissenschaftliche Publikation im Bereich des deutschsprachigen Marxismus. Dieses Jahrhundertprojekt spielt in der gleichen Liga wie die Edition von MEGA, der historisch-kritischen Neuausgabe der gesammelten Werke von Marx und Engels (vgl. die elektronische Edition von MEGA).

Das HKWM ist ein von über 800 WissenschaftlerInnen kooperativ erstelltes Wörterbuch zu ca. 1200 marxistischen Begriffen. Nach 10-jähriger Planungszeit erschien 1994 der erste Band („Abbau des Staates“ bis „Avantgarde“). Im Frühjahr 2008 wird der Band 7.I („Kaderpartei“ bis „Klonen“) erscheinen. Im Schnitt erscheint alle zwei Jahre ein neuer Band. Das Projekt erhält keinerlei staatliche Unterstützung und finanziert sich wesentlich aus der Subskription der jeweils erscheinenden Bände.

Bemerkenswert bei diesem Projekt ist, dass nicht nur klassische marxistische Begriffe wie etwa „Produktivkräfte“ oder „Akkumulation“ sondern auch Begriffe aus dem modernen Sprachgebrauch Eingang gefunden haben. Also gar nicht verstaubter Marxismus im Sinne einer simplen Marx-Exegese sondern der Versuch eigenständiger Theoriebildung zu Begriffen, die noch niemals in anderen marxistischen Wörterbüchern auftauchten.

Jeder Artikel zu einem Begriff ist ein Gemeinschaftswerk. Nach einem Entwurf durch einen Autoren / eine Autorin wird der Artikel auf den jährlich in Esslingen stattfindenden Wörterbuchwerkstätten vorgestellt, hart kritisiert und verteidigt. Ca. vier bis fünf sog. VotantInnen präsentieren vorbereitete Stellungsnahmen zu dem Artikel, anschliessend findet eine moderierte Debatte statt. Dies alles vollzieht sich in einer Art Seminar-Atmosphäre mit 15 bis 50 beteiligten Personen, die sich zu dem Thema auskennen, selbst dazu wissenschaftlich gearbeitet haben oder sonst etwas dazu beitragen können. In der Regel kommt es dort zu Erweiterungen, Korrekturen sowie sprachlichem Feinschliff an jedem einzelnen Satz. Es ist jedenfalls keine Veranstaltung zum bloßen Zuschauen und Konsumieren.

Besonders zentrale Begriffe wie z.B. „Kapitalismus“ werden auf Podiumsdiskussionen vorgestellt und können durchaus mehrere Jahre immer wieder überarbeitet werden. Dieses Jahr werden die Begriffe Kosmopolitismus (Gilbert Achcar, London), Konkurrenz (Bob Jessop, Lancaster), Krieg und Frieden (Norman Paech, Hamburg), Kriegsverbrechen (Gerd Hankel, Hamburg) auf Podien und anschliessend in den Werkstätten verhandelt. Dazu referieren auch Joachim Hirsch (Frankfurt/M), Wolf-Dieter Narr (Berlin), Christian Sigrist (Münster), Darko Suvin (Lucca) u.a.

Die weiteren Wörterbuch-Werkstätten sind: Knechtschaft (Alexis Petrioli, Berlin), Kohärenz (Peter Thomas, Brisbane), Kommunikation (Gerhard Zimmer, Hamburg), Kompromiss (Christian Wille, Berlin), Konstruktion (Thomas Weber, Berlin), Kontingenz (Juha Koivisto u. Mikko Lahtinen, Tampere), Kopftuchstreit (Frigga Haug, Esslingen), Kräfteverhältnis (Jens Wissel, Frankfurt/M), Kredit (Thomas Sablowski, Frankfurt/M), Kriminalroman (Stefan Howald, Dielsdorf/Schweiz), Leviathan (Bas Wielenga, Madurai/Indien), Macht (Rüdiger Haude, Wuppertal), Macchiavellismus (Frank Deppe, Marburg) u.a.

Vorgesehen ist zudem ein Workshop zur Frage „Das Kapital lesen – aber wie?“ und einer zur spezifischen Form von HKWM-Artikeln und den Problemen der Textbearbeitung.

Die Teilnahme an diesem spannenden Projekt ist ohne besondere Hürden für jedermann / jede Frau möglich. Ständig werden AutorInnen für die avisierten Begriffe gesucht und auch das Vorschlagen von neuen, bislang nicht geplanten Begriffen, ist jederzeit möglich. Ein guter Start in die Mitarbeit ist das unverbindliche Kennenlernen des Umfelds der AutorInnen und MitarbeiterInnen auf den Esslinger Tagungen, wo ca. 100 Personen aus der ganzen Welt zusammen kommen. Für den kleinen Geldbeutel gibt es Ermäßigungen und billige Unterkünfte. Anmeldungsunterlagen und ein genaues Tagungsprogramm sind demnächst hier zu finden.

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Argentinien – Chile – Bolivien: Ein anarchotouristischer Reisebericht

Südamerika: Kontinent der vereinigten linken Hoffnungen, von revolutionären Basisbewegungen bis zur Wiederbelebung von Sozialdemokratie und Staatskapitalismus, aber auch Kontinent der enttäuschten Hoffnungen, der niedergeschlagenen Aufstände, der Militärdiktaturen.

Ein dorthin gereister Genosse erzählt von seinen Eindrücken: Was bleibt von der Argentinischen Krise? Warum brodelt Chiles Jugend? Wie stehts mit dem Bolivien von Evo Morales? Was meinen die lokalen Anarchos und Anarchas zu all dem und wie sind sie aktiv? Und schliesslich: Was könnte das mit uns zu tun haben? Ein anarchotouristischer Reisebericht mit direktimportiertem Anschauungsmaterial, dazu bitteren Maté.

Freitag 18. April, 20h BlackBox

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Tübinger Mayday! Parade für Globale Soziale Rechte

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Mittwoch, 30. April 2008, 18 Uhr
Tübingen, Panzerhalle, Französisches Viertel, Aixer Straße
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Aufruf:

auch dieses Jahr gehen wir bei der MAYDAY! Parade gemeinsam für ein besseres Leben auf die Straße! Mit Musik und Tanz, Verkleidungen und bunten, kreativen und hierarchiefreien Aktionsformen …für Selbstbestimmung, ein schönes Leben für alle und globale soziale Rechte!

Immer mehr Menschen leben in unzumutbaren Verhältnissen. Viele arbeiten befristet oder ohne Vertrag, für Billiglöhne oder haben mehrere Jobs gleichzeitig. Prekäre Arbeitsverhältnisse treffen ganze Familien, zusammen mit der Reduzierung staatlicher Unterstützung gefährden sie das Wohlergehen und sogar die Ernährungssicherheit von Kindern. Das Einkommen und die soziale Herkunft bestimmen dank Studiengebühren und anderen Kommerzialisierungen in Bereichen der täglichen Daseinsvorsorge über den Zugang zu Bildung. Und nach dem Studien- oder Ausbildungsabschluss hangeln sich viele inzwischen von einem unbezahltem Praktikum zum nächsten oder arbeiten als Leiharbeiter in Zeitarbeitsunternehmen. Bildung, Gesundheitsversorgung und Altersbetreuung sind abhängig vom Geldbeutel geworden. Steigende Mieten, die Privatisierung des öffentlichen Raumes und verschärfte Kontrolle bestimmen die Entwicklung der Stadt – auch die „unserer schönen Insel Tübingen“.

WR WOLLEN SELBST SPRECHEN UND HANDELN FÜR SOZIALE GLOBALE RECHTE ÜBERALL!

Freien Zugang zu allem, was Menschen für ein Leben in Würde brauchen, unabhängig von Herkunft, Geschlecht, Hautfarbe, mit oder ohne Arbeit: Gebührenfreie Gesundheitsversorgung, Bildung, Wohnen, Nahrung, Kultur, Freiheit, Bleiberecht und Bewegungsfreiheit für alle!

Für die Parade organisieren wir Lautsprecherwagen mit Soundsystem und Musik. An symbolischen Orten auf der Strecke gibt es kurze Beiträge in Form von kreativen Aktionen, Theater, Performance, Gedichten, Liedern… Abgerundet wird das Ganze durch geschmückte Fortbewegungsmittel zu verschiedenen Themen, Verkleidungen, Jonglage, Stelzen, Großpuppen und allem was Euch einfällt, um die Parade bunt zu machen und inhaltlich zu füllen.

ES IST NICHT NÖTIG, DIE WELT ZU EROBERN. ES REICHT, SIE NEU ZU SCHAFFEN. DURCH UNS. HEUTE.
(Zapatistische Befreiungsbewegung, Chiapas, Mexico)

http://tuebingermaydayparade.twoday.net

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Lesetipp: Das Lager als Struktur bundesdeutscher Flüchtlingspolitik.

Dissertation von Tobias Pieper. Eine empirische Untersuchung zur politischen Funktion des bürokratischen Umgangs mit MigrantInnen in Gemeinschaftsunterkünften und Ausreiseeinrichtungen in Berlin, Brandenburg und Bramsche / Niedersachsen

http://www.diss.fu-berlin.de/2008/194/index.html

Zusammenfassung

Asylsuchende, de facto Flüchtlinge und geduldete MigrantInnen werden seit 1982 in lagerähnlichen Gemeinschaftsunterkünften untergebracht, die dezentral über das Bundesgebiet verteilt liegen. Dieses System wird als dezentrales halboffenes Lagersystem gefasst, der Lagerbegriff kritisch diskutiert (Agamben, Goffman, Herbert). Die Einwanderungsgeschichte in die Bundesrepublik Deutschland wird unter dem Gesichtspunkt der Lagerinstallation seit 1945 aufgerollt. Derzeit sind immer noch über 100.000 Menschen davon betroffenen, mit dem ‚Zuwanderungsgesetz’ wurden Ausreiseeinrichtungen (Ausreisezentren/Abschiebelager) zur Forcierung ‚freiwilliger’ Ausreisen als neue Lagerform kodifiziert. Der Einschluss der MigrantInnen in der gesellschaftlichen Exklusion findet weitgehend hinter dem Rücken einer kritischen Öffentlichkeit statt. Diese Forschungsarbeit geht von der Analyse des Sozialraums Lagers aus der Perspektive seiner BewohnerInnen aus und erarbeitet Strukturdimensionen, die diesen analytisch fassbar machen. Es eröffnet sich ein potentiell rechtfreier Raum, der systematische Menschenrechtsverletzungen produziert. Von raum-, rassismustheoretischen und sicherheitstechnologischen Überlegungen ausgehend wird eine Analyse der politischen, ökonomischen und ideologischen Funktionen das dezentrale Lagersystem erarbeitet. Eingebettet in kritisch-materialistische Theorieansätze wird ein fundierter Begriff des institutionellen Rassismus (Hall, Bourdieu) entworfen. Die Entrechtung von MigrantInnen und deren Einschluss im Lager wird dann in seinen historischen Dimensionen fassbar als wichtiger Regulationsmodus der Einwanderungsbewegungen in die Bundesrepublik Deutschland.